Dortmund.

Das Transferfenster ist in alle Richtungen geschlossen, und auch die Zeit der FreundschaftsWM-Qualifikationsspiele des DFB ist vorbei – endlich kann man sich also wieder den wichtigen Dingen zuwenden. Der Bundesliga, und speziell dem HSV.

Was mein Verein auch in der spielfreien Zeit perfekt beherrscht, ist das „im Gespräch bleiben“. Das ist eigentlich gar nicht so übel – wenn es mal etwas positives wäre, was den Gazetten und der Welt der sozialen Medien zu entnehmen wäre. Dem ist eher nicht so, weshalb ich das, was in den vergangenen zehn Tagen über den HSV geschrieben wurde, hier und jetzt einfach mal NICHT kommentiere.

Stattdessen werfe ich den Blick in die Zukunft. In die nähere und sportliche, sprich: auf die Partie in Dortmund.

Was darf ich vom HSV erwarten? Nun, Einsatz bis zum Schlusspfiff wäre schon mal nicht schlecht, und dass man sich nach dem ersten Gegentor (das eventuell ja mal nicht in den ersten Spielminuten fallen mag) nicht anpfeift oder gar aufgibt, sondern eine Jetzt-erst-recht-Mentalität an den Tag legt. Damit wäre ich schlimmerweise schon zufrieden.

Denn ehrlich gesagt: Ich glaube nicht daran, dass wir unsere Superserie gegen den BVB (zuletzt zwei Siege mit sieben geschossenen Toren) fortsetzen werden. Ich befürchte, dass uns Dortmund unsere Grenzen aufzeigen wird. Rafael van der Vaart und Marcell Jansen werden sich fit melden und eingesetzt werden – nur um zu merken, dass sie eben doch noch nicht hätten spielen und der Trainer lieber auf Calhanoglu und Lam hätte bauen sollen. Heiko Westermann wird wieder mindestens einen großen Bock schießen, der angesichts der hervorragenden Dortmunder Offensive zu einem Gegentor führen wird. Tomas Rincon wird, so lieb ich ihn habe, Milan Badelj nicht gleichwertig ersetzen können. Und, seien wir ehrlich, René Adler ist noch längst nicht in der Form der vergangenen Saison.

Als Argumente, die für den HSV sprechen, finde ich leider nur Plattitüden. „In 90 Minuten kann viel passieren“ zum Beispiel. Klar. „Der Ball ist rund“. Logisch. Die Jungs können theoretisch über sich hinauswachsen, oder die Borussia kann einfach das Tor nicht treffen. Ich glaube nur leider nicht daran. Deswegen stelle ich mich schon jetzt darauf ein, dass die Punkte in Dortmund bleiben werden. Und hoffe darauf, dass sich der HSV als Mannschaft präsentiert und nicht als müder Haufen wahllos zusammengekaufter Arbeitskollegen. Wünschenswert wäre, dass ich mit meiner Einschätzung komplett daneben liege (die Chance dafür steht nicht mal schlecht, schließlich verstehe ich nicht so viel von Fußball), der HSV mich überrascht und tatsächlich punktet. Aber Ihr wisst ja, wie das mit Wünschen ist…

Apropos Wünsche: Wenn es nach mir ginge, würde der HSV wie folgt starten.
Adler – Diekmeier, Sobiech, Djourou, Lam – Rincon, Jiracek – Beister, Calhanoglu, Zoua – Rudnevs* Lasogga.

Man wird ja wohl noch träumen dürfen…

Nur der HSV!

*Rudnevs hat, wie ich inzwischen weiß, Adduktorenprobleme und steht nicht im Kader.

Nennt mich den Propheten.

Mein lieber Herr Murphy.

Wenn das so weitergeht, wird Ihr Gesetz bald umbenannt, und man wird stattdessen meinen Namen verwenden.

Was habe ich mich am vergangenen Freitag hier verbal beziehungsweise tastaturtippenderweise aus dem Fenster gelehnt! Habe aus dem unguten Gefühl heraus, meine Lieblingsmannschaft werde gegen die beste Truppe der vergangenen beiden Spielzeiten nicht nur verlieren, sondern dabei auch noch jede Menge Treffer kassieren, noch die Ausgänge zweier weiterer Bundesligapartien prophezeit. Und nichts davon ist wahr geworden.

So richtig schlimm finde ich das natürlich nicht.

Ich prognostizierte, dass die Keller-Mannschaft Schalke bei den Bayern gewönne. Nun, knapp daneben ist auch vorbei. Die Knappen – ein Name, der so gar nichts mit dem Resultat des Tages zu tun hatte – gingen mit 0:4 unter, und so langsam muss man sich wohl mit dem Gedanken vertraut machen, dass bei der oben verwendeten Bezeichnung „Keller-Mannschaft“ der Bindestrich gestrichen werden muss.

Was die Partie Gladbach gegen Leverkusen angeht, lag ich zumindest in Sachen Spielführung richtig: Bayer dominierte die Partie. Dass sie entgegen meiner Prognose nicht mit einem Leverkusener Sieg, sondern 3:3 ausging, hat mit Glück, Pech, Unvermögen und Klasse zu tun.

Die größte Fehleinschätzung leistete ich mir bei der Partie BVB – HSV. Drei, vier Gegentore hätte ich für normal empfunden. Es wurde nur eins, dafür trafen meine Jungs viermal. An diesen Sieg und vor allem in die Art und Weise, wie er zustande kam, werde ich mich noch oft und dann stets gern erinnern. Analysen lasse ich aus, die liest man im kicker oder sonstwo nach. Nur eine Sache möchte ich loswerden: Jürgen Klopp ist der unsympathischste Bundesligatrainer aller Zeiten. Auch der, die noch kommen werden. Offensichtlich ist ihm der Erfolg der vergangenen Jahre zu Kopf gestiegen. Anders kann ich mir seine Arroganz und Hochnäsigkeit nicht erklären. Schade.

Eigentlich ging es aber um etwas ganz anderes, nämlich meine Unfähigkeit, Spielausgänge vorherzusagen. Wenn Ihr also Tipps benötigt: Fragt mich, und tippt anschließend das Gegenteil. Im Extremfall könnte es Euch sehr, sehr reich machen.