Nicht getroffen, Schnaps gesoffen.

Klar überwogen vor dem Spiel Optimismus und Hoffnung – wie vor jedem Spiel; der HSV wird eventuell keine gute Partie abliefern, am Ende aber mit Zählbarem dastehen.

Vielleicht hätte ich aber vor dem Anpfiff alle Fakten nüchtern betrachten sollen. Hätte mir vor Augen rufen sollen, dass wir keine gute Vorbereitung absolviert hatten, uns mit jeder Menge Verletzten und noch nicht im Vollbesitz ihrer körperlichen Kräfte befindlichen Spieler herumplagen müssen und den beiden Neuzugängen noch die Bindung zum Rest der Mannschaft fehlen muss. Vom Außersportlichen ganz zu schweigen.

Dann wäre ich vom Ergebnis und von der Art, wie es zustande gekommen ist, nicht so enttäuscht gewesen. Der HSV zeigte über die gesamten 90 Minuten, dass er sich in keinster Weise auf Augenhöhe mit Schalke befindet. Der Gast aus Gelsenkirchen spielte souverän und erreichte sein Ziel, die drei Punkte zu entführen, ohne größere Mühe. Der HSV agierte meist planlos, ziellos, kopflos. Und so kam es, wie es kommen musste: Wie im Hinspiel gab es drei Gegentore; nur getroffen haben wir nicht. Hinzu kommt weiteres Verletzungspech: Pierre-Michel Lasogga und Zhi Gin Lam mussten früh ersetzt werden. Insgesamt ein runder Spieltag, an dessen Ende wir auf Platz 16 zurückgeworfen wurden. Darauf einen Schnaps.

Trotz allem sind da noch immer Optimismus und Hoffnung. Gegen Schalke kann man verlieren, und die wichtigen Abstieg so wichtigen Punkte – das war vorher klar – müssen gegen andere Klubs geholt werden, nämlich gegen die direkten Konkurrenten. Gleich am nächsten Samstag ist es schon so weit: In Hoffenheim müssen wir zeigen, dass wir noch leben. Ansonsten wird das noch eine verdammt anstrengende Saison.

Saison 12/13:
1. Spieltag: Nürnberg (H) 0:1, 0 Punkte (Torverhältnis: -1)
2. Spieltag: Bremen (A) 0:2, 0 Punkte (-3)
3. Spieltag: Eintracht Frankfurt (A) 2:3, 0 Punkte (-4)
4. Spieltag: Borussia Dortmund (H) 3:2, 3 Punkte (-3)
5. Spieltag: Borussia Mönchengladbach (A) 2:2, 4 Punkte (-3)
6. Spieltag: Hannover 96 (H) 1:0, 7 Punkte (-2)
7. Spieltag: Greuther Fürth (A) 1:0, 10 Punkte (-1)
8. Spieltag: VfB Stuttgart (H) 0:1, 10 Punkte (-2)
9. Spieltag: FC Augsburg (A) 2:0, 13 Punkte (0)
10. Spieltag: Bayern München (H) 0:3, 13 Punkte (-3)
11. Spieltag: SC Freiburg (A) 0:0, 14 Punkte (-3)
12. Spieltag: Mainz 05 (H) 1:0, 17 Punkte (-2)
13. Spieltag: Fortuna Düsseldorf (A) 0:2, 17 Punkte (-4)
14. Spieltag: FC Schalke 04 (H) 3:1, 20 Punkte (-2)
15. Spieltag: VfL Wolfsburg (A) 1:1, 21 Punkte (-2)
16. Spieltag: 1899 Hoffenheim (H) 2:0, 24 Punkte (0)
17. Spieltag: Bayer Leverkusen (A) 0:3, 24 Punkte (-3)
18. Spieltag: 1. FC Nürnberg (A) 1:1, 25 Punkte (-3)

