Bundesligaabschlusstabellentipp

Angestachelt von Ned Fuller, der hier vor kurzem seine wunderbare Bundesligasaisonvorschau veröffentlicht hat, möchte auch ich meine diesbezügliche Prognose zum Besten geben. Wobei das im Grunde Quatsch ist: Ich bin nicht angestachelt, sondern eher daran erinnert worden, dass es ja mal wieder an der Zeit für (m)einen Blick in die Glaskugel wäre. Also bitte nicht falsch verstehen, ich meine das durchaus positiv.

Im Gegensatz zum Vorjahr gibt es hier bei mir eine kleine Veränderung. Habe ich seinerzeit noch ein Geduldspiel aus meiner Tabelle gemacht, in dem ich mich eher stückweise zu den Vereinen geäußert und diese dann in das Tableau eingeordnet hatte, haue ich diesmal alles komplett heraus. Das hat verschiedene Gründe, unter anderem den, dass ich nicht Jahr für Jahr dasselbe machen möchte (so wie der HSV). Oder dass ich bald in den Urlaub fahre. Oder, oder, oder.

Entscheidende Faktoren für die Einordnung der Klubs in die Tabelle sind übrigens wie immer meine subjektive Bewertung der aus meiner Sicht relevanten Zu- und Abgänge, gewisse Sym- und Antipathien und vor allem mein Bauchgefühl. Dieser Mix führt mich zu folgender Prognose:

1.) Bayern München
Ja, es ist langweilig, die Bayern auf Platz eins zu tippen. Nein, es ist nicht zu vermeiden. Denn sie werden nun mal Meister. Die zehn Punkte, die der FCB 2014/15 Vorsprung hatte, waren einzig und allein deshalb nur zehn Punkte, weil die Saison eben so lief, wie sie lief. Die Münchner haben ihren Erfolg, der auch daraus resultierte, dass sich die „Konkurrenten“ die Punkte gegenseitig wegnahmen, am Ende verwaltet, taten nur noch das Nötigste und manchmal sogar noch weniger. Drei Niederlagen in Folge wie an den Spieltagen 31 bis 33 wird es in dieser Saison nicht nochmal geben. Die Verluste sind bis auf den Bastian Schweinsteigers sportlich irrelevant. Und mit Douglas Costa und Arturo Vidal kommen jetzt auch keine ganz Schlechten an die Isar. Und sowieso wird Julian Green einschlagen wie eine Bombe.

2.) VfL Wolfsburg
Weil es niemand anderer tut, klopfe ich mir selbst auf die Schulter: Ich habe den VfL schon vor der vergangenen Saison als Vizemeister gesehen. Auch diesmal holt er Platz zwei. Was fast ein wenig ärgerlich ist, denn die Mannschaft ist sehr ausgewogen und homogen zusammengestellt worden, verfügt über einen qualitativ hochwertigen Kader und hat diesen mit Max Kruse noch einmal verstärkt. Abzüge in der Karma-Wertung gibt’s für die Personalie Xizhe Zhang (Gedächtnisprotokoll: „Nein, das ist kein Marketing-Gag, er soll uns sportlich weiterhelfen.“).

3.) Bayer Leverkusen
Mein Freund Frank möge es mir verzeihen: Ich bin kein großer Leverkusen-Fan. Das liegt aber nicht daran, dass uns der Klub regelmäßig die Spieler wegkauft, sondern einzig und allein am schwer zu ertragenden Rudi Völler. Sollte er jemals den Verein verlassen, habe ich Leverkusen wieder lieb. Versprochen, Frank. Aus sportlicher Sicht sage ich: Gute Arbeit. Admir Mehmedi, Jonathan Tah, Kyriakos Papadopoulos (jetzt fest) und André Ramalho halte ich für starke Einkäufe. Hinzu kommt Weltmeister Christoph Kramer. Es geht auch schlechter. Abgegeben hat Leverkusen unter anderem einen unzufriedenen Gonzalo Castro, Stefan Reinartz, der nur in 17 Spielen zum Einsatz kam, und Josip Drmic. Simon Rolfes hat seine Karriere beendet. Die Qualität wurde enorm verbessert, weshalb ich Bayer auch die direkte Champions-League-Qualifikation zutraue.

