Habt Ihr sie noch alle, Ihr Kleinkinder?

Ich mag Dich, Maxi, sehr sogar.

Und Dich auch, Pierre-Michel.

Aber, ganz ehrlich: Habt Ihr sie noch alle?

Da lese ich heute von einem „Rückennummernzoff“. Hakan Calhanoglu trug in der vergangenen Saison die Neun, obwohl er so gern die Zehn gehabt hätte. Das ging aber nicht, weil die schon an Artjoms Rudnevs vergeben wurde, der aber irgendwann an Hannover verliehen wurde. Die Neun ist nach Calhanoglus Wechsel zu Leverkusen nun frei und wurde an Maxi Beister weitergegeben. Der sagt: „Ich habe sie mir nicht umsonst ausgesucht. Die Zahl hat beim HSV große Bedeutung. Ich trage die Nummer von Uwe Seeler und Horst Hrubesch mit Stolz und würde mich wundern, wenn der Verein sie mir wegnimmt.“ Dazu könnte es aber durchaus kommen. Sportchef Oliver Kreuzer sagt nämlich, Pierre-Michel Lasogga habe sich die Nummer vertraglich zusichern lassen. Und weiter: „Für Maxi tut es mir leid. Aber so wichtig ist eine Rückennummer auch nicht.“

Nicht? Um warum dann dieser Affentanz? Gibt es keine wichtigeren Baustellen? Solltet Ihr nicht viel lieber an der Basis für die nächste Saison arbeiten beziehungsweise erstmal richtig fit werden? Ach, Leute.

Trefft Euch mal zum „Nummern-Gipfel“, wenn der HSV-Tross wieder aus China zurück ist. Eine schöne Runde, bestehend aus Beister, Lasogga, Kreuzer, Beiersdorfer und am besten noch diversen Anwälten oder wenigstens Mediatoren.

Wenn ich etwas beim HSV zu sagen hätte: Ich würde die Neun an Artjoms Rudnevs weitergeben. Dann wäre Ruhe im Karton.

Kindsköpfe, depperte.

Alles richtig gemacht.

Bei Twitter hatte ich angekündigt, dass ich zu diesem Thema nicht bloggen werde und stattdessen auf den guten Sven verweise, dessen Worte zur Causa Calhanoglu/Lasogga auch die meinen hätten sein können.

Nun lasse ich doch noch ein paar Gedanken dazu fallen:

– Hakan Calhanoglu wechselt zu Bayer Leverkusen, er möge dort glücklich werden, vor allem aber reifen.

– Pierre-Michel Lasogga kommt endlich endgültig zum HSV. Ich mag seine Art, Fußball zu spielen. Und ich mag es, dass er sich in dieser doch sehr schwierigen Situation, in der sich der HSV befindet, zu eben diesem bekennt. Aber so sehr ich mich freue: Ich bin vorsichtig und halte mich mit Lobeshymnen zurück, denn ich weiß, dass auch Calhanoglu im Zuge seiner Vertragsverlängerung beim HSV Feuer und Flamme war. („Bin dankbar, will dem HSV etwas zurückgeben, gehe notfalls auch in die 2. Liga.“)

– Wenn ich es richtig mitbekommen habe, war Per Skjelbred kein Teil des Lasogga-Deals. Das bedeutet, dass wir entweder einen gereiften, technisch versierten Mittelfeldspieler im Kader haben, oder aber noch ein paar Euro aus der Hauptstadt bekommen werden.

Zum Schluss das Allerbeste:
– Dietmar Beiersdorfer hat Rückgrat bewiesen. Herr Kühne wedelte mit Scheinchen und wollte dafür ein Stück Seele zum günstigen Preis haben. Beiersdorfer blieb standhaft, verkaufte lieber einen (von vielen) ungeliebten Spieler, der wahrscheinlich eh nicht an die Leistung der Vorsaison hätte anknüpfen können, mit großem Gewinn und machte dadurch den Lasogga-Deal möglich und hat sogar noch ein paar Taler übrig. So geht Business, alles richtig gemacht.

Warum der HSV-Kader besser ist als zuletzt

Ja, die WM ist in vollem Gange. Dennoch richten sich meine Blicke auch und immer wieder Richtung HSV.

Der 1. Juli sollte das Datum des endgültigen Neustarts werden, der zwar keine Verbesserung, aber zumindest eine starke Veränderung garantiert. Nun ja, ein ehemaliger Volleyballspieler hat etwas dagegen, ich werde das nicht weiter kommentieren.

Stattdessen schaue ich auf den Kader. Es wird gemunkelt, er habe sich im Vergleich zur vergangenen Saison qualitativ nicht verändert, und wenn, dann eher verschlechtert als verbessert. Nun, das sehe ich nicht so.

