Tschüss, Michael

Was für eine Woche.

Oliver Kreuzer wurde entlassen, Bernhard Peters wurde gewonnen – zwei Personalentscheidungen, die ich gutheiße.

Schade finde ich, dass Michael Mancienne gehen muss. Blickt man auf seine Zeit zurück, muss man wohl konstatieren, dass er nie so richtig beim HSV angekommen ist.
Das Standing, das man als Innenverteidiger benötigt, hatte er nie – wenigstens nicht bei all‘ seinen Trainern, die Michael in seiner Zeit hatte. Lag es eventuell an seinem unfassbar schlechten Stellungsspiel? Oder am mangelnden Interesse an Integration? Mancienne spricht auch nach drei Jahren eher schlecht als recht Deutsch.

Was mich angeht: Ich mochte ihn von Beginn an, diesen unschuldig dreinblickenden, aber wenn es sein musste kompromisslosen Kerl. Mancienne war darüber hinaus der kopfballstärkste Verteidiger, der in diesem Jahrtausend für uns aufgelaufen ist. Und, ganz wichtig: Er ist ein Profi, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Wir alle wissen, wie der Verein mit ihm umgegangen ist. Wie professionell Mancienne das alles weggesteckt hat, und wie loyal er dem HSV stets gegenübergetreten ist, verdient größten Respekt. Michael, ich danke Dir für Deine Zeit beim HSV und weine Dir ein bisschen hinterher.

Dass Mancienne zu Nottingham Forest wechselt, wenn er denn schon gehen muss, habe ich mit Freude zur Kenntnis genommen. Die Reds sind so etwas wie mein Lieblingsverein auf der Insel, zudem der einzige Verein, der den Europapokal der Landesmeister öfter gewonnen hat als den nationalen Meistertitel. Eat this, FC Bayern, Manchester United, FC Barcelona und wie Ihr alle heißt. Die zweite englische Liga könnte Mancienne gut tun. Ich hoffe es und wünsche ihm das Beste.

Apropos „das Beste“: Eingangs schrieb ich ja, was für eine Woche diese sei. Auch, wenn ich Michael Mancienne gern weiter bei uns gesehen hätte, finde ich seinen Verkauf ok. Im Gegensatz zu anderen Innenverteidigern hatte er wohl zumindest dieses eine Angebot, und wenn es wirklich darum geht, Gehälter einzusparen, dann ist dieser Transfer gerade vor dem Hintergrund, dass ein Überangebot an Innenverteidigern vorherrscht, kaufmännisch absolut nachzuvollziehen. Insofern: well done. Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte diese Woche aber mit der Meldung, dass Adidas und der HSV den Ausrüstervertrag um zehn Jahre verlängert haben. 40-50 Millionen Euro, die der HSV dafür einstreicht, mögen sich für einige Zweifler nicht viel anhören. Für einen Klub, der beinahe abgestiegen wäre und knapp bei Kasse ist, ist der Deal aber beispielsweise sehr hilfreich im Hinblick auf Lizenzvergaben. Außerdem macht sich der HSV ein Stück weit unabhängiger von Herrn Kühne. Eine gute Entscheidung.