HSV unter van Marwijk ungeschlagen.

Ich habe den Einstand des neuen HSV-Trainers Bert van Marwijk nicht en detail verfolgen können und musste mich bezüglich meiner kleinen Analyse auf einen Ticker, den Videotext, ein wenig Radio und den kicker verlassen. Ach, und auf ein kleines Videoschnipselchen, in dem alle Tore des Spieltags gezeigt wurden.

Mein Fazit: So übel war das doch gar nicht.

Klar, der HSV hat sich wieder zwei Tore eingefangen, eine Zu-Null-Abwehr gibt es noch immer nicht. Ebensowenig wie ein erkennbares System. Und das Tor von Marcell Jansen war abgefälscht. Aber: Die Mannschaft lag zweimal hinten und hat nicht aufgegeben, sondern sich im Gegenteil jeweils ins Spiel zurückgekämpft. Das gefiel mir. Der kicker-Ticker schrieb, dass beide HSV-Tore „wie aus dem Nichts“ kamen. Das ist eine sehr schöne Umschreibung dessen, wie der Spielaufbau des HSV zurzeit aussieht: Er findet nicht statt. Allerdings baue ich stark auf Herrn van Marwijk und seine Fähigkeit, einer Mannschaft eine Spielidee zu vermiteln. Das geht nun mal nicht in wenigen Tagen, und vermutlich wird auch demnächst in Nürnberg noch nicht allzu viel davon zu erkennen sein. Dann aber ist Länderspielpause, und im darauffolgenden Heimspiel gegen den VfB Stuttgart hoffe ich, erste Fortschritte erkennen zu können. Bis dahin freue ich mich darüber, dass der HSV gegen Eintracht Frankfurt:

… mehr Torschüsse als der Gastgeber abgegeben hat.
… fast genau so viel Ballbesitz hatte wie die Eintracht.
… eine bessere Zweikampfquote hatte als die Hessen.

Darauf lässt sich meiner Meinung nach aufbauen.

Saison 12/13:
1. Spieltag: Nürnberg (H) 0:1, 0 Punkte (Torverhältnis: -1)
2. Spieltag: Bremen (A) 0:2, 0 Punkte (-3)
3. Spieltag: Eintracht Frankfurt (A) 2:3, 0 Punkte (-4)
4. Spieltag: Borussia Dortmund (H) 3:2, 3 Punkte (-3)
5. Spieltag: Borussia Mönchengladbach (A) 2:2, 4 Punkte (-3)
6. Spieltag: Hannover 96 (H) 1:0, 7 Punkte (-2)
7. Spieltag: Greuther Fürth (A) 1:0, 10 Punkte (-1)

Saison 13/14:
1. Spieltag: Schalke (A) 3:3, 1 Punkt (Torverhältnis: 0)
2. Spieltag: 1899 (H) 1:5, 1 Punkt (-4)
3. Spieltag: Hertha BSC (A) 0:1, 1 Punkt (-5)
4. Spieltag. Eintr. Braunschweig (H) 4:0, 4 Punkte (-1)
5. Spieltag: Borussia Dortmund (A) 2:6, 4 Punkte (-5)
6. Spieltag: Werder Bremen (H) 0:2, 4 Punkte (-7)
7. Spieltag: Eintracht Frankfurt (A) 2:2, 5 Punkte (-7)

Veränderung: Fünf Punkte schlechter (sechs Tore schlechter)

Platzierung nach dem Spieltag:
2012/13: 8
2013/14: 16

Veränderung:
Acht Plätze schlechter

Saison 12/13:
Schalke – Hamburger SV 4:1
Hamburger SV – Hoffenheim 2:0
Fortuna Düsseldorf* – Hamburger SV 2:0
Hamburger SV – SpVgg Greuther Fürth* 1:1
Borussia Dortmund – Hamburger SV 1:4
Hamburger SV – Werder Bremen 3:2
Eintracht Frankfurt – Hamburger SV 3:2
10 Punkte, 13:13 Tore