Saison 13/14:
1. Spieltag: Schalke (A) 3:3, 1 Punkt (Torverhältnis: 0)
2. Spieltag: 1899 (H) 1:5, 1 Punkt (-4)
3. Spieltag: Hertha BSC (A) 0:1, 1 Punkt (-5)
4. Spieltag. Eintr. Braunschweig (H) 4:0, 4 Punkte (-1)
5. Spieltag: Borussia Dortmund (A) 2:6, 4 Punkte (-5)
6. Spieltag: Werder Bremen (H) 0:2, 4 Punkte (-7)
7. Spieltag: Eintracht Frankfurt (A) 2:2, 5 Punkte (-7)
8. Spieltag: 1. FC Nürnberg (A) 5:0, 8 Punkte (-2)
9. Spieltag: VfB Stuttgart (H) 3:3, 9 Punkte (-2)
10. Spieltag: SC Freiburg (A) 3:0, 12 Punkte (1)
11. Spieltag: Bor. M’gladbach (H) 0:2, 12 Punkte (-1)
12. Spieltag: Bayer Leverkusen (A) 3:5, 12 Punkte (-3)
13. Spieltag: Hannover 96 (H) 3:1, 15 Punkte (-1)
14. Spieltag: VfL Wolfsburg (A) 1:1, 16 Punkte (-1)
15. Spieltag: FC Augsburg (H) 0:1, 16 Punkte (-2)
16. Spieltag: FC Bayern (A), 1:3, 16 Punkte (-4)
17. Spieltag: FSV Mainz (H) 2:3, 16 Punkte (-5)
18. Spieltag: Schalke 04 (H) 0:3, 16 Punkte (-8)

Veränderung: Neun Punkte schlechter (fünf Tore schlechter)

Platzierung nach dem Spieltag:
2012/13: 9
2013/14: 16

Veränderung:
Sieben Plätze schlechter

Saison 12/13:
Schalke – Hamburger SV 4:1
Hamburger SV – Hoffenheim 2:0
Fortuna Düsseldorf* – Hamburger SV 2:0
Hamburger SV – SpVgg Greuther Fürth* 1:1
Borussia Dortmund – Hamburger SV 1:4
Hamburger SV – Werder Bremen 3:2
Eintracht Frankfurt – Hamburger SV 3:2
1. FC Nürnberg – Hamburger SV 1:1
Hamburger SV – VfB Stuttgart 0:1
SC Freiburg – Hamburger SV 0:0
Hamburger SV – Bor. M’gladbach 1:0
Bayer Leverkusen– Hamburger SV 3:0
Hamburger SV – Hannover 96 1:0
VfL Wolfsburg – Hamburger SV 1:1
Hamburger SV – FC Augsburg 0:1
FC Bayern – Hamburger SV 9:2
Hamburger SV – FSV Mainz 1:0
Hamburger SV – Schalke 04 3:1

25 Punkte, 23:30 Tore

Saison 13/14
Schalke – Hamburger SV 3:3
Hamburger SV – Hoffenheim 1:5
Hertha BSC* – Hamburger SV 1:0
Hamburger SV – Eintracht Braunschweig* 4:0
Borussia Dortmund – Hamburger SV 6:2
Hamburger SV – Werder Bremen 0:2
Eintracht Frankfurt – Hamburger SV 2:2
1. FC Nürnberg – Hamburger SV 0:5
Hamburger SV – VfB Stuttgart 3:3
SC Freiburg – Hamburger SV 0:3
Hamburger SV – Bor. Mönchengladbach 0:2
Bayer Leverkusen – Hamburger SV 5:3
Hamburger SV – Hannover 96 3:1
VfL Wolfsburg – Hamburger SV 1:1
Hamburger SV – FC Augsburg 0:1
FC Bayern – Hamburger SV 3:1
Hamburger SV – FSV Mainz 2:3
Hamburger SV – Schalke 04 0:3

16 Punkte, 33:41 Tore

Veränderung:
Neun Punkte schlechter, ein Tor schlechter

*Hertha ersetzt in diesem Vergleich Düsseldorf, Braunschweig Greuther Fürth.

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Irgendwas mit Fußball.

Man sollte es kaum für möglich halten, aber tatsächlich neigt sich die Winterpause der Bundesliga ihrem Ende entgegen. Endlich. Als HSV-Fan freue ich mich besonders, dass wieder gespielt wird, lenken die Geschehnisse auf dem Rasen doch ein wenig vom Brimborium rund um die mögliche Ausgliederung der Fußballabteilung ab.

