Nach Hoffenheim.

Ich kann nicht beurteilen, ob der HSV wieder einmal unter aller Kanone gespielt hat oder eventuell doch gar nicht so schlecht. Ob der Platzverweis Jaroslavs Drobnys gerechtfertigt war oder nicht. Und ich kann auch keine anderen Fragen zum Spiel beantworten, denn:

 

 

Der geschätzte Twitterer, Mensch und ja: HSV-Fan Ned Fuller analysierte dies kurz und knapp:

 

 

Wir alle wissen, was Ned meint. Und dass er glühender Verehrer und Supporter des HSV eV war und ist und dass er sich mit dem neuen Geschäftsmodell nicht anfreunden kann. Ich finde das sehr schade, aber nachvollziehbar. (Ich möchte hinzufügen, dass ich kein HSVplus-Befürworter war.) Gott sei Dank ist es aber so, dass ich ihm widersprechen muss. Es kommt nicht selten vor, dass ich mich in seinen Aussagen wiederfinde – in dieser aber nicht.

Es gibt verschiedene Sorten Fans – was ich sehr gut finde. Die einen sind Allesfahrer, andere basteln an Choreos, wiederum anderen reicht es, wenn sie sich am Abend nach dem Spiel im Videotext darüber informieren, wie der HSV gespielt hat. Jeder investiert genau so viel Zeit in seinen Lieblingsverein, wie er mag und kann, und niemand sollte sich herausnehmen zu behaupten, er sei eine bessere Art Fan. Es gibt zum Beispiel auch die, die ein Leben neben dem HSV führen. Versteht mich bitte richtig: Der HSV ist mir wichtig, sehr wichtig sogar. Aber ein Treffen mit Freunden, Stunden mit der Familie etc. eben auch. Und so kommt es dann, dass man eben nicht zum Anpfiff im Stadion oder vor dem Fernseher steht/sitzt, sondern (vor allen Dingen, wenn die Frau die Termine macht) den Kuchen in sich reinschiebend den Aktualisierungsbutton der kicker-App malträtiert, um stets auf dem neuesten Stand zu sein.

Mehr war in diesen Tweet im Grunde nicht hineinzuinterpretieren.

Ein bisschen Angst habe ich vor dem Szenario, das Ned da aufgetan hat, aber doch. Was, wenn es wirklich so ist? Wenn die Niederlagenserie zum einen und die ganzen Querelen der vergangenen Jahre, die ich hier im Detail nicht aufzuzählen vermag zum anderen tatsächlich einmal dazu führen sollten, dass der HSV mir egal wird?

Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen. Aber hey: Konnte sich Ned irgendwann mal vorstellen, dass er so zum HSV (zur AG) steht, wie er jetzt zu ihm (ihr) steht? Was die Zukunft bringt, wissen wir nicht.

Noch aber ist es durchaus so, dass ich mich regelmäßig über Unzulänglichkeiten und Ergebnisse des HSV ärgere – und ich hoffe, dass dieser Zustand noch lange anhalten wird. Noch mehr hoffe ich natürlich, dass ich mich zukünftig mehr über Siege freuen kann, und darüber, dass wir keine Skandale mehr am laufenden Band produzieren. Aber das ist ein anderes Thema.

 