Ja, es ist noch ungeklärt, ob Pierre-Michel Lasogga auch in der kommenden Saison ein HSV er sein wird. Falls nicht, wäre das sportlich schade. Aber sonst? Die zur Winterpause der abgelaufenen Saison ausgeliehenen Ouasim Bouy und Ola John sind zu ihren Vereinen zurückgekehrt – beide haben wenig bis gar nicht überzeugt. Der dritte Torwart Sven Neuhaus beendete seine Karriere. Lasse Sobiech wird an den Stadtteilverein ausgeliehen, um Spielpraxis zu bekommen. Der Vertrag von Robert Tesche wurde nicht verlängert, ob er einen neuen Verein findet, ist noch ungewiss (Wobei: Dass er einen Verein findet, steht wohl außer Frage. Nur eben nicht, welcher Verein dies sein wird.). Zhi Gin Lam wurde an die SpVgg Greuther Fürth weitergegeben. Der eh schon verliehene Dennis Aogo gehört jetzt ganz offiziell Schalke 04. Ich möchte keinem dieser Spieler (und vor allem: Menschen) zu nahe treten, aber: Da ist der HSV eine ganze Menge Ballast losgeworden.

Schmerzen tut der Verlust eines Tomas Rincon. Ein Spielertyp und Mensch wie er tut jeder Mannschaft gut, nicht nur dem HSV. Ich bin gespannt, welcher Klub sich seine Dienste sichern wird und weine Rincon, der technisch beschlagener war, als es so mancher glauben mag, eine Träne hinterher.

Neu im Team ist Zoltan Stieber. Ein schneller, trickreicher Spieler, der mit dem Ball umzugehen weiß. Ich hoffe, er schafft es, seine Bundesligatauglichkeit unter Beweis zu stellen. Kritiker hat er genug, wobei ich manchmal denke, dass es sich hierbei um Neider handelt, die uns diesen Transfer nicht gegönnt haben.

Nicht nur wegen Stieber glaube ich, dass sich der HSV-Kader verstärkt hat. Sondern auch und vor allem wegen vier weiterer Neuzugänge: Slobodan Rajkovic, Gojko Kacar, Artjoms Rudnevs und vor allem Maxi Beister.

Ich verstehe bis heute nicht, wie man einen Spieler der Güteklasse Rajkovic so lange links liegen lassen konnte. Ich vermute, er war ein Bauernopfer. Trainer ohne Rückgrat beugten sich dem Boulevard und wollten so wenig „Chelsea-Boys“ wie nötig spielen lassen. Da kam ein Trainingsgerangel mit einem jetzigen Leverkusener gerade recht, um Rajkovic aufs Abstellgleis zu schieben. Schade, wirklich schade, dass er sich nach seiner „Rehabilitation“ so schnell und so schwer verletzte. Er wird nicht gleich zu Saisonbeginn fit sein, aber irgendwann im Laufe der Hinrunde – hoffe ich. Und dann zur Verstärkung werden.

Als Gojko Kacar im Sommer 2010 aus Berlin kam, dachte ich: Königstransfer. Kacar zählte für mich seinerzeit zu den besten fünf Bundesligaspielern im defensiven Mittelfeld. Wer weiß: Vielleicht kann er an alte Leistungen anknüpfen. Er ist erst 27 Jahre alt, hat schon eine Menge erlebt. Ihn dürfte so leicht nichts mehr umwerfen. Ich habe mit Freude zur Kenntnis genommen, dass Trainer Mirko Slomka ihn „wie einen ganz normalen Feldspieler“ betrachtet, ohne jegliche Vorurteile.

Artjoms Rudnevs. Was soll ich sagen? Ein Spieler, der zwölf Tore für eine Mannschaft wie den HSV erzielt, bringt gewisse Qualitäten mit. Ja, er ist kein Edeltechniker. Aber das war Jürgen Klinsmann auch nicht. Und? Tore zählen. Die hat Rudnevs gemacht, und die Art und Weise, wie er abgeschoben wurde, stößt mir bitter auf. Artjoms Rudnevs ist ein Spieler, der in ihn gesetztes Vertrauen mit Leistung und Hingabe zurückzahlt. Ich hoffe, er bekommt dieses Vertrauen.

Maxi Beister ist nach seinem Kreuzbandriss endlich wieder zurück auf dem Rasen. Es wird noch eine ganze Zeit dauern, bis er wieder der Alte ist. Laut eigener Aussage will er „im Herbst Spielpraxis sammeln und in der Rückrunde angreifen“. Realistisch, wie ich meine. Und genau solche Spieler braucht der HSV: Akteure, die ihre Situation richtig einschätzen können und nicht abgehoben sind. Wie groß die Wertschätzung seitens des HSV ist, sieht man anhand der Verteilung der Trikotnummern: Beister erhält die Neun – nicht alle Spieler, die diese Nummer zuletzt trugen, vermögen sich und den Kosmos um sich herum so einzuschätzen wie Beister.

