Genervt

Der HSV hat beim VfL Wolfsburg verloren und befindet sich wieder in der Abstiegszone. Hinzu kommt, dass er es wieder einmal nicht geschafft hat, einem Spiel seinen Stempel aufzudrücken.

Das sind die Fakten.

Und ja, der HSV schießt verdammt nochmal zu wenig Tore, was dazu führt, dass er zu wenig punktet – auch das lässt sich nicht von der Hand weisen. Aber bitte, liebe selbsternannte Experten: Die bisher erzielten Tore auf die Saison hochzurechnen und aufgrunddessen Horrorszenarien aufzumalen – ist das Euer Ernst? Nach nur wenigen Spielen den Trainer in Frage zu stellen (ja, auch das habe ich gelesen) – und ich soll mit Euch darüber ernsthaft diskutieren und kostbare Freizeit verschwenden? Und „Als AG läuft’s auch nicht besser, habe ich ja gleich gesagt“? Ehrlich? Ich habe seit dem Wochenende so viel Quatsch gelesen, dass ich – und das finde ich wirklich schlimm – langsam die Lust verliere, mich zum HSV zu äußern. Ich lasse mich „gern“ von Fans anderer Klubs zutexten, weil die den HSV doof finden, weil der HSV verloren hat, warum auch immer. Das ist vollkommen in Ordnung. Aber wenn Leute aus dem eigenen Lager anfangen, Milchmädchenrechnungen aufzumalen und um des Meckerns Willen meckern, geht mir die Hutschnur hoch. Das sind im übrigen fast immer die Leute, die nach einem Sieg vom Europapokal träumen.

Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch grau. Und das in vielen Nuancen.

Der HSV hat eine schwache Partie abgeliefert, ohne Frage. Aber es ist, wie es ist: Er ist nunmal eine Mannschaft, die gegen den Abstieg spielt. Von einer solchen kann und werde ich nicht verlangen, dass sie in jedem Spiel den Gegner dominiert und mit einer Packung nach Hause schickt. Als eine gegen den Abstieg spielende Mannschaft verliert man in einer Saison rund 18 Partien. Wenn Du Glück hast, gewinnst Du ein paar, sagen wir: sieben. Die restlichen Partien gingen dann remis aus. So ist das nunmal. Niederlagen in einer größeren Zahl gehören somit zu einer ganz normalen Saison des HSV. Besonders, wenn es gegen Spitzenteams wie den VfL Wolfsburg geht. Und ich, dessen Verein in dieser Saison erst sechsmal verloren hat, also sich gerade mal ein Drittel aller eben errechneten Niederlagen abgeholt hat, soll mir diese Meinungen und Schwachsinnsparolen bis Mai (mindestens) noch zwölf weitere Male anhören und lesen müssen? Nein, da mache ich nicht mit.

Sollen die ewigen Nörgler und Besserwisser und Schwarzseher so weitermachen – dann aber ohne mich. Dann werde ich mich eben zukünftig in meinem stillen Kämmerlein über Siege des HSV freuen und mich über Niederlagen ärgern. Aber ich muss mir keine dümmlichen Kommentare auf Facebook, Twitter und auf Online-Seiten und in Gazetten mehr zu Gemüte führen. Schöner, aber auch utopischer, wäre: Sie hinterfragen ihre Nörgeleien. Als kleine Hilfestellung dient hierbei eventuell dieser Ansatz: Wie motiviert wäre ich selbst, wenn ich bei jedem Fehler aus jeder Richtung Dauerfeuer bekomme?

 

Sp.    Gegner 2013/14          Ergebnis                   Gegner 2014/15         Ergebnis

1        Schalke 04 (A)             3:3 (1 Punkt)            1. FC Köln (A)             0:0 (1 Punkt)
2        Hoffenheim (H)          1:5 (0 Punkte)          SC Paderborn (H)      0:3 (0 Punkte)
3        Hertha BSC (A)           0:1 (0 Punkte)          Hannover 96 (A)        0:2 (0 Punkte)
4        Braunschweig (H)      4:0 (3 Punkte)          FC Bayern (H)            0:0 (1 Punkt)
5        Dortmund (A)             2:6 (0 Punkte)          M’gladbach (A)          0:1 (o Punkte)
6        Bremen (H)                  0:2 (0 Punkte)          Frankfurt (H)             1:2 (0 Punkte)
7        Frankfurt (A)               2:2 (1 Punkt)           Dortmund (A)             1:0 (3 Punkte)
8        Nürnberg (A)               5:0 (3 Punkte)         Hoffenheim (H)          1:1 (1 Punkt)
9        Stuttgart (H)                3:3 (1 Punkt)           Berlin (A)                     0:3 (0 Punkte)
10      Freiburg (A)                 3:0 (3 Punkte)        Leverkusen (H)           1:0 (3 Punkte)
11      Gladbach (H)                0:2 (0 Punkte)        Wolfsburg (A)             0:2 (0 Punkte)

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11                                           23:24 (12 Punkte)                                            4:14 (9 Punkte)

 

Vergleich: Der HSV steht aktuell 3 Punkte und neun Tore schlechter da als in der vorigen Saison.

