Gastbeitrag: Eine Frage der Ehre.

Hallo, liebe Leser, heute erfährt mein Blog eine deutliche Aufwertung: Astrid, die Anchorwoman vom RautenTV, hat sich ihre Gedanken rund um die aktuelle Situation des HSV gemacht.

Viel Spaß beim Lesen.

 

Eine Frage der Ehre.

Dieses Jahr ist es also so weit, wenn man den Meinungen in der weitläufigen Welt Fußballdeutschlands folgen würde. Experten, Medien, Fans anderer Vereine, sogar ein Großteil der eigenen Fans und auch alle, die sich eigentlich außerhalb der internationalen Turniere nicht für Fußball interessieren, sind sich erstaunlich einig – die Saison 2013/2014 wird als der größte Meteoritenhagel der Neuzeit in die Geschichte eingehen. Der Dino stirbt aus.

Nun ja, noch ist es ja nicht so weit. Gut, die Leistungen sind bescheiden. Ok, die Leistungen wurden konstant schlechter seit dem uns der FCA besucht hat. Ja, ihr habt alle Recht – wieso sollte man annehmen, dass es sich bessern würde?

Ganz einfach: Ich bin ein Fan. Ich glaube immer – jedes einzelne Spiel bevor der Schiri anpfeift glaube ich. Auch nach einem Rückstand glaube ich. Und solange es noch möglich ist werde ich an diese Jungs glauben, dass sie es schaffen. Am 33. Spieltag bei 7 Punkten Rückstand auf Platz 15 können wir darüber sprechen. Aber: sich auf einen Abstieg einzustellen, nur damit es bei einem eventuell eintretenden Fall dann nicht „so weh tut“?

Ich versau mir doch nicht selber die nächsten 4 Monate.

Wie mag wohl der Support aussehen, wenn man eigentlich jetzt schon innerlich abgeschlossen hat? Vielleicht geht man dann ja nach einem 0:1 Rückstand schon in der Pause nach Hause. Bringt ja eh nichts. Ich bin mir übrigens sicher, dass die Mannschaft heute einen dreimaligen Rückstand nicht mehr in ein 3:3 ausgleichen würde. Ja, richtig – sie wollten an diesem Tag. Aber das Publikum wollte auch.

Mir persönlich ist das Phänomen „Ich habe bezahlt, und wenn mir das Spiel nicht gefällt, dann pfeif ich eben. Im Zweifel schon nach 10 Minuten“ ein großes Mysterium. Wenn man ehrlich zu sich selber ist, dann hat das nichts mit den Jungs auf dem Rasen zu tun. Sondern mit eigenen –falschen– Erwartungen, mit simplen Überschätzungen der Leistungsfähigkeit der aktuellen Protagonisten. Ein Phänomen seit Jahren in Hamburg. Ein Phänomen seit 2009. Hat die Fanseele die vier Derbys gegen Bremen mit den entscheidenden Niederlagen nicht verkraftet? Tatsache ist: Gab es in der Saison 08/09 noch 13 Heimsiege, so waren es 09/10 nur noch 8, ein Jahr darauf nur noch 7. Und in der Zittersaison 11/12 gar nur 3. Noch gravierender ist die Statistik der Heimniederlagen. In der Saison 09/10 waren es 3 Niederlagen, ein Jahr später schon 5 und seit der Saison 11/12 konstant 7. Gut, in der letzten Saison konnten wir uns zumindest hinsichtlich der Heimsiege wieder stabilisieren (8) – aber das wohl nicht zuletzt dank eines starken Rene Adler, der uns mindestens 3 mal den knappen Sieg festhalten konnte. 7 Niederlagen konnte aber auch er nicht verhindern.

Seit 2009 waren diverse Trainer bei uns beschäftigt, es gab einen Umbruch im Kader und im Vorstand. Das Publikum dürfte im Großteil das Gleiche sein.

Man sagt ja gern, „der Fisch stinkt vom Kopf“.

In Hamburg schwimmt der stinkende Fisch aber auch noch in einem vergifteten Teich.

