Warum der HSV-Kader besser ist als zuletzt

Ja, die WM ist in vollem Gange. Dennoch richten sich meine Blicke auch und immer wieder Richtung HSV.

Der 1. Juli sollte das Datum des endgültigen Neustarts werden, der zwar keine Verbesserung, aber zumindest eine starke Veränderung garantiert. Nun ja, ein ehemaliger Volleyballspieler hat etwas dagegen, ich werde das nicht weiter kommentieren.

Stattdessen schaue ich auf den Kader. Es wird gemunkelt, er habe sich im Vergleich zur vergangenen Saison qualitativ nicht verändert, und wenn, dann eher verschlechtert als verbessert. Nun, das sehe ich nicht so.

Ja, es ist noch ungeklärt, ob Pierre-Michel Lasogga auch in der kommenden Saison ein HSV er sein wird. Falls nicht, wäre das sportlich schade. Aber sonst? Die zur Winterpause der abgelaufenen Saison ausgeliehenen Ouasim Bouy und Ola John sind zu ihren Vereinen zurückgekehrt – beide haben wenig bis gar nicht überzeugt. Der dritte Torwart Sven Neuhaus beendete seine Karriere. Lasse Sobiech wird an den Stadtteilverein ausgeliehen, um Spielpraxis zu bekommen. Der Vertrag von Robert Tesche wurde nicht verlängert, ob er einen neuen Verein findet, ist noch ungewiss (Wobei: Dass er einen Verein findet, steht wohl außer Frage. Nur eben nicht, welcher Verein dies sein wird.). Zhi Gin Lam wurde an die SpVgg Greuther Fürth weitergegeben. Der eh schon verliehene Dennis Aogo gehört jetzt ganz offiziell Schalke 04. Ich möchte keinem dieser Spieler (und vor allem: Menschen) zu nahe treten, aber: Da ist der HSV eine ganze Menge Ballast losgeworden.

Schmerzen tut der Verlust eines Tomas Rincon. Ein Spielertyp und Mensch wie er tut jeder Mannschaft gut, nicht nur dem HSV. Ich bin gespannt, welcher Klub sich seine Dienste sichern wird und weine Rincon, der technisch beschlagener war, als es so mancher glauben mag, eine Träne hinterher.

Neu im Team ist Zoltan Stieber. Ein schneller, trickreicher Spieler, der mit dem Ball umzugehen weiß. Ich hoffe, er schafft es, seine Bundesligatauglichkeit unter Beweis zu stellen. Kritiker hat er genug, wobei ich manchmal denke, dass es sich hierbei um Neider handelt, die uns diesen Transfer nicht gegönnt haben.

Nicht nur wegen Stieber glaube ich, dass sich der HSV-Kader verstärkt hat. Sondern auch und vor allem wegen vier weiterer Neuzugänge: Slobodan Rajkovic, Gojko Kacar, Artjoms Rudnevs und vor allem Maxi Beister.

Ich verstehe bis heute nicht, wie man einen Spieler der Güteklasse Rajkovic so lange links liegen lassen konnte. Ich vermute, er war ein Bauernopfer. Trainer ohne Rückgrat beugten sich dem Boulevard und wollten so wenig „Chelsea-Boys“ wie nötig spielen lassen. Da kam ein Trainingsgerangel mit einem jetzigen Leverkusener gerade recht, um Rajkovic aufs Abstellgleis zu schieben. Schade, wirklich schade, dass er sich nach seiner „Rehabilitation“ so schnell und so schwer verletzte. Er wird nicht gleich zu Saisonbeginn fit sein, aber irgendwann im Laufe der Hinrunde – hoffe ich. Und dann zur Verstärkung werden.

