Hoffnung.

Die hohe Fußballkunst war es nicht, was der HSV da in Paderborn anbot. Und doch habe ich sehr viel Positives gesehen:

Zum Beispiel, dass Rafael van der Vaart in der Lage ist, einen schnellen, langen, präzisen Pass zu spielen, der in diesem Fall letztlich zum Elfer führte, den van der Vaart verwandelte. Wenn man so möchte, hat er sich selbst die Vorlage gegeben.

Oder dass Marcell Jansen Spiele entscheiden kann. Da kommen von links und rechts Gegenspieler, und im vollen Bewusstsein dessen, dass es gleich wehtun könnte, geht er trotzdem zum Ball, wird gefoult und holt einen Elfmeter raus! Wer war das, und was hat er mit Marcell Jansen gemacht?

Oder ein Zoltan Stieber, der endlich mal auf der für ihn offensichtlich besten Position eingesetzt wird – im Zentrum des Mittelfeldes und nicht außen. Dieser Auftritt war prima. (Wenn ich Wertungen wie diese abgebe, müsst Ihr Leser Euch übrigens immer ein „im Vergleich zu dem, was ich vorher gesehen habe“ dazudenken.)

Die für mich beste Szene des Spiels hatte nichts mit irgendwelchen Toren zu tun. Sie trug sich irgendwann in der letzten halben Stunde zu, etwa 15 Meter halblinks vor unserem Strafraum. Die Art und Weise, wie Marcelo Diaz das Problem, das sich vor ihm auftat – sich nämlich drei oder vier Paderbornern, die ihn, ballführend, umzingeln und angreifen, gegenüberzustehen – gelöst hat, war Weltklasse. Der Mann hat ein Auge und weiß mit dem Ball umzugehen. Ich freue mich sehr darauf, mehr von ihm zu sehen.

Apropos sehen: Wie Ihr unten seht, erscheinen meine kleinen Tabellen in neuem Gewand. Vorher waren Sie amateurhaft wie auf einer alten Schreibmaschine geschrieben dargestellt. Nun sehen sie schön aus. Und den Applaus dafür möchte nicht ich einheimsen, sondern er gebührt Herzi, bei dem ich mich nochmal artig und blutenden Herzens bedanke.

Der HSV hat drei wichtige Punkte in Paderborn geholt – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Nicht zuletzt durch diesen Sieg steht er vier Punkte und auch vier Ränge besser da als im Vergleich zur Vorsaison (siehe unten). Das macht Hoffnung.

 

Sp. Gegner 2013/14 Ergebnis Gegner 2014/15 Ergebnis
1 Schalke 04 (A) 3:3 (1 Punkt) 1. FC Köln (A) 0:0 (1 Punkt)
2 Hoffenheim (H) 1:5 (0 Punkte) SC Paderborn (H) 0:3 (0 Punkte)
3 Hertha BSC (A) 0:1 (0 Punkte) Hannover 96 (A) 0:2 (0 Punkte)
4 Braunschweig (H) 4:0 (3 Punkte) FC Bayern (H) 0:0 (1 Punkt)
5 Dortmund (A) 2:6 (0 Punkte) M’gladbach (A) 0:1 (0 Punkte)
6 Heiner Bremer (H) 0:2 (0 Punkte) Frankfurt (H) 1:2 (0 Punkte)
7 Frankfurt (A) 2:2 (1 Punkt) Dortmund (A) 1:0 (3 Punkte)
8 Nürnberg (A) 5:0 (3 Punkte) Hoffenheim (H) 1:1 (1 Punkt)
9 Stuttgart (H) 3:3 (1 Punkt) Berlin (A) 0:3 (0 Punkte)
10 Freiburg (A) 3:0 (3 Punkte) Leverkusen (H) 1:0 (3 Punkte)
11 Gladbach (H) 0:2 (0 Punkte) Wolfsburg (A) 0:2 (0 Punkte)
12 Leverkusen (A) 3:5 (0 Punkte) Heiner Bremer (H) 2:0 (3 Punkte)
13 Hannover (H) 3:1 (3 Punkte) Augsburg (A) 1:3 (0 Punkte)
14 Wolfsburg (A) 1:1 (1 Punkt) Mainz 05 (H) 2:1 (3 Punkte)
15 FC Augsburg (H) 0:1 (0 Punkte) Freiburg (A) 0:0 (1 Punkt)
16 FC Bayern (A) 1:3 (0 Punkte) Stuttgart (H) 0:1 (0 Punkte)
17 Mainz 05 (H) 2:3 (0 Punkte) Schalke 04 (A) 0:0 (1 Punkt)
18 Schalke 04 (H) 0:3 (0 Punkte) 1. FC Köln (H) 0:2 (0 Punkte)
19 Hoffenheim (A) 0:3 (0 Punkte) Paderborn (A) 3:0 (3 Punkte)
Gesamt 33:44 (16 Punkte) 12:21 (20 Punkte)

 

Vergleich: Der HSV steht aktuell 4 Punkte besser und zwei Tore schlechter da als am gleichen Spieltag der vorigen Saison.

