He, Heung-Min Son!*

Ausgepfiffen haben sie Dich. Die eigenen Fans. Nicht in dieser Saison, aber in der davor. Weil Du neben Spielern wie Petric und vor allem Guerrero sagen wir: unglücklich aussahst, den einen oder anderen Ball verstolpert hast. Und zu früh oder zu spät aufs Tor schießen wolltest. Dabei wolltest Du es doch eigentlich nur allen recht machen. Genau das war wohl das Problem: Du hast zu viel nachgedacht, Deine Unbekümmertheit war weg.

Keine Ahnung, was in der Vorbereitung zur Saison 2012/13 passiert ist. Vielleicht hat ja Dein Trainer Einzelgespräche mit Dir geführt, Dir versichert, dass er weiter auf Dich baut, egal, ob Du ausgepfiffen wirst. Vielleicht hast Du Dir auch einfach nur ein dickeres Fell zugelegt, bist erwachsener und selbstbewusster geworden.

Du wurdest auf jeden Fall in dieser Saison zu einem der Stützpfeiler des HSV. Zwölf Tore und noch mehr gute Partien hast Du abgeliefert. Davor ziehe ich meinen Hut. Mir war und ist es egal, dass man Dich kritisierte, Du würdest zu eigensinnig sein. Ein guter Stürmer (oder meinetwegen auch ein guter offensiver Mittelfeldspieler) braucht eine gewisse Portion Eigensinnigkeit. Und Du bist noch jung und wirst merken und lernen, dass man in manchen Situationen besser querpasst als abschließt.

Mir hast Du gefallen. Deine Spielweise, Dein Akzent, Dein schauspielerisches Talent in den Werbespots für das neue HSV-Trikot, dass Du nie tragen wirst – höchstens, wenn jemand nach den Spielen gegen Leverkusen mit Dir das Trikot tauscht.

Leverkusen. Warum es nun Leverkusen wurde und nicht Dortmund oder gar Tottenham – ich werde es nicht erfahren. Wahrscheinlich haben die dort einfach noch mehr geboten an Handgeld und monatlichen Bezügen und Prämien. Egal, was nun den Ausschlag für den Wechsel dorthin gab: Ich wünsche Dir viel Glück. Hol‘ Dir die Torjägerkrone, schieß‘ Deinen neuen Verein zur Vizemeisterschaft. Aber lass‘ bitte Deinen meinen HSV in Ruhe, zeig‘ Dich in den beiden Spielen gegen Blau-Weiß-Schwarz von Deiner allerschlechtesten Seite. Falls Du aber doch Normalform zeigst und eventuell sogar triffst: Tu mir den Gefallen und verzichte nicht auf den Jubel. Trügest Du den HSV so sehr im Herzen, dass Du Dich kaum über ein von Dir erzieltes Tor gegen ihn freutest: Du wärest hier geblieben.

*Dies ist ein lange vorbereiteter Blogeintrag. Ich habe ihn in weiser Voraussicht geschrieben, weil mir klar war, dass sie irgendwann in den nächsten Tagen kommen wird: die Bekanntgabe des Transfers Heung-Min Sons zu Bayer Leverkusen.