Als Gojko Kacar im Sommer 2010 aus Berlin kam, dachte ich: Königstransfer. Kacar zählte für mich seinerzeit zu den besten fünf Bundesligaspielern im defensiven Mittelfeld. Wer weiß: Vielleicht kann er an alte Leistungen anknüpfen. Er ist erst 27 Jahre alt, hat schon eine Menge erlebt. Ihn dürfte so leicht nichts mehr umwerfen. Ich habe mit Freude zur Kenntnis genommen, dass Trainer Mirko Slomka ihn „wie einen ganz normalen Feldspieler“ betrachtet, ohne jegliche Vorurteile.

Artjoms Rudnevs. Was soll ich sagen? Ein Spieler, der zwölf Tore für eine Mannschaft wie den HSV erzielt, bringt gewisse Qualitäten mit. Ja, er ist kein Edeltechniker. Aber das war Jürgen Klinsmann auch nicht. Und? Tore zählen. Die hat Rudnevs gemacht, und die Art und Weise, wie er abgeschoben wurde, stößt mir bitter auf. Artjoms Rudnevs ist ein Spieler, der in ihn gesetztes Vertrauen mit Leistung und Hingabe zurückzahlt. Ich hoffe, er bekommt dieses Vertrauen.

Maxi Beister ist nach seinem Kreuzbandriss endlich wieder zurück auf dem Rasen. Es wird noch eine ganze Zeit dauern, bis er wieder der Alte ist. Laut eigener Aussage will er „im Herbst Spielpraxis sammeln und in der Rückrunde angreifen“. Realistisch, wie ich meine. Und genau solche Spieler braucht der HSV: Akteure, die ihre Situation richtig einschätzen können und nicht abgehoben sind. Wie groß die Wertschätzung seitens des HSV ist, sieht man anhand der Verteilung der Trikotnummern: Beister erhält die Neun – nicht alle Spieler, die diese Nummer zuletzt trugen, vermögen sich und den Kosmos um sich herum so einzuschätzen wie Beister.

Und nun stelle man sich vor, dass Hakan Calhanoglu tatsächlich bleiben muss und seine Krankheit überwindet. Und Pierre-Michel Lasogga doch noch kommt und Per Skjelbred gleich aus Berlin mitbringt. Und der Sportchef, wer immer dies sein wird, Matthias Ostrzolek vom FC Augsburg loseisen kann. Und irgendjemand Rafael van der Vaart die Kapitänsbinde abnimmt. Und Jonathan Tah und Kerem Demirbay verletzungsfrei bleiben. Das könnte dann ganz nett werden.

Nein, es wäre keine Truppe, die um Europapokalplätze spielen könnte, Aber eine, der ich es zutrauen würde, 13 bis 15 Punkte mehr zu holen als in der vergangenen Saison – und damit zumindest nicht in Abstiegsnöte zu kommen. Mehr möchte ich ja gar nicht.

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Irgendwas mit Fußball.

Man sollte es kaum für möglich halten, aber tatsächlich neigt sich die Winterpause der Bundesliga ihrem Ende entgegen. Endlich. Als HSV-Fan freue ich mich besonders, dass wieder gespielt wird, lenken die Geschehnisse auf dem Rasen doch ein wenig vom Brimborium rund um die mögliche Ausgliederung der Fußballabteilung ab.

Die große Frage zum Sonntag ist: Wer spielt? René Adler ist immer noch nicht fit, Maxi Beister sowieso nicht. Auch der arme Kerem Demirbay, der in der Vorbereitung so dicht wie nie an der ersten 17 schnupperte, ist verletzt. Von Johan Djourou ganz zu schweigen. Und ganz nebenbei muss Trainer Bert van Marwijk gegen Schalke auch auf Tomas Rincon verzichten, der seine Sperre wegen der gelb-roten Karte gegen Mainz absitzen muss. Sowieso hat Rincon sich eine Entzündung am Arm eingefangen, wäre also eh ausgefallen. Ob Heiko Westermann nach seiner Knie-OP und Dennis Diekmeier nach seinem Fußbruch rechtzeitig für volle 90 Minuten fit werden, ist offen.

Im Tor wird also zweifelsohne Jaroslav Drobny stehen.