 

Platzierung nach dem Spieltag:
2013/14: 14
2014/15: 17

Veränderung: drei Plätze schlechter

 

Sp.    Mannschaft                                2013/14                    2014/15

1         Nürnberg/Köln* (A)                      5:0 (3 Punkte)           0:0 (1 Punkt)
2         Braunschweig/Paderb.* (H)       4:0 (3 Punkte)            0:3 (0 Punkte)
3         Hannover 96 (A)                            1:2 (0 Punkte)            0:2 (0 Punkte)
4         FC Bayern (H)                                 1:4 (0 Punkte)            0:0 (1 Punkt)
5         M’gladbach (A)                               1:3 (0 Punkte)            0:1 (0 Punkte)
6         Frankfurt (H)                                  1:1 (1 Punkt)              1:2 (0 Punkte)
7         Dortmund (A)                                 2:6 (0 Punkte)            1:0 (3 Punkte)
8         Hoffenheim (H)                              1:5 (0 Punkte)            1:1 (1 Punkt)
9         Berlin (A)                                         0:1 (0 Punkte)            0:3 (0 Punkte)
10       Leverkusen (H)                              2:1 (3 Punkte)             1:0 (3 Punkte)
11       Wolfsburg (A)                                 1:1 (1 Punkt)               0:2 (0 Punkte)

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11                                                              18:24 (11 Punkte)          4:14 (9 Punkte)

Veränderung: Der HSV steht aktuell 2 Punkte und 4 Tore schlechter da als in der vorigen Saison.

 

*Köln ersetzt in diesem Vergleich Nürnberg, Paderborn Braunschweig.

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Meine kleine Bundesligavorschau: Zieleinlauf

Nachdem der VfL Wolfsburg bekanntgegeben hatte, Lord Bendtner verpflichtet zu haben, hatte ich kurzzeitig überlegt, meine diesem Verein zugetane Platzierung noch einmal zu überdenken und die Wolfsburger nicht auf Platz zwei zu tippen. Nach reiflicher, sekundenlanger Überlegung kam ich zu dem Entschluss, dass ich den Deal zwar für ein deutliches Anzeichen dafür halte, dass Thomas Klaus Allofs bald wieder zu alter (und letzter) Bremenform aufläuft, aber selbst Bendtner es nicht schaffen kann, für so viel Unruhe zu sorgen, dass Wolfsburg nicht Zweiter wird.

In der vergangenen Zeit war ich unter anderem damit beschäftigt, meine kicker-Interactive-Kader zusammenzustellen. Hierbei fiel mir immer wieder auf, wie gut der VfL Wolfsburg auf vielen Positionen besetzt ist. Max Grün ist ein guter Vertreter Diego Benaglios im Kasten, in der Abwehr reihen sich Namen wie Naldo, Rodriguez, Jung und Knoche aneinander. Fällt davon jemand aus, stehen arrivierte Kräfte wie Träsch, Ochs, Schäfer und Klose bereit. Oder andersrum. Prunkstück der Wolfsburger ist das Mittelfeld: Arnold, De Bruyne, Hunt, Luiz Gustavo, Vierinha. Perisic, Junior Malanda, Caligiuri. Es gibt Schlimmeres. Und vorn? Ja, Bendtner. Aber auch Olic, den gefühlt 25-Jährigen. Naja, und Dost. Alles in allem sehe ich nur wenige Kader in der Bundesliga, die in punkto Ausgeglichenheit mithalten können.

Fazit: Ich glaube an eine Überraschung und tippe Wolfburg auf Platz zwei.

Zwei Positionen darunter reiht sich Schalke 04 ein, und ich weiß jetzt schon, dass allein diese Aussage dafür sorgen wird, dass mir der eine oder andere Gelsenkirchener Fan mindestens attestieren wird, dass ich keine Ahnung vom Fußball habe. Stimmt womöglich sogar. Aber ich sehe es nunmal so: Schalke hinter Bayern, Wolfsburg und ja, sogar Dortmund.

