Meine kleine Bundesligavorschau: Zieleinlauf

Nachdem der VfL Wolfsburg bekanntgegeben hatte, Lord Bendtner verpflichtet zu haben, hatte ich kurzzeitig überlegt, meine diesem Verein zugetane Platzierung noch einmal zu überdenken und die Wolfsburger nicht auf Platz zwei zu tippen. Nach reiflicher, sekundenlanger Überlegung kam ich zu dem Entschluss, dass ich den Deal zwar für ein deutliches Anzeichen dafür halte, dass Thomas Klaus Allofs bald wieder zu alter (und letzter) Bremenform aufläuft, aber selbst Bendtner es nicht schaffen kann, für so viel Unruhe zu sorgen, dass Wolfsburg nicht Zweiter wird.

In der vergangenen Zeit war ich unter anderem damit beschäftigt, meine kicker-Interactive-Kader zusammenzustellen. Hierbei fiel mir immer wieder auf, wie gut der VfL Wolfsburg auf vielen Positionen besetzt ist. Max Grün ist ein guter Vertreter Diego Benaglios im Kasten, in der Abwehr reihen sich Namen wie Naldo, Rodriguez, Jung und Knoche aneinander. Fällt davon jemand aus, stehen arrivierte Kräfte wie Träsch, Ochs, Schäfer und Klose bereit. Oder andersrum. Prunkstück der Wolfsburger ist das Mittelfeld: Arnold, De Bruyne, Hunt, Luiz Gustavo, Vierinha. Perisic, Junior Malanda, Caligiuri. Es gibt Schlimmeres. Und vorn? Ja, Bendtner. Aber auch Olic, den gefühlt 25-Jährigen. Naja, und Dost. Alles in allem sehe ich nur wenige Kader in der Bundesliga, die in punkto Ausgeglichenheit mithalten können.

Fazit: Ich glaube an eine Überraschung und tippe Wolfburg auf Platz zwei.

Zwei Positionen darunter reiht sich Schalke 04 ein, und ich weiß jetzt schon, dass allein diese Aussage dafür sorgen wird, dass mir der eine oder andere Gelsenkirchener Fan mindestens attestieren wird, dass ich keine Ahnung vom Fußball habe. Stimmt womöglich sogar. Aber ich sehe es nunmal so: Schalke hinter Bayern, Wolfsburg und ja, sogar Dortmund.

Ein Torwartproblem werden die Schalker nicht bekommen: Giefer und Wetklo kamen, gut eingekauft, fertig. Aber der Rest? Ich halte Maxim Choupo-Moting nicht für so stark, dass er Schalke qualitativ verbessern kann. Ebenso Sidney Sam. Nein, da spricht keine verletzte HSV-Seele, ich empfinde das einfach so. Für mich stellen sie Bundesligamittelmaß dar, wenngleich sie beide bereits Länderspiele absolviert haben. Der (vorübergehende Verlust) eines Kyriakos Papadopoulos wiegt in meinen Augen schwer. Wer ersetzt ihn? Santana? Matip? Ich weiß es nicht, und ich bin gespannt, ob Trainer Keller eine Antwort parat hält.

Fazit: Alles in allem finde ich den Kader Schalkes – auch nach dem Wechsel Adam Szalais nach Hoffenheim – etwas schwächer als zuvor, deshalb geht es runter. Ist natürlich alles „Jammern auf hohem Niveau“.

Auch beim nächtsten KLub werden mir wahrscheinlich einige vorwefen, ich sehe das Ganze zu sehr durch die HSV-Brille. Aber: Ich halte den Kader des SV Werder Bremen für schwach. Sehr schwach. Fast so schwach wie den des HSV der vergangenen Saison, wobei ich glaube, dass der 16. der kommenden Saison mehr als 27 Punkte holen wird. Sebastian Mielitz ist weg, und das halte ich grundsätzlich für gar nicht so übel aus Bremer Sicht: Das Problem: Wolf ist da, und der ist meines Erachtens auch eher unteres Bundesliganiveau. Die Stützen der Abwehr sind Sebastian Prödl und Kapitän Clemens Fritz – auch das sagt einiges über die Qualität der Hintermannschaft aus. Garcia, Caldirola: laufen mit, ich halte sie ebenfalls nicht herausragend. Im Mittelfeld tummeln sich die beiden Königstransfers: Izet Hajrovic, von dem ich bis jetzt nur sein großes Selbstbewusstein kennengelernt habe, und der mich nicht nur wegen seiner Namensendung an Herrn Arnautovic erinnert. Und, hust, Fin Bartels. Daneben werden sich nach dem Wechsel von Aaron Hunt Spieler wie Kroos (der Kleine), Junuzovic (immerhin), Aycicek, Yildirim, Obraniak, Gebre Selassie, van Haacke, Makiadi oder Bargfrede gesellen. Angst macht mir das nicht, und wenn, dann höchstens um Werder. Und der Sturm? Da ging es qualitativ nach oben – weil Akpala weg ist. Elia wird kein Topstürmer mehr. Allerdigs gestehe ich, dass ich Petersen, di Santo und Selke, auf den ich sehr gespannt bin, als Mix gut finde.

