Eine kleine Liebeserklärung

Ist das dieses 2014? Oder werde ich altersbedingt komisch? Fakt ist: Ich möchte zwei jungen Männern eine kleine Liebeserkläung machen:

Lieber Hakan, lieber Jonathan,

nachdem Ihr nun 16 bzw. 13 Bundesligaspiele für den HSV absolviert habt, ist es an der Zeit, „Danke“ zu sagen. Danke für Euren Einsatz, für das Talent, das Ihr mitbringt und für den Verein in die Waagschale werft, und für den Charakter, den Ihr habt.

Ihr seid 19 und 17 Jahre alt, könntet meine Söhne sein, und Ihr seid gemeinsam jünger als ich allein. Ich bin stolz auf Euch. Ich bin fasziniert von Eurer Einstellung zum Beruf und zum Leben. Euch sind Taktik und Technik wichtiger als Autos und Uhren. Ihr habt einen gesunden Mix aus Lernbegierigkeit und Selbstvertrauen. Ihr steht trotz Eurer Jugend mitten im Leben und wisst, was Ihr wollt, ohne dabei hochnäsig oder arrogant zu wirken.

„Ich bin mit Respekt zum HSV gekommen, aber ich wollte auch sofort zeigen, was ich kann“, las ich jüngst im kicker über Dich, Hakan, Du Virtuose, Du Lederkugelstreichler, der den Ball einfühlsamer zu berühren weiß als so mancher Mann seine Frau. (Oder so manche Frau ihren Mann, oder so manche Frau Ihre Frau, oder so mancher Mann seinen Mann…)
„Für mich stand immer fest, dass ich hierbleiben wollte“, sagtest Du, Tah, Du Jugendlicher im Körper eines kanadischen Holzfällers, wohl aber mit der Filigranität eines Balletttänzers, als Hamburger Tageszeitungen schon im November vergangenen Jahres von Deiner vorzeitigen Vertragsverlängerung berichteten. Das sind Worte, die man gern liest, und die bei allen HSV-Fans für Gänsehaut gesorgt haben dürften. Bei mir war es zumindest so.

Wegen Euch schaue ich mir die Spiele des HSV hauptsächlich an. Sogar zum dritten, vierten Mal, selbst wenn wir verloren haben. Weil Ihr es wert seid, weil Ihr es verdient habt. Mit Eurer Art, Fußball zu spielen, mit Eurem Einsatzwillen, Eurem nie enden zu scheinenden Engagement. Ihr beiden seid für mich die fleischgewordene Hoffnung auf bessere Zeiten beim HSV. Ihr seid jetzt schon so gut. Wie gut mögt Ihr erst in zwei, drei Jahren sein?

Toll, dass Ihr Euch für den HSV entschieden habt. Meinetwegen dürft Ihr Fehlpässe spielen, Stellungsfehler begehen und Euch für die falsche Zweikampfführung entscheiden, so oft Ihr wollt. Ich werde Euch nichts vorwerfen, denn auch das alles gehört dazu, um zu reifen. Bleibt noch lange beim HSV. Das wäre mein Wunsch an Euch. Macht den HSV wieder zu einer guten Adresse. Und wenn die großen, die richtig großen Vereine anklopfen: Denkt trotz der Top-Angebote darüber nach, ob (viel mehr) Geld wirklich alles ist bzw. wichtiger als viel mehr Einsatzzeiten (nicht, dass ich Euch nicht zutrauen würde, einmal auch wichtige Rollen bei den besten Vereinen der Welt zu spielen). Aber wem sag‘ ich das? Ihr seid vernünftig genug, das abzuwägen.

Lieber Hakan, lieber Jonathan: Danke, dass Ihr da seid.

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Fünf Zeilen wegen Kamke 22

Seine Freistöße sind eine Schau,
und die Pässe: viel mehr als genau,
die Lunge vom Pferd –
deshalb von mir verehrt.
Bitte bleib’ noch lang’ beim HSV!

