Die egalste Pleite der Saison

Nein, Pleiten sind nie schön. Nichtmal gegen den FC Bayern, einen Gegner, bei dem man durchaus damit rechnen kann, dass es eine Pleite geben kann.

Doch obwohl der HSV mit 0:8 unter die Räder gekommen ist und im Vorbeigehen die höchste Niederlage (im Torverhältnis) seiner Bundesligageschichte kassiert hat, halte ich es für übertrieben, den Trainer, die Mannschaft, die AG in Frage zu stellen und rollende Köpfe zu fordern.

Ja, der HSV hat sich blamiert. Nicht wegen acht kassierter Tore, sondern wegen der Art und Weise, wie man sich in München hat an die Wand spielen lassen. Da war kein Ehrgeiz zu sehen, einen phasenweise kleinen Rückstand ausgleichen zu wollen. Da war viel Alibi- und wenig Fußball dabei. Spielerisch ist der HSV – sind wir – nicht besser als ein Viertligist. Gleichwohl behaupte ich aber, dass an diesem Tag viele Teams der Bundesliga drei oder vier Tore gegen diese Bayern kassiert hätten. Sie haben einfach großartig gespielt. Zum ersten Mal in diesem Kalenderjahr – dumm, dass das gegen den HSV passieren musste.

Für die Höhe – und das betone ich nochmals – ist aber allein der HSV verantworlich, der oftmals erstarrte wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange. Auf Twitter habe ich von einem Kollegen gelesen, dass der einzige Gewinner dieses Duells Julian Green sei. Das halte ich für so dämlichen Quatsch, dass ich das nicht weiter kommentieren werde. Was diese 90 Minuten in München aber deutlich gezeigt haben ist, dass es beim HSV Spieler gibt, die schlicht nicht mehr bundesligareife Qualitäten besitzen.

Zum einen ist da Marcell Jansen. Nach zwei respektablen Spielen gegen Paderborn und Hannover (merkt Ihr selber, oder?) stellt sich der Mann in den Boulevard und spricht offen darüber, dass er die EM 2016 nicht abgehakt hat und er ja bis kurz vor der WM 2014 noch im engeren Kreis der Nationalmannschaft war, ehe er sich verletzte. Meine große Befürchtung ist, dass Marcell Jansen tatsächlich selbst glaubt, was er da sagt. Und das ist sein größtes Problem: diese gnadenlose Selbstüberschätzung.

Dann ist da Heiko Westermann. Ja, er ist ein emsiger Rackerer, der sich zerreißt und alles gibt. Letzteres sollte doch aber Standard sein. Wenn das schon ein Kriterium ist, um einen Sammplatz beim HSV zu bekommen: Gute Nacht. Ich mag Westermann mit seinen Fehlpässen und mit seinem schlechten Stellungsspiel nicht mehr sehen. Es war eine falsche Entscheidung, dass Joe Zinnbauer seinetwegen Boban Rajkovic auf der Innenverteidigerposition geopfert hat.

Schließlich ist da noch unser Capitano, der kleine Engel, der van der Vaart. Ab und zu hat er einen Geistesblitz. Alle paar Monate. Dazwischen fällt er auf dem Platz nur noch dadurch auf, dass ihm nichts gelingt und er dies durch Nebenhertraben zu kompensieren versucht. Und durch übertrieben dummes Zweikampfverhalten mit anschließendem Meckern gegen alles und jeden, weshalb er ständig hinausstellungsgefährdet ist. Nein, so verhält sich kein Profi, schon gar kein Kapitän und Nationalspieler mit mehr als 100 Länderspielen.

Wenn eine Mannschaft drei solche Spieler auf dem Platz mitschleppen muss, zumal gegen Bayern München, ist es nicht verwunderlich, dass sie keine Punkte holt. Die Verträge aller eben genannten „Fußballer“ laufen zum Saisonende aus. Ich hoffe, die HSV-Führung macht keine Dummheiten.

