Es ist doch nur Fußball.

Mit den Menschen, und dazu zähle ich auch die durchaus besondere Gattung „Fußball-Fans“ und die weitaus besonderere Gattung „Twitterer“ und im ganz speziellen ihre Schnittmenge, ist es zuweilen so: Sie hören und lesen etwas und verstehen es. Und zwar so, wie sie es wollen.

Neulich war ich dankenswerterweise Gast in einem Fußballpodcast und sagte darin, angesprochen auf die nicht eben unprekäre Situation, in der sich der HSV gerade befindet: „Es ist doch nur Fußball.“

Was hatte ich damit nur angestellt? Fortan musste ich mir einige Dinge anhören. Nicht im Podcast, aber auf Twitter und anderen sozialen Medien. Unter anderem: Ich sei kein richtiger Fan (Wer mag das schon beurteilen? Oder, frei nach Herbert Grönemeyer: Wann ist ein Fan ein Fan?). Ich dürfe dann auch keine Emotionen zeigen (zum Beispiel zu twittern, dass ich ob eines bevorstehenden Relegationsspiels nervös sei.).

Es gibt diesen wunderbaren Satz, der besagt, dass es nicht reicht, Texte nur zu lesen – man müsse sie auch genau lesen. Gleiches gilt für mich für das gesprochene Wort: Man sollte es nicht nur hören, sondern eben auch genau hinhören. Und womöglich sogar darüber nachdenken, was derjenige denn damit gemeint haben könnte. Und im Zweifel: fragen.

Man kann mich dafür geißeln und mir jegliches Fantum absprechen, aber: Ich kann den Fußball nicht so nah an mich heranlassen, dass es mir seelische oder gar körperliche Schmerzen zufügt, wenn mein Verein verliert oder in Abstiegsnöte gerät. Und noch weniger werde ich deshalb anderen Menschen bewusst seelische oder körperliche Schmerzen zufügen. (Von den berühmten „Frotzeleien“ abgesehen, die selbstverständlich dazugehören.) Ich gehöre nicht zu der Gattung Fan, die nachts schlecht oder gar nicht schläft, weil es meiner Lieblingsmannschaft sportlich, finanziell oder sonstwie schlecht geht. Ich definiere mich auch nicht über meinen Verein und fühle mich nicht als ein besserer oder schlechterer Mensch als ein Fan eines anderen Vereins, nur weil mein Verein besser oder schlechter dasteht als seiner, oder weil mein Verein seinen zufällig gerade geschlagen hat.

Unabhängig davon ärgere ich mich über Niederlagen, freue ich mich über Siege und fiebere, bange und hoffe mit meinem Verein vor, während und nach Spielen mit. Weil ich Fußball-Fan bin, weil ich HSV-Fan bin. Nur offensichtlich einer der entspannten Sorte, für den es auch noch andere, weitaus wichtigere Dinge im Leben gibt.

Das meine ich mit „Es ist doch nur Fußball“.

 

 

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