Saison 13/14
Schalke – Hamburger SV 3:3
Hamburger SV – Hoffenheim 1:5
Hertha BSC* – Hamburger SV 1:0
Hamburger SV – Eintracht Braunschweig* 4:0
Borussia Dortmund – Hamburger SV 6:2
Hamburger SV – Werder Bremen 0:2
Eintracht Frankfurt – Hamburger SV 2:2
5 Punkte, 12:19 Tore

Veränderung:
Fünf Punkte weniger, sieben Tore schlechter

*Hertha ersetzt in diesem Vergleich Düsseldorf, Braunschweig Greuther Fürth.

Bert und die Jungen.

Aus der Sicht eines HSV-Fans waren die vergangenen Tage wohl die angenehmsten der bisherigen Saison. Der Verein hat die nächste Runde im DFB-Pokal erreicht, ein Investor vermeldet öffentlich (hihi), dass er jetzt gar nichts mehr sagt. Und da in Sachen Trainerwahl schnell Nägel mit Köpfen gemacht wurden und Bert van Marwijk ohne große Possen verpflichtet werden konnte, schoss sich die gesamte Presselandschaft auf ihn ein. Porträtierte ihn. Lichtete ihn in schickem Gewand ab. Lies ehemalige Spielerfrauen dies bewerten. Kurzum: Es gab nichts wirklich spannendes zu schreiben.

Ungeachtet der Tatsache, dass mir, wäre ich Schreiber einer lokalen Tageszeitung, zwei Tage nach einem erfolgreich absolvierten Pflichtspiel sehr wohl mehr einfiele als zu schreiben, dass dem neuen Trainer Kaschmir gut stünde, gefiel mir das. Denn es bedeutete auch, dass sich endlich mal nicht das – Entschuldigung – Maul über den HSV zerrissen wurde.

Mal sehen, wie lange die positive Grundstimmung anhält. Schließlich steht nun das erste Pflichtspiel Mark van Bertwijks vor der Tür. Samstagabend steht er an der Linie, wenn der HSV bei Eintracht Frankfurt antritt. Ich muss gestehen: nach längerer Zeit habe ich endlich mal wieder kein Bauchgrummeln, wenn ich an einen anstehenden Kick denke. Der neue Trainer kann mit jungen Spielern – dieser Ruf eilt ihm voraus, und irgendwo las ich zudem, dass er im Spiel gegen die Hessen der Elf vertrauen wird, die auch im DFB-Pokalspiel gegen Greuther Fürth startete. Das bedeutet: Mit Tah (17), Calhanoglu (19) und Lasogga (21) werden drei Youngster rangelassen und dürfen sich einmal mehr beweisen. Darauf freue ich mich, ungeachtet des Ergebnisses, das wir mit dem Trio erzielen werden (wobei ich nicht falsch verstanden werden möchte: Ich traue diesen Spielern viel zu – es kann aber sein, dass es aufgrund fehlender Erfahrung noch zu den einen oder anderen Schnitzern kommen wird).

Zudem ist die HSV-Bilanz gegen Eintracht Frankfurt nicht die schlechteste: Von 88 Spielen in der Bundesliga gewannen wir 41, nur 27-mal gingen wir als Verlierer vom Platz. Zweimal allein in der vergangenen Saison – da haben die Jungs einiges gutzumachen.

Wie gesagt: Ich freue mich auf den Kick. Dank Bert, dank Jonathan, dank Hakan und dank Pierre-Michel. Hoffen wir mal, dass ich trotz Marcell oder Tolgay oder Rafael danach immer noch so gut drauf bin.

Nur der HSV.

Statistik nach dem Bremen-Spiel

Es ist, wie es ist: Aus mehreren Gründen möchte und kann ich keine großen Worte zur Heimpleite gegen Heiner Bremer verlieren. Nur so viel: Ich gratuliere allen Bremer Fans, besonders denen in meiner Twitter-Timeline, zum Nordderbysieg.