Ein Torwartproblem werden die Schalker nicht bekommen: Giefer und Wetklo kamen, gut eingekauft, fertig. Aber der Rest? Ich halte Maxim Choupo-Moting nicht für so stark, dass er Schalke qualitativ verbessern kann. Ebenso Sidney Sam. Nein, da spricht keine verletzte HSV-Seele, ich empfinde das einfach so. Für mich stellen sie Bundesligamittelmaß dar, wenngleich sie beide bereits Länderspiele absolviert haben. Der (vorübergehende Verlust) eines Kyriakos Papadopoulos wiegt in meinen Augen schwer. Wer ersetzt ihn? Santana? Matip? Ich weiß es nicht, und ich bin gespannt, ob Trainer Keller eine Antwort parat hält.

Fazit: Alles in allem finde ich den Kader Schalkes – auch nach dem Wechsel Adam Szalais nach Hoffenheim – etwas schwächer als zuvor, deshalb geht es runter. Ist natürlich alles „Jammern auf hohem Niveau“.

Auch beim nächtsten KLub werden mir wahrscheinlich einige vorwefen, ich sehe das Ganze zu sehr durch die HSV-Brille. Aber: Ich halte den Kader des SV Werder Bremen für schwach. Sehr schwach. Fast so schwach wie den des HSV der vergangenen Saison, wobei ich glaube, dass der 16. der kommenden Saison mehr als 27 Punkte holen wird. Sebastian Mielitz ist weg, und das halte ich grundsätzlich für gar nicht so übel aus Bremer Sicht: Das Problem: Wolf ist da, und der ist meines Erachtens auch eher unteres Bundesliganiveau. Die Stützen der Abwehr sind Sebastian Prödl und Kapitän Clemens Fritz – auch das sagt einiges über die Qualität der Hintermannschaft aus. Garcia, Caldirola: laufen mit, ich halte sie ebenfalls nicht herausragend. Im Mittelfeld tummeln sich die beiden Königstransfers: Izet Hajrovic, von dem ich bis jetzt nur sein großes Selbstbewusstein kennengelernt habe, und der mich nicht nur wegen seiner Namensendung an Herrn Arnautovic erinnert. Und, hust, Fin Bartels. Daneben werden sich nach dem Wechsel von Aaron Hunt Spieler wie Kroos (der Kleine), Junuzovic (immerhin), Aycicek, Yildirim, Obraniak, Gebre Selassie, van Haacke, Makiadi oder Bargfrede gesellen. Angst macht mir das nicht, und wenn, dann höchstens um Werder. Und der Sturm? Da ging es qualitativ nach oben – weil Akpala weg ist. Elia wird kein Topstürmer mehr. Allerdigs gestehe ich, dass ich Petersen, di Santo und Selke, auf den ich sehr gespannt bin, als Mix gut finde.

Fazit: Vorn wird’s das eine oder andere Mal klingeln, ja. Hinter aber noch öfter. Bremen wird’s schwer haben und am Ende – auch, weil ich Robin Dutt und einen nur wenig bundesligareifen Trainer halte – den Platz einnehmen, den wir 2013/14 hatten. Viel Spaß in der Relegation gegen Greuther Fürth.

Kommen wir zum HSV.

Platzierungstechnisch erwarte ich keine große Steigerung, siehe unten. Erhoffen tue ich mir natürlich eine ganze Menge. Vom HSV und vom Umfeld. Unter anderem, dass wir mit einem erkennbaren System spielen, dass sich die Spieler den Allerwertesten aufreißen und dass „von außen“ Ruhe einkehrt.

Der HSV ist finanziell nicht auf Rosen gebettet (eine kühne Behauptung, ich weiß), gemessen daran finde ich die Neuzugänge gut, womöglich sogar sehr gut. Mit Matthias Ostrzolek kommt ein bissiger Linksverteidiger aus Augsburg, der schon Weltklasseszenen gegen den FC St. Pauli hatte und deshalb grundsympathisch ist. Sollte er Jansen nicht hinten links beerben, so wird er ihm zumindest Feuer unterm Hintern machen. Passt. Valon Behrami wurde, das habe ich zumindest gelesen, halb Europa angeboten, und landete beim HSV. Was das über die Qualität des Spielers aussagt, wird sich zeigen. Mir gefiel er bei den wenigen Auftritten, die ich gesehen habe (zugegebenermaßen in unwichtigen Testspielen), gut. Eventuell hat man den Schweizer im Vorfeld eines möglichen Transfers Milan Badeljs irgendwohin verpflichtet. Das fände ich schade, denn ich freue mich auf die gemeinsame Doppelsechs mit den beiden. Im Gegensatz zu Arslan hat Behrami – so meine ich – seine Nerven im Griff und verfügt über ein hohes Maß an Routine. Das sind nicht die schlechtesten Voraussetungen. Zoltan Stieber muss seine Bundesligatauglichkeit dauerhaft unter Beweis stellen. Ich mag aber seine Skills: Er ist schnell und trickreich, tendenziell ein Instinktfußballer. Nicolai Müller ist meiner Meinung nach eine große Verstärkung. Auch er ist technisch versiert und hat nicht nur eine schnelle Auffassungsgabe, sondern ebensolche Beine. Ich freue mich auch ihn und hoffe, dass er nicht so viele kleine Nicklichkeiten bekommen wird, die ihn zu Pausen zwingen. So wie aktuell. Neulich bei n-tv sprach ich mich für folgende Stammstartelf aus: Adler – Diekmeier, Djourou, Tah, Ostrzolek – Behrami, Badelj – Jansen, van der Vaart, Müller – Lasogga. Momentan spielt Tah keine große Rolle, daher ersetze ich ihn durch – hmpf – Westermann.

