Irgendwas mit Fußball.

Man sollte es kaum für möglich halten, aber tatsächlich neigt sich die Winterpause der Bundesliga ihrem Ende entgegen. Endlich. Als HSV-Fan freue ich mich besonders, dass wieder gespielt wird, lenken die Geschehnisse auf dem Rasen doch ein wenig vom Brimborium rund um die mögliche Ausgliederung der Fußballabteilung ab.

Die große Frage zum Sonntag ist: Wer spielt? René Adler ist immer noch nicht fit, Maxi Beister sowieso nicht. Auch der arme Kerem Demirbay, der in der Vorbereitung so dicht wie nie an der ersten 17 schnupperte, ist verletzt. Von Johan Djourou ganz zu schweigen. Und ganz nebenbei muss Trainer Bert van Marwijk gegen Schalke auch auf Tomas Rincon verzichten, der seine Sperre wegen der gelb-roten Karte gegen Mainz absitzen muss. Sowieso hat Rincon sich eine Entzündung am Arm eingefangen, wäre also eh ausgefallen. Ob Heiko Westermann nach seiner Knie-OP und Dennis Diekmeier nach seinem Fußbruch rechtzeitig für volle 90 Minuten fit werden, ist offen.

Im Tor wird also zweifelsohne Jaroslav Drobny stehen.

Und davor? Ich rechne mit einer Viererkette, die aus Dennis Diekmeier, Jonathan Tah, Heiko Westermann und Marcell Jansen besteht. So gern ich ihn auch mag und so leid es mir tut: Ich glaube nicht, dass Lasse Sobiech (einer der Torschützen aus dem Hinspiel übrigens) starten darf – van Marwijk wird beim kleinsten Zeichen Westermanns, dass es wohl gehen wird, auf ebendiesen vertrauen, und sei es nur für einen Teil der Gesamtspieldauer.

Und davor? Milan Badelj und – Obacht – Petr Jiracek werden auf der Doppelsechs spielen. Der Tscheche soll sich im Trainingslager nicht allzu dumm angestellt haben. Außerdem bin ich, warum auch immer, ein kleiner Jira-Fan und ein bisschen spielt in dieser meiner Vorhersage auch einfach der Wunsch mit, ihn spielen zu sehen.

Und davor? Da spielen Rafael van der Vaart, Hakan Calhanoglu und Ola John. Sicher hätte Ivo Ilicevic es auch verdient, von Beginn an loszulegen, an den beiden Erstgenannten kommt er aber nicht vorbei. Und Herr John genießt den Bonus des „Neuen, der sofort helfen soll“. Ich bin gespannt auf den Mann, denn bisher habe ich ihn noch nicht spielen sehen.

Und davor? Darf Jacques Zoua von draußen zusehen, wie sich Pierre-Michel Lasogga einen Wolf läuft, kratzt, beißt, spuckt und hoffentlich trifft. Eine Zeit lang sah es so as, als würde Zoua der große Gewinner der Vorbereitung werden. Doch PML, den ich in Anlehnung an meinen liebsten Fußballer aller Zeiten einfach mal „Das Phänomen“ nenne, ist wieder fit, und für Zoua bleibt somit nur der Platz auf der Bank.

So sieht’s also aus gegen Schalke: Drobny – Diekmeier, Tah, Westermann, Jansen – Badelj, Jiracek – van der Vaart, Calhanoglu, John – Lasogga.

Ein anderes Thema:
Weil beim HSV inzwischen ja nur noch ver- und ausgeliehen wird, habe ich vor ein paar Tagen (oder gestern?) eine Kaufpersonalie ins Spiel gebracht. Christian Fuchs soll angeblich Schalke verlassen müssen. Meiner Meinung nach ist das ein Mann, der dem HSV gut zu Gesicht stünde. Kann man den nicht mit Dennis Aogo verrechnen? Wenn dann auch noch Marcell Jansen verkauft würde und Oliver Kreuzer einen Nachwuchsmann als Backup holte, würde der HSV rund sieben Millionen Euro generieren (Fünf Millionen Ablöse plus eingespartes Jansen-Gehalt minus kleines Gehalt für den Backup). Was sich damit alles anstellen ließe… Was meint Ihr?

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1:0.

Aufgrund einer wunderbaren Fügung war es mir vergönnt, das Spiel meines HSV gegen Borussia Mönchengladbach live vor Ort zu verfolgen. Ich bin nicht so häufig im Stadion – aus verschiedenen Gründen, die es hier aber nicht besonders zu erwähnen lohnt.

Dreimal habe ich mich am Samstagnachmittag besonders gefreut. In der persönlichen Wertung der Ereignisse zufällig genau entgegen der chronologischen Reihenfolge.

1. Als die Partie abgepfiffen und der Sieg damit amtlich wurde.

Es war bei weitem kein rauschendes Fußballfest. Gute Spielszenen blieben Mangelware, und der harmlose HSV hatte Glück, dass die Gladbacher nach ihrem Europapokalauftritt am Donnerstag offensichtlich zu wenig Zeit zur Regeneration hatten. Ich hätte gern gesehen, was eine fitte Borussia zu leisten imstande gewesen wäre.

2. Als der kleine Engel sich daran erinnert hat, wieviel Technik in seinem linken Füßchen steckt.

Auch objektive Spielbeobachter werden zugeben: Es war schon ein rechtes Traumtor, das der Rafael van der Vaart da in der ersten Halbzeit erzielt hat. Nicht viele Spieler in der Bundesliga schaffen es, so einen präzisen Bums rauszuholen. Schön, wenn man einen solchen Akteur in den eigenen Reihen weiß. Meine Begleitung, ein ausgewiesener Gladbach-Fan übrigens, was mir den Erfolg noch ein wenig versüßte, analysierte nach Schlusspfiff kurz wie treffend: „Das war ein typisches 0:0-Spiel. Mit Ausnahme des Tores.“ Dem füge ich nichts hinzu.

3. Als Jaroslav Drobny von den HSV-Fans bei seiner ersten Ballberührung frenetisch bejubelt wurde.

Ich bin vom Gros der Fans meines Vereins einiges gewohnt. Und oft nicht das beste. Umso erfreulicher war es, dass das Publikum sich zu Benehmen wusste, Drobny entsprechend warm empfing und wie eine Eins hinter ihm stand. Er dankte es mit einer soliden bis guten Leistung. Und hey: Wir haben wieder einen Zu-Null-Torwart. Ohne Übertreibung darf ich wohl behaupten: Wir haben den besten zweiten Keeper der Liga.

Irgendwie habe ich es ihm gegönnt, dass er der letzte HSV-Spieler war, der den Ball vor dem Schlusspfiff in kontrolliertem Besitz hatte. Auch, wenn es vielen völlig nebensächlich erscheinen mag – für mich hatte das eine Aussage. Das (große) Finale bleibt nunmal den Gewinnern überlassen.

Drobny war meiner.