Hier meine kleine Statistik:

Saison 12/13:
1. Spieltag: Nürnberg (H) 0:1, 0 Punkte (Torverhältnis: -1)
2. Spieltag: Bremen (A) 0:2, 0 Punkte (-3)
3. Spieltag: Eintracht Frankfurt (A) 2:3, 0 Punkte (-4)
4. Spieltag: Borussia Dortmund (H) 3:2, 3 Punkte (-3)
5. Spieltag: Borussia Mönchengladbach (A) 2:2, 4 Punkte (-3)
6. Spieltag: Hannover 96 (H) 1:0, 7 Punkte (-2)

Saison 13/14:
1. Spieltag: Schalke (A) 3:3, 1 Punkt (Torverhältnis: 0)
2. Spieltag: 1899 (H) 1:5, 1 Punkt (-4)
3. Spieltag: Hertha BSC (A) 0:1, 1 Punkt (-5)
4. Spieltag. Eintr. Braunschweig (H) 4:0, 4 Punkte (-1)
5. Spieltag: Borussia Dortmund (A) 2:6, 4 Punkte (-5)
6. Spieltag: Werder Bremen (H) 0:2, 4 Punkte (-7)

Veränderung: Drei Punkte schlechter (fünf Tore schlechter)

Platzierung nach dem Spieltag:
2012/13: 10
2013/14: 16

Veränderung:
Sechs Plätze schlechter

Saison 12/13:
Schalke – Hamburger SV 4:1
Hamburger SV – Hoffenheim 2:0
Fortuna Düsseldorf* – Hamburger SV 2:0
Hamburger SV – SpVgg Greuther Fürth* 1:1
Borussia Dortmund – Hamburger SV 1:4
Hamburger SV – Werder Bremen 3:2
10 Punkte, 11:10 Tore

Saison 13/14
Schalke – Hamburger SV 3:3
Hamburger SV – Hoffenheim 1:5
Hertha BSC* – Hamburger SV 1:0
Hamburger SV – Eintracht Braunschweig* 4:0
Borussia Dortmund – Hamburger SV 6:2
Hamburger SV – Werder Bremen 0:2
4 Punkte, 10:17 Tore

Veränderung:
Sechs Punkte weniger, neun acht Tore schlechter

*Hertha ersetzt in diesem Vergleich Düsseldorf, Braunschweig Greuther Fürth.

Tach, Bert

Nun ist es also fix: Der HSV hat Bert van Marwijk als neuen Cheftrainer verpflichtet.

Ich begrüße diesen Schritt aus mehreren Gründen.

1. Es war eine schnelle Entscheidung und kein „HSV sucht den Supertrainer“-Casting, das mit medialer Häme begleitet wurde. Der Verein hat zügig gehandelt, sich auf wenige (oder vielleicht auch nur diesen einen) Namen konzentriert und Nägel mit Köpfen gemacht.

2. „Experten“ haben wildeste Theorien aufgestellt, welcher freie Trainer aus welchen Gründen ein „Kumpel“ Oliver Kreuzers und damit prädestiniert für den Job sei. Franco Foda sollte kommen, Lothar Matthäus, Markus Babbel. Am Ende wurde es ein ganz anderer, und van Marwijk und Kreuzer haben keine Schnittmenge.

3. Bert van Marwijk ist seit 30 Jahren Trainer, seit 23 Jahren im Herrenbereich. 2002 gewann er den Uefa-Pokal mit Feyenoord. Er hat aber auch schon negative Zeiten erlebt, zuletzt mit der Nationalmannschaft der Niederlande. Er hat Erfahrung und kennt Höhen und Tiefen des Geschäfts.

