Der HSV in Gladbach

Ach, meine lieben Herren Nörgler und Besserwisser.

Was habt Ihr denn erwartet, wo der HSV steht, außer am Tabellenende? Die ersten drei Spiele unter Slomka waren schlimm und bis auf den einen Punkt in Köln für die Katz‘. Danach hießen die Gegner FC Bayern und Borussia Mönchengladbach, und ihr glaubt allen Ernstes, dass ein Trainer, der zuvor nur unterklassig trainiert hat (sogar aus der vierten Liga kommt!), es in wenigen Trainingstagen schaffen soll, aus – Verzeihung – Losern Gewinner zu formen? Aus formschwachen und teils nach Verletzung zu früh eingesetzten Spielern körperlich und mental fitte Kicker?

Was glaubt Ihr denn?

NATÜRLICH steht der HSV am Tabellenende.

Auch Joe Zinnbauer ist kein Zampano, der per Knopfdruck sofort alles zum Guten wenden kann. Es ist ein langer, steiniger Weg, bis der HSV wieder ein mittelmäßiges Bundesliga-Team wird. Und bis dahin heißt es: Abstiegskampf. Der HSV gehört ins letzte Drittel der Bundesliga, die Bayern und auch Gladbach ins erste – das sind nicht die Mannschaften, an denen wir uns messen sollten. Wenn in den direkten Duellen gegen solche Truppen Punkte rausspringen: schön. Wenn nicht: normal. So sehe ich das.

Unser Coach hat in der kurzen Zeit, die er hier ist, am wichtigsten Punkt angesetzt: am Kopf. Er ist dabei, Blockaden zu lösen und so neue Kräfte freizusetzen. Das hat man gegen die Bayern über weite Strecken gesehen, gegen Gladbach immerhin in den ersten 20, 25 Minuten. Was noch nicht geschafft wurde: unsere Jungs so zu stärken, dass sie auch nach einem Gegentor erhobenen Hauptes weiterspielen. Ich behaupte: Wäre der erste Ball von Kruse nicht vom Pfosten zu ihm zurückgeprallt, sondern in die andere Richtung gesprungen, hätten wir zumindest bis zum Ende der Halbzeit noch „den HSV aus dem Bayern-Spiel“ gesehen. Hypothetisch, ich weiß.

Also: seht nicht immer alles so schwarz, und gebt Joe Zinnbauer das, was er braucht: Zeit. Wenn er die mentalen Blockaden gelöst hat, geht er sicher die nächsten Probleme an – von denen der HSV wahrlich genug hat. Wann fangen wir also endlich an, ihm nicht noch ein weiteres aufzubürden mit unserer ständigen Mäkelei?

Wir sind, was wir sind: ein schlechtes Bundesliga-Team. Denkt daran, wenn es gegen Gegner mit höheren Ansprüchen geht – und bitte, schraubt Eure eigenen Ansprüche und Erwartungen ein bisschen herunter.

 

Sp.    Gegner 2013/14     Ergebnis                 Gegner 2014/15     Ergebnis

1        Schalke 04 (A)             3:3 (1 Punkt)            1. FC Köln (A)             0:0 (1 Punkt)
2        Hoffenheim (H)          1:5 (0 Punkte)          SC Paderborn (H)      0:3 (0 Punkte)
3        Hertha BSC (A)           0:1 (0 Punkte)          Hannover 96 (A)        0:2 (0 Punkte)
4        Braunschweig (H)      4:0 (3 Punkte)          FC Bayern (H)            0:0 (1 Punkt)
5        Dortmund (A)             2:6 (0 Punkte)          M’gladbach (A)          0:1 (o Punkte)

————————————————————————————————————————————

5                                             10:15 (4 Punkte)                                              0:6 (2 Punkte)

Vergleich: Der HSV steht aktuell 2 Punkte und 1 Tor schlechter da als in der vorigen Saison.

 

Platzierung nach dem Spieltag:
2013/14: 15
2014/15: 18

Veränderung: drei Plätze schlechter

 

Sp.    Mannschaft                                2013/14                    2014/15

1         Nürnberg/Köln* (A)                      5:0 (3 Punkte)           0:0 (1 Punkt)
2         Braunschweig/Paderborn (H)    4:0 (3 Punkte)           0:3 (0 Punkte)
3         Hannover 96 (A)                            1:2 (0 Punkte)            0:2 (0 Punkte)
4         FC Bayern (H)                                1:4 (0 Punkte)            0:0 (1 Punkt)
5         M’gladbach (A)                               1:3 (0 Punkte)            0:1 (0 Punkte)

————————————————————————————————————————-

4                                                                  11:9 (6 Punkte)            0:6 (2 Punkte)

Veränderung: Der HSV steht aktuell 4 Punkte und 8 Tore schlechter da als in der vorigen Saison.

 

*Köln ersetzt in diesem Vergleich Nürnberg, Paderborn Braunschweig.

 

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5 Gedanken zu “Der HSV in Gladbach

  1. Grundsätzlich richtiges Plädoyer.
    Nur ein Satz irritiert mich: „und ihr glaubt allen Ernstes, dass ein Trainer, der zuvor nur unterklassig trainiert hat (sogar aus der vierten Liga kommt!), es in wenigen Trainingstagen schaffen soll, aus – Verzeihung – Losern Gewinner zu formen?“ – ich finde, der Hinweis auf Zinnbauers bisherige Unterklassigkeit führt auf die falsche Fährte. Denn dass die Probleme in der Kürze der Zeit bisher nicht behoben werden konnten, das liegt m.M.n. nicht an der Arbeit Zinnbauers in der vierten Liga, sondern an der Vielzahl der Baustellen, die er bearbeiten muss. Und das benötigt einfach Zeit.
    Gemessen an dem taktischen Verhalten gegen Bayern und bis zum Gegentor gegen Gladbach hat er, der bisher „Viertklassige“, m.E. an der Spielweise mehr erfolgreich verändert, als BvM und Slomka, die beiden „Erstklassigen“, zusammen genommen.

    • Schon richtig. Dennoch wird er immer mal wieder merken, dass es Dinge gibt, die in der Bundesliga anders laufen als in unteren Klassen. Sich darauf einzustellen und diese Erfahrungen zu sammeln und daraus seine Lehren ziehen, kostet Zeit. Vielleicht nicht viel, aber immerhin. Ich bin davon überzeugt, dass Zinnbauer ein guter Trainer ist. Mit dem Hinweis auf Unterklassigkeit wollte ich nicht sagen, dass er nichts drauf hat. Nur, dass er erst noch Bundesligaroutine sammeln muss.

      • Verstehe. Da kann ich Dir natürlich nur zustimmen. Allein schon die mediale Aufmerksamkeit ist unzweifelhaft deutlich höher. Hitzfeld sagte einmal, wenn ich das recht erinnere, dass er 50-60 Prozent seiner Zeit (bei Bayern) bei Terminen verbringt, die mit dem Kern seiner Arbeit als Trainer der Mannschaft nichts oder kaum etwas zu tun haben. Er nannte in diesem Zusammenhang u.a. Medien- und Sponsorentermine. Mit beidem wird man als Trainer in der 4. Liga nicht in dem Ausmaß konfrontiert.

  2. Oh ja! Der wichtigste Satzteil ist: „Gebt ihm Zeit…“ Niemand kann so eine Trümmertruppe in zehn Tagen zu einer Siegertruppe entwickeln. Nicht mal Guardiola oder Heinckes oder Klopp.

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