Brustlöser.

Oh, wie eminent wichtig waren diese drei Punkte!?

Trainer Slomka sprach vor der Partie von einem „Überholspiel“, und tatsächlich schob sich der HSV mit diesem nicht unverdienten Sieg an den Nürnbergern vorbei auf Rang 14. Zum ersten Mal seit Ichweißgarnichtmehrwann auf einem Nichtabstiegsplatz zu stehen ist ein verdammt gutes Gefühl. Und wie schön ist es bitte, gegen direkte Konkurrenten zu gewinnen?

Der Sieg gegen den Club war gerecht, daran gibt es nichts zu rütteln. Wir traten leidenschaftlich auf, der Gegner stellte sich hinten rein – eben so, wie man gewöhnlich gegen den HSV gewinnt; das Spiel machen, dass können wir immer noch nicht. Eigentlich nicht. Diesmal schienen das unsere Lieblinge auf dem Rasen vergessen zu haben. Und so erarbeiteten und, ja, erspielten sie sich eine ganze Reihe hochkarätiger Chancen. Selbst der viel gescholtene Jacques Zoua spielte und über seine Verhältnisse und traf sogar den Pfosten.

Sehr lobenswert ist, dass der HSV auch mit zunehmender Spieldauer nicht nervös wurde und seinen Stiefel weiter herunterspulte. Wie sonst nur die Bayern (nicht, dass der HSV ansatzweise einen Vergleich mit dem FCB standhalten könnte…), denen es egal ist, wann ihr Tor fällt, weil sie eben wissen, dass es irgendwann fällt, spielte auch der HSV seinen Verhältnissen entsprechend ruhig und angeklärt weiter, bis es dann eben klingelte. Bis zur 80. Minute dauerte es, bis Hakan Calhanoglu seinen Gegenspieler Hanno Balitsch ganz alt aussehen ließ und den Ball in die Maschen knallte, wie es in der Bundesliga eben nur ein Calhanoglu tut. Der Junge macht mir eine solche Freude, dass ich spontan nochmal ein dickes Dankeschön an die Weser schicken möchte, weil der dort ansässige Klub es seinerzeit nicht schaffte, unseren nun wichtigsten Spieler für die kommenden Jahre zu verpflichten.

Dass der HSV nach der eigentichen beruhigenden 2:0-Führung wieder nicht routiniert genug war, dass Spiel zu Null zu beenden: kratzt mich nicht. Das ist der HSV 2014. Früher hätte ich mich über einen solchen Spielverlauf geärgert, heute freue ich mich darüber, dass alles gut ging, zumal es ja nochmal richtig brenzlig wurde. Doch wir haben ja noch einen Keeper, der zur WM möchte, und in der letzten Szene des Spiels hat er eine gute Bewerbung abgeliefert. Wieviele andere Bundesligakeeper hätten den Freistoß gehalten?

So sehr ich mich über die drei Punkte freue: Sie sind nichts wert, wenn jetzt – und damit meine ich die nächsten beiden Partien – nicht weiter gepunktet wird. In Stuttgart und gegen Freiburg werden die wirklichen Big Points ausgespielt. Vier Punkte wäre riesig, ich wäre zur Not auch mit dreien zufrieden. Die aber müssen es wirklich sein. Schaffen wir das, glaube ich wieder an den Klassenerhalt.

Saison 12/13:

1. Spieltag: Nürnberg (H) 0:1, 0 Punkte (Torverhältnis: -1)
2. Spieltag: Bremen (A) 0:2, 0 Punkte (-3)
3. Spieltag: Eintracht Frankfurt (A) 2:3, 0 Punkte (-4)
4. Spieltag: Borussia Dortmund (H) 3:2, 3 Punkte (-3)
5. Spieltag: Borussia Mönchengladbach (A) 2:2, 4 Punkte (-3)
6. Spieltag: Hannover 96 (H) 1:0, 7 Punkte (-2)
7. Spieltag: Greuther Fürth (A) 1:0, 10 Punkte (-1)
8. Spieltag: VfB Stuttgart (H) 0:1, 10 Punkte (-2)
9. Spieltag: FC Augsburg (A) 2:0, 13 Punkte (0)
10. Spieltag: Bayern München (H) 0:3, 13 Punkte (-3)
11. Spieltag: SC Freiburg (A) 0:0, 14 Punkte (-3)
12. Spieltag: Mainz 05 (H) 1:0, 17 Punkte (-2)
13. Spieltag: Fortuna Düsseldorf (A) 0:2, 17 Punkte (-4)
14. Spieltag: FC Schalke 04 (H) 3:1, 20 Punkte (-2)
15. Spieltag: VfL Wolfsburg (A) 1:1, 21 Punkte (-2)
16. Spieltag: 1899 Hoffenheim (H) 2:0, 24 Punkte (0)
17. Spieltag: Bayer Leverkusen (A) 0:3, 24 Punkte (-3)
18. Spieltag: 1. FC Nürnberg (A) 1:1, 25 Punkte (-3)
19. Spieltag: Bremen (H) 3:2, 28 Punkte (-2)
20. Spieltag: Eintracht Frankfurt (H) 0:2, 28 Punkte (-4)
21. Spieltag: Borussia Dortmund (A) 4:1, 31 Punkte (-1)
22. Spieltag: Borussia Mönchengladbach (H) 1:0, 34 Punkte (0)
23. Spieltag: Hannover 96 (A), 1:5, 34 Punkte (-4)
24. Spieltag: Hamburger SV – SpVgg Greuther Fürth 1:1, 35 Punkte (-4)
25. Spieltag: VfB Stuttgart – Hamburger SV 0:1, 38 Punkte (-3)

