Zu wenig.

Es ist so bitter. Da spielst Du gegen Berlin, das in dieser Saison wahrlich keine Übermannschaft der Liga darstellt, stellst phasenweise sogar die bessere Mannschaft und stehst am Ende doch mit leeren Händen da, weil ein spätes Gegentor und die Unfähigkeit, einen eigenen Treffer zu erzielen, alle Hoffnungen darauf, wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt zu sammeln, zunichte machen.

Aber genug vom FC St. Pauli – schreibe ich lieber über den HSV.

Da spielst Du gegen Berlin, das in dieser Saison wahrlich keine Übermannschaft der Liga darstellt, stellst phasenweise sogar die bessere Mannschaft und stehst am Ende doch mit leeren Händen da, weil ein spätes Gegentor und die Unfähigkeit, einen eigenen Treffer zu erzielen, alle Hoffnungen darauf, wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt zu sammeln, zunichte machen.

Die Begegnung gegen Hertha BSC hat vieles aufgezeigt. Nämlich, dass es dem HSV an so vielem fehlt. Da wären…

1) … zuverlässige Abwehrspieler. Es vergeht nicht eine Partie, in der man sich als gemeiner HSV-Fan mindestens zehnmal an den Kopf fasst und diese haarsträubenden Fehler, die den Verteidigern immer wieder unterlaufen, einach nicht fassen kann. Das fängt in der Ballbehandlung an, setzt sich in der Spieleröffnung fort und gipfelt in dummem, dummem Zweikampfverhalten. Wir sind die Fachmänner in Sachen Ball verstolpern, die Pille nicht zum nächsten Mann bringen können und ungeschickt ins Duell Mann gegen Mann gehen. Wie kann man so dämlich wie Cleber Reis in ein Kopfballduell gehen, dem Gegner den Arm ins Gesicht strecken und dann die Welt nicht mehr verstehen, weil man vom Platz gestellt wird? Ich verstehe es nicht.

2) … kreative Mittelfeldspieler. Wer zum Henker hat Milan Badelj vom Hof gejagt und stattdessen auf Rafael van der Vaart gebaut? Der Niederländer ist inzwischen an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Er will offenbar so etwas wie ein „Agressive Leader“ sein – das sieht bei ihm dann so aus, dass er Gegenspieler dumm foult, gern auch mal schubst, gegen den Schiedsrichter pöbelt. Zum Fremdschämen. Valon Behrami hat das Fußball spielen auch nicht erfunden, aber bei ihm bin ich inzwischen schon froh, wenn er nicht schon in der zehnten Minute latent rotgefährdet ist. Lewis Holtby hat keinen Hintern in der Hose und hilft der Mannschaft kein Stück weiter, wenn es nicht läuft – also nie. Nicolai Müller läuft zwar viel, aber meistens herum wie Falschgeld. Zoltan Stieber hat einigermaßen gute Ansätze, aber keine Mitspieler.

3) … torgefährliche Stürmer. Mein lieber Herr Olic, was war das denn? Sie wissen, welche Szene ich meine. Ein richtiger Stürmer nutzt die Chance zumindest zum Torschuss, doch selbst dafür reicht es inzwischen nicht mehr. In dieser Verfassung halte ich – so ungern ich dies sage, weil ich Ivica Olic wirklich mag und ich im Grunde von seiner Qualität überzeugt bin – für einen der größten Fehleinkäufe der letzten Zeit. Dazu zähle ich auch seinen Stumpartner Pierre-Michel Lasogga. Ich kann nur hoffen, dass er seine Verlezung immer noch nicht auskuriert hat. Denn wenn das alles sein soll, was der feine Herr im Vollbesitz seiner körperlichen Kräfte anzubieten imstande ist, dann gute Nacht.

4) … ein wirklich guter Trainer. So leid es mir tut und so sehr ich Trainerdiskussionen oft für verfrüht halte: Es hat den Anschein, als sei Joe Zinnbauer dem Bundesligaalltag (noch) nicht gewachsen. Ich freue mich sehr darüber, dass er nicht weniger als sechs Youngstern (Götz, Cigerci, Marcos, Gouaida, Steinmann, Nafiu) aus der U23 eine Chance gegeben hat. Aber wie es halt mit jungen Neulingen so ist: Sie brauchen ihre Zeit, um sich an die Bundesliga zu gewöhnen. Und das kostet oft Punkte. Und auch wenn ich insofern ein Freund von Rotation bin, als das ich es mag, wenn der Trainer Aspekte wie die Leistung beim wöchentlichen Training und die Qualitäten der einzelnen Spieler im Hinblick auf den kommenden Gegner in seiner Kaderberufung miteinfließen lässt: Inzwischen sind mir die Aufstellungen oft zu vogelwild und kommen mir wie Aktionismus vor. Es scheint, als sei Joe Zinnbauer mit seinem Latein am Ende.