Fazit: Diese Elf (und ihre restlichen Mannschaftsmitglieder) werden stark genug sein, am Ende vor Werder und vor allem besser als in der vorigen Saison dazustehen. Wenn auch nicht viel: Platz 15 traue ich uns zu, wenngleich mit rund zwölf bis fünfzehn Punkten mehr als 2013/14.

 

Und so wird die Bundesligatabelle nach dem 34. Spieltag aussehen:

1. FC Bayern
2.VfL Wolfsburg
3. Borussia Dortmund
4. Schalke 04
5.  Borussia Mönchengladbach
6. Bayer Leverkusen
7. 1899 Hoffenheim
8. SC Freiburg
9.   1. FSV Mainz 05
10. 1. FC Köln
11. Hannover 96
12. Hertha BSC
13. FC Augsburg
14. Eintracht Frankfurt
15. Hamburger SV
16. Heiner Bremer
17. VfB Stuttgart
18. SC Paderborn

Das glaubt Ihr nicht? Dann kommentiert meine kleine Vorschau gern und gebt mir Saures.

Maximal Relegation

Ich war in der glücklichen Lage, das Spiel gegen den VfL Wolfsburg von einem wirklich hervorragenden Platz aus sehen zu können. Direkt an der Mittellinie, 14. Reihe, beste Sicht.

Was ich von hier aus sehen konnte, gefiel mir weniger. Ob der VfL Wolfsburg hierbei guten Fußball gespielt hat, und das hat er in der Tat, interessierte mich dabei nicht die Bohne. Wichtig war mir, zu sehen, wie sich der HSV präsentiert. Und das war in der ersten Spielhälfte: erbärmlich.

Ich habe keine Statistiken zur Hand und möchte sie mir auch eigentlich gar nicht ansehen. Ich weiß, das sie mich erschüttern würden, würde ich es tun. In den ersten 45 Minuten habe ich einen völlig verunsicherten, spiel- und zweikampfschwachen HSV gesehen. Nachdem nach weniger als zwei Minuten gleich die erste wichtige Aktion in die Binsen ging, nämlich auf Abseits zu spielen, zappelte der Ball auch schon im Netz. Ein Fehlstart par excellence.

Erst im zweiten Durchgang habe ich gesehen, was ich als Fan einer Mannschaft, die im Tabellenkeller steckt und die mit spielerischen Mitteln nicht gegen ihren Gegner ankommt, erwarten kann: Zweikämpfe, ein paar davon sogar gewonnen. Natürlich war der Drops da schon längst gelutscht. Doch darauf kam es mir längst nicht mehr an. Es war das einzig Positive, was ich an diesem Tage bemerkt habe: Da waren Spieler, die sich gegen die Übermacht des Gegners und gegen die drohende Niederlage aufzubegehren versuchten.

Ich möchte in den folgenden Zeilen gar nicht erst versuchen, (wieder) den Schuldigen für den Misserfolg dieser Saison zu finden. Sondern ganz objektiv feststellen: Dem HSV 2014 fehlt es an jeder Menge Qualität hinter der ersten Elf.

Wie gesagt: Ich möchte dies gar nicht rechtfertigen, sondern einfach nur feststellen. Und kurz aufzeigen, dass bei aller Unfähigkeit verschiedenster Gremien ein wichtiger Punkt nicht außer Acht gelassen werden sollte: das Verletzungspech (und ich betone nochmals, dass dies nur ein Punkt von vielen ist.).

Ich habe mir mal angesehen, wie oft die Spieler, denen ich einen Stammplatz zuschreiben würde, verletzungsbedingt gefehlt haben (bis einschließlich 31. Spieltag). Und diese Statistik ist gar nicht mal so schön.