Die große Frage zum Sonntag ist: Wer spielt? René Adler ist immer noch nicht fit, Maxi Beister sowieso nicht. Auch der arme Kerem Demirbay, der in der Vorbereitung so dicht wie nie an der ersten 17 schnupperte, ist verletzt. Von Johan Djourou ganz zu schweigen. Und ganz nebenbei muss Trainer Bert van Marwijk gegen Schalke auch auf Tomas Rincon verzichten, der seine Sperre wegen der gelb-roten Karte gegen Mainz absitzen muss. Sowieso hat Rincon sich eine Entzündung am Arm eingefangen, wäre also eh ausgefallen. Ob Heiko Westermann nach seiner Knie-OP und Dennis Diekmeier nach seinem Fußbruch rechtzeitig für volle 90 Minuten fit werden, ist offen.

Im Tor wird also zweifelsohne Jaroslav Drobny stehen.

Und davor? Ich rechne mit einer Viererkette, die aus Dennis Diekmeier, Jonathan Tah, Heiko Westermann und Marcell Jansen besteht. So gern ich ihn auch mag und so leid es mir tut: Ich glaube nicht, dass Lasse Sobiech (einer der Torschützen aus dem Hinspiel übrigens) starten darf – van Marwijk wird beim kleinsten Zeichen Westermanns, dass es wohl gehen wird, auf ebendiesen vertrauen, und sei es nur für einen Teil der Gesamtspieldauer.

Und davor? Milan Badelj und – Obacht – Petr Jiracek werden auf der Doppelsechs spielen. Der Tscheche soll sich im Trainingslager nicht allzu dumm angestellt haben. Außerdem bin ich, warum auch immer, ein kleiner Jira-Fan und ein bisschen spielt in dieser meiner Vorhersage auch einfach der Wunsch mit, ihn spielen zu sehen.

Und davor? Da spielen Rafael van der Vaart, Hakan Calhanoglu und Ola John. Sicher hätte Ivo Ilicevic es auch verdient, von Beginn an loszulegen, an den beiden Erstgenannten kommt er aber nicht vorbei. Und Herr John genießt den Bonus des „Neuen, der sofort helfen soll“. Ich bin gespannt auf den Mann, denn bisher habe ich ihn noch nicht spielen sehen.

Und davor? Darf Jacques Zoua von draußen zusehen, wie sich Pierre-Michel Lasogga einen Wolf läuft, kratzt, beißt, spuckt und hoffentlich trifft. Eine Zeit lang sah es so as, als würde Zoua der große Gewinner der Vorbereitung werden. Doch PML, den ich in Anlehnung an meinen liebsten Fußballer aller Zeiten einfach mal „Das Phänomen“ nenne, ist wieder fit, und für Zoua bleibt somit nur der Platz auf der Bank.

So sieht’s also aus gegen Schalke: Drobny – Diekmeier, Tah, Westermann, Jansen – Badelj, Jiracek – van der Vaart, Calhanoglu, John – Lasogga.

Ein anderes Thema:
Weil beim HSV inzwischen ja nur noch ver- und ausgeliehen wird, habe ich vor ein paar Tagen (oder gestern?) eine Kaufpersonalie ins Spiel gebracht. Christian Fuchs soll angeblich Schalke verlassen müssen. Meiner Meinung nach ist das ein Mann, der dem HSV gut zu Gesicht stünde. Kann man den nicht mit Dennis Aogo verrechnen? Wenn dann auch noch Marcell Jansen verkauft würde und Oliver Kreuzer einen Nachwuchsmann als Backup holte, würde der HSV rund sieben Millionen Euro generieren (Fünf Millionen Ablöse plus eingespartes Jansen-Gehalt minus kleines Gehalt für den Backup). Was sich damit alles anstellen ließe… Was meint Ihr?

Gute Nacht, John, Bouy.

Eines kann man unserem HSV wirklich nicht nachsagen: dass es mit ihm langweilig wird.