4.) Borussia Mönchengladbach
Gladbach ist Gladbach: Lieb, freundlich, stört mich nicht. Dort wird hart und exzellent gearbeitet. Ich habe das Gefühl, dass Neuzugang Josip Drmic sehr gut ins System passt. Königstransfer für mich ist Lars Stindl, der in Hannover überragend gespielt und sich diesen persönlichen Aufstieg verdient hat.

5.) Borussia Dortmund
Dortmund wird besser abschneiden als in der vergangenen Saison und am Ende sogar vor Schalke landen. Trotz Tuchel, den ich für überschätzt halte. Oder sage ich es so: Er hat noch nicht bewiesen, dass er der Trainer ist, den viele in ihm sehen wollen. Und nein, meine Meinung habe ich nicht deshalb, weil es mit dem HSV nicht geklappt hat. Dass Dortmund am Ende auf Rang fünf einlaufen wird, liegt zum einen daran, dass es „gewarnt“ ist und dort niemand mehr glauben wird, dass es irgendwann von selbst laufen wird, stimmen die Ergebnisse mal nicht. Und zum anderen daran, dass es durch die Abgänge nicht an Qualität eingebüßt hat. Ich bin gespannt, ob sich Jonas Hofmann endlich durchsetzen kann.

6.) Schalke 04
Die Gelsenkirchener machen mir in diesem Transfersommer besonders Spaß. Felipe Santana und seine Schussverletzung an der Hand, der verlorene Sohn Sidney Sam, der kommende Weltstar Thilo Kehrer – dagegen läuft beim HSV alles in geordneten Bahnen ab. Dann wird Sascha Riether verpflichtet, der mit seinen letzten drei Klubs abgestiegen ist. Wirklich gut ist der Kauf von Johannes Geis, der allerdings teuer war. Oh, und natürlich die Tatsache, dass Franco Di Santo nun nicht mehr in Bremen spielt. Ob André Breitenreiter der geeignete Trainer ist, wage ich zu bezweifeln. Immerhin: Er ist besser als sein Vorgänger, was aber wiederum kein Kunststück ist.

7.) 1. FC Köln
Dem Effzeh traue ich den größten Satz nach vorn zu. Das, was in Köln passiert, finde ich super. Sportdirektor Schmadtke tütet Transfers ein, ohne dass es jemand vorher mitbekommt. Und es sind nicht die schlechtesten. Leonardo Bittencourt kommt für wenig Geld aus Hannover, der meines Erachtens in Dortmund unterschätzte Milos Jojic bereichert das Mittelfeld, und wenn ein Anthony geht, kommt eben ein anderer. Dazu kommt Verteidiger Dominique Heintz aus Lautern – top. Genau wie Peter Stöger.

8.) 1899 Hoffenheim
Die TSG landet genau da, wo sie am Ende der Saison 2014/15 auch stand. Es ist halt schwer, einen Mann wie Roberto Firmino gleichwertig zu ersetzen. Aber: Markus Gisdol ist ein schlauer Mann. Ich nehme daher an, dass er diese Last auf mehrere Schultern verteilen wird. Einen 1:1-Ersatz hat er deshalb gar nicht erst holen lassen. Dafür den guten Jonathan Schmid aus Freiburg für die rechte Außenbahn, Fabian Schär und Pavel Kaderabek (für Andy „Kadera“ Beck, den es in die Türkei zog) für hinten. Mark Uth – auf den ich sehr gespannt bin – und der mir unbekannte, aber 2,2 Milioonen Euro teure Joelinton sollen vorn Anthony Modeste ersetzen, zudem erhält Kevin Volland eine noch offensivere Rolle. Kann alles hinhauen und für einen Sprung in der Tabelle sorgen. Muss aber nicht.