Torwart:
René Adler verpasste vier Spiele

Abwehr:
Dennis Diekmeier verpasste 14 Spiele
Heiko Westermann verpasste vier Spiele
Johan Djourou verpasste sieben Spiele
Marcell Jansen verpasste zwölf Spiele

Mittelfeld:
Milan Badelj verpasste vier Spiele
Rafael van der Vaart verpasste sechs Spiele
Ivo Ilicevic verpasste zwölf Spiele
Maxi Beister verpasste 14 Spiele

Angriff:
Pierre-Michel Lasogga verpasste sieben Spiele

Hinzu kommt:
Meiner Meinung nach haben mehrere Trainer das Talent eines Slobodan Rajkovic, eventuell sogar eines Michael Mancienne verkannt. Boban kam erstmals am 22. Spieltag zum Einsatz (beim denkwürdigen 3:0 gegen Dortmund), er hielt keine zwei Begegnungen durch, bis er sich schwer verletzte. Mancienne wurde einmal am 15. Spieltag aufgestellt und dann nach Rajkovic‘ Verletzung. Mehr Vertrauen in diese beiden Akteure hätten der Mannschaft eventuell gut getan.

Man stelle sich vor (hypothetisch, ich weiß), wie viele Punkte mehr wir gewonnen hätten, hätten diese Spieler sich nicht verletzt. Zumindest nicht in der Häufigkeit und in der Schwere. Fünf, sechs Zähler doch sicher.

Wie gesagt: Dieses Statistik soll die Krise nicht erklären oder kleinreden. Aber auch sie ist ein Grund dafür, warum der HSV da steht, wo er steht: Mit einem Bein in der 2. Liga.

Das Saisonziel wurde im Laufe der Monate mehrfach revidiert. So uns unser wichtigster Mann, Chef Carl-Edgar Jarchow, zu Beginn noch auf Augenhöhe mit Schalke 04 (also: Champions League), so waren wir zwischenzeitlich froh, erreichten wir wenigstens die Europa League oder später einen einstelligen Tabellenplatz. Und noch später: Platz 15. Inzwischen gilt es nur noch, Platz 16 zu verteidigen, damit man sich über die Relegation doch noch vor dem Abstieg rettet. Das ist hart, aber die Realität.

Ich wünsche mir, dass wir wenigstens dieses eine, letzte Ziel erreichen. Würde mich aber auch nicht mehr wirklich wundern, misslänge auch dies.

Aber halt: Oben schrieb ich, ich habe nur ein Positivum aus dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg mitgenommen. Das stimmt aber nicht! Denn: Mein Kerem Demirbay wurde eingewechselt. Auch er hatte im Laufe der Saison mit schweren Verletzungen zu kämpfen. Ich bin von der Qualität Demirbays spätestens seit dem Derbysieg gegen den Stadtteilverein in der Regionalliga überzeugt und wünsche mir nicht nur zum Wohle des HSV, dass Kerem gesund bleibt. Der Mann wird seinen Weg machen, und ich werde ihn gespannt und mit Freude verfolgen!

Saison 12/13:

1. Spieltag: Nürnberg (H) 0:1, 0 Punkte (Torverhältnis: -1)
2. Spieltag: Bremen (A) 0:2, 0 Punkte (-3)
3. Spieltag: Eintracht Frankfurt (A) 2:3, 0 Punkte (-4)
4. Spieltag: Borussia Dortmund (H) 3:2, 3 Punkte (-3)
5. Spieltag: Borussia Mönchengladbach (A) 2:2, 4 Punkte (-3)
6. Spieltag: Hannover 96 (H) 1:0, 7 Punkte (-2)
7. Spieltag: Greuther Fürth (A) 1:0, 10 Punkte (-1)
8. Spieltag: VfB Stuttgart (H) 0:1, 10 Punkte (-2)
9. Spieltag: FC Augsburg (A) 2:0, 13 Punkte (0)
10. Spieltag: Bayern München (H) 0:3, 13 Punkte (-3)
11. Spieltag: SC Freiburg (A) 0:0, 14 Punkte (-3)
12. Spieltag: Mainz 05 (H) 1:0, 17 Punkte (-2)
13. Spieltag: Fortuna Düsseldorf (A) 0:2, 17 Punkte (-4)
14. Spieltag: FC Schalke 04 (H) 3:1, 20 Punkte (-2)
15. Spieltag: VfL Wolfsburg (A) 1:1, 21 Punkte (-2)
16. Spieltag: 1899 Hoffenheim (H) 2:0, 24 Punkte (0)
17. Spieltag: Bayer Leverkusen (A) 0:3, 24 Punkte (-3)
18. Spieltag: 1. FC Nürnberg (A) 1:1, 25 Punkte (-3)
19. Spieltag: Bremen (H) 3:2, 28 Punkte (-2)
20. Spieltag: Eintracht Frankfurt (H) 0:2, 28 Punkte (-4)
21. Spieltag: Borussia Dortmund (A) 4:1, 31 Punkte (-1)
22. Spieltag: Borussia Mönchengladbach (H) 1:0, 34 Punkte (0)
23. Spieltag: Hannover 96 (A), 1:5, 34 Punkte (-4)
24. Spieltag: SpVgg Greuther Fürth (H) 1:1, 35 Punkte (-4)
25. Spieltag: VfB Stuttgart (A) 0:1, 38 Punkte (-3)
26. Spieltag: FC Augsburg (H) 0:1, 38 Punkte (-4)
27. Spieltag: FC Bayern (A) 2:9, 38 Punkte (-11)
28. Spieltag: SC Freiburg (H) 0:1, 38 Punkte (-12)
29. Spieltag: Mainz 05 (A) 2:1, 41 Punkte (-11)
30. Spieltag: Fortuna Düsseldorf 2:1, 44 Punkte (-10)
31. Spieltag: Schalke 04 (A) 1:4, 44 Punkte (-13)