Die Fan- und Funktionärslager zerreißen sich im Hinblick auf die am Sonntag stattfindende Mitgliederversammlung gegenseitig, fürchten eine etwaige Fremdbestimmung – einige Fans wollen eventuell gar nicht mehr ins Stadion; Günter Netzer spricht von jahrelangen Versäumnissen in der Führungsetage; Carl-Edgar Jarchow ist trotz der mehr als angespannten finanziellen Lage guter Dinge; Pierre-Michel Lasogga sagt, er sei kein Muttersöhnchen, zeitgleich wird Mama Lasogga im Wolfsburger Hotel gesichtet; Jos Luhukay hatte PML sowieso schon immer lieb. Tah hat Schnupfen und Djourou ’nen Muskelfaserriss, Maxi Beister holt sich einen Kreuzbandriss; Kerem Demirbay trumpft erst auf, dann reißt er sich die Bänder; Jansen könnte für fünf Millionen weg – wovon Herr Kreuzer nichts weiß – während Schalke 2,5 Millionen für Aogo zuviel sind; ein Finanzsenator schlägt Alarm, der HSV könne das Steuerrecht verletzen; Tolgay Arslan wird für unverkäuflich erklärt. Und das war nur ein kleines Resümee der vergangenen paar Tage.

Seit heute lässt sich hinzufügen: Der HSV hat auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Zuerst eisten wir Ola John von Benfica Lissabon los, dann Ouasim Bouy von Juventus Turin, dem Klub, mit dem ein grün-weißer Bundesligaverein vor weniger als zwei Monaten stolz verkündete, man habe eine Kooperation mit ihm vereinbart. Hihi.

Wie gut die beiden jungen Niederländer sind bzw. wie gut sie dem HSV helfen können, weiß ich nicht. Dennoch begrüße ich sie herzlich und freue mich darüber, dass sie den Weg in die schönste Stadt der Welt gefunden haben. Bert van Marwijk wird die Spieler kennen, und da unser Trainer sagte, er wolle nur Spieler, die dem HSV weiterhelfen können, vertraue ich ihm und den Jungs mal.

Ein bisschen Sorge macht mir die Dauer der bislang festgelegten Wirkzeit. Sowohl John als auch Bouy bleiben erstmal nur bis Saisonende. Bei John ist inzwischen bekannt, dass der HSV keine Kaufoption besitzt; ich könnte mir vorstellen, dass bei Bouy ähnlich verhandelt wird. Leider. Wer läuft denn dann überhaupt noch mit der Raute auf der Brust herum? Das Schreckensszenario zum 30.6. sähe so aus: John, Bouy und Lasogga kehren zu ihren Vereinen zurück (oder wohin auch immer), Beister ist weiter verletzt, Hannover kauft Rudnevs, und mit Aogo und Jansen fehlt uns die linke Defensive. Klingt gar nicht mal so toll.

Machen Sie was, Herr Kreuzer. Vor allen Dingen: Lassen Sie das mal mit diesem Verzicht auf Kaufoptionen. Sonst heißt es bald: Gute Nacht.

Tschüss, Rudi.

Manchmal geht es ganz schnell: Artjoms Rudnevs spielt ab sofort für den kleinen HSV. Der große HSV hat ihn bis zum Saisonende verliehen. In einer spontanen Aktion ließ ich heute morgen, kurz, nachdem ich davon erfahren hatte, einen Tweet los, in dem ich Sportchef Oliver Kreuzer quasibeglückwünschte, hatte er doch ein halbes Jahr Spielpraxis für Rudi herausgeleiert. Erst danach erfuhr ich davon, dass Hannover eine Kaufoption verhandelt hatte.

Das wiederum macht den Deal dann doch nicht so toll.

Klar: Rudnevs ist von der Payroll, vielleicht sogar für immer. Mir wäre es allerdings lieber gewesen, man hätte einen Backup für Herrn Lasogga, falls der sich mal verletzen sollte. Aktuell sehe ich da nur noch Jacques Zoua, und mit Abstrichen Maxi Beister. Statt ein Problem zu lösen, hat sich der HSV also ein Neues geschaffen. Nicht gut.

Hinsichtlich der angedachten Verkäufe von Tesche, Kacar und Mancienne scheint Kreuzer offenbar auf Zeit zu spielen bzw. darauf zu hoffen, dass sich diese Probleme von allein lösen. Das dauert aber noch ein wenig, und bis dahin kassieren die Spieler viel Geld.