Hier gibt’s ein schönes Hakan-Video: http://www.youtube.com/watch?v=RQZ6t-MrXjo

Remis, Engel, Drittliga-Manager

Alles in allem war es doch so schlecht nicht, dass der HSV einen Punkt aus Wolfsburg mitnehmen konnte. Vor der Partie wäre ich mit dieser Ausbeute zufrieden gewesen, insofern möchte ich mich auch danach nicht darüber beschweren. Klar, es ist Pech, wenn man in der Schlussphase des Spiels nur Aluminium trifft. Es ist aber auch Glück, wenn man in dieser verhaltenen Anfangsphase, die der HSV gezeigt hat, nicht schon von den Wolfsburgern überrollt wird. So what. (Tiefer gehende und bessere Analysen gibt es, da bin ich sicher, bei Tim und Florian).

Dass Hakan Calhanoglu der HSV-Torschütze des Tages war, hat mich besonders gefreut. Er hat mit diesem Treffer untermauert, wie gefährlich seine Freistöße sind – ganz gleich, ob der Ball nun direkt oder per Benaglio-Kopfball die Linie überquerte. Drin ist drin, und wenn Calhanoglu die Freistöße trifft, gilt Alarmstufe Rot.

Das ist besonders wichtig vor dem Hintergrund, dass Rafael van der Vaart wohl deutlich früher ins Team zurückkehrt als von mir (und einigen anderen „Experten“) erwartet. Ich bin nach seiner Verletzung felsenfest davon ausgegangen, ihn erst im Jahr 2014 wieder spielen zu sehen. Nun soll es schon am kommenden Wochenende so weit sein. Und so sehr ich mich darüber freue, dass van der Vaart wieder gesund ist: Ich hätte Calhanoglu gern noch drei Spiele ohne ihn spielen sehen. Nun wird es wohl höchstens noch beim DFB-Pokalsieg gegen den 1. FC Köln der Fall sein.

In der Winterpause werde ich sicher noch einen Blogeintrag zur Causa Oliver Kreuzer verfassen. Schon jetzt und an dieser Stelle möchte ich unserem Sportdirektor aber ein Lob aussprechen. Trotz und gerade wegen der Kritik, die er von vielen Seiten einstecken musste. Aus meiner Sicht hat er einen verdammt guten Job gemacht. Hoffentlich geht das im kommenden Jahr so weiter. Und auch, wenn wir in den folgenden Tabellen schlechter dastehen als im Vergleich zu 2012/13, so habe ich doch ein besseres Gefühl als damals. Auch ein Verdienst des Drittliga-Managers.

Saison 12/13:
1. Spieltag: Nürnberg (H) 0:1, 0 Punkte (Torverhältnis: -1)
2. Spieltag: Bremen (A) 0:2, 0 Punkte (-3)
3. Spieltag: Eintracht Frankfurt (A) 2:3, 0 Punkte (-4)
4. Spieltag: Borussia Dortmund (H) 3:2, 3 Punkte (-3)
5. Spieltag: Borussia Mönchengladbach (A) 2:2, 4 Punkte (-3)
6. Spieltag: Hannover 96 (H) 1:0, 7 Punkte (-2)
7. Spieltag: Greuther Fürth (A) 1:0, 10 Punkte (-1)
8. Spieltag: VfB Stuttgart (H) 0:1, 10 Punkte (-2)
9. Spieltag: FC Augsburg (A) 2:0, 13 Punkte (0)
10. Spieltag: Bayern München (H) 0:3, 13 Punkte (-3)
11. Spieltag: SC Freiburg (A) 0:0, 14 Punkte (-3)
12. Spieltag: Mainz 05 (H) 1:0, 17 Punkte (-2)
13. Spieltag: Fortuna Düsseldorf (A) 0:2, 17 Punkte (-4)
14. Spieltag: FC Schalke 04 (H) 3:1, 20 Punkte (-2)