Sp. Gegner 2013/14 Ergebnis Gegner 2014/15 Ergebnis
1 Schalke 04 (A) 3:3 (1 Punkt) 1. FC Köln (A) 0:0 (1 Punkt)
2 Hoffenheim (H) 1:5 (0 Punkte) SC Paderborn (H) 0:3 (0 Punkte)
3 Hertha BSC (A) 0:1 (0 Punkte) Hannover 96 (A) 0:2 (0 Punkte)
4 Braunschweig (H) 4:0 (3 Punkte) FC Bayern (H) 0:0 (1 Punkt)
5 Dortmund (A) 2:6 (0 Punkte) M’gladbach (A) 0:1 (0 Punkte)
6 Heiner Bremer (H) 0:2 (0 Punkte) Frankfurt (H) 1:2 (0 Punkte)
7 Frankfurt (A) 2:2 (1 Punkt) Dortmund (A) 1:0 (3 Punkte)
8 Nürnberg (A) 5:0 (3 Punkte) Hoffenheim (H) 1:1 (1 Punkt)
9 Stuttgart (H) 3:3 (1 Punkt) Berlin (A) 0:3 (0 Punkte)
10 Freiburg (A) 3:0 (3 Punkte) Leverkusen (H) 1:0 (3 Punkte)
11 Gladbach (H) 0:2 (0 Punkte) Wolfsburg (A) 0:2 (0 Punkte)
12 Leverkusen (A) 3:5 (0 Punkte) Heiner Bremer (H) 2:0 (3 Punkte)
13 Hannover (H) 3:1 (3 Punkte) Augsburg (A) 1:3 (0 Punkte)
14 Wolfsburg (A) 1:1 (1 Punkt) Mainz 05 (H) 2:1 (3 Punkte)
15 FC Augsburg (H) 0:1 (0 Punkte) Freiburg (A) 0:0 (1 Punkt)
16 FC Bayern (A) 1:3 (0 Punkte) Stuttgart (H) 0:1 (0 Punkte)
17 Mainz 05 (H) 2:3 (0 Punkte) Schalke 04 (A) 0:0 (1 Punkt)
18 Schalke 04 (H) 0:3 (0 Punkte) 1. FC Köln (H) 0:2 (0 Punkte)
19 Hoffenheim (A) 0:3 (0 Punkte) Paderborn (A) 3:0 (3 Punkte)
20 Hertha BSC (H) 0:3 (0 Punkte) Hannover 96 (H) 2:1 (3 Punkte)
21 Braunschweig (A) 2:4 (0 Punkte) FC Bayern (A) 0:8 (0 Punkte)
22 Dortmund (H) 3:0 (3 Punkte) Gladbach (H) 1:1 (1 Punkt)
23 Heiner Bremer (A) 0:1 (0 Punkte) Frankfurt (A) 1:2 (0 Punkte)
24 Frankfurt (H) 1:1 (1 Punkt) Dortmund (H) 0:0 (1 Punkt)
25 Nürnberg (H) 2:1 (3 Punkte) Hoffenheim (A) 0:3 (0 Punkte)
Gesamt 41:54 (23 Punkte) 16:36 (25 Punkte)

 

Vergleich: Der HSV steht aktuell 2 Punkte besser und sieben Tore schlechter da als am gleichen Spieltag der vorigen Saison.

 

Platzierung nach dem Spieltag:
2013/14: 14
2014/15: 15

Veränderung: Der HSV steht aktuell 1 Platz schlechter da als am gleichen Spieltag der vorigen Saison.

 

Sp. Mannschaft 2013/14 2014/15
1 Nürnberg/Köln* (A) 5:0 (3 Punkte) 0:0 (1 Punkt)
2 Braunschweig/Paderb.* (H) 4:0 (3 Punkte) 0:3 (0 Punkte)
3 Hannover 96 (A) 1:2 (0 Punkte) 0:2 (0 Punkte)
4 FC Bayern (H) 1:4 (0 Punkte) 0:0 (1 Punkt)
5 M’gladbach (A) 1:3 (0 Punkte) 0:1 (0 Punkte)
6 Frankfurt (H) 1:1 (1 Punkt) 1:2 (0 Punkte)
7 Dortmund (A) 2:6 (0 Punkte) 1:0 (3 Punkte)
8 Hoffenheim (H) 1:5 (0 Punkte) 1:1 (1 Punkt)
9 Berlin (A) 0:1 (0 Punkte) 0:3 (0 Punkte)
10 Leverkusen (H) 2:1 (3 Punkte) 1:0 (3 Punkte)
11 Wolfsburg (A) 1:1 (1 Punkt) 0:2 (0 Punkte)
12 Heiner Bremer (H) 0:2 (0 Punkte) 2:0 (3 Punkte)
13 Augsburg (A) 1:3 (0 Punkte) 1:3 (0 Punkte)
14 Mainz 05 (H) 2:3 (0 Punkte) 2:1 (3 Punkte)
15 Freiburg (A) 3:0 (3 Punkte) 0:0 (1 Punkt)
16 Stuttgart (H) 3:3 (1 Punkt) 0:1 (0 Punkte)
17 Schalke (A) 3:3 (1 Punkt) 0:0 (1 Punkt)
18 Nürnberg/Köln* (H) 2:1 (3 Punkte) 0:2 (0 Punkte)
19 Braunschweig/Paderb.* (A) 2:4 (0 Punkte) 3:0 (3 Punkte)
20 Hannover 96 (H) 3:1 (3 Punkte) 2:1 (3 Punkte)
21 FC Bayern (A) 1:3 (0 Punkte) 0:8 (0 Punkte)
22 Gladbach (H) 0:2 (0 Punkte) 1:1 (1 Punkt)
23 Frankfurt (A) 2:2 (1 Punkt) 1:2 (0 Punkte)
24 Dortmund (H) 3:0 (3 Punkte) 0:0 (1 Punkt)
25 Hoffenheim (A) 0:3 (0 Punkte) 0:3 (0 Punkte)
Gesamt 44:54 (26 Punkte) 16:36 (25 Punkte)