Ich möchte hier natürlich nicht allein die Fans für die Misere verantwortlich machen, den sportlichen Niedergang haben andere zu verantworten: eine katastrophale Kaderplanung verursacht durch wechselnde Sportdirektoren und Trainer, ausgehandelte Gehälter, die man nicht nachvollziehen kann, kein Geld und keine Perspektiven, die man bieten könnte, der Trainerstuhl, der heißer nicht sein könnte. Ein Aufsichtsrat, der zu einem Großteil die Position für eigene Geltungssucht und Networking nutzt und verschiedene Verlage, die sich gegenseitig gern in ihrer Exklusivität überbieten möchten (bad news sells) – nein, der HSV ist für einen Arbeitnehmer im Profifußball wahrlich keine erste Wahl mehr.

Diese Probleme lassen sich kurzfristig jedoch nicht ändern. Und Stand heute brauchen wir eine schnelle Lösung.

Wenn sich doch bloß jeder ein wenig hinterfragen würde… Es wird gepfiffen, weil man der Meinung ist, da unten auf dem Platz stimmt der Einsatz nicht. Was ist mit dem eigenen Einsatz? Warum verlangt man etwas, was man selber nicht geben kann? Weil man dafür gezahlt hat? Kleines Beispiel:

Wenn ich in mein Lieblingsrestaurant gehe und der Koch hat einen schlechten Tag, dann kann ich nach dem Essen meinen Unmut dem Kellner gegenüber äußern, aber ich bezahle und komme wieder. Beim nächsten Mal ist es wieder etwas lasch gewürzt, auch gab es mittlerweile einen Personalwechsel. Aber ich mag das Restaurant einfach. Ich bezahle und: komme wieder. Irgendwann hat der Koch sicher mehr Routine und das Essen schmeckt wieder.

Wenn ich den neuen Koch aber nun bepöbel, dann hat er doch beim nächsten Mal schon Angst, wenn er weiß, dass ich im Restaurant sitze und dem Kellner lautstark sage, dass ich hoffentlich nicht solch einen Fraß wie beim letzten Mal vorgesetzt bekomme. Und nun will es der Koch natürlich besonders gut machen, damit ich ja nicht enttäuscht bin und wieder komme. Am Ende ist das Essen total versalzen.

Was ich euch mit auf den Weg geben möchte: Wir sind in der aktuellen Situation die Einzigen neben der Mannschaft, die kurzfristig zur Verbesserung beitragen können. Bei anderen beteiligten Protagonisten fehlt zum Teil der Wille, oder auch die Möglichkeit etwas zu ändern.

Es soll für die Spieler eine Ehre sein mit der Raute auf der Brust aufzulaufen, kein Spiessrutenlauf. Lasst es sie doch auch spüren und beschimpft sie nicht.

Nur der HSV!

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Gastbeitrag

Es folgt ein Gastbeitrag des von mir geschätzten Thomas zur Zukunft des HSV:

2014 – Dino passe dich an oder auch Du stirbst

Ich bin Fan des HSV. Und Mitglied im Supporters Club. Das eine schon seit über 40 Jahren, das andere seit etwa 4 Jahren. Ich war früher in einem Fanclub, und nur die Entfernung zwischen Wohnort und Volkspark verhindert eine Dauerkarte, was nicht bedeutet, dass ich nicht dennoch 5-8 Spiele des HSV pro Jahr live sehe; die meisten auswärts und nur wenige daheim.

Ich bin SC-Mitglied, weil ich Flagge zeigen will und weil ich es wichtig finde, dass die Fans eine Stimme im Verein haben. Und mit Verein meine ich tatsächlich eher den Verein, denn die Fußballabteilung des HSV ist inzwischen ein „Mehrere hundert Mio. €“-Business und sollte und muss als solches auch genauso geführt werden. Ich bin für mehr Kompetenz, für mehr Verantwortung und dafür, dass wir uns als HSV den Marktgegebenheiten anpassen. Tun wir das nicht, werden wir als letzter Dino früher oder später (und ich befürchte früher und dann vor allem richtig) sterben.

Daher bin ICH für eine Satzungsänderung und Ausgliederung der AG.