Saison 13/14:
1. Spieltag: Schalke (A) 3:3, 1 Punkt (Torverhältnis: 0)
2. Spieltag: 1899 (H) 1:5, 1 Punkt (-4)
3. Spieltag: Hertha BSC (A) 0:1, 1 Punkt (-5)
4. Spieltag. Eintr. Braunschweig (H) 4:0, 4 Punkte (-1)
5. Spieltag: Borussia Dortmund (A) 2:6, 4 Punkte (-5)
6. Spieltag: Werder Bremen (H) 0:2, 4 Punkte (-7)
7. Spieltag: Eintracht Frankfurt (A) 2:2, 5 Punkte (-7)
8. Spieltag: 1. FC Nürnberg (A) 5:0, 8 Punkte (-2)
9. Spieltag: VfB Stuttgart (H) 3:3, 9 Punkte (-2)
10. Spieltag: SC Freiburg (A) 3:0, 12 Punkte (1)
11. Spieltag: Bor. M’gladbach (H) 0:2, 12 Punkte (-1)
12. Spieltag: Bayer Leverkusen (A) 3:5, 12 Punkte (-3)
13. Spieltag: Hannover 96 (H) 3:1, 15 Punkte (-1)
14. Spieltag: VfL Wolfsburg (A) 1:1, 16 Punkte (-1)

Veränderung: Vier Punkte schlechter (ein Tor besser)

Platzierung nach dem Spieltag:
2012/13: 8
2013/14: 11

Veränderung:
Drei Plätze schlechter

Saison 12/13:
Schalke – Hamburger SV 4:1
Hamburger SV – Hoffenheim 2:0
Fortuna Düsseldorf* – Hamburger SV 2:0
Hamburger SV – SpVgg Greuther Fürth* 1:1
Borussia Dortmund – Hamburger SV 1:4
Hamburger SV – Werder Bremen 3:2
Eintracht Frankfurt – Hamburger SV 3:2
1. FC Nürnberg – Hamburger SV 1:1
Hamburger SV – VfB Stuttgart 0:1
SC Freiburg – Hamburger SV 0:0
Hamburger SV – Bor. M’gladbach 1:0
Bayer Leverkusen– Hamburger SV 3:0
Hamburger SV – Hannover 96 1:0
VfL Wolfsburg – Hamburger SV 1:1
19 Punkte, 17:19 Tore

Saison 13/14
Schalke – Hamburger SV 3:3
Hamburger SV – Hoffenheim 1:5
Hertha BSC* – Hamburger SV 1:0
Hamburger SV – Eintracht Braunschweig* 4:0
Borussia Dortmund – Hamburger SV 6:2
Hamburger SV – Werder Bremen 0:2
Eintracht Frankfurt – Hamburger SV 2:2
1. FC Nürnberg – Hamburger SV 0:5
Hamburger SV – VfB Stuttgart 3:3
SC Freiburg – Hamburger SV 0:3
Hamburger SV – Bor. Mönchengladbach 0:2
Bayer Leverkusen – Hamburger SV 5:3
Hamburger SV – Hannover 96 3:1
VfL Wolfsburg – Hamburger SV 1:1
16 Punkte, 30:31 Tore

Veränderung:
Drei Punkte schlechter, ein Tor besser

*Hertha ersetzt in diesem Vergleich Düsseldorf, Braunschweig Greuther Fürth.

Schmerzen als Chance.

Eine Verletzung, eine schwere dazu, ist nun wahrlich nichts, worüber man sich freuen sollte.

Der Verletzte an sich freut sich nicht, hat er ja nun mal Schmerzen. Und nebenbei allerlei Umstände, je nach Art und Schwere der Verletzung: Menschen, die sich beide Arme gebrochen haben, können zum Beispiel nicht mal aufs Klo, bzw. vielleicht das – aber die Hose zuknöpfen geht nicht mehr ohne fremde Hilfe.

Verletzt sich ein Fußballprofi, sollte man meinen, dass sich eventuell ein paar Leute freuen dürfen. Seine Kritiker beispielsweise, die schon damals seinen Kauf nicht gutgeheißen hatten. Spieler anderer Vereine, die in der Zeit, in der der Verletzte nun verletzt ist, gegen diesen seinen Verein spielen und sich nun nicht mehr mit dem Gedanken daran herumplagen müssen, wie sie den nun Verletzten stoppen können. Fans anderer Vereine, die dem Verein des Verletzten eh die Pest an den Hals wünschen. Mitspieler, die in der vergangenen Zeit zu wenig Einsatzzeiten bekommen hatten, weil der damals noch unverletzte Jetzt-Verletzte in den Augen des Trainers wichtiger war und deshalb statt ihrer auf dem Feld stand. Sie alle tun gut daran, sich aus Gründen des Respekts und des höflichen Umgangs miteinander (wir sind ja alle Menschen) nicht über die Verletzung zu freuen.