Und nun stelle man sich vor, dass Hakan Calhanoglu tatsächlich bleiben muss und seine Krankheit überwindet. Und Pierre-Michel Lasogga doch noch kommt und Per Skjelbred gleich aus Berlin mitbringt. Und der Sportchef, wer immer dies sein wird, Matthias Ostrzolek vom FC Augsburg loseisen kann. Und irgendjemand Rafael van der Vaart die Kapitänsbinde abnimmt. Und Jonathan Tah und Kerem Demirbay verletzungsfrei bleiben. Das könnte dann ganz nett werden.

Nein, es wäre keine Truppe, die um Europapokalplätze spielen könnte, Aber eine, der ich es zutrauen würde, 13 bis 15 Punkte mehr zu holen als in der vergangenen Saison – und damit zumindest nicht in Abstiegsnöte zu kommen. Mehr möchte ich ja gar nicht.

Irgendwas mit Fußball.

Man sollte es kaum für möglich halten, aber tatsächlich neigt sich die Winterpause der Bundesliga ihrem Ende entgegen. Endlich. Als HSV-Fan freue ich mich besonders, dass wieder gespielt wird, lenken die Geschehnisse auf dem Rasen doch ein wenig vom Brimborium rund um die mögliche Ausgliederung der Fußballabteilung ab.

Die große Frage zum Sonntag ist: Wer spielt? René Adler ist immer noch nicht fit, Maxi Beister sowieso nicht. Auch der arme Kerem Demirbay, der in der Vorbereitung so dicht wie nie an der ersten 17 schnupperte, ist verletzt. Von Johan Djourou ganz zu schweigen. Und ganz nebenbei muss Trainer Bert van Marwijk gegen Schalke auch auf Tomas Rincon verzichten, der seine Sperre wegen der gelb-roten Karte gegen Mainz absitzen muss. Sowieso hat Rincon sich eine Entzündung am Arm eingefangen, wäre also eh ausgefallen. Ob Heiko Westermann nach seiner Knie-OP und Dennis Diekmeier nach seinem Fußbruch rechtzeitig für volle 90 Minuten fit werden, ist offen.

Im Tor wird also zweifelsohne Jaroslav Drobny stehen.

Und davor? Ich rechne mit einer Viererkette, die aus Dennis Diekmeier, Jonathan Tah, Heiko Westermann und Marcell Jansen besteht. So gern ich ihn auch mag und so leid es mir tut: Ich glaube nicht, dass Lasse Sobiech (einer der Torschützen aus dem Hinspiel übrigens) starten darf – van Marwijk wird beim kleinsten Zeichen Westermanns, dass es wohl gehen wird, auf ebendiesen vertrauen, und sei es nur für einen Teil der Gesamtspieldauer.

Und davor? Milan Badelj und – Obacht – Petr Jiracek werden auf der Doppelsechs spielen. Der Tscheche soll sich im Trainingslager nicht allzu dumm angestellt haben. Außerdem bin ich, warum auch immer, ein kleiner Jira-Fan und ein bisschen spielt in dieser meiner Vorhersage auch einfach der Wunsch mit, ihn spielen zu sehen.

Und davor? Da spielen Rafael van der Vaart, Hakan Calhanoglu und Ola John. Sicher hätte Ivo Ilicevic es auch verdient, von Beginn an loszulegen, an den beiden Erstgenannten kommt er aber nicht vorbei. Und Herr John genießt den Bonus des „Neuen, der sofort helfen soll“. Ich bin gespannt auf den Mann, denn bisher habe ich ihn noch nicht spielen sehen.

Und davor? Darf Jacques Zoua von draußen zusehen, wie sich Pierre-Michel Lasogga einen Wolf läuft, kratzt, beißt, spuckt und hoffentlich trifft. Eine Zeit lang sah es so as, als würde Zoua der große Gewinner der Vorbereitung werden. Doch PML, den ich in Anlehnung an meinen liebsten Fußballer aller Zeiten einfach mal „Das Phänomen“ nenne, ist wieder fit, und für Zoua bleibt somit nur der Platz auf der Bank.

So sieht’s also aus gegen Schalke: Drobny – Diekmeier, Tah, Westermann, Jansen – Badelj, Jiracek – van der Vaart, Calhanoglu, John – Lasogga.