Saison 13/14:
1. Spieltag: Schalke (A) 3:3, 1 Punkt (Torverhältnis: 0)
2. Spieltag: 1899 (H) 1:5, 1 Punkt (-4)
3. Spieltag: Hertha BSC (A) 0:1, 1 Punkt (-5)
4. Spieltag. Eintr. Braunschweig (H) 4:0, 4 Punkte (-1)
5. Spieltag: Borussia Dortmund (A) 2:6, 4 Punkte (-5)
6. Spieltag: Werder Bremen (H) 0:2, 4 Punkte (-7)
7. Spieltag: Eintracht Frankfurt (A) 2:2, 5 Punkte (-7)
8. Spieltag: 1. FC Nürnberg (A) 5:0, 8 Punkte (-2)
9. Spieltag: VfB Stuttgart (H) 3:3, 9 Punkte (-2)
10. Spieltag: SC Freiburg (A) 3:0, 12 Punkte (1)
11. Spieltag: Bor. M’gladbach (H) 0:2, 12 Punkte (-1)
12. Spieltag: Bayer Leverkusen (A) 3:5, 12 Punkte (-3)
13. Spieltag: Hannover 96 (H) 3:1, 15 Punkte (-1)
14. Spieltag: VfL Wolfsburg (A) 1:1, 16 Punkte (-1)
15. Spieltag: FC Augsburg (H) 0:1, 16 Punkte (-2)
16. Spieltag: FC Bayern (A), 1:3, 16 Punkte (-4)
17. Spieltag: FSV Mainz (H) 2:3, 16 Punkte (-5)
18. Spieltag: Schalke 04 (H) 0:3, 16 Punkte (-8)
19. Spieltag: 1899 Hoffenheim (A) 0:3, 16 Punkte (-11)
20. Spieltag: Hertha BSC (H) 0:3, 16 Punkte (-14)
21. Spieltag: Eintracht Braunschweig (A) 2:4, 16 Punkte (-16)
22. Spieltag: Borussia Dortmund (H) 3:0, 19 Punkte (-13)
23. Spieltag: Heiner Bremer (A) 0:1, 19 Punkte (-14)
24. Spieltag: Eintracht Frankfurt (H) 1:1, 20 Punkte (-14)
25. Spieltag: 1. FC Nürnberg (H) 2:1, 23 Punkte (-13)

Veränderung: 15 Punkte schlechter (zehn Tore schlechter)

Platzierung nach dem Spieltag:
2012/13: 6
2013/14: 14

Veränderung: Acht Plätze schlechter

Saison 12/13:
Schalke – Hamburger SV 4:1
Hamburger SV – Hoffenheim 2:0
Fortuna Düsseldorf* – Hamburger SV 2:0
Hamburger SV – SpVgg Greuther Fürth* 1:1
Borussia Dortmund – Hamburger SV 1:4
Hamburger SV – Werder Bremen 3:2
Eintracht Frankfurt – Hamburger SV 3:2
1. FC Nürnberg – Hamburger SV 1:1
Hamburger SV – VfB Stuttgart 0:1
SC Freiburg – Hamburger SV 0:0
Hamburger SV – Bor. M’gladbach 1:0
Bayer Leverkusen– Hamburger SV 3:0
Hamburger SV – Hannover 96 1:0
VfL Wolfsburg – Hamburger SV 1:1
Hamburger SV – FC Augsburg 0:1
FC Bayern – Hamburger SV 9:2
Hamburger SV – FSV Mainz 1:0
Hamburger SV – Schalke 04 3:1
1899 Hoffenheim – Hamburger SV 1:4
Hamburger SV – Fortuna Düsseldorf 2:1
Greuther Fürth – Hamburger SV 0:1
Hamburger SV – Borussia Dortmund  3:2
Heiner Bremer – Hamburger SV 2:0
Hamburger SV – Eintracht Frankfurt 0:2
Hamburger SV – 1. FC Nürnberg 0:1