4. Er hat ein Händchen für Nachwuchsspieler. Er zog Nuri Sahin aus der Jugend Borussia Dortmunds in die Herrenmannschaft hoch, er entdeckte und entwickelte den jungen Ebi Smolarek.

5. Bert van Marwijk sehe ich in der Lage, der Mannschaft ein System vermitteln zu können. Er bevorzugt ein 4-3-3 mit schnellen Außenstürmern. Ein System, das ich mag und von dem ich überzeugt bin, dass es Artjoms Rudnevs entgegenkommt. Mit etwas Glück haben wir unseren Zwölf-Tore-Stürmer zurück!

Ich freue mich, dass Du, Lambertus, da bist. Führe den HSV aus dem Keller heraus nach oben – dorthin, wo er hingehört. Nur der HSV.

Ar-i-ess-pi-i-ssi-ti

„Spiel ist etwas Heiteres. Es soll Freude machen.“
Loriot

Vielleicht bin ich ja der einzige Fußball-Fan, der so denkt, und vielleicht bin ich deshalb in den Augen anderer Fußball-Fans „kein richtiger“ Fan. Das mag sein, dazu stehe ich dann. Aber: Mir passt etwas nicht, und das möchte ich nun einfach mal zur Sprache bringen.

Es geht um den Respekt, den sich Spieler und Fans gegenüberbringen. Oder eben nicht.

Ich habe schon oft überlegt, ob ich meine Gedanken darüber niederschreiben soll. Lange Zeit war ich unsicher. Dann kam der Tag, an dem der Spieler Benedikt Pliquett vom FC St. Pauli zu Sturm Graz wechselte. Pliquett ist ein für Profiverhältnisse eher mittelmäßiger Torwart, aber einer, der sich mit Leib und Seele dem FC St. Pauli verschrieen hat. So weit, so gut. Dass das früher einmal anders war, wissen die wenigsten. Dreieinhalb Jahre stand Pliquett beim großen Rivalen HSV unter Vertrag. In dieser Zeit versuchte er, in der Jugend und später in der Amateurmannschaft Fuß zu fassen. Zumindest im Herrenbereich klappte dies nicht, weshalb man sich seitens des HSV dazu entschloss, Pliquetts Vertrag irgendwann nicht zu verlängern. Über den Umweg VfB Lübeck landete Pliquett letztlich beim FC St. Pauli, wo er seine sportliche Heimat fand. In all‘ den Jahren muss sich in Pliquett irgendetwas aufgestaut haben. Die einstige Leidenschaft für den HSV wandelte sich in Hass, der sich im 16. Februar 2011 entlud. Pliquett hatte gerade seine Warhol’schen 15 Minuten Ruhm hinter sich, als er im Bundesliga-Derby HSV – FC St. Pauli alles hielt, was auf seinen Kasten kam und zum Garant des 1:0-Erfolgs seiner Mannschaft wurde. Benedikt Pliquett feierte den Triumph auf seine Weise: Mit einer Art Karatekick trat er eine der Eckfahnen, die mit der HSV-Raute beflaggt waren. Das Foto dieser Aktion ging um die Fußball-Welt (zumindest um die Hamburger Fußball-Welt) und wurde zum Symbol des St.Pauli-Sieges über den verhassten Stadtrivalen.