Veränderung: Der HSV steht im Direktvergleich aktuell 1 Punkt und 10 Tore schlechter da als in der vorigen Saison.

 

*Köln ersetzt in diesem Vergleich Nürnberg, Paderborn Braunschweig.

Der HSV gegen Hoffenheim

Ihr wollt etwas über Klubs ohne Tradition lesen und Witze über die wenigen Fans, die einige Vereine so mitbringen?

Tut mir leid, hier seid Ihr falsch.

Ich wollte schon lange mal loswerden (und es ist schön, dass ich längst nicht der Erste bin), dass mich diese über die TSG Hoffenheim gefestigten Meinungen, die immer und immer wieder kundgetan werden, nerven. Keine Tradition? Ach, Leute. Definiert Tradition. Den 1. FC Köln gibt’s auch erst seit Ende der Vierziger. Keine Fans und keine Fankultur? Nun, ich kenne mindestens einen, der die TSG schon in der vierten Liga am Spielfeldrand verfolgt hat. Und auch 1899 verfügt über eine Fanszene, wenn vielleicht auch nicht über eine große. Aber die von Mainz ist auch nicht so groß wie die von den Bayern. So what?

In meiner kleinen Bundesligavorschau habe ich Hoffenheim auf Platz sieben getippt. Und genau da hätte es nach dem Spiel gegen den HSV auch gestanden, wenn es verloren hätte. Und das lag durchaus im Bereich des Möglichen. Ich erinnere da nur an den Lattentreffer Pierre-Michel Lasoggas.

Der HSV hat mir wieder gut gefallen. Exemplarisch für den neuen HSV steht eine Szene, die sich ungefähr in der sehcsten Spielminute abspielte: Die Hintermannschaft geriet am eigenen Strafraum in Bedrängnis. Statt den Ball wie früher üblich hinauszudreschen, gab es eine feine Kurzpassstaffette über sechs, sieben Stationen, dann hatten wir das Problem gelöst – und dabei den Ball behalten. Das wäre noch zu Saisonbeginn undenkbar gewesen! Es sind kleine Dinge wie diese, die den Unterschied zur Vergangenheit ausmachen und die mich optimistisch in die Zukunft blicken lassen.

Von meiner Prognose – Platz 15 – werde ich dennoch nicht abrücken. Denn so sehr mir das gefällt, was inzwischen wieder von meinem HSV angeboten wird: Noch springt zu selten Zählbares heraus. Das liegt teils an der eigenen Unfähigkeit, teils am Gegner. So wie gegen Hoffenheim. Die Kraichgauer stehen nicht zu Unrecht dort oben. Sie sind spielstark und torgefährlich – und im Gegensatz zur vergangenen Saison steht ihre Defensive. Kein Grund also, sich über das Unentschieden zu ärgern, zumal auch Hoffenheim einmal Aluminium traf und es hier und dort wieder ein paar brenzlige Szenen zu überstehen galt.

Positiv hervorheben möchte ich drei Defensive: Heiko Westermann hat einige Fehler gemacht, aber ausnahmslos jeden Sekunden später wieder glattgebügelt. Seit Valon Behrami nicht mehr den bösen Mann markiert, sondern sich aufs Fußballspielen konzentriert, ist er eine echte Verstärkung. Und Ashton Götz hat seine Sache verdammt gut gemacht.

Wenn wir jetzt noch ein wenig torgefährlicher werden und Lewis Holtby es schafft, seine Larifari-Abspielfehler abzustellen, kann ich womöglich bald anfangen, HSV-Spiele wieder zu genießen.