Saison 13/14:
1. Spieltag: Schalke (A) 3:3, 1 Punkt (Torverhältnis: 0)
2. Spieltag: 1899 (H) 1:5, 1 Punkt (-4)
3. Spieltag: Hertha BSC (A) 0:1, 1 Punkt (-5)
4. Spieltag. Eintr. Braunschweig (H) 4:0, 4 Punkte (-1)
5. Spieltag: Borussia Dortmund (A) 2:6, 4 Punkte (-5)
6. Spieltag: Werder Bremen (H) 0:2, 4 Punkte (-7)
7. Spieltag: Eintracht Frankfurt (A) 2:2, 5 Punkte (-7)
8. Spieltag: 1. FC Nürnberg (A) 5:0, 8 Punkte (-2)
9. Spieltag: VfB Stuttgart (H) 3:3, 9 Punkte (-2)
10. Spieltag: SC Freiburg (A) 3:0, 12 Punkte (1)
11. Spieltag: Bor. M’gladbach (H) 0:2, 12 Punkte (-1)
12. Spieltag: Bayer Leverkusen (A) 3:5, 12 Punkte (-3)
13. Spieltag: Hannover 96 (H) 3:1, 15 Punkte (-1)
14. Spieltag: VfL Wolfsburg (A) 1:1, 16 Punkte (-1)
15. Spieltag: FC Augsburg (H) 0:1, 16 Punkte (-2)
16. Spieltag: FC Bayern (A), 1:3, 16 Punkte (-4)
17. Spieltag: FSV Mainz (H) 2:3, 16 Punkte (-5)
18. Spieltag: Schalke 04 (H) 0:3, 16 Punkte (-8)
19. Spieltag: 1899 Hoffenheim (A) 0:3, 16 Punkte (-11)
20. Spieltag: Hertha BSC (H) 0:3, 16 Punkte (-14)
21. Spieltag: Eintracht Braunschweig (A) 2:4, 16 Punkte (-16)
22. Spieltag: Borussia Dortmund (H) 3:0, 19 Punkte (-13)
23. Spieltag: Heiner Bremer (A) 0:1, 19 Punkte (-14)
24. Spieltag: Eintracht Frankfurt (H) 1:1, 20 Punkte (-14)
25. Spieltag: 1. FC Nürnberg (H) 2:1, 23 Punkte (-13)
26. Spieltag: VfB Stuttgart (A) 0:1, 23 Punkte (-14)
27. Spieltag: SC Freiburg (H) 1:1, 24 Punkte (-14)
28. Spieltag: Bor. Mönchengladbach (A) 1:3, 24 Punkte (-16)
29. Spieltag: Bayer Leverkusen (H) 2:1, 27 Punkte (-15)
30. Spieltag: Hannover 96 (A) 1:2, 27 Punkte (-16)
31. Spieltag: VfL Wolfsburg (H) 1:3, 27 Punkte, (-18)

Veränderung: 17 Punkte schlechter (fünf Tore schlechter)

