Alles richtig gemacht.

Bei Twitter hatte ich angekündigt, dass ich zu diesem Thema nicht bloggen werde und stattdessen auf den guten Sven verweise, dessen Worte zur Causa Calhanoglu/Lasogga auch die meinen hätten sein können.

Nun lasse ich doch noch ein paar Gedanken dazu fallen:

– Hakan Calhanoglu wechselt zu Bayer Leverkusen, er möge dort glücklich werden, vor allem aber reifen.

– Pierre-Michel Lasogga kommt endlich endgültig zum HSV. Ich mag seine Art, Fußball zu spielen. Und ich mag es, dass er sich in dieser doch sehr schwierigen Situation, in der sich der HSV befindet, zu eben diesem bekennt. Aber so sehr ich mich freue: Ich bin vorsichtig und halte mich mit Lobeshymnen zurück, denn ich weiß, dass auch Calhanoglu im Zuge seiner Vertragsverlängerung beim HSV Feuer und Flamme war. („Bin dankbar, will dem HSV etwas zurückgeben, gehe notfalls auch in die 2. Liga.“)

– Wenn ich es richtig mitbekommen habe, war Per Skjelbred kein Teil des Lasogga-Deals. Das bedeutet, dass wir entweder einen gereiften, technisch versierten Mittelfeldspieler im Kader haben, oder aber noch ein paar Euro aus der Hauptstadt bekommen werden.

Zum Schluss das Allerbeste:
– Dietmar Beiersdorfer hat Rückgrat bewiesen. Herr Kühne wedelte mit Scheinchen und wollte dafür ein Stück Seele zum günstigen Preis haben. Beiersdorfer blieb standhaft, verkaufte lieber einen (von vielen) ungeliebten Spieler, der wahrscheinlich eh nicht an die Leistung der Vorsaison hätte anknüpfen können, mit großem Gewinn und machte dadurch den Lasogga-Deal möglich und hat sogar noch ein paar Taler übrig. So geht Business, alles richtig gemacht.

Warum der HSV-Kader besser ist als zuletzt

Ja, die WM ist in vollem Gange. Dennoch richten sich meine Blicke auch und immer wieder Richtung HSV.

Der 1. Juli sollte das Datum des endgültigen Neustarts werden, der zwar keine Verbesserung, aber zumindest eine starke Veränderung garantiert. Nun ja, ein ehemaliger Volleyballspieler hat etwas dagegen, ich werde das nicht weiter kommentieren.

Stattdessen schaue ich auf den Kader. Es wird gemunkelt, er habe sich im Vergleich zur vergangenen Saison qualitativ nicht verändert, und wenn, dann eher verschlechtert als verbessert. Nun, das sehe ich nicht so.

Ja, es ist noch ungeklärt, ob Pierre-Michel Lasogga auch in der kommenden Saison ein HSV er sein wird. Falls nicht, wäre das sportlich schade. Aber sonst? Die zur Winterpause der abgelaufenen Saison ausgeliehenen Ouasim Bouy und Ola John sind zu ihren Vereinen zurückgekehrt – beide haben wenig bis gar nicht überzeugt. Der dritte Torwart Sven Neuhaus beendete seine Karriere. Lasse Sobiech wird an den Stadtteilverein ausgeliehen, um Spielpraxis zu bekommen. Der Vertrag von Robert Tesche wurde nicht verlängert, ob er einen neuen Verein findet, ist noch ungewiss (Wobei: Dass er einen Verein findet, steht wohl außer Frage. Nur eben nicht, welcher Verein dies sein wird.). Zhi Gin Lam wurde an die SpVgg Greuther Fürth weitergegeben. Der eh schon verliehene Dennis Aogo gehört jetzt ganz offiziell Schalke 04. Ich möchte keinem dieser Spieler (und vor allem: Menschen) zu nahe treten, aber: Da ist der HSV eine ganze Menge Ballast losgeworden.

Schmerzen tut der Verlust eines Tomas Rincon. Ein Spielertyp und Mensch wie er tut jeder Mannschaft gut, nicht nur dem HSV. Ich bin gespannt, welcher Klub sich seine Dienste sichern wird und weine Rincon, der technisch beschlagener war, als es so mancher glauben mag, eine Träne hinterher.

Neu im Team ist Zoltan Stieber. Ein schneller, trickreicher Spieler, der mit dem Ball umzugehen weiß. Ich hoffe, er schafft es, seine Bundesligatauglichkeit unter Beweis zu stellen. Kritiker hat er genug, wobei ich manchmal denke, dass es sich hierbei um Neider handelt, die uns diesen Transfer nicht gegönnt haben.

Nicht nur wegen Stieber glaube ich, dass sich der HSV-Kader verstärkt hat. Sondern auch und vor allem wegen vier weiterer Neuzugänge: Slobodan Rajkovic, Gojko Kacar, Artjoms Rudnevs und vor allem Maxi Beister.