Eigentlich soll es hier aber um Artjoms Rudnevs gehen. Ich mochte und mag diesen Kerl, und werde ihn auch noch mögen, wenn er nicht mehr das schönste Trikot der Welt trägt. Er hatte es nicht leicht; kam in einer Saison zum HSV, in der niemand einen Pfifferling auf die Truppe gegeben hat, und traf zwölfmal. Zwölfmal. Was der arme Kerl dann verbrochen hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Doch innerhalb weniger Wochen sprach man ihm nahezu jegliche fußballerischen Fähigkeiten ab. Eine richtige Chance hat er in dieser Saison meines Erachtens nie bekommen. Das finde ich schade und unprofessionell.

Nun geht er. Ich gönne ihm, dass er wieder Spielzeiten bekommt, womöglich sogar Vertrauen. Denn das braucht ein so sensibler Kerl, ein Stürmer sowieso. Möge er in jedem Spiel außer gegen uns treffen und wieder glücklich werden.

Gastbeitrag

Es folgt ein Gastbeitrag des von mir geschätzten Thomas zur Zukunft des HSV:

2014 – Dino passe dich an oder auch Du stirbst

Ich bin Fan des HSV. Und Mitglied im Supporters Club. Das eine schon seit über 40 Jahren, das andere seit etwa 4 Jahren. Ich war früher in einem Fanclub, und nur die Entfernung zwischen Wohnort und Volkspark verhindert eine Dauerkarte, was nicht bedeutet, dass ich nicht dennoch 5-8 Spiele des HSV pro Jahr live sehe; die meisten auswärts und nur wenige daheim.

Ich bin SC-Mitglied, weil ich Flagge zeigen will und weil ich es wichtig finde, dass die Fans eine Stimme im Verein haben. Und mit Verein meine ich tatsächlich eher den Verein, denn die Fußballabteilung des HSV ist inzwischen ein „Mehrere hundert Mio. €“-Business und sollte und muss als solches auch genauso geführt werden. Ich bin für mehr Kompetenz, für mehr Verantwortung und dafür, dass wir uns als HSV den Marktgegebenheiten anpassen. Tun wir das nicht, werden wir als letzter Dino früher oder später (und ich befürchte früher und dann vor allem richtig) sterben.

Daher bin ICH für eine Satzungsänderung und Ausgliederung der AG.

Der HSV braucht Führung, führungsfähige Strukturen und er braucht eine Menge frisches Geld und den Zugang zu diesem Geld. In der jetzigen Struktur haben wir davon weder das eine noch das andere, sondern nur selbstgefällige AR-Mitglieder, die sich um ihre Pöstchen und ihre Macht kümmern. Und einen Vorstand, der als Übergangsvorstand kam und solange bleiben sollte, bis wir einen kompetenten Vorstand gefunden hätten. Gut, das haben wir mit dem Grundgesetz gemeinsam, das ja auch bei einer Wiedervereinigung neu geschrieben werden sollte.

Der HSV hat das Problem, dass die Mehrheit der Mitglieder nicht wählen kann bzw. mangels nicht vorhandener Briefwahl nicht wählt und dadurch durch ein paar starke Gruppierungen quasi regiert wird. Dass das nicht funktioniert, haben wir die letzten Jahre gesehen. Weder sportlich, noch wirtschaftlich. Es wurden zu viel Mio. rausgeschleudert und in „Ideen“ gesteckt, die keine guten Ideen waren. Mir ist klar geworden, dass der jetzige Weg eine Sackgasse ohne Rückfahrtschein ist. Leider sehen das viele Mitglieder anders. Viele wollen den Status Quo erhalten und darüber sind dann auch in den letzten Monaten diverse Diskussionen/Foren geführt worden. Freunde bekamen sich in die Haare, ich selber habe viele HSV-Fans bei Twitter gemutet, weil mir die Stimmungsmache (in alle Richtungen) nicht gefällt. Der Verein ist bei dieser ganzen Diskussion gerade dabei, in sich zu implodieren. Die Zahlen sind mies, niemand will uns Geld geben, weil niemand weiß, wer wir eigentlich (in der Führung) sind.

Wir brauchen Führung und Kompetenz.