Alles in allem bemängele ich auch, dass ich keinerlei Fortschritt in den Skills einzelner Spieler erkenne. Als ich das Europa-League-Spiel des VfL Wolfsburg gegen Inter Mailand sah, bekam ich vor Staunen dem Mund kaum zu: Vierinha, Rodriguez, ja selbst Träsch brachten unheimlich präzise und scharfe Flanken in den gegnerischen Strafraum – warum kann Dennis Diekmeier so etwas nicht? Und warum übt er das nicht? Mir fällt kein einziger Spieler aus der Offensivabteilung des HSV ein, dem ich ein gelungenes Dribbling oder eine Eins-zu-eins-Situation zutraue. Warum nicht? Und warum kann der HSV den Ball höchstens von einem Spieler zum nächsten schieben, aber keinen vernünftigen, kreativen Angriff starten? Und warum, verdammt, schießen wir nicht aufs Tor?

Es gibt diesen oft zitierten Uralt-Gag: „Gestern standen wir vorm Abgrund, heute sind wir schon einen Schritt weiter.“ Der passt wunderbar zum HSV dieser Tage.

So scheint ein Abstieg tatsächlich nicht mehr abwendbar. Natürlich sind es noch ein paar Spiele bis zum Saisonende. Aber: Gegen welche Mannschaft soll dieser HSV denn bitte gewinnen? Oder ein Tor schießen? (Was war das noch gleich?)

Und jetzt kommt das Positive: Es machte mir nichts aus. Dann ist es eben so. Ich werde die Jungs da unten auf dem Rasen trotzdem anfeuern, ihnen alles Glück dieser Welt wünschen und mitfiebern – nur halt gegen Sandhausen, Aalen und Wasweißichdennwen. Und das Tolle wäre: Die Köpfe des HSV wären endlich gezwungen, ein paar Dinge zu verändern. Das Umkrempeln und Neuaufstellen der Mannschaft stünde an erster Stelle.

Ich überlege noch, ob ich das nicht sogar besser finde als dieses Rumwurschteln und Woche für Woche herumärgern. Stand jetzt finde ich dieses Szenario gar nicht mal so uninteressant.

 

Sp. Gegner 2013/14 Ergebnis Gegner 2014/15 Ergebnis
1 Schalke 04 (A) 3:3 (1 Punkt) 1. FC Köln (A) 0:0 (1 Punkt)
2 Hoffenheim (H) 1:5 (0 Punkte) SC Paderborn (H) 0:3 (0 Punkte)
3 Hertha BSC (A) 0:1 (0 Punkte) Hannover 96 (A) 0:2 (0 Punkte)
4 Braunschweig (H) 4:0 (3 Punkte) FC Bayern (H) 0:0 (1 Punkt)
5 Dortmund (A) 2:6 (0 Punkte) M’gladbach (A) 0:1 (0 Punkte)
6 Heiner Bremer (H) 0:2 (0 Punkte) Frankfurt (H) 1:2 (0 Punkte)
7 Frankfurt (A) 2:2 (1 Punkt) Dortmund (A) 1:0 (3 Punkte)
8 Nürnberg (A) 5:0 (3 Punkte) Hoffenheim (H) 1:1 (1 Punkt)
9 Stuttgart (H) 3:3 (1 Punkt) Berlin (A) 0:3 (0 Punkte)
10 Freiburg (A) 3:0 (3 Punkte) Leverkusen (H) 1:0 (3 Punkte)
11 Gladbach (H) 0:2 (0 Punkte) Wolfsburg (A) 0:2 (0 Punkte)
12 Leverkusen (A) 3:5 (0 Punkte) Heiner Bremer (H) 2:0 (3 Punkte)
13 Hannover (H) 3:1 (3 Punkte) Augsburg (A) 1:3 (0 Punkte)
14 Wolfsburg (A) 1:1 (1 Punkt) Mainz 05 (H) 2:1 (3 Punkte)
15 FC Augsburg (H) 0:1 (0 Punkte) Freiburg (A) 0:0 (1 Punkt)
16 FC Bayern (A) 1:3 (0 Punkte) Stuttgart (H) 0:1 (0 Punkte)
17 Mainz 05 (H) 2:3 (0 Punkte) Schalke 04 (A) 0:0 (1 Punkt)
18 Schalke 04 (H) 0:3 (0 Punkte) 1. FC Köln (H) 0:2 (0 Punkte)
19 Hoffenheim (A) 0:3 (0 Punkte) Paderborn (A) 3:0 (3 Punkte)
20 Hertha BSC (H) 0:3 (0 Punkte) Hannover 96 (H) 2:1 (3 Punkte)
21 Braunschweig (A) 2:4 (0 Punkte) FC Bayern (A) 0:8 (0 Punkte)
22 Dortmund (H) 3:0 (3 Punkte) Gladbach (H) 1:1 (1 Punkt)
23 Heiner Bremer (A) 0:1 (0 Punkte) Frankfurt (A) 1:2 (0 Punkte)
24 Frankfurt (H) 1:1 (1 Punkt) Dortmund (H) 0:0 (1 Punkt)
25 Nürnberg (H) 2:1 (3 Punkte) Hoffenheim (A) 0:3 (0 Punkte)
26 Stuttgart (A) 0:1 (0 Punkte) Hertha BSC (H) 0:1 (0 Punkte)
Gesamt 41:55 (23 Punkte) 16:37 (25 Punkte)

 

Vergleich: Der HSV steht aktuell 2 Punkte besser und sieben Tore schlechter da als am gleichen Spieltag der vorigen Saison.