Und davor? Ich rechne mit einer Viererkette, die aus Dennis Diekmeier, Jonathan Tah, Heiko Westermann und Marcell Jansen besteht. So gern ich ihn auch mag und so leid es mir tut: Ich glaube nicht, dass Lasse Sobiech (einer der Torschützen aus dem Hinspiel übrigens) starten darf – van Marwijk wird beim kleinsten Zeichen Westermanns, dass es wohl gehen wird, auf ebendiesen vertrauen, und sei es nur für einen Teil der Gesamtspieldauer.

Und davor? Milan Badelj und – Obacht – Petr Jiracek werden auf der Doppelsechs spielen. Der Tscheche soll sich im Trainingslager nicht allzu dumm angestellt haben. Außerdem bin ich, warum auch immer, ein kleiner Jira-Fan und ein bisschen spielt in dieser meiner Vorhersage auch einfach der Wunsch mit, ihn spielen zu sehen.

Und davor? Da spielen Rafael van der Vaart, Hakan Calhanoglu und Ola John. Sicher hätte Ivo Ilicevic es auch verdient, von Beginn an loszulegen, an den beiden Erstgenannten kommt er aber nicht vorbei. Und Herr John genießt den Bonus des „Neuen, der sofort helfen soll“. Ich bin gespannt auf den Mann, denn bisher habe ich ihn noch nicht spielen sehen.

Und davor? Darf Jacques Zoua von draußen zusehen, wie sich Pierre-Michel Lasogga einen Wolf läuft, kratzt, beißt, spuckt und hoffentlich trifft. Eine Zeit lang sah es so as, als würde Zoua der große Gewinner der Vorbereitung werden. Doch PML, den ich in Anlehnung an meinen liebsten Fußballer aller Zeiten einfach mal „Das Phänomen“ nenne, ist wieder fit, und für Zoua bleibt somit nur der Platz auf der Bank.

So sieht’s also aus gegen Schalke: Drobny – Diekmeier, Tah, Westermann, Jansen – Badelj, Jiracek – van der Vaart, Calhanoglu, John – Lasogga.

Ein anderes Thema:
Weil beim HSV inzwischen ja nur noch ver- und ausgeliehen wird, habe ich vor ein paar Tagen (oder gestern?) eine Kaufpersonalie ins Spiel gebracht. Christian Fuchs soll angeblich Schalke verlassen müssen. Meiner Meinung nach ist das ein Mann, der dem HSV gut zu Gesicht stünde. Kann man den nicht mit Dennis Aogo verrechnen? Wenn dann auch noch Marcell Jansen verkauft würde und Oliver Kreuzer einen Nachwuchsmann als Backup holte, würde der HSV rund sieben Millionen Euro generieren (Fünf Millionen Ablöse plus eingespartes Jansen-Gehalt minus kleines Gehalt für den Backup). Was sich damit alles anstellen ließe… Was meint Ihr?

Tschüss, Dennis

Das kam dann ja mal wie Kai aus der Kiste.

Solche Transfers, verehrter Herr Kreuzer, mag ich. Neulich noch nichts geahnt, jetzt schon unter Dach und Fach, der Deal. Glückwunsch. Auch wenn die „Hauptschuld“ daran sicher Schalke 04 trägt, schließlich waren es die Königsblauen, die anfrugen.

Lieber Dennis,
seit der Saison 2008/09 bist Du HSVer. Ich habe Dich in dieser Zeit schätzen gelernt. Ich mochte Deine unbekümmerte Art, sowohl auf als auch neben dem Feld. Du warst ein Spieler, der dem Verein auf mehreren Ebenen gut getan hat. Als fast logische Folge Deiner sportlichen Leistungen wurdest Du DFB-Nationalspieler. Zwölfmal wurdest Du zwischen Mai 2010 und Juni 2013 mit dem Adler auf der Brust eingesetzt.