Neben diesem Trio liefen mit dem diesmal völlig überforderten Ronny Marcos (aber hey: Wer ist denn bitte gegen Arjen Robben nicht überfordert?) und Ashton Götz zwei Youngster auf gegen den FC Bayern entscheidenden Positionen auf. Davon abgesehen, dass ich von den beiden viel halte (sie aber eben noch nicht in der Lage sind, vorauszugehen), ist es ein Armutszeugnis, dass wir keine besseren Spieler auf ihren Positionen zur Verfügung haben. Rechts hinten wäre die Alternative Heiko Westermann (Leistung: siehe oben) gewesen – Dennis Diekmeier ist ja wieder mal schwerer verletzt. Und links hinten schafft es der hochgelobte Matthias Ostrzolek nicht, sich einen Stammplatz zu erkämpfen. Das haben sich wohl alle anders erhofft.

Vorn musste Olic frühzeitig vom Platz, ich hoffe, er ist nichts Ernstes. Den Alleinunerhalter im Sturm musste fortan Artjoms Rudnevs spielen. Tja.

Mit dieser Truppe ist der HSV mit einem 0:8 fast noch gut bedient.

Das Schöne an dieser Niederlage ist: Sie ist egal, da eingeplant. Klar, acht Gegentore tun weh, und ebenso, dass mal wieder keine Treffer erzielt wurden. Aber auch in diesem Spiel ging es nur um drei Punkte, die, wie gesagt, nicht einkalkuliert waren. Und angesichts der letzten HSV-Ergebnisse in München kann man schon fast von „Business as usual“ sprechen.

Wichtig ist das, was jetzt noch kommt. Der HSV hat weiterhin 23 Punkte. Mit den Gladbachern, Frankfurt und Dortmund stehen schwere Gegner an. Ich bin gespannt, wie wir diese Partien überstehen und wo wir uns danach auf dem Tableau wiederfinden werden. Sollten wir danach noch immer außerhalb der Abstiegszone stehen, ist alles gut. Schwer genug wird’s.

 

Sp. Gegner 2013/14 Ergebnis Gegner 2014/15 Ergebnis
1 Schalke 04 (A) 3:3 (1 Punkt) 1. FC Köln (A) 0:0 (1 Punkt)
2 Hoffenheim (H) 1:5 (0 Punkte) SC Paderborn (H) 0:3 (0 Punkte)
3 Hertha BSC (A) 0:1 (0 Punkte) Hannover 96 (A) 0:2 (0 Punkte)
4 Braunschweig (H) 4:0 (3 Punkte) FC Bayern (H) 0:0 (1 Punkt)
5 Dortmund (A) 2:6 (0 Punkte) M’gladbach (A) 0:1 (0 Punkte)
6 Heiner Bremer (H) 0:2 (0 Punkte) Frankfurt (H) 1:2 (0 Punkte)
7 Frankfurt (A) 2:2 (1 Punkt) Dortmund (A) 1:0 (3 Punkte)
8 Nürnberg (A) 5:0 (3 Punkte) Hoffenheim (H) 1:1 (1 Punkt)
9 Stuttgart (H) 3:3 (1 Punkt) Berlin (A) 0:3 (0 Punkte)
10 Freiburg (A) 3:0 (3 Punkte) Leverkusen (H) 1:0 (3 Punkte)
11 Gladbach (H) 0:2 (0 Punkte) Wolfsburg (A) 0:2 (0 Punkte)
12 Leverkusen (A) 3:5 (0 Punkte) Heiner Bremer (H) 2:0 (3 Punkte)
13 Hannover (H) 3:1 (3 Punkte) Augsburg (A) 1:3 (0 Punkte)
14 Wolfsburg (A) 1:1 (1 Punkt) Mainz 05 (H) 2:1 (3 Punkte)
15 FC Augsburg (H) 0:1 (0 Punkte) Freiburg (A) 0:0 (1 Punkt)
16 FC Bayern (A) 1:3 (0 Punkte) Stuttgart (H) 0:1 (0 Punkte)
17 Mainz 05 (H) 2:3 (0 Punkte) Schalke 04 (A) 0:0 (1 Punkt)
18 Schalke 04 (H) 0:3 (0 Punkte) 1. FC Köln (H) 0:2 (0 Punkte)
19 Hoffenheim (A) 0:3 (0 Punkte) Paderborn (A) 3:0 (3 Punkte)
20 Hertha BSC (H) 0:3 (0 Punkte) Hannover 96 (H) 2:1 (3 Punkte)
21 Braunschweig (A) 2:4 (0 Punkte) FC Bayern (A) 0:8 (0 Punkte)
Gesamt 35:51 (16 Punkte) 14:30 (23 Punkte)