Viele haben Angst vor dem Wandel, weil sie Hoffenheimer-Verhältnisse befürchten. Dabei sind Wolfsburg, Hoffenheim, Leverkusen, Dortmund, Bayern (und sogar Schalke mit den 100 Mio. von Gazprom) ein klares Zeichen, wo die Reise hingehen wird. Und hingehen muss. Leider. Sozialromantik ist schön, aber ich habe keine Lust, unterzugehen. Und nein, ich bin kein Erfolgsfan, der kein Bock auf Liga 2 hat. Wenn wir absteigen werden wir mit den Bilanzen und den Schulden direkt durchgereicht in den Amateurbereich. Die Leute haben Angst vor den Michael Kühnes dieser Welt, die uns Geld leihen und die deswegen auch immer wieder gefragt werden, was sie zum aktuellen HSV sagen. Was da an Antworten kommt, ist in der Tat fragwürdig, aber dass man ihn fragt und dass er antwortet (und sein Geld gesichert sehen will), ist Alltag. Auch ich bin kein Fan davon, wie er sich gibt und ich denke nicht, dass der HSV sich einen Gefallen getan hat, von ihm van der Vaart kaufen zu lassen. Das alles wäre nicht passiert, wenn die Führung stark genug wäre, um sich dem zu widersetzen. Und das kann sie nur, wenn sie autark ist und nicht wegen jedem Kleinkram zum AR gehen muss, der sich aus 13 Menschen zusammensetzt, die alle mehr oder weniger keine Ahnung vom Fußball haben. Aber Kühne ist halt nicht nur in Hamburg ein rotes Tuch. Er spaltet den ganzen Verein. Und von daher halte ich es fatal, dass er sich heute pro HSVPlus geäußert hat. Damit hat er, wenn er es denn wirklich gesagt und gemeint hat, der Initiative deutlich mehr geschadet als geholfen. Wegen Kühne werden die meisten Unentschlossenen jetzt dann wohl eher gegen die neue Satzung stimmen. Anders ausgedrückt: Ein vllt. nur etwas gelangweilter Milliardär ist am Ende schuld daran, wenn der letzte Dino auch noch stirbt.

Ich lasse mich sehr gerne vom Gegenteil überzeugen.

Zeigt mir am 19.1., dass ich Unrecht hatte. Zeigt mir, dass ihr eine eigene Meinung habt und das sich auch ein Dino ändern und anpassen kann. Und das es nicht um einzelne Personen, sondern um den Verein geht.

Nur der HSV!

Eine kleine Liebeserklärung

Ist das dieses 2014? Oder werde ich altersbedingt komisch? Fakt ist: Ich möchte zwei jungen Männern eine kleine Liebeserkläung machen:

Lieber Hakan, lieber Jonathan,

nachdem Ihr nun 16 bzw. 13 Bundesligaspiele für den HSV absolviert habt, ist es an der Zeit, „Danke“ zu sagen. Danke für Euren Einsatz, für das Talent, das Ihr mitbringt und für den Verein in die Waagschale werft, und für den Charakter, den Ihr habt.

Ihr seid 19 und 17 Jahre alt, könntet meine Söhne sein, und Ihr seid gemeinsam jünger als ich allein. Ich bin stolz auf Euch. Ich bin fasziniert von Eurer Einstellung zum Beruf und zum Leben. Euch sind Taktik und Technik wichtiger als Autos und Uhren. Ihr habt einen gesunden Mix aus Lernbegierigkeit und Selbstvertrauen. Ihr steht trotz Eurer Jugend mitten im Leben und wisst, was Ihr wollt, ohne dabei hochnäsig oder arrogant zu wirken.

„Ich bin mit Respekt zum HSV gekommen, aber ich wollte auch sofort zeigen, was ich kann“, las ich jüngst im kicker über Dich, Hakan, Du Virtuose, Du Lederkugelstreichler, der den Ball einfühlsamer zu berühren weiß als so mancher Mann seine Frau. (Oder so manche Frau ihren Mann, oder so manche Frau Ihre Frau, oder so mancher Mann seinen Mann…)
„Für mich stand immer fest, dass ich hierbleiben wollte“, sagtest Du, Tah, Du Jugendlicher im Körper eines kanadischen Holzfällers, wohl aber mit der Filigranität eines Balletttänzers, als Hamburger Tageszeitungen schon im November vergangenen Jahres von Deiner vorzeitigen Vertragsverlängerung berichteten. Das sind Worte, die man gern liest, und die bei allen HSV-Fans für Gänsehaut gesorgt haben dürften. Bei mir war es zumindest so.

