Manchmal wünscht man sich ein bisschen mehr.

Und das lieben und schätzen viele (also: zumindest ich) so am Kamke: Dass er es nicht nur zu verstehen weiß, Geschichten und Gedanken wunderschön in Worte zu fassen, sondern dass diese so wunderschön in Worte gefassten Geschichten und Gedanken niemanden (also: zumindest mich nicht) so richtig loslassen wollen.

So kam es, dass ich lange (ein jeder möge sich hier bitte die Zeitspanne denken, die er als lang bzw. lange erachtet), nachdem ich diesen Text gelesen habe, meiner Meinung nach lobende Worte über ebendiesen fand und diese wiederum der Twitterwelt preisgab, um Werbung für diese besonders schöne Art des Zeitvertreibs zu trommeln: Den Text einfach auch mal zu lesen. Oder nochmal. Kamke sah dies – was durchaus gewollt war, und das im doppelten Sinne – und führte eine kurze, aber für ihn typische Unterhaltung mit mir:

kamke

So angestachelt, oder, etwas galanter und damit durchaus Kamke-esker ausgedrückt: angespornt, oder eben auf höfliche, aber bestimmte Art gebeten, zu erklären, warum ich mich in seinem Text wiederfand, gebe ich mich dieser Aufforderung nun hin:

Wie jeder Junge, der schon mehr als einmal in seinem Leben Fußball gespielt hat, und besonders in einem Verein und damit nicht nur zum eigenen Spaß, sondern auch, um der Mannschaft, deren Teil man war, zu weiterem oder größeren Erfolg zu verhelfen, fragte ich mich oft genug, welche Skills ich denn habe und vor allem: welche nicht. Und wie ich mir die fehlenden welchen aneignen und die dezent vorhandenen verbessern könne, um die, die ich aus verschiedensten Gründen nicht haben konnte, vergessen zu machen, beziehungsweise: es egal werden zu lassen, dass ich nicht in deren Besitz war.

Hierbei half es mir, dass ich mindestens jeden zweiten Sonntag die Spiele, nämlich Heimspiele, unsere Vorzeigemannschaft des Vereins, der 1. Herren, ansah, die es zeitweise bis in die 4. Liga schaffte. Es gab durchaus auch Zeiten, in denen unser Verein in Deutschlands höchster Spielklasse spielte, aber Vati möchte nicht vom… Nun ja, das lag deutlich vor meiner Zeit.

Die Spiele unserer 1. Herren also. Oft von Erfolg gekrönt. Immer voller Leidenschaft, teils technisch hochklassig, kämpferisch immer topeingestellt. Ich sah Spieler, die später Profi wurden. Einer sogar Nationalspieler. Einer ist ein aktueller Bundesligaprofi – den wiederum habe ich natürlich erst spielen sehen, als ich längst erwachsen war und immer noch gern der 1. Herren zusah. Ich tue das heute noch, in vollem Bewusstsein darüber, dass die Spieler rein altersmäßig meine Söhne sein können. Einer ist mein Neffe. Aber sind wir mal ehrlich: Bei den Herren Bundesligaprofis verhält sich das nicht anders. Außer, dass keiner von denen mein Neffe ist, versteht sich.

Und da gab es diesen einen Spieler, nennen wir ihn Thorsten. Thorsten war klein. Deutlich kleiner als seine Mitspieler. Einen etwaigen Nachteil, der sich daraus ergab, machte er durch Einsatz wett. Und mit seiner Pferdelunge. Und mit der regelmäßigen Verwendung seines schwächeren linken Fußes, der, weil er ihn so häufig benutzte, eigentlich, wann immer es ging, schon bald gar kein wirklich schwächerer Fuß war. Das machte Thorsten flexibel, wenn es darum ging, teils knifflige Spielsituationen aufzulösen – und oft zum Wohlgefallen seiner Mitspieler und den Fans am Rande. Aber das nur am Rande.

Ich selbst war schnell. Das mag man sich, musterte man mich heute (und hierzu reichte schon ein kurzer Blick), kaum mehr vorstellen, hat sich doch im Laufe der Zeit das eine oder andere Gramm zu meinem Idealgewicht hinzugesellt. Damals, in der Jugendzeit, über die ich hier größtenteils schreibe, war dem aber noch nicht so. Ich war also schnell. Und man sagte mir nach, dass ich ein Auge für die Mitspieler gehabt hätte. Und dass ich mit dem Ball am (rechten) Fuß umzugehen vermochte und sogar das Spiel ohne Ball zufriedenstellend interpretierte. Aber: Das reichte mir nicht. Wie oben beschrieben, versuchte ich, meine Skills zu verbessern und meine verborgenen Fähigkeiten zu entdecken. Und diese eine Fähigkeit, die angesprochener Thorsten hatte – die wollte ich auch haben. Nicht die Pferdelunge. Nicht die geringe Körpergröße (obwohl ich die habe – aber Thorsten war und ist noch kleiner). Nein, ich begann im Training immer öfter ausschließlich mit links zu schießen, zu passen, zu stoppen. Doch das reichte mir nicht. Ich hatte die fixe Idee, dass ich erst dann ein in meinen Augen passabler Linksfußspieler sein würde, wenn ich den linken Fuß intuitiv wählte, nicht, wenn ich vorher darüber nachgedacht hätte, ob ich den Ball lieber mit links oder mit rechts spielte. Wer zuviel denkt, verliert. Also bestritt ich bald den nichtfußballerischen Alltag mit links. Ich öffnete Portemonnaies mit links und stopfte sie, wieder geschlossen, in die linke Gesäßtasche (was ich noch heute mache). Ich öffnete Getränkeflaschen mit links. Wenn ich Klamotten anzog, dann vornehmlich mit links (Zumindest war die linke Hand federführend. Ihr wisst, was ich meine: viele Kleidungsstücke lassen sich mit einer Hand eben weder an- noch ausziehen, also braucht man beide. Aber eine Hand macht mehr.). Ich schrieb mit links – was ich schnell wieder aufgab. Aber Tischtennis oder Boccia, eben das, womit man sich so die Zeit vertrieben hatte, bevor es Handys gab (nicht, dass ich als Teenager ein Handy hätte haben dürfen, aber das ist eine andere Geschichte), spielte ich mit links.