9.) VfB Stuttgart
Neben den Kölnern traue ich auch dem VfB einen Satz um fünf Plätze nach vorn zu – und damit habe ich hoffentlich die Meute der VfB-Fans ruhiggestellt, die mich vor einem Jahr lynchen wollten, als ich in ihrem Klub einen Absteiger sah. (So schlecht war das im Nachhinein gar nicht getippt, es fehlten ganze zwei Pünktchen.) Der VfB Stuttgart 2015/16 ist runderneuert. Auf der Torwartposition gab es zwei Wechsel. Folgerichtig, möchte ich meinen. Wenn ich sehe, dass sich Sven Ulreich lieber als Rentner betätigen möchte als im VfB-Tor zu stehen, ist ein Wechsel vonnöten. Und egal, ob zukünftig Tytom oder Langerak im Kasten steht: Stuttgarts Fans sehen einen motivierten Torwart. Auch auf dem Feld wurde kräftig ausgemistet: Haggui, Rausch, Sakai – weg. Romeu, Leitner, Sararer – weg. Tendenziell geht noch Antonio Rüdiger, wobei dessen Verletzunf für einen Verbleib spricht. Richten sollen es Exzweitligakicker Heise, Beinahezweitligakicker Rupp, der international erfahrene Insua sowie das 21-jährige, tschechische Talent Kliment. Das kann hinhauen, wenn sich auch alte Haudegen wie Martin Harnik oder Christian Gentner wieder auf ihre Qualitäten besinnen. Gut für Stuttgart: Alexandru Maxim wird wohl bleiben.

10.) FC Augsburg
Fünf Plätze nach unten geht es für den FC Augsburg. Begründen kann ich das leider nicht genau. Und wenn, dann vielleicht so: Ich glaube eben, dass die Belastung Europapokal dem Verein nicht gut tut und neun andere Teams mehr Punkte holen werden. In Augsburg wird toll gearbeitet, und als HSV-Fan bin ich neidisch darauf. Ich bin gespannt darauf, ob Piotr Trochowski seine Chance nutzt. Ich traue es Trainer Markus Weinzierl zu, auch Troche wieder hinzubekommen. Mögen alle die überrascht werden, die sich auch darüber gewundert hatten, warum Weinzierl sich Altintop antut. (Ich schließe mich da mit ein.)

11.) Hertha BSC
Ich wiederhole mich Jahr für Jahr gern: Ich finde Hertha BSC scheiße. Leider schafft es der Klub immer wieder, nicht abzusteigen. Diesmal wohl, weil man erkannt hat, dass Johnny Heitinga eben doch kein Heilsbringer ist. Und weil mit Vladimir Darida und Mitchell Weiser gute Männer fürs Mittelfeld kommen. Jedes weitere Wort über Berlin wäre zuviel.

12.) Werder Bremen
Fünf Jungs steigen aus der U23 auf. Viele Neulinge aus dem Unterbau gab es beim HSV in der vorigen Saison auch – mögen die Weseraner ähnliche Probleme bekommen. Allein: Ich glaube nicht dran. Ich befürchte, dass Anthony Ujah Davie Selke irgendwie ersetzen wird und Bremen auf einem gesicherten Mittelfeldplatz landet. Der Verlust Franco Di Santos allerdings kam unerwartet und könnte nachhaltig für Probleme sorgen. Aber im Zweifel wird es der Eishockeyfachmann richten.

13.) Hamburger SV
Tadaaaa! Nein, der HSV schafft das Triple nicht. Diesmal muss er deutlich kürzer um den Klassenerhalt bangen. Es wird schwer, und es wird jede Menge Mist über uns geschrieben werden (meistens wahrscheinlich wieder völlig zu Recht). Am Ende sind es aber wir, die lachen. Weil Schipplock und Lasogga jeweils die Zehn-Tore-Marke knacken und wir die Saison mit einem positiven Torverhältnis abschließen. Und mit Bruno Labbadia als Trainer.

14.) Mainz 05
Es wird schwer für Mainz. Der Wechsel Shinji Okazakis zu Leicester City und vor allem der Verkauf von Johannes Geis an Schalke 04 wiegen schwer. Für diese beiden überdurchschnittlichen Spieler wurden der Zweitligastürmer Florian Niederlechner und – tja, wer eigentlich? – verpflichtet. Fabian Frei, der vom FC Basel kam, soll wohl Geis‘ Rolle übernehmen. Ich bin skeptisch. Gespannt hingegen bin ich, ob Maxi Beister fit ist und wenn ja, ob er der Mannschaft weiterhelfen kann. Wenn die Mainzer immerhin Platz 14 erreichen, dann auch deshalb, weil andere Teams noch schlechter sind.