Ich verstehe bis heute nicht, wie man einen Spieler der Güteklasse Rajkovic so lange links liegen lassen konnte. Ich vermute, er war ein Bauernopfer. Trainer ohne Rückgrat beugten sich dem Boulevard und wollten so wenig „Chelsea-Boys“ wie nötig spielen lassen. Da kam ein Trainingsgerangel mit einem jetzigen Leverkusener gerade recht, um Rajkovic aufs Abstellgleis zu schieben. Schade, wirklich schade, dass er sich nach seiner „Rehabilitation“ so schnell und so schwer verletzte. Er wird nicht gleich zu Saisonbeginn fit sein, aber irgendwann im Laufe der Hinrunde – hoffe ich. Und dann zur Verstärkung werden.

Als Gojko Kacar im Sommer 2010 aus Berlin kam, dachte ich: Königstransfer. Kacar zählte für mich seinerzeit zu den besten fünf Bundesligaspielern im defensiven Mittelfeld. Wer weiß: Vielleicht kann er an alte Leistungen anknüpfen. Er ist erst 27 Jahre alt, hat schon eine Menge erlebt. Ihn dürfte so leicht nichts mehr umwerfen. Ich habe mit Freude zur Kenntnis genommen, dass Trainer Mirko Slomka ihn „wie einen ganz normalen Feldspieler“ betrachtet, ohne jegliche Vorurteile.

Artjoms Rudnevs. Was soll ich sagen? Ein Spieler, der zwölf Tore für eine Mannschaft wie den HSV erzielt, bringt gewisse Qualitäten mit. Ja, er ist kein Edeltechniker. Aber das war Jürgen Klinsmann auch nicht. Und? Tore zählen. Die hat Rudnevs gemacht, und die Art und Weise, wie er abgeschoben wurde, stößt mir bitter auf. Artjoms Rudnevs ist ein Spieler, der in ihn gesetztes Vertrauen mit Leistung und Hingabe zurückzahlt. Ich hoffe, er bekommt dieses Vertrauen.

Maxi Beister ist nach seinem Kreuzbandriss endlich wieder zurück auf dem Rasen. Es wird noch eine ganze Zeit dauern, bis er wieder der Alte ist. Laut eigener Aussage will er „im Herbst Spielpraxis sammeln und in der Rückrunde angreifen“. Realistisch, wie ich meine. Und genau solche Spieler braucht der HSV: Akteure, die ihre Situation richtig einschätzen können und nicht abgehoben sind. Wie groß die Wertschätzung seitens des HSV ist, sieht man anhand der Verteilung der Trikotnummern: Beister erhält die Neun – nicht alle Spieler, die diese Nummer zuletzt trugen, vermögen sich und den Kosmos um sich herum so einzuschätzen wie Beister.

Und nun stelle man sich vor, dass Hakan Calhanoglu tatsächlich bleiben muss und seine Krankheit überwindet. Und Pierre-Michel Lasogga doch noch kommt und Per Skjelbred gleich aus Berlin mitbringt. Und der Sportchef, wer immer dies sein wird, Matthias Ostrzolek vom FC Augsburg loseisen kann. Und irgendjemand Rafael van der Vaart die Kapitänsbinde abnimmt. Und Jonathan Tah und Kerem Demirbay verletzungsfrei bleiben. Das könnte dann ganz nett werden.

Nein, es wäre keine Truppe, die um Europapokalplätze spielen könnte, Aber eine, der ich es zutrauen würde, 13 bis 15 Punkte mehr zu holen als in der vergangenen Saison – und damit zumindest nicht in Abstiegsnöte zu kommen. Mehr möchte ich ja gar nicht.

Tschüss, Per

Lieber Per,

es ist schade, dass Du gehst. Du siehst nicht nur umwerfend gut aus, auch unser Mittelfeld sah mit Dir gut aus. Das ist zumindest meine Meinung – leider teile ich sie nicht mit Thorsten Fink.

Du kannst mit dem Ball umgehen, Du hast ein gutes Auge für das Spiel und Deine Mitspieler, und: Du kennst den Weg nach hinten. Letzteres in den Augen Deines Trainers offenbar ein wenig zu gut, denn gefühlt ließ er Dich nur auswärts spielen, wenn der HSV etwas defensiver auftreten sollte als daheim. Spielen – das durftest Du in dieser Saison bisher noch gar nicht. Und deshalb freue ich mich für Dich mit, wenn Du nun leihweise zur Hertha wechselt und dort hoffentlich zu alter Stärke zurückfindest.

Beim HSV stehen für Dich ganze 26 Bundesligaspiele in zwei Jahren auf der Habenseite. Das ist verdammt wenig für einen Spieler Deiner Klasse. Immerhin bist Du norwegischer Nationalspieler und mehrmaliger norwegischer Landesmeister. Das schien für Thorsten Fink nicht zu zählen. Schade, wie ich bereits schrieb. Ich wünsche Dir, dass Du dieselbe Anzahl an Bundesligaspielen noch in dieser Saison für die Berliner absolvierst und Fink zeigst, was für ein guter Spieler Du bist.

Ich wünsche Dir in dem einen Jahr alles Gute. Komm‘ gut wieder zurück.

Da Per Skjelbred im Leihtausch mit Pierre-Michel Lasogga geht, verzichte ich auf den hier inzwischen üblichen Sermon, alle Erlöse dieser Transferperiode aufzulisten. Beim nächsten Spieler dann wieder…