Mein Vorhaben ging auf. Zumindest für mich. Ich halte meinen linken Fuß, auch heute noch, in einer Zeit, in der ich erwähnten Ballast mit mir herumschleppe und der Zahn der Zeit nach meinem Verständnis auch sonst ein wenig zu heftig an mir herumgenagt hat, passabel, vielleicht sogar gut. Auf jeden Fall besser als der schwächere Fuß der meisten meiner Mitspieler, mit denen ich mich auch heute noch messe. Und deshalb fand ich mich wieder. Im Kamke-Text. Und was das im obigen Twitterdialog angesprochene „lieber schnell und klug abspielen statt schmerzende Zweikämpfe eingehen“ angeht: Ich habe irgendwann mit mir selbst ausgemacht, dass ich meiner Mannschaft mehr helfen kann, wenn ich eben keine in meinen Augen überflüssigen Zweikämpfe führe, aus denen ich eh als zweiter Sieger (ähem) gehen würde, zudem eventell noch mit schmerzenden Knochen oder anderen Blessuren. Sondern zwar mit Bedacht, aber zügig und zuweilen einen Spielzug vorausdenkend abzuspielen, ehe der Gegner in Versuchung kommen könnte, mir den Ball mit fairem oder unfairem Körpereinsatz abzunehmen. Was nicht heißt, dass ich keine Zweikämpfe um den Ball geführt hätte und deshalb nicht oft genug körperliche Schmerzen ertragen musste. Nur die Zweikämpfe, bei denen ich mir von vornherein sicher war, dass sie nichts bringen würden außer eventuellem Aua und/oder einen Ballverlust respektive der Gewissheit, einen Ball, den wir noch nicht im Besitz hatten, gar nicht erst erkämpfen zu können – die ließ ich sein. Ich halte das für schlau: unnützen Zweikämpfen aus dem Wege zu gehen. Nicht nur im Fußball. Und seine Schwächen abzustellen, beziehungsweise es wenigstens zu versuchen: auch. (HSV-Inhalt gibt’s das nächste Mal wieder.)

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Andererseits.

Wie einige von Euch eventuell bemerkt haben, bin ich in den vergangenen Tagen nicht dazu gekommen, zu bloggen.

Auch aktuell habe ich nicht wirklich die Zeit, die ich gern hätte, um mich so um mein Blog zu kümmern, wie ich es gern tun würde.

Einerseits ist es glücklicherweise die Arbeit, die mich davon abhält.

Andererseits, ebenso glücklicherweise: das hier.

Ich könnte nun schreiben, wie das Ganze zustande gekommen ist. Wenn es aber überhaupt „für Außenstehende“ eine interessante Geschichte ist, so, da bin ich sicher, kann er sie viel besser erzählen. Und ganz nebenbei: Es gebührt ihm auch.

Nun denn.

Wenn Ihr Fußball, die WM und Reime mögt – das muss nicht zwangsläufig in diesem Maße sein, wie Herr K. und ich das tun – dann schaut doch mal bei der Doppelfuenf rein. Ich würde mich freuen.

Zum Spiel in Stuttgart.

Was soll ich sagen, was ich in den letzten Tagen nicht schon über den HSV gesagt hätte? Eben: nichts.

Dass es nichts mit Europa wird, steht für mich nun fest. (Nun ja, es bleibt eine Resthoffnung. Woraus sich diese nährt, weiß ich allerdings nicht.) Denn derzeit traue ich ihm, so leid es mir tut und so schade ich es finde, nichts zu.

Weil nun am Wochenende gegen den VfB Stuttgart gespielt wird, jenem Klub, dem der Chef-Reimer und Premiumblogger Heinz Kamke besonders zugetan ist, habe ich versucht, den von mir befürchteten Spielverlauf im Reimform niederzuschreiben. Man möge mir etwaige Holprigkeiten verzeihen. Hauptsächlich wollte ich auf diese Weise nur dem eben angesprochen Herrn Kamke huldigen.

Nun denn:

Recht nahe dem* Cannstatter Wasen,
auf heiligem Stuttgarter Rasen,
wird Hamburg statt siegen,
auf’s Fresserchen fliegen.
Ich fürchte, es sind nicht nur Phasen.
Der Annahme Grund ist – wie bitter –
die Form der Hamburger: Gezitter
statt ’ner Brust, die so breit,
wie Beth Ditto ihr Kleid.
Ich fürcht’, es gibt Toregewitter.
Nun ja. Ich hoffe, es war nicht ganz schlecht. Und ich hoffe, ich habe Unrecht.

* In einer früheren Version stand hier „der“. Ich habe es nicht besser gewusst. Ich schäme mich. Danke für die Hinweisgeber.