Als nun Pliquetts Wechsel zu Sturm Graz feststand, wurde dieses Bild einmal mehr hervorgekramt. Via Twitter, via Facebook. Und genau so falsch, wie ich die Aktion von Pliquett damals fand, empfand ich dieses Hervorkramen. Benedikt Pliquett hat in meinen Augen seine Vorbildfunktion missbraucht, die er seinerzeit innehatte – unabhängig der Tatsache, dass er vor und nach der Partie kaum mehr im Profibereich in Erscheinung getreten ist. In diesem Spiel war er dabei, und so ausgelassen seine Stimmung und so unkontrolliert die Ausschüttung seiner Glückshormone an diesem Abend auch waren: Er hätte sich im Griff haben und seinen Sieg anders auskosten müssen. Dass man den Gegner frotzelt (in dem man den Torjubel der Stürmer, die an diesem Abend zu schwach waren, um ihn zu überwinden, nachäfft), gehört dazu. Das darf sein, das war in diesem Falle sogar ganz, ganz großartig. Was meiner Meinung nach nicht sein darf, sind Gewalt verherrlichende Szenen. Gegen Eckfahnen haben schon einige Stürmer getreten, die gerade ein Tor erzielt haben. Der Tritt von Benedikt Pliquett gegen die HSV-Flagge war aber keiner der üblichen und eben beschriebenen Tritte, die im Überschwang der Gefühle passieren. Es war ein Tritt, der bewusst respektlos ausgeführt und mit einer Aussage garniert wurde: „Ich scheiße auf den HSV, der mein Talent verkannt hat.“ Aktionen wie diese haben eine gewisse Wirkung, und derer sollte sich ein Profi stets bewusst sein. Sie sorgen dafür, dass die Hemmschwellen der jugendlichen Fans sinken. Heute wird eine HSV-Flagge getreten, morgen ist es der Mitschüler, der einen HSV-Pulli trägt.

Wenn dieses (Sinn-)Bild nun hervorgekramt wird, beispielsweise an einem Tag, an dem Pliquett den Verein verlässt, dann geschieht dies als eine Art Dankeschön oder Huldigung des Torwarts. Das ist zwar aller Ehren wert, fragwürdig halte ich es dennoch. Auch hier sehe ich die Vorbildfunktion, die man als Fan (und besonders als Vater oder Mutter) gegenüber anderen, jüngeren, labileren Fans hat, teilmissbraucht.

Man möge es bitte nicht falsch verstehen: Es geht nicht darum, St.Pauli-Fans an den Pranger zu stellen. Sondern darum, ganz allgemein mehr gegenseitigen Respekt einzufordern.

Ich gehöre eine offenbar seltenen Spezies von Fans an: Ich konnte noch nie sonderlich viel damit anfangen, gegnerische Vereine und/oder deren Anhänger verbal zu verunglimpfen. Mir kommt ein „Vorwärts, HSV“ einfach leichter über die Lippen als ein „Scheiß St. Pauli“. Nein – ich glaube sogar, ich habe noch nie derartiges in ein Stadionrund geschrien. Ich frage mich: warum auch? Ich verstehe die Fans bis heute nicht, die ihre Energien darin ver(sch)wenden, über die Rivalen herzuziehen. Was ist daran toll? Glauben diese Fans, dass der Gegner jetzt ganz dolle aufgeregt ist und nicht mehr so gut Fußball spielt, wenn er angepöbelt wird? Glauben diese Fans, das Stadionerlebnis wird sicherer, wenn man die gegnerischen Fans aufheizt? Wie soll ich meinen Kindern beibringen, dass sie solche „schlimmen Wörter“ nicht in den Mund zu nehmen haben, wenn ich es selbst tu bzw. wenn sie es aus zwanzig- oder wievielauchimmertausend Kehlen hören? Auch nach längerem Nachdenken finde ich keinen Grund dafür.