Platzierung nach dem Spieltag:
2012/13: 8
2013/14: 16

Veränderung: Acht Plätze schlechter

Saison 12/13:
Schalke – Hamburger SV 4:1
Hamburger SV – Hoffenheim 2:0
Fortuna Düsseldorf* – Hamburger SV 2:0
Hamburger SV – SpVgg Greuther Fürth* 1:1
Borussia Dortmund – Hamburger SV 1:4
Hamburger SV – Werder Bremen 3:2
Eintracht Frankfurt – Hamburger SV 3:2
1. FC Nürnberg – Hamburger SV 1:1
Hamburger SV – VfB Stuttgart 0:1
SC Freiburg – Hamburger SV 0:0
Hamburger SV – Bor. M’gladbach 1:0
Bayer Leverkusen– Hamburger SV 3:0
Hamburger SV – Hannover 96 1:0
VfL Wolfsburg – Hamburger SV 1:1
Hamburger SV – FC Augsburg 0:1
FC Bayern – Hamburger SV 9:2
Hamburger SV – FSV Mainz 1:0
Hamburger SV – Schalke 04 3:1
1899 Hoffenheim – Hamburger SV 1:4
Hamburger SV – Fortuna Düsseldorf 2:1
Greuther Fürth – Hamburger SV 0:1
Hamburger SV – Borussia Dortmund  3:2
Heiner Bremer – Hamburger SV 2:0
Hamburger SV – Eintracht Frankfurt 0:2
Hamburger SV – 1. FC Nürnberg 0:1
VfB Stuttgart – Hamburger SV 0:1
Hamburger SV – SC Freiburg 0:1
Bor. Mönchengladbach – Hamburger SV 2:2
Hamburger SV – Bayer Leverkusen 0:1
Hannover 96 – Hamburger SV 5:1
Hamburger SV –  VfL Wolfsburg 1:1

42 Punkte, 38:49 Tore

Saison 13/14
Schalke – Hamburger SV 3:3
Hamburger SV – Hoffenheim 1:5
Hertha BSC* – Hamburger SV 1:0
Hamburger SV – Eintracht Braunschweig* 4:0
Borussia Dortmund – Hamburger SV 6:2
Hamburger SV – Werder Bremen 0:2
Eintracht Frankfurt – Hamburger SV 2:2
1. FC Nürnberg – Hamburger SV 0:5
Hamburger SV – VfB Stuttgart 3:3
SC Freiburg – Hamburger SV 0:3
Hamburger SV – Bor. Mönchengladbach 0:2
Bayer Leverkusen – Hamburger SV 5:3
Hamburger SV – Hannover 96 3:1
VfL Wolfsburg – Hamburger SV 1:1
Hamburger SV – FC Augsburg 0:1
FC Bayern – Hamburger SV 3:1
Hamburger SV – FSV Mainz 2:3
Hamburger SV – Schalke 04 0:3
1899 Hoffenheim – Hamburger SV 3:0
Hamburger SV – Hertha BSC* 0:3
Eintracht Braunschweig* – Hamburger SV 4:2
Hamburger SV – Borussia Dortmund 3:0
Heiner Bremer – Hamburger SV 1:0
Hamburger SV – Eintracht Frankfurt 1:1
Hamburger SV – 1. FC Nürnberg 2:1
VfB Stuttgart – Hamburger SV 1:0
Hamburger SV – SC Freiburg 1:1
Bor. Mönchengladbach – Hamburger SV 3:1
Hamburger SV – Bayer Leverkusen 2:1
Hannover 96 – Hamburger SV 2:1
Hamburger SV – VfL Wolfsburg 1:3

27 Punkte, 47:65 Tore

Veränderung: 15 Punkte schlechter, sieben Tore schlechter

*Hertha ersetzt in diesem Vergleich Düsseldorf, Braunschweig Greuther Fürth.

 

Wer bis hierhin gelesen hat, wird mit einem Foto von Ouasim Bouy und mir „belohnt“. Hihi.

Foto

Für eine halbe Stunde Fan vom VfL Wolfsburg*

Felix Magath, die Stadt Wolfsburg, Diego – das sind nur einige der Gründe, die es mir im Rückblick unheimlich schwer machen, Fan des VfL Wolfsburg zu sein. Und wenn es nur für eine halbe Stunde ist.

Der in die Saison gestartete Trainer der Wolfsburger ist ein fleischgewordener Running Gag. Überall, wo er ist, findet ein Umbruch statt, werden aktuelle Spieler fast wahllos aussortiert und neue dazugeholt. In der Saison 2011/12 ließ Felix Magath im Februar mit Ibrahim Sissoko den 36. Spieler ran. Damit knackte der Coach seinen eigenen, 2001 in Frankfurt aufgestellten Rekord. Vor der abgelaufenen Saison verließen schon wieder 18 Spieler den Verein, im Winter weitere acht. Neuzugänge: Acht, und bei zehn Akteuren liefen die Leihverträge aus, so dass diese ebenfalls wieder zurück nach Wolfsburg mussten (teilweise wurden diese sofort wieder an andere Vereine weitervergeben). Als Wolfsburg-Fan muss man sich halt darauf einstellen, dass keiner der Spieler eine goldene Ehrennadel für besonders lange Vereinszugehörigkeit bekommen wird.