 

Vergleich: Der HSV steht aktuell 7 Punkte und null Tore besser bzw. schlechter da als am gleichen Spieltag der vorigen Saison.

 

Platzierung nach dem Spieltag:
2013/14: 17
2014/15: 13

Veränderung: Der HSV steht aktuell 4 Plätze besser da als am gleichen Spieltag der vorigen Saison.

 

Sp. Mannschaft 2013/14 2014/15
1 Nürnberg/Köln* (A) 5:0 (3 Punkte) 0:0 (1 Punkt)
2 Braunschweig/Paderb.* (H) 4:0 (3 Punkte) 0:3 (0 Punkte)
3 Hannover 96 (A) 1:2 (0 Punkte) 0:2 (0 Punkte)
4 FC Bayern (H) 1:4 (0 Punkte) 0:0 (1 Punkt)
5 M’gladbach (A) 1:3 (0 Punkte) 0:1 (0 Punkte)
6 Frankfurt (H) 1:1 (1 Punkt) 1:2 (0 Punkte)
7 Dortmund (A) 2:6 (0 Punkte) 1:0 (3 Punkte)
8 Hoffenheim (H) 1:5 (0 Punkte) 1:1 (1 Punkt)
9 Berlin (A) 0:1 (0 Punkte) 0:3 (0 Punkte)
10 Leverkusen (H) 2:1 (3 Punkte) 1:0 (3 Punkte)
11 Wolfsburg (A) 1:1 (1 Punkt) 0:2 (0 Punkte)
12 Heiner Bremer (H) 0:2 (0 Punkte) 2:0 (3 Punkte)
13 Augsburg (A) 1:3 (0 Punkte) 1:3 (0 Punkte)
14 Mainz 05 (H) 2:3 (0 Punkte) 2:1 (3 Punkte)
15 Freiburg (A) 3:0 (3 Punkte) 0:0 (1 Punkt)
16 Stuttgart (H) 3:3 (1 Punkt) 0:1 (0 Punkte)
17 Schalke (A) 3:3 (1 Punkt) 0:0 (1 Punkt)
18 Nürnberg/Köln* (H) 2:1 (3 Punkte) 0:2 (0 Punkte)
19 Braunschweig/Paderb.* (A) 2:4 (0 Punkte) 3:0 (3 Punkte)
20 Hannover 96 (H) 3:1 (3 Punkte) 2:1 (3 Punkte)
21 FC Bayern (A) 1:3 (0 Punkte) 0:8 (0 Punkte)
Gesamt 39:47 (22 Punkte) 14:30 (23 Punkte)

Veränderung: Der HSV steht im Direktvergleich aktuell 1 Punkt besser und 8 Tore schlechter da als in der vorigen Saison.

 

*Köln ersetzt in diesem Vergleich Nürnberg, Paderborn Braunschweig.

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3 Gedanken zu “Die egalste Pleite der Saison

  1. Sehe ich auch so: Eine total egale Pleite, die komischerweise auch überhaupt nicht mehr so weh tut, weil man sich vermutlich langsam daran gewöhnt hat. Womit ich nicht sagen möchte, dass mir diese Gewöhnung gefällt.

    Mir gefällt folgende Idee sehr gut für die nächste Saison: Mit der U23 nach München fahren, Beton anmischen, vielleicht mit 5-10 Toren verlieren und dabei das Ego der 1.Mannschaft schonen (Stammt von: http://www.stehplatzhelden.de/2014/02/eintracht-frankfurt-mit-b-elf-gegen-fc-bayern-macht-kleinen-vereine/ ). Fände man bestimmt nicht lustig in München, wenn das Schule macht :)

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