Am Wochenende steht das Nordderby schlechthin an: HSV gegen Werder Bremen. Traditionsgemäß kochen hier die Emotionen nicht nur der Spieler, sondern auch der Fans auf den Rängen besonders hoch. Mit dem feinen Unterschied, dass die Profis vor und nach dem Spiel alle sportliche Rivaltität vergessen lassen und zu Shakehands und auch freundschaftlichen Worten bereit sind. Man kennt sich und man respektiert sich (Es gibt natürlich wenige unrühmliche Ausnahmen, siehe oben). Ist das auch auf den Rängen machbar? Nein. Aber warum nicht? Klar gehört Rivalität zum Spiel – aber wo ist der Fairplay-Gedanke geblieben, der Respekt voreinander? Da wird sich lieber bis aufs Blut gereizt, zuweilen leider im Wortsinne. Nach einem meiner letzten Stadionerlebnisse musste ich nach Schlusspfiff wenige Minuten zusammengepfercht mit anderen HSV-Fans in einem Bahnwaggon verbringen. Ein weit aufgerissenes Augenpaar starrte mich an, dessen Besitzer offensichtlich zu viel Alkohol zu sich genommen hatte. Gerade, als ich mich von seinem Blick loslösen wollte, sprach er zu mir: „Ich möchte heute noch ein Bullenschwein sterben sehen“. Auf meine kurze Nachfrage nach dem Grund dafür (warum auch immer ich das fragte und ihn nicht einfach ignorierte) sagte er, dass „die Hurensöhne mir meine Ehre genommen hätten“. Ah ja. Möchte ich, möchte irgendjemand mit solchen Typen im Stadion oder sonstwo zu tun haben? Übrigens: Das Ganze geschah nach einer Regionalligapartie, wenn auch einer brisanten. Vierte Liga! Schon jetzt scheint klar, dass vor und nach dem Spiel gegen Bremen eine Eskalation nur dank eines Großaufgebots der Polizei und vielen, vielen Ordnern verhindert werden kann. Richtigen Spaß macht das nicht mehr.

Vielleicht denke ich in zu einfachen oder zu altmodischen Dimensionen. Vielleicht tut Ihr mich auch als komischen Spinner ab, der in den Stadien dieses Landes fehl am Platz ist. Dennoch wünsche ich mir: Habt doch bitte alle wieder ein bisschen mehr Respekt voreinander. Lernt zu akzeptieren, dass es neben Eurem noch viele andere tolle Vereine gibt. Und lernt, dass auch Ihr Vorbilder seid. Für Eure Sitz- oder Stehnachbarn, für Kinder. Steht hinter Eurem Team und gebt 90 Minuten lang alles, um es zu pushen. Und sorgt dafür, dass nicht nur Ihr, sondern auch und gerade Eure Mitmenschen um Euch herum nach Schlusspfiff erhobenen Hauptes und ohne Fremdscham das Stadion verlassen und das Spiel mit seinem ganzen Drumherum unabhängig vom Ausgang als positives Erlebnis in Erinnerung behalten können.

Fink ist dann mal weg.

Teuflisch: Mein voriger Blogeintrag, in dem ich mich in netter Form auch über den HSV-Trainer Fink ausgelassen hatte, war keine vier Stunden alt, als ebenjener beurlaubt wurde. Gerüchten zufolge wird er sich von diesem Schock auf Mallorca erholen. Was ich an diesem abrupten Ende besonders schade finde: dass Per Skjelbred zur Hertha gegeben wurde. Ich glaube, dass der Mann nur einen anderen Trainer als Fink brauchte, um aufzublühen. Doofes Timing so gesehen. Thorsten Fink weine ich – leider – keine Träne nach.

Wer kommt nun?

Vor der Beantwortung dieser Frage graut es mir. Ich sehe keinen auf dem Markt befindlichen Trainer, den ich erhaben über jeden Zweifel hier gern sehen würde. Christian Streich, Jos Luhukay, Thomas Tuchel haben Jobs. Bessere Jobs. Derzeit ohne Anstellung sind Männer wie Franco Foda, Lothar Matthäus, Bruno Labbadia. Hm. Frei wäre Heiko Vogel, der unbestritten schon zu Finks Zeiten beim FC Basel der „Kopf“ war. Das wäre eventuell einer. Wobei ich mich frage: Welchen Grund hat es, dass er gehen musste, und wieso hat der noch immer keinen Job? Was stimmt da nicht?