Ein anderes Thema:
Weil beim HSV inzwischen ja nur noch ver- und ausgeliehen wird, habe ich vor ein paar Tagen (oder gestern?) eine Kaufpersonalie ins Spiel gebracht. Christian Fuchs soll angeblich Schalke verlassen müssen. Meiner Meinung nach ist das ein Mann, der dem HSV gut zu Gesicht stünde. Kann man den nicht mit Dennis Aogo verrechnen? Wenn dann auch noch Marcell Jansen verkauft würde und Oliver Kreuzer einen Nachwuchsmann als Backup holte, würde der HSV rund sieben Millionen Euro generieren (Fünf Millionen Ablöse plus eingespartes Jansen-Gehalt minus kleines Gehalt für den Backup). Was sich damit alles anstellen ließe… Was meint Ihr?

Hallo, Pierre-Michel

Da bist Du nun also.

Der noch fehlende Stürmer im großen HSV-Puzzle, ein Stoßstürmer der Marke Hrubesch also, wenn ich die Zeilen meiner Kollegen richtig gedeutet habe. Wobei ich nicht im Ansatz der Meinung bin, dass Du außer Deinem Gardemaß etwas mit Horst Hrubesch gemeinsam hast. Aber Egal. Zunächst einmal: Ich freue mich, dass Du da bist, lieber PML. Ich freue mich über jeden Spieler, der sich entscheidet, das HSV-Trikot tragen zu wollen.

Du bringst eine ganze Menge mit: 88 Kilogramm Gewicht, verteilt auf 189 cm Körperlänge zum Beispiel, und jede Menge Muskeln. Dazu ein wenig nationale Erfahrung: 32 Spiele in der Bundesliga, 32 in der 2. Liga. Auch internationale Erfahrung, vornehmlich gewonnen in der deutschen U21-Nationalmannschaft, für die Du in elf Spielen vier Tore erzielt hast. Viel Talent. Jugend. Das sind die guten Sachen.

Leider bringst Du auch ein paar Sachen mit, die mir nicht so gut gefallen. (Und damit meine ich nicht Deine Mutter, die ich gar nicht so negativ sehe wie einige andere. Sie verhandelt verdammt gute Verträge für Dich aus – das ist doch sehr schön, so einen Berater wünscht man sich. Dass sie sich nun extravagant schminkt und kleidet und nicht jedem Sportdirektor nach dem Mund redet: mir egal.) Deine Verletzungsanfälligkeit zum Beispiel: Du bist 21 Jahre alt, hast aber schon eine Überdehnung des Syndesmosebandes hinter Dir, eine Kreuzbanddehnung, Patellasehnenprobleme, einen Kreuzbandriss und einen Außenbandanriss. Ich befürchte, dass Du noch lange brauchst, um fit zu werden. Womit wir gleich bei der zweiten Sache sind, die mir nicht gefällt: die Vertragslaufzeit. Ich gehe davon aus, dass Du Dir in den nächsten drei Wochen einen Muskelfaserriss zuziehen wirst. Den bekommen viele, die die Belastungen nicht mehr gewohnt sind. Dann wärst Du wieder ein paar Wochen raus, dann ist fast Winter, und in der Rückserie wirst Du noch ein paar Spiele für uns machen, ehe es wieder zurück nach Berlin geht. Als im Idealfall gereifter Stürmer.

Wieso leiht man einen Spieler – und diese Frage geht nicht an Dich, sondern an Oliver Kreuzer – für eine Saison ohne Kaufoption aus? Weil man nicht besser verhandeln kann? Oder weil man im Grunde eh nicht damit rechnet, dass der Spieler einschlägt? In beiden Fällen sollte man von einer solchen Leihe absehen. Was passiert, wenn Du, lieber PML, einschlägst? Dann muss sich Oliver Kreuzer die Frage stellen lassen, warum er keine Kaufoption ausgehandelt hat. Und falls Du blass bleibst oder Dich verletzt: warum man einen wie Dich holen kann. Kreuzer kann nicht gewinnen. Es bleibt so oder so ein merkwürdiger Deal, für den Du aber nichts kannst. Du hast alles richtig gemacht, denn Du willst spielen. Eine Nummer vier noch hinter Sandro Wagner zu sein, ist wahrlich nicht schön. Hier wirst Du mit Artjoms Rudnevs und Jacques Zoua um ein bis zwei Plätze im Sturm spielen – Du wirst auf Deine Einsatzzeiten kommen.

Lieber Pierre-Michel, ich wünsche Dir als erstes: Gesundheit. Dann viel Spaß hier in Hamburg. Und wenn am Ende auch noch ein bisschen Erfolg mit dem HSV herausspränge, hätte ich nichts dagegen.

Nur der HSV.