Ich aber freue mich – ein ganz, ganz klitzekleines bisschen – darüber, dass Rafael van der Vaart jüngst verletzt wurde.

Eigentlich schäme ich mich fast ein wenig dafür, dass ich so denke. Allerdings, so möchte ich mich rechtfertigen, ist es mitnichten so, dass ich dem kleinen Engel per se Schmerzen oder ähnlich Schlimmes wünsche. Da möge man mich nicht falsch verstehen. Es ist nur so, dass ich mich über die Auswirkungen dieser Verletzung freue. Van der Vaart laboriert nun an angerissenen Bändern und wird dem HSV rund vier Wochen fehlen. Wir sehen den Mann also praktisch erst Mitte Januar oder was weiß ich, wann der HSV nach der Winterpause wieder mit dem Training beginnt, auf dem Rasen. Dass er es noch vor Weihnachten wieder in den Kader schafft, halte ich Stand heute für ausgeschlossen. Für seine Mannschaft – und deshalb, und nur deshalb, freue ich mich über diese Verletzung – kann das eine Riesenchance sein.

Als Rafael van der Vaart von Sky du Mont Klaus-Michael Kühne gekauft und an den HSV weiterverschenkt wurde, habe ich mich sehr darüber gefreut. Nicht weil der Spieler mit seinen fraglos vorhandenen fußballerischen Qualitäten ein großer sportlicher Gewinn für die Mannschaft war, sondern wegen der Sogwirkung, die sich aus dem Transfer ergab: Verunsicherte Spieler gewannen durch seine bloße Anwesenheit wieder neues Selbstvertrauen und leisteten demzufolge mehr, als sie ohne van der Vaart zu leisten imstande gewesen wären.

Gleichwohl kristallisierte sich in den folgenden Monaten jedoch aus heraus, dass der Spielstil van der Vaarts nicht der modernste ist; dass es für van der Vaart im Grunde kein System gibt, in das er wirklich passt, in dem er einer Mannschaft dauerhaft weiterhelfen kann – zumindest nicht beim HSV. Weil van der Vaart aber nun mal zum Kapitän ernannt wurde, schwanden die Chancen zu Beginn dieser Saison, dass sich auch eine Elf finden kann, die ohne ihn auskommt, die ohne ihn eventuell sogar schwerer auszurechnen sein könnte, die nicht nur zehn, sondern elf Männer auf dem Feld hat, die in ein bestimmtes Spielsystem passen bzw. die Ideen des Trainers umsetzen.

Diese Chance ist nun da.

In den nächsten Wochen erhält der HSV eine fast schon historische Möglichkeit. Nämlich die, zu zeigen, dass es auch ohne Rafael van der Vaart möglich ist, attraktiven und erfolgreichen Fußball zu spielen. Oder eben: gerade, weil er nicht dabei ist. Ich hätte nichts gegen eine Wachablösung – bevor der Heilsbringer zum Unheilsbringer wird. Soll Hakan Calhanoglu doch mehr Verantwortung bekommen und mehr Freistöße schießen. Soll Milan Badelj doch endgültig zum Hirn der Mannschaft avancieren. Und sollen alle anderen, die gerade hintan stehen, doch ihre Chancen auf (längere) Einsatzzeiten wittern. Zum zweiten Mal binnen weniger Jahre könnte Rafael van der Vaart nun für eine positive Sogwirkung sorgen – auch, wenn ihm diese nicht unbedingt schmecken dürfte.

Ich wünsche unserem kleinen Engel, dass er wieder gesund wird. Es muss – und ich bitte nochmal darum: nicht falsch verstehen –  nur nicht unbedingt eine Blitzheilung sein. Lass‘ Dir Zeit, Kapitän, auf dass Dein Kahn die richtige Richtung einschlage.

Denn am Ende zählt: Nur der HSV.