Die können ja nix.

Wenn bei potenziellen HSV-Transfers Namen an die Öffentlichkeit gelangen – über welche Kanäle auch immer, sei es über Aufsichtsratsmitglieder, sichere Quellen oder per Scheißhausgerücht – dann wird ja gern mal gelästert: Man würde ja so gar kein Scouting haben, sondern bediene sich lediglich alter Connections. Als Frank Arnesen noch etwas entscheiden durfte (öhm…), gab es beispielsweise eine Handvoll Spieler vom FC Chelsea als Einstandsmitbringsel. Warum er dafür belächelt wurde, erschließt sich mir bis heute nicht. Er hat für das wenige Geld, das ihm zur Verfügung stand, Spieler geholt, die teils Stammspieler wurden und auch respektable Erlöse brachten. Nun ja.

Als vor einiger Zeit die Namen Aleksandar Dragovic und Jacques Zoua auftauchten, hieß es wieder: Ach, der Kreuzer, der kann ja nur Basel-Spieler holen. Ich halte so etwas für populistischen Quatsch. Selbstverständlich schaut man sich dort um, wo man sich auskennt. Und wenn man wenig Zeit hat wie Oliver Kreuzer derzeit: womöglich sogar zuerst! Das ist nichts ungewöhnliches oder verwerfliches. Dennoch gilt es aus der Sicht vieler Fußballexpertenfans als Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit, wenn man sich bei Ex-Arbeitgebern umschaut bzw. man Spieler holt, mit denen man schon einmal gute Erfahrungen gemacht hat. Zumindest beim HSV. Anderswo wird dann zu großartigen Transfers und zum feinen Näschen gratuliert.

Es gibt aktuell außer dem HSV auch noch ein paar andere Vereine, die Connections nutzen. Übrigens sind das alles Vereine, die derzeit finanziell nicht sonderlich auf Rosen gebettet sind. Hier sehe ich im übrigen auch den Hauptgrund darin, alte Verbindungen zu nutzen: in der Klammheit. Und nicht in einer etwaigen Unfähigkeit zu scouten.

SC Freiburg (Christian Streich / Jochen Saier):
Der SC Freiburg rekrutierte jahrelang „alte Bekannte“ – nämlich aus dem eigenen Unterbau. Das ist der Idealfall. Spieler wie Oliver Sorg (11/12), Jonathan Schmid (10/11), Daniel Caligiuri und Oliver Baumann (beide 09/10) seien hier stellvertretend erwähnt. Aktuell hat der SCF einen riesigen Aderlass zu verzeichnen, ist daher gezwungen, sich woanders umzusehen. Allerdings kommt mit U19-Natonalspieler Sebastian Kerk auch jetzt wieder ein vielversprechender offensiver Mittelfeldspieler aus der eigenen Jugend.

Borussia Mönchengladbach (Lucien Favre / Max Eberl):
Raffael spielte von 2005 bis 2007 beim FC Zürich und von 2007 bis 2009 bei Hertha BSC unter Lucien Favre.

Heiner Bremer (Robin Dutt / Thomas Eichin):
Cedrick Makiadi spielte von 2009 bis 2011 unter Robin Dutt beim SC Freiburg.

Hertha BSC (Jos Luhukay / Michael Preetz):
Sebastian Langkamp folgt Trainer Luhukay, unter dem er in der Saison 2011/12 für den FC Augsburg spielte. Auch der von Bayer Leverkusen ausgeliehene Hajime Hosogai, der nun nach Berlin wechselt, spielte in dieser Serie für Augsburg. Alexander Baumjohann spielte bereits in der Saison 2007/08 unter Luhukay bei Borussia Mönchengladbach.

(Wenn ich jemanden vergessen habe: gern als Kommentar einpflegen!)