15.) Eintracht Frankfurt
Da isser wieder. Armin „Ich trainiere nie wieder einen Bundesligaklub“ Veh. Nach einem knappen Dreivierteljahr auf der heimiligen Couch hat er allen Ärger vergessen, den er damals in Frankfurt hatte und heuerte erneut bei den Hessen an. Der Eintracht stehen damit harte Zeiten bevor. Auch die Einkäufe helfen nicht wirklich, diesen Umstand zu verbessern: Königstransfer ist ein gewisser Luc Castaignos, der 2014/15 für Twente Enschede stürmte. Dazu wurde die Defensive mit Innenverteidiger David Abraham (Hoffenheim) und Stefan Reinartz (Leverkusen) solide verstärkt. Aber reicht das, zumal mit Jetzt-Ex-Keeper Kevin Trapp ein starker Schlussmann fehlt und auch Sturmtank Alex Meier nicht jünger und verletzungsunanfälliger wird? Ich wage es zu bezweifeln.

16.) Hannover 96
So bitter es ist: Ich glaube daran, dass Hannover 96 absteigen wird. Schon in der vergangenen Saison hatte ich das Gefühl, dass wenn die noch zwei Spieltage länger gedauert hätte, die 96er statt des HSV hätten in der Relegation spielen müssen. Michael Frontzeck gilt ja – warum auch immer – als unterschätzt. Ich finde dennoch, dass er nicht genug Qualität mitbringt, um einen Verein aus den unteren Tabellenregionen nach oben zu führen. Hinzu kommt, dass ich der Meinung bin, dass die die neuen Spieler die Abgänge nicht ansatzweise ersetzen können. Man verliert Joselu, Stindl und Bittencourt und holt dafür Erdinc, Klaus und Bech? Ok… Ein guter Einkauf ist Oliver Sorg. Aber ob ein neuer rechter Verteidiger die Probleme lösen kann, sei mal dahingestellt.

17.) FC Ingolstadt
Hallo Ingolstadt. Schau‘ Dich in aller Ruhe um und genieße die Saison. Du wirst nur ein Jahr hier bleiben. Wer Felgenralle keinen neuen Vertrag gibt, hat aus meiner Sicht eh‘ jegliche Sympathien verspielt. Nein, im Ernst: Ich kann Ingolstadt schwer einschätzen. Und genau das ist der Punkt. Der Verein ist mir, der ich zugegebenermaßen auch kein wirkliches Auge auf die Zweite Liga werfe, über weite Strecken nicht aufgefallen. Schlagzeilen wie „Ingolstadt mischt die Liga auf“ habe ich nicht registriert. Insofern habe ich es irgendwann überraschend zur Kenntnis genommen, dass der Tabellenführer der Zweiten Liga eben Ingolstadt ist. Aufsteiger haben es immer schwer, und ich freue ich für den FCI, sollte ich danebenliegen. Aber ich glaube, er hat es ganz schwer.

18.) Darmstadt 98
Für Darmstadt gilt dasselbe wie für Ingolstadt: Ich halte den Kader für zu schwach, um eine tragende Rolle in der Bundesliga zu spielen. Ich freue mich aus statistischen Gründen, die jeder HSV-Fan kennen dürfte, sehr darüber, dass Darmstadt in der Liga ist. Das war es dann aber auch schon. Um sich zu verstärken, wurden Vrancic, Caldirola, Rausch und Holland geholt. Tja. Ich wünsche den Lilien alles Gute.

 

Hier nochmal zum ausdrucken und Ins-Portemonnaie-stecken die kompakte Version:

1.) Bayern München
2.) VfL Wolfsburg
3.) Bayer Leverkusen
4.) Borussia Mönchengladbach
5.) Borussia Dortmund
6.) Schalke 04
7.) 1. FC Köln
8.) 1899 Hoffenheim
9.) VfB Stuttgart
10.) FC Augsburg
11.) Hertha BSC
12.) Werder Bremen
13.) Hamburger SV
14.) Mainz 05
15.) Eintracht Frankfurt
16.) Hannover 96
17.) FC Ingolstadt
18.) Darmstadt 98

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s