Dass fehlende Kontinuität sich auf die Leistung niederschlagen kann, ist bekannt (unabhängig davon, dass es kaum eine Identifikation geben kann). Und siehe da: Der VfL Wolfsburg war das viertschwächste Team der Hinrunde, holte magere 19 Zähler. Als die Hinrunde beendet war, war Magath übrigens schon längst weg: Er wurde Ende Oktober aus allen Ämtern, die er bekleidete, entlassen.

Und so sehr ich Entlassungen – zumal während der Saison – missbillige: Kurioserweise ist die Trennung von Magath in meinen Augen der einzige Grund, warum ich noch einen Restfunken Hoffnung für Wolfsburg habe. Als Nachfolger auf dem Trainerposten konnten die Niedersachsen – nach einer kurzen Übergangsphase mit Lorenz-Günther Köstner – nämlich Dieter Hecking gewinnen, der aus dem zusammengewürfelten Haufen versuchte, eine halbwegs anständige Truppe zu basteln. Mit Erfolg: Die Rückrunde verlief deutlich besser als die Hinrunde, zudem setzte Hecking in der Schlussphase der Saison auf Spieler wie Robin Knoche und Maximilian Arnold. Das lässt für die Zukunft hoffen.

Was allerdings absolut gegen eine rosige Zukunft spricht, ist Klaus Allofs. Ich weiß nicht, welcher Teufel die Verantwortlichen geritten hat, sich Allofs anzutun. Vielleicht dachte man ja, dass mit ihm wieder so etwas wie die oben erwähnte fehlende Kontinuität zurückkommt (wenn sie denn jemals da war). Immerhin ist er ja dafür bekannt, besonders lange an wem auch immer festzuhalten. Sein Riecher für gute Spieler kann es jedenfalls nicht gewesen sein – den hat er vor Jahren längst in Bremen verloren. Wurde früher alles, was Allofs angefasst hat, zu Gold, hat er in den vergangenen Jahren überwiegend Flops produziert. Stellvertretend hierfür seien die Namen Sanogo, Mosquera, Moreno, Carlos Alberto, Wesley, Silvestre, Avdic und Ekici erwähnt. Oh, und danke an @herzi, der mich auf das Fehlen einer ganz besonderen Granate aufmerksam machte: Elia. Und um nicht nur über seine Bremer Zeit zu sprechen: Sein erster Transfer für den den VfL Wolfsburg – Ivan Perisic – schlug nicht gerade ein. Immerhin: Daniel Caligiuri, der für die neue Saison vom SC Freiburg geholt wurde, ist so schlecht nicht.

Nicht weniger als 13 Spieler kommen auch zur neuen Saison wieder von ihren Leihstationen zurück. Somit würden sich, Stand jetzt, 45 Spieler im Wolfsburger Kader befinden. Elf Freunde müsst Ihr sein.

Aber ich schweife ab, denn eigentlich sollte es ja um die vergangene Saison gehen. Ab dem 25. Spieltag blieb Wolfsburg zehn Spiele hintereinander ungeschlagen. Chapeau. Hier trug die Arbeit Heckings offenbar erste Früchte. Dass man zwischenzeitlich im Pokalhalbfinale mit 1:6 gegen die Bayern verlor, tut der Sache keinen Abbruch. Schlecht war hierbei allerdings, dass es in dieser Serie viel zu viele Unentschieden gab: sieben, um genau zu sein. Überhaupt waren die Wolfsburger die Remiskönige der Liga: 13mal gab es eine Punkteteilung.

Deshalb – und weil der VfL so unsagbar heimschwach war, wurde das Saisonziel „Internationaler Wettbewerb“ mehr als deutlich verpasst: Am Ende sprang gerade mal Platz elf heraus, mit acht Punkten Rückstang auf Rang sechs. Nein, nein, nein. Als Wolfsburg-Fan wäre ich in dieser Saison auf keinen Fall glücklicher gewesen als als HSV-Anhänger.

Aktuell:
1. FC Nürnberg > HSV
FC Augsburg > HSV
HSV > Borussia Mönchengladbach
Bayer Leverkusen > HSV
HSV > VfL Wolfsburg

Hier noch einmal die Links zu meinen bisherigen Fanstationen:
1. FC Nürnberg
Borussia Mönchengladbach
FC Augsburg
Bayer Leverkusen

 

(*In loser Reihenfolge frage ich mich seit ein paar und in den nächsten Wochen, ob ich als Fan jeweils eines anderen Vereins zufriedener mit dem Saisonverlauf “meines” Teams gewesen wäre.)