 

Sp.    Gegner 2013/14          Ergebnis                   Gegner 2014/15         Ergebnis

1        Schalke 04 (A)             3:3 (1 Punkt)            1. FC Köln (A)             0:0 (1 Punkt)
2        Hoffenheim (H)          1:5 (0 Punkte)          SC Paderborn (H)      0:3 (0 Punkte)
3        Hertha BSC (A)           0:1 (0 Punkte)          Hannover 96 (A)        0:2 (0 Punkte)
4        Braunschweig (H)      4:0 (3 Punkte)          FC Bayern (H)            0:0 (1 Punkt)
5        Dortmund (A)             2:6 (0 Punkte)          M’gladbach (A)          0:1 (o Punkte)
6        Bremen (H)                  0:2 (0 Punkte)          Frankfurt (H)             1:2 (0 Punkte)
7        Frankfurt (A)               2:2 (1 Punkt)           Dortmund (A)             1:0 (3 Punkte)
8        Nürnberg (A)               5:0 (3 Punkte)         Hoffenheim (H)          1:1 (1 Punkt)

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8                                             17:19 (8 Punkte)                                               3:9 (6 Punkte)

Vergleich: Der HSV steht aktuell 2 Punkte und vier Tore schlechter da als in der vorigen Saison.

 

Platzierung nach dem Spieltag:
2013/14: 15
2014/15: 16

Veränderung: ein Platz schlechter

 

Sp.    Mannschaft                                2013/14                    2014/15

1         Nürnberg/Köln* (A)                      5:0 (3 Punkte)           0:0 (1 Punkt)
2         Braunschweig/Paderborn (H)    4:0 (3 Punkte)           0:3 (0 Punkte)
3         Hannover 96 (A)                            1:2 (0 Punkte)            0:2 (0 Punkte)
4         FC Bayern (H)                                 1:4 (0 Punkte)            0:0 (1 Punkt)
5         M’gladbach (A)                               1:3 (0 Punkte)            0:1 (0 Punkte)
6         Frankfurt (H)                                  1:1 (1 Punkt)              1:2 (0 Punkte)
7         Dortmund (A)                                 2:6 (0 Punkte)            1:0 (3 Punkte)
8         Hoffenheim (H)                              1:5 (0 Punkte)            1:1 (1 Punkt)

————————————————————————————————————————-

8                                                                 15:21 (7 Punkte)           3:9 (6 Punkte)

Veränderung: Der HSV steht aktuell 1 Punkt und 2 Tore schlechter da als in der vorigen Saison.

 

*Köln ersetzt in diesem Vergleich Nürnberg, Paderborn Braunschweig.

Meine kleine Bundesligavorschau: 1899 Hoffenheim

Ihr mögt die Hoffenheimer ja alle nicht (Ausnahmen gibt es natürlich immer). Ich bin da ein wenig anders. Ich stehe dem Verein neutral gegenüber. Als HSVer habe ich eh inzwischen das Gefühl, dass ich mich über das Geschäftsmodell der Hoffenheimer nicht mehr beschweren darf. Und dafür, dass der Verein noch keine in dem Maße gewachsene Fankultur wie „die guten“ Vereine der Bundesliga hat, können die aktuellen Trainer und Spieler nichts. Meine ich.

In der vergangenen Saison kassierte Hoffenheim 70 Tore. Nur eine Mannschaft war in dieser Statistik noch schlechter, Ihr wisst, welche. Damit die Abwehr sattelfester wird, investierte die TSG den einen oder anderen Euro in die Defensive. Der Königstransfer: Torwart Oliver Baumann wurde für sieben Millionen Euro vom SC Freiburg losgeeist. Desweiteren kamen der Südkoreaner Jin-Su Kim für hinten links aus Japan und WM-Teilnehmer Ermin Bicakcic vom Absteiger Eintracht Braunschweig für die Innenverteidigung. Eine Kröte mussten die Hoffenheimer Abwehrreihe allerdings schlucken: Fabian Johnson wechselte ablösefrei nach Gladbach.

Etwas weiter vorn verstärkt Pirmin Schwegler das defensive Mittelfeld, in dem mit Eugen Polanski 2013/14 ein für mich überraschend starker Akteur aufdrehte. Und für ganz vorn hat 1899 bei Schalke 04 ins Einkaufsregal gegriffen: Edeljoker Adam Szalai, der in Gelsenkirchen nie richtig Fuß fassen konnte, kam für sechs Millionen Euro. Ich glaube, dass der Junge eine sehr gute Ergänzung zu Roberto Firmino sein kann. Überhaupt, Firmino: Was hat der Mann für eine überragende Saison gespielt? Gut für Hoffenheim, dass er noch bleibt. Mal sehen, wie lang. Ein Spieler seiner Klasse dürfte auch für Hoffenheim trotz Vertrags bis 2017 nur schwer zu halten sein. Und dann ist dann ja auch noch Kevin Volland. Heidewitzka, die Hoffenheimer Offensive zählt wohl zu den fünf besten der Liga.