Fazit: Vorn wird’s das eine oder andere Mal klingeln, ja. Hinter aber noch öfter. Bremen wird’s schwer haben und am Ende – auch, weil ich Robin Dutt und einen nur wenig bundesligareifen Trainer halte – den Platz einnehmen, den wir 2013/14 hatten. Viel Spaß in der Relegation gegen Greuther Fürth.

Kommen wir zum HSV.

Platzierungstechnisch erwarte ich keine große Steigerung, siehe unten. Erhoffen tue ich mir natürlich eine ganze Menge. Vom HSV und vom Umfeld. Unter anderem, dass wir mit einem erkennbaren System spielen, dass sich die Spieler den Allerwertesten aufreißen und dass „von außen“ Ruhe einkehrt.

Der HSV ist finanziell nicht auf Rosen gebettet (eine kühne Behauptung, ich weiß), gemessen daran finde ich die Neuzugänge gut, womöglich sogar sehr gut. Mit Matthias Ostrzolek kommt ein bissiger Linksverteidiger aus Augsburg, der schon Weltklasseszenen gegen den FC St. Pauli hatte und deshalb grundsympathisch ist. Sollte er Jansen nicht hinten links beerben, so wird er ihm zumindest Feuer unterm Hintern machen. Passt. Valon Behrami wurde, das habe ich zumindest gelesen, halb Europa angeboten, und landete beim HSV. Was das über die Qualität des Spielers aussagt, wird sich zeigen. Mir gefiel er bei den wenigen Auftritten, die ich gesehen habe (zugegebenermaßen in unwichtigen Testspielen), gut. Eventuell hat man den Schweizer im Vorfeld eines möglichen Transfers Milan Badeljs irgendwohin verpflichtet. Das fände ich schade, denn ich freue mich auf die gemeinsame Doppelsechs mit den beiden. Im Gegensatz zu Arslan hat Behrami – so meine ich – seine Nerven im Griff und verfügt über ein hohes Maß an Routine. Das sind nicht die schlechtesten Voraussetungen. Zoltan Stieber muss seine Bundesligatauglichkeit dauerhaft unter Beweis stellen. Ich mag aber seine Skills: Er ist schnell und trickreich, tendenziell ein Instinktfußballer. Nicolai Müller ist meiner Meinung nach eine große Verstärkung. Auch er ist technisch versiert und hat nicht nur eine schnelle Auffassungsgabe, sondern ebensolche Beine. Ich freue mich auch ihn und hoffe, dass er nicht so viele kleine Nicklichkeiten bekommen wird, die ihn zu Pausen zwingen. So wie aktuell. Neulich bei n-tv sprach ich mich für folgende Stammstartelf aus: Adler – Diekmeier, Djourou, Tah, Ostrzolek – Behrami, Badelj – Jansen, van der Vaart, Müller – Lasogga. Momentan spielt Tah keine große Rolle, daher ersetze ich ihn durch – hmpf – Westermann.

Fazit: Diese Elf (und ihre restlichen Mannschaftsmitglieder) werden stark genug sein, am Ende vor Werder und vor allem besser als in der vorigen Saison dazustehen. Wenn auch nicht viel: Platz 15 traue ich uns zu, wenngleich mit rund zwölf bis fünfzehn Punkten mehr als 2013/14.

 

Und so wird die Bundesligatabelle nach dem 34. Spieltag aussehen:

1. FC Bayern
2.VfL Wolfsburg
3. Borussia Dortmund
4. Schalke 04
5.  Borussia Mönchengladbach
6. Bayer Leverkusen
7. 1899 Hoffenheim
8. SC Freiburg
9.   1. FSV Mainz 05
10. 1. FC Köln
11. Hannover 96
12. Hertha BSC
13. FC Augsburg
14. Eintracht Frankfurt
15. Hamburger SV
16. Heiner Bremer
17. VfB Stuttgart
18. SC Paderborn

Das glaubt Ihr nicht? Dann kommentiert meine kleine Vorschau gern und gebt mir Saures.

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9 Gedanken zu “Meine kleine Bundesligavorschau: Zieleinlauf

  1. Die Platzierung der Wolfsburger ist so ein Gefühl, dass ich teile, aber nie laut aussprechen würde. Du hast es gemacht, Respekt!

    Wo wir allerdings vollkommen voneinander abweichen, ist der SC Freiburg. Den sehe ich neben Bremen und Paderborn unter den letzten Drei, du allerdings auf Platz 8. Ein großer Unterschied. :)

    Der Rest ist für mich Ok, wobei ich Leverkusen noch einen Tick weiter oben sehe.

    Aber: Wir werden es sehen, ab Freitag endlich wieder…

    Viele Grüße
    Mike

  2. Ich denke, dass Hertha in dieser Saison nicht nur in der Hinrunde starken Fußball zeigt. Endlich wurde mal so richtig in die Tasche gegriffen und vernünftige Verstärkungen wurden getätigt. Da der Kader auch in der breite sehr stark besetzt ist, denke ich, kann man den Platz mit Hoffenheim tauschen, da die auch dieses Jahr die Schießbude der Liga sein werden, es aber am Ende sich im Mittelfeld bequem machen werden.

    Ansonsten würde ich Stuttgart mit Freiburg und Dortmund mit Wolfsburg tauschen.

    LG,
    Johannes

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