Standards können wir.

Das Schicksal wollte, dass ich das HSV-Spiel gegen die TSG Hoffenheim am Radio verfolgen musste. Radio, das bedeutete in diesem Fall: die SPORT1fm-App, die sich leider mehrfach aufhängte, so dass ich irgendwann auf den NDR2-Stream umschwenkte.

Bilder habe ich bislang, knappe drei Stunden nach Abpfiff, noch nicht gesehen. Und ich weiß auch noch gar nicht, ob ich das tun werde. (Wahrscheinlich schon, obgleich ich mich darüber ärgern werde.)

Ich bin sowieso der Meinung, dass man das Spiel auch gar nicht gesehen haben braucht, um zu urteilen, dass der HSV eine seiner schwächsten Leistungen aller Zeiten gebracht hat. Beide Reporter (bei SPORT1fm ein unheimlich langweiliger Mensch, wer war das bloß?) hatten Schwierigkeiten, auch nur halbwegs brauchbare Aktionen des HSV zu erkennen und zu beschreiben – es gab einfach keine.

Der HSV 2013 ist nicht in der Lage, ein Spiel in die Hand zu nehmen. Zu bestimmen. Fußball mit einer Idee oder gar einem Konzept zu spielen. Torgefahr zu entwickeln und Tore zu schießen. Außer bei Standards natürlich, die kann er. Aber aus dem Spiel heraus? Herr, hilf. Zurzeit gleicht das HSV-Spiel einem einzigen Offenbarungseid. Planlos, ratlos.

Woran liegt das nun? Ich möchte keine Tirade auf den Trainer starten. Aber er gefällt mir, der ihn tendenziell eher in Schutz nimmt als an den Pranger stellt, immer weniger. Ich vermisse den Pep (nein, nicht den Trainer…), den Elan, die Ideen und das Feuer in den Augen, das ein guter Trainer mitbringen sollte. Und ich bin enttäuscht von seinen Wechseln. Genau die Spieler, die ich gern gesehen hätte, ließ er als einzige auf der Bank: Jonathan Tah, Kerem Demirbay, Per Skjelbred. Schlechter hätten wir mit diesen Jungs auch nicht gespielt. Ich erwarte von Thorsten Fink, dass er sich seine Spieler zur Brust nimmt, ihnen erklärt, dass das, was hier gezeigt wurde, hochnotpeinlich war. Dass er die Spieler bei der Ehre packt und ihnen Mannschaftsgeist und Kampfeswillen einbläut. Es kann immer mal passieren, dass man verliert, und auch, dass man hoch verliert. Entscheidend ist hierbei aber, wie sich das Team präsentiert. Laufen die Akteure herum wie verunsicherte Schafe, wie aufgescheuchte Hühner? Oder geben sie alles, und es reicht einfach nicht zu mehr? Mit letzterem kann ich sehr gut leben. Leider war’s wohl ersteres.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich meine Emotionen grundsätzlich eher weniger zur Schau trage. Innerlich zwar koche, nach außen aber hanseatisch-souverän und zurückhaltend bleibe. Deshalb beende ich diesen Blogeintrag.

Die Statistik gibt’s natürlich dennoch:

Saison 12/13:
1. Spieltag: Nürnberg (H) 0:1 0 Punkte (Torverhältnis: -1)
2. Spieltag: Bremen (A) 0:2 0 Punkte (-3)

Saison 13/14:
1. Spieltag: Schalke (A) 3:3 1 Punkt (Torverhältnis: 0)
2. Spieltag: 1899 (H) 1:5 1 Punkte (-4)

Veränderung: +1 (-1)

Platzierung nach dem Spieltag:
2012/13: 15
2013/14: 12

Saison 12/13:

Schalke – Hamburger SV 4:1
Hamburger SV – Hoffenheim 2:0

Saison 13/14
Schalke – Hamburger SV 3:3
Hamburger SV – Hoffenheim 1:5

Veränderung:
Zwei Punkte schlechter, drei Tore schlechter

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4 Gedanken zu “Standards können wir.

  1. Finde ich gut, dass Du zu dieser (Ein)Sicht gekommen bist. Herr Fink hat sehr wenig Einfluss auf seine Spieler. Dafür gibt’s etliche Beispiele. Alleine die Tatsache, dass es viel zu selten Serien von ungeschlagenen Matches gibt. Die 3 – 4 guten Spiele pro Saison sind eine Laune der Natur, aber nicht das Werk guten Trainings oder gar taktischer Kniffe von Herrn Fink.

  2. Ich habe das Spiel gesehen und gebe dir zu 100% Recht. Nach vorne fehlt es einfach an Geradlinigkeit und Konsequenz, aber viel schlimmer empfinde ich das Spiel gegen den Ball. Es ist erschreckend wie naiv und harmlos da zu Werke gegangen wird. Der HSV schafft es nicht, Druck auf den ballführenden Spieler aufzubauen, geschweige denn Überzahlsituationen zu schaffen. Stattdessen deckt man Räume ab, welche auch immer, attackiert gar nicht oder zu spät und lässt sich ein ums andere Mal zu leicht ausspielen.
    Was mich zudem nervt ist und bleibt die Mentalität des ganzen Vereins. Nach einem Spiel mit drei Gegentoren auf Schalke, stellen sich alle hin und verkaufen das als gute Leistung, unfassbar! Was dieses Spiel wirklich Wert war, hat man heute gesehen, in Hamburg und in Wolfsburg.
    Ich schaue mir jedenfalls so schnell kein HSV Spiel mehr an.

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