Habt Geduld mit Zinnbauer

Der HSV hat einen neuen Chefcoach. Josef Zinnbauer, der erst in dieser Saison die U23 übernommen hatte und diese zu einem Spitzenteam der Regionalliga Nord geformt hat, ist „bis auf weiteres“ der neue starke Mann.

„Bis auf weiteres“ kann so vieles bedeuten. Im Idealfall „bis zu seiner Rente“. Aber auch „bis wir einen besseren Trainer gefunden haben“. Alles ist drin.

Dennoch: Dass der HSV sich so schnell und auch in dieser Weise entschlossen hat, den Posten zu besetzen, freut mich. Ich erinnere mich an die eine oder andere Sportdirektor- oder Trainerfindungskommission, die Monate oder gar Jahre andauerte. Nun hat man sich binnen weniger Stunden entschieden – dies ist übrigens etwas, was ich mir schon an späten Sonntag vergangener Woche erhofft hatte, für den Fall, dass Mirko Slomka tatsächlich rasiert wird: eine schnelle Lösung.

Nach einiger Zeit des darüber Nachdenkens komme ich zu dem Schluss, dass ich die Entscheidung, Joe Zinnbauer zu installieren, gar nicht so übel finde.

Was man so über ihn liest (und man von guten Kollegen, die ihn näher kennen, so hört), klingt gut. Zinnbauer scheint ein Motivator mit einer Spielidee zu sein, der darüber hinaus viel mit seiner Mannschaft spricht. Das hat und hatte man nicht oft beim HSV. Ich bin gespannt, ob die Herren Kicker ihn annehmen. Sie täten gut daran, denn ich glaube, dass er sie taktisch und mental fitter machen kann.

Auch aus finanzieller Sicht ist die Entscheidung gut. An Abfindungen wird man für Slomka und seine Entourage genug zahlen. Da freue ich mich, dass der HSV nicht schon wieder irgendeinen arrivierten Trainer aus irgendeinem Vertrag herauskauft, sondern eine interne Lösung gefunden hat. Ja, Josef Zinnbauer ist ein Bundesliganeuling. Aber das waren Thomas Tuchel, Markus Gisdol und Christian Streich vor ein paar Jahren auch. Und was hat Pep Guardiola eigentlich vor seinem Trainerengagement in Barcelona so gemacht? Novizen müssen also nicht immer die schlechteste Lösung sein.

Ich bin gespannt, wie sich das Ganze entwickelt und hoffe, dass die Fans Josef Zinnbauer die nötige Zeit geben, die Mannschaft zu entwickeln. Niederlagen werden kommen und nicht zu verhindern sein, gerade in den nächsten Wochen.

Wenn alle Seiten ein wenig Geduld mitbringen, kann es wieder bergauf gehen.

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11 Gedanken zu “Habt Geduld mit Zinnbauer

  1. „gar nicht so übel“ klingt ja ähnlich entschlossen und überzeugt wie „bis auf weiteres“ … :)

    Davon ab: mir gefällt die Lösung auch. (Und nein, das hat nichts mit der Wettbewerbssituation zu tun.) Bleibt halt abzuwarten, wie viel Kredit Herr Zinnbauer bei welchen Leuten hat.

  2. Naja. Es ist ja wohl etwas ganz anderes, ob man bei seiner ersten erstklassigen Trainerstation Mainz 05, die TSG oder den FC Barcelona trainiert als wenn man beim HSV anfangen darf, seine Sporen zu verdienen. Das kann man nicht vergleichen, denn die drei erstgenannten sind ja nicht der HSV…
    Nein, im ernst, die Entscheidung Zinnbauer finde ich gut. Und ich kann auch mit so einem frühen Stadium des Trainerwechsels leben. Nach allem was man so gelesen und gehört haben (glaubt), war es ohnehin eher eine Frage von Tagen, bis das alles passieren musste.
    Das muss nichts schlechtes heißen, wie man am Beispiel Mainz 05 sehen konnte, die Jörn Andersen direkt nach dem ersten Spiel (Pokalaus) entlassen und Tuchel eingestellt hatten. Da stimmte es laut Manager Heidel wohl auch nicht mehr zwischen Trainer und Mannschaft.
    Jetzt stellt sich die Frage, o der „Neue“ HSV mit den vielen Wechseln schnell eine echte Mannschaft werden kann, oder ob die wenigen faulen Äpfel immer noch im Korb liegen.
    Ich würde mich freuen, wenn man dem Zinnbauer eine reelle Chance gibt. Warum nicht mal selber einen jungen Trainer salonfähig machen und was eigenes aufbauen?
    Das war ja wohl der Plan bei dem Antritt von Didi. Was Neues aufzubauen.
    Und seien wir mal ehrlich. Schlechter als es die letzten paar Jahre war kann es nicht mehr werden. Denn eigentlich hätten wir letztes Jahr absteigen müssen. Das wir in Liga 1 sind, ist selten so unverdient wie beim HSV dieses Jahr.
    Lasst uns allen zeigen, dass wir auch anders können, dass wir kein Karnevalsverein (mehr) sind.
    Lasst uns dafür 120%… ähhh besser 100% geben. Alle.

  3. Leider wird niemand Geduld mit ihm haben. Dafür ist die Situation zu prekär. Denn absteigen wollt ihr ja schließlich nicht. Ich glaube kaum, dass ein Trainerneuling, der erstmal mit seiner eigenen völlig neuen Lage klarkommen muss, die Ruhe hat eine völlig zerfahrene Truppe wieder in die Spur zu bringen.

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