 

Platzierung nach dem Spieltag:
2013/14: 17
2014/15: 13

Veränderung: Der HSV steht aktuell 4 Plätze besser da als am gleichen Spieltag der vorigen Saison.

 

Sp. Mannschaft 2013/14 2014/15
1 Nürnberg/Köln* (A) 5:0 (3 Punkte) 0:0 (1 Punkt)
2 Braunschweig/Paderb.* (H) 4:0 (3 Punkte) 0:3 (0 Punkte)
3 Hannover 96 (A) 1:2 (0 Punkte) 0:2 (0 Punkte)
4 FC Bayern (H) 1:4 (0 Punkte) 0:0 (1 Punkt)
5 M’gladbach (A) 1:3 (0 Punkte) 0:1 (0 Punkte)
6 Frankfurt (H) 1:1 (1 Punkt) 1:2 (0 Punkte)
7 Dortmund (A) 2:6 (0 Punkte) 1:0 (3 Punkte)
8 Hoffenheim (H) 1:5 (0 Punkte) 1:1 (1 Punkt)
9 Berlin (A) 0:1 (0 Punkte) 0:3 (0 Punkte)
10 Leverkusen (H) 2:1 (3 Punkte) 1:0 (3 Punkte)
11 Wolfsburg (A) 1:1 (1 Punkt) 0:2 (0 Punkte)
12 Heiner Bremer (H) 0:2 (0 Punkte) 2:0 (3 Punkte)
13 Augsburg (A) 1:3 (0 Punkte) 1:3 (0 Punkte)
14 Mainz 05 (H) 2:3 (0 Punkte) 2:1 (3 Punkte)
15 Freiburg (A) 3:0 (3 Punkte) 0:0 (1 Punkt)
16 Stuttgart (H) 3:3 (1 Punkt) 0:1 (0 Punkte)
17 Schalke (A) 3:3 (1 Punkt) 0:0 (1 Punkt)
18 Nürnberg/Köln* (H) 2:1 (3 Punkte) 0:2 (0 Punkte)
19 Braunschweig/Paderb.* (A) 2:4 (0 Punkte) 3:0 (3 Punkte)
Gesamt 35:43 (19 Punkte) 12:21 (20 Punkte)

Veränderung: Der HSV steht im Direktvergleich aktuell 1 Punkt besser und 3 Tore schlechter da als in der vorigen Saison.

 

*Köln ersetzt in diesem Vergleich Nürnberg, Paderborn Braunschweig.

Der HSV gegen Paderborn

Mein lieber Scholli,

wo soll man nach einer solchen Partie anfangen? Auch nach ein paar Tagen Abstand ertappe ich mich dabei, wie ich den Kopf ob der Leistung unseres HSV nur schütteln kann.
Dabei möchte ich in keinster Weise die Leistung des SC Paderborn schmälern, die sowohl taktisch als auch von der Leidenschaft her stark war. Nein, ich schaue hier nur auf uns und unser Spiel, und es hinterlässt mich zweifelnd – nicht verzweifelnd – zurück. Kein Plan, kein Selbstvertrauen, keine Torgefahr.

Ja, wir sind jetzt fit wie elf Turnschuhe. Doch was nützt das, wenn man derartig plan- und zahnlos auftritt wie der HSV am Wochenende?
Ich verstehe Leistungen wie die von Dennis Diekmeier nicht. Will er nicht mehr? Kann er nicht mehr? Und für das Angebotene fordert er ein Millionengehalt? Marcell Jansen war Nationalspieler. Das war einmal mehr nicht zu sehen.

Aber eigentlich möchte ich hier keine Einzelkritik abliefern. Vielmehr möchte ich Mirko Slomka höflich bitten, in den nächsten Trainingstagen mal ein wenig herumzuprobieren. Mal was verrücktes zu versuchen wie mehr als einen Neueinkauf von Beginn an zu bringen. Mit zehn Startern, die auch in der vergangenen Saison meist gespielt haben, sind offensichtlich keine Berge zu versetzen bzw. bundesligareife Leistungen nicht abrufbar.

Ich möchte mir im folgenden mal den Spaß erlauben, eine Elf ins Rennen zu schicken, von der ich mir mehr erhoffe als die Elf, die Sie, Herr Slomka, aufgestellt haben.

Im Tor darf es gern Jaroslav Drobny sein. So sehr es mir um den Menschen René Adler leid tut: Er scheint nicht mehr an seine Leistung von damals anknüpfen zu können, nicht mal ansatzweise. Dr. Obny dagegen ist eine Konstante. Und er ist Drobny. Fertig.

Rechts möchte ich Heiko Westermann sehen. Ich bin wahrlich kein Fan unseres Exkapitäns, doch in Sachen Einsatzwille und, tja, Defensivqualitäten hat er Dennis Diekmeier viel voraus.

In der Innenverteidigung wünsche ich mir Johan Djourou und Cleber. Djourou hat zumindest gegen Köln gezeigt, was er kann, und unser neuer Brasilianer ist mir zwar unbekannt, aber ich vertraue Didis Händchen und Aussagen („Ein bisschen wie Boulahrouz“) und würde mich freuen, ein solchen Spieler in unserer Abwehrreihe begrüßen zu dürfen.