Fazit: Die eben erwähnte Offensive und der Glaube daran, dass Hoffenheim nicht noch einmal 70 Tore einfangen wird, lässt mich glauben, dass die TSG zwei Plätze nach oben rutscht und am Ende auf Rang sieben landen wird.

 

Und so wird die Bundesligatabelle nach dem 34. Spieltag aussehen:

1. FC Bayern
2.
3. Borussia Dortmund
4.
5.  Borussia Mönchengladbach
6. Bayer Leverkusen
7. 1899 Hoffenheim
8.
9.   1. FSV Mainz 05
10.
11. Hannover 96
12. Hertha BSC
13. FC Augsburg
14. Eintracht Frankfurt
15.
16.
17.
18. SC Paderborn

Das glaubt Ihr nicht? Dann kommentiert meine kleine Vorschau gern und gebt mir Saures.

Standards können wir.

Das Schicksal wollte, dass ich das HSV-Spiel gegen die TSG Hoffenheim am Radio verfolgen musste. Radio, das bedeutete in diesem Fall: die SPORT1fm-App, die sich leider mehrfach aufhängte, so dass ich irgendwann auf den NDR2-Stream umschwenkte.

Bilder habe ich bislang, knappe drei Stunden nach Abpfiff, noch nicht gesehen. Und ich weiß auch noch gar nicht, ob ich das tun werde. (Wahrscheinlich schon, obgleich ich mich darüber ärgern werde.)

Ich bin sowieso der Meinung, dass man das Spiel auch gar nicht gesehen haben braucht, um zu urteilen, dass der HSV eine seiner schwächsten Leistungen aller Zeiten gebracht hat. Beide Reporter (bei SPORT1fm ein unheimlich langweiliger Mensch, wer war das bloß?) hatten Schwierigkeiten, auch nur halbwegs brauchbare Aktionen des HSV zu erkennen und zu beschreiben – es gab einfach keine.

Der HSV 2013 ist nicht in der Lage, ein Spiel in die Hand zu nehmen. Zu bestimmen. Fußball mit einer Idee oder gar einem Konzept zu spielen. Torgefahr zu entwickeln und Tore zu schießen. Außer bei Standards natürlich, die kann er. Aber aus dem Spiel heraus? Herr, hilf. Zurzeit gleicht das HSV-Spiel einem einzigen Offenbarungseid. Planlos, ratlos.

Woran liegt das nun? Ich möchte keine Tirade auf den Trainer starten. Aber er gefällt mir, der ihn tendenziell eher in Schutz nimmt als an den Pranger stellt, immer weniger. Ich vermisse den Pep (nein, nicht den Trainer…), den Elan, die Ideen und das Feuer in den Augen, das ein guter Trainer mitbringen sollte. Und ich bin enttäuscht von seinen Wechseln. Genau die Spieler, die ich gern gesehen hätte, ließ er als einzige auf der Bank: Jonathan Tah, Kerem Demirbay, Per Skjelbred. Schlechter hätten wir mit diesen Jungs auch nicht gespielt. Ich erwarte von Thorsten Fink, dass er sich seine Spieler zur Brust nimmt, ihnen erklärt, dass das, was hier gezeigt wurde, hochnotpeinlich war. Dass er die Spieler bei der Ehre packt und ihnen Mannschaftsgeist und Kampfeswillen einbläut. Es kann immer mal passieren, dass man verliert, und auch, dass man hoch verliert. Entscheidend ist hierbei aber, wie sich das Team präsentiert. Laufen die Akteure herum wie verunsicherte Schafe, wie aufgescheuchte Hühner? Oder geben sie alles, und es reicht einfach nicht zu mehr? Mit letzterem kann ich sehr gut leben. Leider war’s wohl ersteres.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich meine Emotionen grundsätzlich eher weniger zur Schau trage. Innerlich zwar koche, nach außen aber hanseatisch-souverän und zurückhaltend bleibe. Deshalb beende ich diesen Blogeintrag.