Im Hinblick auf die Ereignisse und Ränkespiele der vergangenen Wochen schwirrt in meinen Überlegungen immer wieder ein Name herum: Felix Magath. Sky Du Mont Klaus-Michael Kühne ist ein ausgesprochener Fan Magaths und würde sicher alles in seiner Macht stehende tun, um ihn nach Hamburg zu holen. Millionen, seid umschlungen. Ob ein Engagement Magaths gut für den HSV wäre? Ich weiß es nicht. Schlimmer als jetzt kann es allerdings auch nicht werden.

Wenn man schon einen alten HSVer zurückholen möchte: Wie wäre es eigentlich mit Wolfgang Rolff? Ein ausgewiesener Fachmann mit Meriten als Spieler und Co-Trainer, zuverlässig, zurückhaltend, loyal. Können wir so einen nicht gebrauchen? Ich wünsche Oliver Kreuzer ein glückliches Händchen bei der Auswahl. Und möge sie nicht allzu lange dauern.

Nur der HSV.

Nach Dortmund.

Wir haben einen Trainer, der andere dafür suspendiert, wenn sie an freien Tagen nach Mallorca fliegen, selbst aber an Trainingstagen nach München jettet.

Wir haben einen Sportdirektoren, der jede noch so kleinste Meldung in die Reporterblöcke spricht, auf dass der Boulevard informiert sein möge.

Wir haben einen Hühnerhaufen von Hintermannschaft, ein ideen- und hilfloses Mittelfeld, aber leider keinen Sturm.

Ich möchte das nicht.

Ich möchte einen Trainer mit einer Spielidee, der in der Lage ist, seinen Jungs ein System zu vermitteln. Ich möchte einen Sportdirektoren, der von der hamburgischen Medienlandschaft gehasst wird, weil er nichts sagt und gerade dafür Rückendeckung aus dem Verein bekommt. Ich möchte Fan einer Mannschaft sein, die ab und an auch mal für eine positive Überraschung sorgen kann.

Ich habe keine große Lust, mich weiter zu äußern. Hier die Statistik:

Saison 12/13:
1. Spieltag: Nürnberg (H) 0:1, 0 Punkte (Torverhältnis: -1)
2. Spieltag: Bremen (A) 0:2, 0 Punkte (-3)
3. Spieltag: Eintracht Frankfurt (A) 2:3, 0 Punkte (-4)
4. Spieltag: Borussia Dortmund (H) 3:2, 3 Punkte (-3)
5. Spieltag: Borussia Mönchengladbach (A) 2:2, 4 Punkte (-3)

Saison 13/14:
1. Spieltag: Schalke (A) 3:3, 1 Punkt (Torverhältnis: 0)
2. Spieltag: 1899 (H) 1:5, 1 Punkt (-4)
3. Spieltag: Hertha BSC (A) 0:1, 1 Punkt (-5)
4. Spieltag. Eintr. Braunschweig (H) 4:0, 4 Punkte (-1)
5. Spieltag: Borussia Dortmund (A) 2:6, 4 Punkte (-5)

Veränderung: Gleiche Punktzahl (zwei Tore schlechter)

Platzierung nach dem Spieltag:
2012/13: 14
2013/14: 15

Veränderung:
Ein Platz schlechter

Saison 12/13:
Schalke – Hamburger SV 4:1
Hamburger SV – Hoffenheim 2:0
Fortuna Düsseldorf* – Hamburger SV 2:0
Hamburger SV – SpVgg Greuther Fürth* 1:1
Borussia Dortmund – Hamburger SV 1:4
7 Punkte, 8:8 Tore

Saison 13/14
Schalke – Hamburger SV 3:3
Hamburger SV – Hoffenheim 1:5
Hertha BSC* – Hamburger SV 1:0
Hamburger SV – Eintracht Braunschweig* 4:0
Borussia Dortmund – Hamburger SV 6:2
4 Punkte, 10:15 Tore

Veränderung:
Drei Punkte weniger, fünf Tore schlechter

*Hertha ersetzt in diesem Vergleich Düsseldorf, Braunschweig Greuther Fürth.