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Lieber Herr Arnesen,

obwohl diese Saison noch ein paar Spieltage andauert, möchte ich nicht allzu viele Worte über sie verlieren. Im Gegensatz zu Ihnen – obwohl ich mir nicht sicher bin, ob das nicht purer Zweckoptimismus ist – glaube ich nicht mehr daran, dass es der HSV noch schafft, sich für die Teilnahme an der Europa League zu qualifizieren.

Mein Blick richtet sich schon auf die nächste Saison. Kann es sein, dass ich Ihnen da etwas voraus habe, Herr Arnesen? Jeder Bundesligaverein posaunt in diesen Tagen Meldungen über Neuzugänge heraus. Wann darf ich so etwas endlich vom HSV lesen? Dass Sie bei Transfers nicht ins oberste Regal greifen können, ist mir bewusst. Dass Sie es aber bislang immer noch nicht geschafft haben, Vollzug bei Spielern der Kategorie „Entwicklungsfähig und bundesligaerfahren“ zu melden, lässt mich auch für die nächste Saison nichts Gutes hoffen. Alle wildern in Freiburg – was machen Sie? Auch in Düsseldorf und Hoffenheim laufen einige Akteure herum, die wechselwillig sein dürften und dem HSV eher helfen würden als der eine oder andere Akteur, der aktuell bei uns unter Vertrag steht. Handeln Sie bitte.

Noch haben Sie, werter Herr Arnesen, Kredit bei mir. Bei vielen HSV-Fans aus meinem Umfeld ist das längst nicht mehr der Fall. Die sagen, dass Sie es damals in Chelsea auch nicht geschafft haben, Talente zu finden, die der ersten Mannschaft weitergeholfen hätten. Ich sehe das so: Bei einem Klub wie dem FC Chelsea ist das wahrscheinlich auch schwieriger als beim HSV.

Ich glaube noch an Sie, Herr Arnesen. Sie holten Maxi Beister und René Adler. Und Artjoms Rudnevs. Sie ließen die teuren Guerrero und Petric ziehen. Und Sie wehrten sich nicht gegen den van-der-Vaart-Transfer. Ihr Meisterstück bislang: Sie verscherbelten diesen Egozentriker Gökhan Töre, der die Mannschaft keinen Millimeter weitergebracht hat, mit sattem Gewinn. Wegen solcher Aktionen glaube ich, dass Sie in der Lage sind, dem Trainer Spieler zur Verfügung zu stellen, mit denen er etwas anfangen kann.

Nur bitte: Fangen Sie endlich damit an! Klar, wir haben Calhanoglu und Demirbay, dazu Tah. Und ich hoffe wirklich, dass diese Jungs ihren Weg beim HSV gehen werden und glaube sogar ein wenig daran. Allein: das reicht nicht. Ich wünsche mir, nein: ich fordere fast zwei oder drei junge Spieler mit Bundesligaerfahrung für den Abwehrbereich. Fragen Sie bei den Bayern an, ob sie Kirchhoff verleihen. Kümmern Sie sich um Westergaard oder (wenn Herr Fink unbedingt möchte) auch um Abraham. Sorgen Sie dafür, dass die Abwehr wieder diese Bezeichnung verdient. Auch auf den Außenpositionen, auf denen wir zwar sympathische Kerlchen stehen haben, aber sicher keine Außenverteidiger mit Bundesliganiveau. Wenn dann noch Zeit ist, schauen Sie sich nach einem Stürmer um. Volland steigt bald ab, vielleicht ist da ja etwas machbar. Der eine oder andere Taler wird dank des Son-Verkaufs da sein.

Handeln Sie bitte, Herr Arnesen. Zum Wohle des Vereins zügig und effektiv.

(Ach, zum Schluss doch noch ein Satz zur aktuellen Saison: Mein kleiner Sohn wird am Wochenende erstmals ein Pflichtspiel live im Stadion verfolgen. Sorgen Sie bitte dafür, dass unsere Truppe alles gibt, sich zerreißt und siegt. Sonst wird mein Sohn am Ende noch Wolfsburg-Fan. Dann hätten Sie jeglichen Kredit bei mir verspielt.)