 

Platzierung nach dem Spieltag:
2013/14: 16
2014/15: 16

Veränderung: Der HSV steht aktuell keinen Platz besser oder schlechter da als am gleichen Spieltag der vorigen Saison.

 

Sp. Mannschaft 2013/14 2014/15
1 Nürnberg/Köln* (A) 5:0 (3 Punkte) 0:0 (1 Punkt)
2 Braunschweig/Paderb.* (H) 4:0 (3 Punkte) 0:3 (0 Punkte)
3 Hannover 96 (A) 1:2 (0 Punkte) 0:2 (0 Punkte)
4 FC Bayern (H) 1:4 (0 Punkte) 0:0 (1 Punkt)
5 M’gladbach (A) 1:3 (0 Punkte) 0:1 (0 Punkte)
6 Frankfurt (H) 1:1 (1 Punkt) 1:2 (0 Punkte)
7 Dortmund (A) 2:6 (0 Punkte) 1:0 (3 Punkte)
8 Hoffenheim (H) 1:5 (0 Punkte) 1:1 (1 Punkt)
9 Berlin (A) 0:1 (0 Punkte) 0:3 (0 Punkte)
10 Leverkusen (H) 2:1 (3 Punkte) 1:0 (3 Punkte)
11 Wolfsburg (A) 1:1 (1 Punkt) 0:2 (0 Punkte)
12 Heiner Bremer (H) 0:2 (0 Punkte) 2:0 (3 Punkte)
13 Augsburg (A) 1:3 (0 Punkte) 1:3 (0 Punkte)
14 Mainz 05 (H) 2:3 (0 Punkte) 2:1 (3 Punkte)
15 Freiburg (A) 3:0 (3 Punkte) 0:0 (1 Punkt)
16 Stuttgart (H) 3:3 (1 Punkt) 0:1 (0 Punkte)
17 Schalke (A) 3:3 (1 Punkt) 0:0 (1 Punkt)
18 Nürnberg/Köln* (H) 2:1 (3 Punkte) 0:2 (0 Punkte)
19 Braunschweig/Paderb.* (A) 2:4 (0 Punkte) 3:0 (3 Punkte)
20 Hannover 96 (H) 3:1 (3 Punkte) 2:1 (3 Punkte)
21 FC Bayern (A) 1:3 (0 Punkte) 0:8 (0 Punkte)
22 Gladbach (H) 0:2 (0 Punkte) 1:1 (1 Punkt)
23 Frankfurt (A) 2:2 (1 Punkt) 1:2 (0 Punkte)
24 Dortmund (H) 3:0 (3 Punkte) 0:0 (1 Punkt)
25 Hoffenheim (A) 0:3 (0 Punkte) 0:3 (0 Punkte)
26 Hertha BSC (H) 0:3 (0 Punkte) 0:1 (0 Punkte)
Gesamt 44:57 (26 Punkte) 16:37 (25 Punkte)

Veränderung: Der HSV steht im Direktvergleich aktuell 1 Punkt und 8 Tore schlechter da als in der vorigen Saison.

*Köln ersetzt in diesem Vergleich Nürnberg, Paderborn Braunschweig.

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6 Gedanken zu “Zu wenig.

  1. Schöne erste Zeilen :-) Und eine treffende Analyse. Zumindest beim Trainer hat man ja jetzt den Knäb… äh.. Hebel angesetzt. Mal sehen, ob er der Mannschaft Zuverlässigkeit, Kreativität und Torgefahr verleihen kann … Ich denke nicht.

  2. […] Keine zuverlässigen Abwehrspieler, ein kreatives Loch im Mittelfeld, die Stürmer treffen nicht &#8… Willkommen beim HSV! Zumindest beim Trainer hat man jetzt den Hebel an- und den Knäbel eingesetzt. Mit Leverkusen, Wolfsburg und Bremen hat dieser allerdings ein schweres Auftaktprogramm – aber ja immerhin die Länderspielpause zur Vorbereitung. Quo vadis, Bundesligadino? […]

  3. Es wird ein Schneckenrennen um den Klassenerhalt, mit 4 bis 5 Mannschaften auf Augenhöhe, wobei deren Spielstil und -kultur eher auf Knöchelhöhe ist. Interessant ist die „große Lösung“ mit Tuchel, die so rumgeht. Wie siehst Du das so? Ich wäre dann als Stuttgarter neidisch auf den HSV ;-)

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