Bert und die Jungen.

Aus der Sicht eines HSV-Fans waren die vergangenen Tage wohl die angenehmsten der bisherigen Saison. Der Verein hat die nächste Runde im DFB-Pokal erreicht, ein Investor vermeldet öffentlich (hihi), dass er jetzt gar nichts mehr sagt. Und da in Sachen Trainerwahl schnell Nägel mit Köpfen gemacht wurden und Bert van Marwijk ohne große Possen verpflichtet werden konnte, schoss sich die gesamte Presselandschaft auf ihn ein. Porträtierte ihn. Lichtete ihn in schickem Gewand ab. Lies ehemalige Spielerfrauen dies bewerten. Kurzum: Es gab nichts wirklich spannendes zu schreiben.

Ungeachtet der Tatsache, dass mir, wäre ich Schreiber einer lokalen Tageszeitung, zwei Tage nach einem erfolgreich absolvierten Pflichtspiel sehr wohl mehr einfiele als zu schreiben, dass dem neuen Trainer Kaschmir gut stünde, gefiel mir das. Denn es bedeutete auch, dass sich endlich mal nicht das – Entschuldigung – Maul über den HSV zerrissen wurde.

Mal sehen, wie lange die positive Grundstimmung anhält. Schließlich steht nun das erste Pflichtspiel Mark van Bertwijks vor der Tür. Samstagabend steht er an der Linie, wenn der HSV bei Eintracht Frankfurt antritt. Ich muss gestehen: nach längerer Zeit habe ich endlich mal wieder kein Bauchgrummeln, wenn ich an einen anstehenden Kick denke. Der neue Trainer kann mit jungen Spielern – dieser Ruf eilt ihm voraus, und irgendwo las ich zudem, dass er im Spiel gegen die Hessen der Elf vertrauen wird, die auch im DFB-Pokalspiel gegen Greuther Fürth startete. Das bedeutet: Mit Tah (17), Calhanoglu (19) und Lasogga (21) werden drei Youngster rangelassen und dürfen sich einmal mehr beweisen. Darauf freue ich mich, ungeachtet des Ergebnisses, das wir mit dem Trio erzielen werden (wobei ich nicht falsch verstanden werden möchte: Ich traue diesen Spielern viel zu – es kann aber sein, dass es aufgrund fehlender Erfahrung noch zu den einen oder anderen Schnitzern kommen wird).

Zudem ist die HSV-Bilanz gegen Eintracht Frankfurt nicht die schlechteste: Von 88 Spielen in der Bundesliga gewannen wir 41, nur 27-mal gingen wir als Verlierer vom Platz. Zweimal allein in der vergangenen Saison – da haben die Jungs einiges gutzumachen.

Wie gesagt: Ich freue mich auf den Kick. Dank Bert, dank Jonathan, dank Hakan und dank Pierre-Michel. Hoffen wir mal, dass ich trotz Marcell oder Tolgay oder Rafael danach immer noch so gut drauf bin.

Nur der HSV.

Weiter, immer weiter

Puh, das war ein hartes Stück Arbeit, und am Ende fiel das Ergebnis mit 4:0 doch deutlicher aus, als es der Spielverlauf vermuten ließ. Der HSV setzt sich also in der 1. Runde des DFB-Pokals beim SV Schott Jena durch.

Die Tore durch Rudnevs (2), van der Vaart und Zoua fielen erst, als der gastgebende Oberligist bereits dreimal ausgewechselt und im Grunde platt war.

Deshalb, liebe HSVer, von Jarchow bis Fink, von Arslan bis Zoua: Bewertet diesen Sieg nicht über. Ihr seid eine Runde weiter, das ist schön. Aber ihr habt einen unterklassigen Gegner kaputtgelaufen – nicht in Grund und Boden gespielt.

In der Bundesliga werdet Ihr auf Gegner treffen, die Euch konditionell ebenbürtig oder sogar überlegen sind. Dann kann es passieren, dass Ihr mit Eurem Latein schnell am Ende seid.

Daher: Herzlichen Glückwunsch zum Erreichen der nächsten Runde; nicht alle Bundesligisten haben sich durchgesetzt. Nun aber vergesst diesen Sieg und arbeitet hart dafür, dass Ihr Euch in der nächsten Woche nicht schon mit einem ähnlichen, aber umgekehrten Ergebnis gegen Schalke blamiert.

Nur der HSV!