Die Nationalmannschaft war es leider auch, die Dir sportlich ein wenig den Wind aus den Segeln genommen hat. Genauer: Die Tatsache, dass Du nicht zur EM 2012 nominiert wurdest. Seitdem zeigt Deine sportliche Leistungskurve nach unten. Offensichtlich hast Du Dich von diesem Schock noch immer nicht erholt. Im Verein gab es seitdem auch nicht sonderlich viel Grund zum Jubel; ich brauche nicht weiter auf den Verlauf der Saison 2012/13 einzugehen. Spätestens seit der aktuell laufenden Saison ist klar: Du bist kein Stammspieler des HSV mehr. Hinten links kann Dich Thorsten Fink nicht gebrauchen („Da hat er beim 2:9 gegen die Bayern gespielt, das ist nix“, hieß es – oder so ähnlich.) Im linken Mittelfeld gibt es derzeit zu viele bessere Konkurrenten. Hinzu kommt eventuell noch eine andere Komponente: Ich glaube, der Fink und Du, Ihr seit Euch nicht grün. Eigentlich darf so etwas im Profi-Bereich keine Rolle spielen. Ich fürchte aber, dem ist hier eben doch so. Schade. (Es gibt natürlich auch noch eine ganz andere Theorie, warum Deine Leistung – sagen wir – stagnierte. Nämlich die, dass Fink kein guter Trainer ist. Deswegen bin ich jetzt mal ketzerisch und sage: Mal sehen, ob der noch da ist, wenn Du wieder zurückkehrst.)

Ich glaube, dass Dir die Luftveränderung gut tun wird. Nach fünf Jahren HSV benötigst Du vielleicht ein neues Umfeld. Eines, das weniger chaotisch ist (hm, Du gehst doch zu Schalke…). Eines, in dem Du unvoreingenommener beäugt wirst als hier und in dem Du Deine verlorengegangenen Stärken wiederfinden kannst. Atme auf Schalke tief durch, lass den HSV eine Weile hinter Dir und kehre irgendwann als Spieler mit neugewonnenem Selbstvertrauen zurück. Ich würde es Dir und dem HSV wünschen.

Durch Deinen Wechsel verschaffst Du dem HSV großen finanziellen Spielraum. Wenn es wirklich stimmt, dass Du drei Millionen Euro pro Jahr verdient hast, dürfte es nun machbar sein, dass der Diekmeier seine paar Piepen mehr bekommt, um sich hier genug wertgeschätzt zu fühlen. Und ein bisschen Geld für einen neuen Offensivmann ist auch da. Hierfür vielen Dank.

Junge, komm‘ bald wieder.

Laut Presse gab es eine Vorgabe, Oliver Kreuzer möge bitte bis zur Schließung des Transferfensters zehn Millionen Euro „reinholen“. Durch das nicht mehr zu zahlende Gehalt Marcus Bergs hatte er die ersten beiden Milliönchen geschafft. Blieben noch acht. Jacopo Sala wurde für kolportierte 100000 Euro verscherbelt, sein bisheriges Gehalt schätze ich auf 400000 Euro. Macht eine Einsparung von einer halben Million, bleiben noch siebeneinhalb. Christian Nörgaard wurde für rund 350000 Euro verkauft, er hätte wohl etwa 150000 Euro verdient. Macht eine Einsparung von einer knappen halben Million, bleiben noch sieben. Paul Scharner dürfte rund 1200000 Euro verdient haben, rund 500000 Euro gingen für die Auflösung des Vertrags drauf. Bleiben noch 6,3 Millionen. Der ehemalige Sportdirektor Frank Arnesen wird mit 400000 Euro weniger als zunächst angedacht abgefunden. Bleiben 5,9 Millionen. Dennis Aogo soll unglaubliche drei Millionen Euro pro Jahr kassiert haben. Die werden nun wohl eingespart. Darüberhinaus zahlt Schalke eine Leihgebühr in Höhe von 650000 Euro. Bleiben noch 2,25 Millionen. Who’s next?