Für eine halbe Stunde Fan von Fortuna Düsseldorf*

„Wer kann schon sagen, was mit uns geschieht? Vielleicht stimmt es ja doch: dass das Leben eine Prüfung ist, in der wir uns bewähren sollen.“ Diese Zeilen stammen aus dem Lied „Paradies“ der Toten Hosen, deren Sänger Campino bekanntermaßen großer Fan der Düsseldorfer Fortuna ist. Und sie, die Zeilen, passen wirklich sehr gut zur abgelaufenen Saison der Düsseldorfer.

Wie wäre es mir ergangen, wäre ich nicht HSV-Fan gewesen, sondern hätte mit den 95ern mitgefiebert?

Ich hätte meine Mannschaft wohl zumindest an den ersten Spieltagen mit dem 1. FC Kaiserslautern verglichen, der damals als Zweitligaaufsteiger die großen Bayern ärgerte und Meister wurde. Nun will ich nicht sagen, dass die Fortuna das Zeug zum Meister gehabt hätte. Aber immerhin gab’s in den ersten fünf Partien der Saison keinen Gegentreffer, die ersten sechs Spiele keine Niederlage. Entsprechend wurde gepunktet – das lässt einen Fan eines Aufsteigers schon mal von mehr als nur dem Abstiegskampf hoffen.

Ich hätte mich darüber gewundert und natürlich auch sehr gefreut, dass Norbert Meier es geschafft hat, die gefühlt 35 Neuzugänge so schnell zu integrieren und aus dem Haufen eine schlagkräftige Mannschaft zu formen. Und vielleicht hätte ich auch das eine oder andere Mal „Tage wie diese“ vor mich hingesummt, in der Hoffnung bzw. mit dem Glauben daran, dass die derzeitige Form unendlich anhält.

Doch dem war nicht so.

So erfolgreich die Hinrunde auch verlief: Die Rückrunde war bis auf die Spiele gegen Stuttgart und Greuther Fürth ein einziges Desaster. Ganze neun Punkte holten die Düsseldorfer in den letzten 17 Begegnungen – so verspielten sie neun Punkte Vorsprung auf Platz 16 bzw. sogar zwölf auf Platz 17. Unfassbar. Fabian Giefer, Dani Schahin, Stefan Reisinger – Helden der Hinrunde. In der Rückrunde dafür größtenteils nur ein Schatten ihrer selbst. Natürlich hatten die 95er auch mit Verletzungspech zu kämpfen. Die schlimme Rückrunde war nach meinem Empfinden jedoch eher eine Kopfsache. In der Hinrunde lief es offenbar zu gut, so dass man sich nicht mehr mit Abstiegsängsten herumplagen musste/wollte. Schade.

Was deshalb am Ende bleibt, ist nicht die Erinnerung an die tolle erste, sondern an die üble zweite Saisonhälfte. Aufgrund der guten Hinrunde hatte sich die Fortuna trotz allem nämlich ein solches Polster erspielt, dass sie bereits am 28. Spieltag die Klasse hätte halten können. Ein Sieg in Hoffenheim hätte die Saison noch zu einer guten machen können. Doch es gab eine 0:3-Klatsche. Auch alle anderen Matchbälle wurden vergeben, es gab keinen einzigen Sieg mehr. Auch nicht im letzten Heimspiel gegen Nürnberg, das 1:2 endete. Letztlich landete Düsseldorf, das weite Teile der Saison in der oberen Tabellenhälfte verbracht hatte, nach einem 0:3 in Hannover am 34. Spieltag erstmals auf einem direkten Abstiegsplatz. Tragisch.

Fazit: Ich weiß, dass es Fans gibt, die dennoch mit der Saison ihren Frieden geschlossen haben. Denn: Die Fortuna war Aufsteiger, und mit nichts anderem als Abstiegskampf habe man gerechnet, dieser wurde leider verloren. Ich sehe das nicht so. Selten war es so leicht wie in dieser Saison, die Klasse zu halten. Die Fortuna hatte sich selbst 17 Spiele lang exzellente Voraussetzungen dafür geschaffen. Und hat dann kläglich versagt.

Aktuell:
1. FC Nürnberg > HSV
FC Augsburg > HSV
HSV > Borussia Mönchengladbach
Bayer Leverkusen > HSV
HSV > VfL Wolfsburg
HSV > Hannover 96
Schalke 04 > HSV
HSV > Borussia Dortmund
HSV > Fortuna Düsseldorf

Hier noch einmal die Links zu meinen bisherigen Fanstationen:
1. FC Nürnberg
Borussia Mönchengladbach
FC Augsburg
Bayer Leverkusen
VfL Wolfsburg
Hannover 96
Schalke 04
Borussia Dortmund

(*In loser Reihenfolge frage ich mich seit ein paar und in den nächsten Wochen, ob ich als Fan jeweils eines anderen Vereins zufriedener mit dem Saisonverlauf “meines” Teams gewesen wäre.)