Wegen Euch schaue ich mir die Spiele des HSV hauptsächlich an. Sogar zum dritten, vierten Mal, selbst wenn wir verloren haben. Weil Ihr es wert seid, weil Ihr es verdient habt. Mit Eurer Art, Fußball zu spielen, mit Eurem Einsatzwillen, Eurem nie enden zu scheinenden Engagement. Ihr beiden seid für mich die fleischgewordene Hoffnung auf bessere Zeiten beim HSV. Ihr seid jetzt schon so gut. Wie gut mögt Ihr erst in zwei, drei Jahren sein?

Toll, dass Ihr Euch für den HSV entschieden habt. Meinetwegen dürft Ihr Fehlpässe spielen, Stellungsfehler begehen und Euch für die falsche Zweikampfführung entscheiden, so oft Ihr wollt. Ich werde Euch nichts vorwerfen, denn auch das alles gehört dazu, um zu reifen. Bleibt noch lange beim HSV. Das wäre mein Wunsch an Euch. Macht den HSV wieder zu einer guten Adresse. Und wenn die großen, die richtig großen Vereine anklopfen: Denkt trotz der Top-Angebote darüber nach, ob (viel mehr) Geld wirklich alles ist bzw. wichtiger als viel mehr Einsatzzeiten (nicht, dass ich Euch nicht zutrauen würde, einmal auch wichtige Rollen bei den besten Vereinen der Welt zu spielen). Aber wem sag‘ ich das? Ihr seid vernünftig genug, das abzuwägen.

Lieber Hakan, lieber Jonathan: Danke, dass Ihr da seid.

Crunchtime

Heute startet der HSV in die Vorbereitung zur Rückrunde. Schon morgen geht es nach Indonesien, dann irgendwann weiter nach Abu Dhabi. Dort, ganz weit, weit weg von hier wird es Testspiele gegen so hochklassige Gegner wie Arema Cronus (ja, genau die) geben oder Quairat Almaty. Meine Meinung dazu: Das Ganze hätte man auch günstiger haben können. Statt dem fernen Asien hätte es eventuell auch Südspanien oder die Türkei getan. Und die Gegner hätten genausogut Holstein Quickborn oder VfL Pinneberg heißen können. Aber: Der Verein hat es ja.

Wahrscheinlich folgt er einem Zwang. Flöge er nicht ganz, ganz weit weg, müsste er sich womöglich irgendwann nachagen lassen, er hätte nicht alles versucht, um sich optimal auf die Rückrunde vorzubereiten. Perfekte Trainingsbedingungen und so. Ich allerdings bin der Meinung, dass die Trainingsbedingungen hier in Hamburg die perfekten gewesen wären. Was bringt es denn, wenn sich die Körper der Profis an 25 Grad plus gewöhnen, und dann kommen sie wieder zurück und spielen Ende Januar bei 4 Grad gegen Schalke?

Egal.

Ab heute beginnt für den HSV die Crunchtime. Die Punkteausbeute in der Hinrunde war, wenn ich es recht erinnere, die drittschlechteste aller Zeiten. Da muss in den verbleibenden 17 Spielen einiges passieren. Vom „Europa-Traum“ haben sich hoffentlich alle verabschiedet, es geht ums nackte Überleben. Also, ihr Beister und Tahs, ihr van der Vaarts und Westermanns, ihr Lasoggas und Zouas: Reißt Euch Eure Allerwertesten auf, werdet auf den Punkt fit und zeigt dann, aus welchem Holz ihr geschnitzt seid. Ihr habt knappe fünf Monate Zeit zu beweisen, dass Ihr mehr könnt als das, was Ihr bislang gezeigt habt. Seid stolz, die Raute zu tragen und macht Eure Fans glücklich. Denn über allem thront noch immer:

NUR DER HSV.