Links soll bitte Matthias Ostrzolek spielen. Muss ich Gründe anführen? Ok: Seine Alternativen wären Jiracek und Jansen.

Die Doppelsechs stellt sich fast von selbst auf. Milan Badelj, der jahrelang unter seinen Möglichkeiten und unter unseren Erwartungen blieb, ist Geschichte. Bleiben Valon Behrami und unser aktuellster Neuzugang Lewis Holtby. Es gibt einige Zweifler, was Holtby betrifft. Ich sage: Er ist eine Verstärkung. Trickreich, schnell, variabel einsetzbar – in meinem Szenario zunächst auf der Sechs.

Davor möchte ich eine Reihe mit Nicolai Müller, Rafael van der Vaart und Zoltán Stieber sehen. Ivo Ilicevic ist die Unkonstanz in Person, außerdem verletzungsanfällig und kein wirklicher Teamplayer. Rafael van der Vaart ist besser als in der vorigen Saison und alternativlos. Und Müller? Möge er schnell fit werden, mehr als die halbe Liga hat keinen so guten Außenspieler.

Vorn soll Pierre-Michel Lasogga ran, klar. Möge auch er schnell 100% seines Leistungsvermögens abrufen können.

Das wäre ein Elf mit sechs Neuzugängen. Da hätte ich mal das Gefühl, dass hier wirklich etwas verändert werden soll. Und unter uns, Herr Slomka: Schlechter als zuletzt kann es auch mit diesen Leuten nicht werden.

 

Saison 2013/14:
1. Spieltag: Schalke (A) 3:3, 1 Punkt (Torverhältnis: 0)
2. Spieltag: TSG Hoffenheim (H) 1:5, 1 Punkt (-4)

Saison 2014/15:
1. Spieltag: Köln (A) 0:0, 1 Punkt (Torverhältnis: 0)
2. Spieltag: SC Paderborn (H) 0:3, 1 Punkt (-3)

Veränderung: Punktgleich (ein Tor besser)

 

Platzierung nach dem Spieltag:
2013/14: 12
2014/15: xx

Veränderung: vier Plätze schlechter

 

Saison 2013/14
Nürnberg – Hamburger SV 0:5
Hamburger SV – Eintracht Braunschweig 4:0

6 Punkte, 9:0 Tore

 

Saison 2014/15
1. FC Köln* – Hamburger SV 0:0
Hamburger SV – SC Paderborn* 0:3

1 Punkt, 0:3 Tore

Veränderung: fünf Punkte weniger (zwölf Tore weniger)

 

*Köln ersetzt in diesem Vergleich Nürnberg, Paderborn Braunschweig.

 

Meine kleine Bundesligavorschau: SC Paderborn

Hätte ich einen sportlichen Wunsch frei, und dürfte dieser nichts mit dem HSV zu tun, so entschiede ich mich wohl dafür, dass der SC Paderborn die Klasse hält. Ich mag den Verein. Hauptsächlich deshalb, weil dort jemand zur Stammformation zählt, der aus meinem kleinen Leib- und Magen-Verein der Hamburger Amateurfußballszene stammt. Und der kein blasiertes Sonstwas ist, sondern immer schön auf dem Boden geblieben ist. Inzwischen ist er alt. Fußballalt. Ich hoffe, dass Bohne ein paar mal spielen darf.

Unabhängig davon: Der SC Paderborn ist zu schwach, um die Klasse zu halten. Der Aufstieg war ein Betriebsunfall und der Tatsache geschuldet, dass alle anderen Zweitligavereine schlicht zu dumm waren, um an Paderborn vorbeizuziehen. Und ich befürchte, dass die Neuzugänge Marvin Ducksch, Idir Ouali und Lukas Rupp das Qualitätsniveau nicht unbedingt anheben werden. Kürzlich kam die Meldung, dass der 1. FC Kaiserslautern bzw. dessen Trainer Kosta Runjaic ohne den ehemaligen Paderborner Enis Alushi plant. Vielleicht kommen der Ehemann unseraller Lira Bajramaj (oder eben nun Alushi) und der SCP ja zusammen. Eine Verschlechterung des Kaders würde das sicher nicht bedeuten.

Fazit:
Der erste Absteiger steht fest. Paderborn wird die Saison sang- und klanglos auf Platz 18 abschließen. Wenn die Herren Entscheider schlau genug sind, werfen sie Trainer André Breitenreiter nicht raus, um nach einer Niederlagenserie, die es sicher geben wird, neue Reizpunkte zu setzen. Ich halte ihn für einen guten Mann – immerhin hat er mit „Nichts“ den Aufstieg geschafft.

 

Und so wird die Bundesligatabelle nach dem 34. Spieltag aussehen:

1.
2.
3.
4.
5.  Borussia Mönchengladbach
6.
7.
8.
9.   1. FSV Mainz 05
10.
11.
12. Hertha BSC
13.
14.
15.
16.
17.
18. SC Paderborn

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