Die Statistik gibt’s natürlich dennoch:

Saison 12/13:
1. Spieltag: Nürnberg (H) 0:1 0 Punkte (Torverhältnis: -1)
2. Spieltag: Bremen (A) 0:2 0 Punkte (-3)

Saison 13/14:
1. Spieltag: Schalke (A) 3:3 1 Punkt (Torverhältnis: 0)
2. Spieltag: 1899 (H) 1:5 1 Punkte (-4)

Veränderung: +1 (-1)

Platzierung nach dem Spieltag:
2012/13: 15
2013/14: 12

Saison 12/13:

Schalke – Hamburger SV 4:1
Hamburger SV – Hoffenheim 2:0

Saison 13/14
Schalke – Hamburger SV 3:3
Hamburger SV – Hoffenheim 1:5

Veränderung:
Zwei Punkte schlechter, drei Tore schlechter

Für eine halbe Stunde Fan von 1899 Hoffenheim*

Nach der Aufstiegssaison 2008/09, in der die Hoffenheimer dank einer seansationellen Hinrunde (Stichwort: Herbstmeisterschaft) am Ende Siebter wurden, rangierten sie in den Abschlusstabellen der darauffolgenden drei Jahre jeweils auf Platz elf. Das war Jahr für Jahr sehr unbefriedigend, schließlich pumpte irgendjemand immer wieder sehr viel Geld in den Kader. Zur Saison 09/10 wurden mehr als 16 Millionen Euro investiert, ein Jahr darauf sogar mehr als 22 Millionen und 11/12 schließlich weitere fünf Millionen.

Auch vor der abgelaufenen Saison wurde kräftig investiert: Für runde 26 Millionen Euro kamen Tim Wiese, Joselu, Eren Derdiyok und im Winter nochmal David Abraham, Eugen Polanski und Afriyie Acquah, um die wichtigsten zu nennen. Wer Afriyie Acquah jetzt nicht unbedingt wichtig findet, mag in gewisser Weise Recht haben. Schließlich absolvierte der ghanaische Mittelfeldmann keine einzige Spielminute für die TSG. Dennoch hat er aber – und das macht diesen Transfer nennenswert –  2,5 Millionen Euro gekostet. Hierin sehe ich auch dass Hauptproblem Hoffenheims: Es scheint, als würde man wahllos mit dem Geld um sich schmeißen. Vielleicht, weil man es einfach hat.

Als Fan hätte ich mich aufgrund der eben genannten Sommerneuzugänge aber dennoch erstmal auf die neue Saison gefreut. Und auch aufgrund der bislang hier ungenannten: Stephan Schröck hat eine erstklassige Zweitligasaison bei der SpVgg Greuther Fürth hingelegt, Mathieu Delpierre war ein gestandener Abwehrmann vom VfB Stuttgart, beide kamen ablösefrei.

Allerdings wäre die Freude nur von kurzer Dauer gewesen. Wahrscheinlich wäre sie noch vor dem ersten Punktspiel flöten gegangen. Denn bevor die Bundesliga begann, blamierte sich Hoffenheim im DFB-Pokal. Mit einem blamablen 0:4 gegen den Weltklasseverein Berliner AK 07 verabschiedete man sich aus dem Wettbewerb. Und auch die ersten drei Bundesligapartien gingen verloren: 1:2 gegen Gladbach, 0:4 gegen Frankfurt, 3:5 gegen Freiburg. Mitten drin in der Schießbude: Torwart Tim Wiese, der von Bremen nach Sinsheim wechselte, weil er laut eigener Aussage keine Lust mehr darauf hatte in einem Team zu spielen, dass sich drei Tore im Schnitt einfängt. Tja.

Zum Chaos auf dem Platz gesellte sich das noch größere Chaos auf der Funktionärsebene. Markus Babbel, der als Trainer und Sportdirektor in Personalunion in die Saison startete, wurde im September von Andreas Müller als Manager abgelöst; am 3. Dezember wurde er auch von seiner Trainertätigkeit entbunden. Der Interimstrainer Frank Kramer war kaum erfolgreicher als Babbel, und nach zwei Niederlagen in Folge stand Hoffenheim nach dem Ende der Hinrunde auf Rang 16. Klar, dass ein neuer Trainer her musste. Marco Kurz war ab Neujahr der neue starke Mann, der aber nur wenige Monate – gemeinschaftlich mit Manager Andreas Müller – im April wieder gehen musste. Der nächste Trainer wurde Markus Gisdol, der neue „Leiter Profifußball“ wurde Alexander Rosen.

