Übersprunghandlung.

Es ist noch gar nicht so lange her.

Da schrieb ich hier in diesem Blog, dass ich nur dann daran glaube, dass der HSV Chancen auf die Qualifikation für die internationalen Wettbewerbe hat, wenn er erst in Hannover und anschließend zuhause gegen Greuther Fürth gewinnt.

Nun: Beides ist nicht geschehen. Und da ich ja nur dann ein Stück weit dran geglaubt hätte, wenn beides eingetreten wäre, letztlich sich aber nicht einmal eines davon zugetragen hat, habe ich also doppelte Gewissheit: Mit dem HSV und Europa wird das mal wieder nichts.

Ich sollte mich darüber ärgern, fiebere ich doch mit dem Verein mit und gönne ihm nur das Beste: Tolle, internationale Begegnungen mit starken, angesehen Mannschaften, die auf eine ebenso erfolgreiche (oder sogar bessere) Historie wie der HSV zurückblicken. Das Komische aber ist: Ich ärgere mich kein Stück. Nein, vielmehr macht sich eine Art von Erleichterung breit. Denn in der Europa League gibt’s, wenn man mal genauer hinsieht, doch eh nur recht wenige Teams, wegen derer man sich die Teilnahme an internationalen Wettbewerben wirklich wünscht. Nichts gegen AIK Solna, NK Maribor oder Maritimo Funchal. Aber es sind eben nur AIK Solna, NK Maribor oder Maritimo Funchal. Und nicht der AC Mailand, Manchester United oder der FC Barcelona.

Wenn es eine Erkenntnis gibt, die ich schon jetzt aus dieser Bundesligasaison ziehen kann, dann diese: Es wird immer leichter, sich für die Champions League zu qualifizieren. Klar, da sind die Bayern und der Verein mit diesem unsagbar unsympathischen Trainer, die zwei Plätze reserviert haben. Aber dann? Im Grunde fängt das Mittelfeld der Tabelle bei Bayer Leverkusen an. Der HSV ist, wie besonders in den vergangenen beiden Partien eindrucksvoll unter Beweis gestellt, Mittelmaß und steht folgerichtig genau dort, wo er hingehört. In diesem Jahr ist er einfach noch zu schwach, um sich für internationale Aufgaben zu empfehlen.

Gern überlasse ich als Fan also in der nächsten Saison den anderen Klubs das Feld. Sollen doch Eintracht Frankfurt, der SC Freiburg und Schalke 04, vielleicht sogar Mainz 05 gegen AIK Solna, NK Maribor oder Maritimo Funchal ran. Irgendwann wird sich die Doppelbelastung bemerkbar machen. Und dann muss der HSV da sein. Als ausgeruhte, hoffentlich gereifte und bitte, liebe Verantwortliche, nicht ausverkaufte Mannschaft die Schwächen der anderen Klubs konsequent ausnutzen. Und Punkte gewinnen, die er in dieser Saison noch allzu regelmäßig liegenlässt.

Dann könnte – siehe meine Erkenntnis, dass es immer leichter wird, sich für die Champions League zu qualifizieren – die Europa League übersprungen werden. Für Übersprunghandlungen ist der HSV ja bekannt. Das wäre mal eine, mit der ich leben könnte.