37 Punkte, 33:39 Tore

Saison 13/14
Schalke – Hamburger SV 3:3
Hamburger SV – Hoffenheim 1:5
Hertha BSC* – Hamburger SV 1:0
Hamburger SV – Eintracht Braunschweig* 4:0
Borussia Dortmund – Hamburger SV 6:2
Hamburger SV – Werder Bremen 0:2
Eintracht Frankfurt – Hamburger SV 2:2
1. FC Nürnberg – Hamburger SV 0:5
Hamburger SV – VfB Stuttgart 3:3
SC Freiburg – Hamburger SV 0:3
Hamburger SV – Bor. Mönchengladbach 0:2
Bayer Leverkusen – Hamburger SV 5:3
Hamburger SV – Hannover 96 3:1
VfL Wolfsburg – Hamburger SV 1:1
Hamburger SV – FC Augsburg 0:1
FC Bayern – Hamburger SV 3:1
Hamburger SV – FSV Mainz 2:3
Hamburger SV – Schalke 04 0:3
1899 Hoffenheim – Hamburger SV 3:0
Hamburger SV – Hertha BSC* 0:3
Eintracht Braunschweig* – Hamburger SV 4:2
Hamburger SV – Borussia Dortmund 3:0
Heiner Bremer – Hamburger SV 1:0
Hamburger SV – Eintracht Frankfurt 1:1
Hamburger SV – 1. FC Nürnberg 2:1

23 Punkte, 41:54 Tore

Veränderung: 14 Punkte schlechter, 7 Tore schlechter

*Hertha ersetzt in diesem Vergleich Düsseldorf, Braunschweig Greuther Fürth.

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Für eine halbe Stunde Fan vom 1. FC Nürnberg*

Nein, es ist nicht leicht, HSV-Fan zu sein. Ich möchte gar nicht näher darauf eingehen – warum dies so ist, weiß jeder. Und falls nicht: Als Stichworte mögen die Begriffe „Sportdirektorensuche“ und „Aufsichtsrat“ dienen, und sollten diese nicht reichen, nehme man „zu hohe Erwartungshaltung seitens der Verantwortlichen“ oder einfach nur „Trainer“ hinzu. Das eine oder andere Mal habe ich mir in den vergangenen Wochen die Frage gestellt, warum ich denn ausgerechnet Fan dieses Vereins sein muss.

Was wäre, wenn ich beispielsweise Fan des 1. FC Nürnberg wäre? Wäre ich in dieser Saison zufriedener gewesen?

Über den Auftritt im DFB-Pokal hätte ich mich nicht weniger geärgert als über die HSV-Blamage gegen den Drittligisten KSC: Der Club schied in Runde eins gegen den Regionalligisten TSV Havelse aus.

Immerhin hätte es einen guten Start in die Bundesligasaison gegeben: Der HSV wurde mit 1:0 aus dem Stadion gefegt. Und zwar aus seinem eigenen. Überhaupt war Nürnberg in dieser Serie auswärtsstark: Siege auf Schalke, in Mönchengladbach, Augsburg, Düsseldorf und eben beim HSV sowie fünf Remis, u. a. in Frankfurt, sorgten für 15 genügend Punkte und Zufriedenheit mit der Bilanz auf fremdem Terrain.

Auch daheim lief es gut: Insgesamt 27 Punkte in 17 Spielen können sich für eine Mannschaft wie den 1. FC Nürnberg, dessen oberste Prämisse es war, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, sehen lassen. Zwischenzeitlich schnupperten die Franken sogar ganz zart an der Europa League. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Dies ist sogar noch höher zu bewerten, wenn man sich vor Augen hält, dass sich der langjährige Cheftrainer Dieter Hecking kurz vor Weihnachten in Richtung Wolfsburg verabschiedete und durch den bundesligaunerfahrenen Michael Wiesinger ersetzt wurde. Die Notlösung entpuppte sich als Glücksfall. Wiesinger holte insgesamt 24 der 44 Punkte und hatte somit maßgeblichen Anteil an einer gelungenen Saison, die wie erwähnt sogar noch besser hätte werden können, wenn es da nicht diese kleine Schwächeperiode zum Ende der Saison gegeben hätte. Die Spiele 29 bis 32 gingen allesamt verloren.

Das große Problem der Nürnberger war ihre Offensivschwäche. Dass mit Per Nilsson ein Defensiver die meisten Tore, nämlich sechs, erzielte, sagt alles. Insgesamt trafen die Clubberer nur 39-mal – da muss man froh sein, dass die Abwehr einigermaßen hielt. Es gab nur 47 Gegentore. Am Ende sprang Platz zehn heraus, so wie im Jahr zuvor.

Fazit: Der 1. FC Nürnberg hat aus seinen wenigen Möglichkeiten mehr herausgeholt als von mir erwartet und lavierte sich mehrfach aus Tälern heraus. Am Ende landete er sogar weiter oben als ich ihn erwartet hätte. Ich wäre als Fan des 1. FC Nürnberg definitiv zufriedener gewesen als ich es als HSV-Fan bin.

Aktuell:
1. FC Nürnberg > HSV

(*In loser Reihenfolge werde ich mich in den nächsten Wochen fragen, ob ich als Fan jeweils eines anderen Vereins zufriedener mit dem Saisonverlauf „meines“ Teams gewesen wäre.)