Der HSV braucht Führung, führungsfähige Strukturen und er braucht eine Menge frisches Geld und den Zugang zu diesem Geld. In der jetzigen Struktur haben wir davon weder das eine noch das andere, sondern nur selbstgefällige AR-Mitglieder, die sich um ihre Pöstchen und ihre Macht kümmern. Und einen Vorstand, der als Übergangsvorstand kam und solange bleiben sollte, bis wir einen kompetenten Vorstand gefunden hätten. Gut, das haben wir mit dem Grundgesetz gemeinsam, das ja auch bei einer Wiedervereinigung neu geschrieben werden sollte.

Der HSV hat das Problem, dass die Mehrheit der Mitglieder nicht wählen kann bzw. mangels nicht vorhandener Briefwahl nicht wählt und dadurch durch ein paar starke Gruppierungen quasi regiert wird. Dass das nicht funktioniert, haben wir die letzten Jahre gesehen. Weder sportlich, noch wirtschaftlich. Es wurden zu viel Mio. rausgeschleudert und in „Ideen“ gesteckt, die keine guten Ideen waren. Mir ist klar geworden, dass der jetzige Weg eine Sackgasse ohne Rückfahrtschein ist. Leider sehen das viele Mitglieder anders. Viele wollen den Status Quo erhalten und darüber sind dann auch in den letzten Monaten diverse Diskussionen/Foren geführt worden. Freunde bekamen sich in die Haare, ich selber habe viele HSV-Fans bei Twitter gemutet, weil mir die Stimmungsmache (in alle Richtungen) nicht gefällt. Der Verein ist bei dieser ganzen Diskussion gerade dabei, in sich zu implodieren. Die Zahlen sind mies, niemand will uns Geld geben, weil niemand weiß, wer wir eigentlich (in der Führung) sind.

Wir brauchen Führung und Kompetenz.

Viele haben Angst vor dem Wandel, weil sie Hoffenheimer-Verhältnisse befürchten. Dabei sind Wolfsburg, Hoffenheim, Leverkusen, Dortmund, Bayern (und sogar Schalke mit den 100 Mio. von Gazprom) ein klares Zeichen, wo die Reise hingehen wird. Und hingehen muss. Leider. Sozialromantik ist schön, aber ich habe keine Lust, unterzugehen. Und nein, ich bin kein Erfolgsfan, der kein Bock auf Liga 2 hat. Wenn wir absteigen werden wir mit den Bilanzen und den Schulden direkt durchgereicht in den Amateurbereich. Die Leute haben Angst vor den Michael Kühnes dieser Welt, die uns Geld leihen und die deswegen auch immer wieder gefragt werden, was sie zum aktuellen HSV sagen. Was da an Antworten kommt, ist in der Tat fragwürdig, aber dass man ihn fragt und dass er antwortet (und sein Geld gesichert sehen will), ist Alltag. Auch ich bin kein Fan davon, wie er sich gibt und ich denke nicht, dass der HSV sich einen Gefallen getan hat, von ihm van der Vaart kaufen zu lassen. Das alles wäre nicht passiert, wenn die Führung stark genug wäre, um sich dem zu widersetzen. Und das kann sie nur, wenn sie autark ist und nicht wegen jedem Kleinkram zum AR gehen muss, der sich aus 13 Menschen zusammensetzt, die alle mehr oder weniger keine Ahnung vom Fußball haben. Aber Kühne ist halt nicht nur in Hamburg ein rotes Tuch. Er spaltet den ganzen Verein. Und von daher halte ich es fatal, dass er sich heute pro HSVPlus geäußert hat. Damit hat er, wenn er es denn wirklich gesagt und gemeint hat, der Initiative deutlich mehr geschadet als geholfen. Wegen Kühne werden die meisten Unentschlossenen jetzt dann wohl eher gegen die neue Satzung stimmen. Anders ausgedrückt: Ein vllt. nur etwas gelangweilter Milliardär ist am Ende schuld daran, wenn der letzte Dino auch noch stirbt.

Ich lasse mich sehr gerne vom Gegenteil überzeugen.

Zeigt mir am 19.1., dass ich Unrecht hatte. Zeigt mir, dass ihr eine eigene Meinung habt und das sich auch ein Dino ändern und anpassen kann. Und das es nicht um einzelne Personen, sondern um den Verein geht.

Nur der HSV!