Vier Trainer, drei Manager – das konnte nur in die Hose gehen.

Das große Glück der Hoffenheimer war, am Ende der Saison auf ebenjenen Markus Gisdol zu vertrauen. Ausgerechnet auf eine Billiglösung. Das meine ich gar nicht despektierlich, sondern nur im Vergleich zu seinen Vorgängern. Dieser Billigheimer machte viel, wenn nicht alles richtig. Zeigte sich variabel in der Ausrichtung, mal 4-2-3-1, mal 4-3-3, mal 4-4-2. Setzte auf Polanski als Sechser und führte den vielen unbekannten, aber ihm seit Jahren bekannten Alexander Ludwig an das Mittelfeld heran und schenkte diesem Einsätze. Und hauchte dem Team Lebenswillen und – ja – so etwas wie Mannschaftsgeist ein. Folgerichtig sicherte sich Hoffenheim – spät, aber immerhin –  mit einem 2:1-Auswärtssieg in Dortmund am 34. Spieltag Platz 16 und setzte sich kurz darauf souverän gegen den 1. FC Kaiserslautern in der Relegation durch.

Fazit: Am Ende der Saison wäre ich nicht froh, aber erleichtert gewesen. Es gab doch noch ein „Happy End“, so dass nun ein Neustart gemacht werden kann. Mit (erstmals nach Ralf Rangnick) einem Trainer, der tatsächlich der gesuchte Deckel für den Schnellkochtopf Hoffenheim zu sein scheint. Das macht Hoffnung. Dennoch rettet es diese schlechteste Hoffenheimer Bundesligasaison nicht. Die Erwartung war, deutlich besser als in den vergangenen Jahren abzuschneiden, das Mittelfeld der Tabelle zu verlassen. Zumindest letzteres hat man geschafft…

Hinten dran noch ein Gedanke: Wäre meine kleine Serie hier kein Rückblick auf die vergangene, sondern eine Vorschau auf die kommende Saison – ich hätte Hoffenheim eine Platzierung im vorderen Mittelfeld prognostiziert. Es wird ja immer gern auf die traditionslosen Millionaros aus Sinsheim geschimpft. Davon, über andere kübelweise Häme oder Schmähungen oder sogar Beleidigungen auszuschütten, halte ich im allgemeinen aber genau: nichts. Und im Falle Hoffenheims muss ich sagen: Ich blicke in der nächsten Saison mit Neugier dorthin. Anscheinend hat man dort verstanden, dass „Geld keine Tore schießt“. Bislang wurden drei Spieler für 5,4 Millionen Euro verpflichtet, zudem stoßen neun (!) Spieler aus dem Unterbau in die Mannschaft. Das ist ein mutiger, aber verdammt guter Weg, den Hoffenheim da egeht. Ich glaube aber, dass Markus Gisdol den Laden im Griff hat und weiß, was er tut. Daher wünsche ich, auch wenn ich damit relativ allein stehe, der TSG viel Glück.

Aktuell:

1. FC Nürnberg > HSV
FC Augsburg > HSV
HSV > Borussia Mönchengladbach
Bayer Leverkusen > HSV
HSV > VfL Wolfsburg
HSV > Hannover 96
Schalke 04 > HSV
HSV > Borussia Dortmund
HSV > Fortuna Düsseldorf
HSV > SpVgg Greuther Fürth
HSV > Heiner Bremer
VfB Stuttgart > HSV
FC Bayern > HSV
HSV > 1899 Hoffenheim

Hier noch einmal die Links zu meinen bisherigen Fanstationen:
1. FC Nürnberg
Borussia Mönchengladbach
FC Augsburg
Bayer Leverkusen
VfL Wolfsburg
Hannover 96
Schalke 04
Borussia Dortmund
Fortuna Düsseldorf
SpVgg Greuther Fürth
Heiner Bremer
VfB Stuttgart
FC Bayern

(*In loser Reihenfolge frage ich mich seit ein paar und in den nächsten Wochen, ob ich als Fan jeweils eines anderen Vereins zufriedener mit dem Saisonverlauf “meines” Teams gewesen wäre.)