Tschüss, Dennis

Das kam dann ja mal wie Kai aus der Kiste.

Solche Transfers, verehrter Herr Kreuzer, mag ich. Neulich noch nichts geahnt, jetzt schon unter Dach und Fach, der Deal. Glückwunsch. Auch wenn die „Hauptschuld“ daran sicher Schalke 04 trägt, schließlich waren es die Königsblauen, die anfrugen.

Lieber Dennis,
seit der Saison 2008/09 bist Du HSVer. Ich habe Dich in dieser Zeit schätzen gelernt. Ich mochte Deine unbekümmerte Art, sowohl auf als auch neben dem Feld. Du warst ein Spieler, der dem Verein auf mehreren Ebenen gut getan hat. Als fast logische Folge Deiner sportlichen Leistungen wurdest Du DFB-Nationalspieler. Zwölfmal wurdest Du zwischen Mai 2010 und Juni 2013 mit dem Adler auf der Brust eingesetzt.

Die Nationalmannschaft war es leider auch, die Dir sportlich ein wenig den Wind aus den Segeln genommen hat. Genauer: Die Tatsache, dass Du nicht zur EM 2012 nominiert wurdest. Seitdem zeigt Deine sportliche Leistungskurve nach unten. Offensichtlich hast Du Dich von diesem Schock noch immer nicht erholt. Im Verein gab es seitdem auch nicht sonderlich viel Grund zum Jubel; ich brauche nicht weiter auf den Verlauf der Saison 2012/13 einzugehen. Spätestens seit der aktuell laufenden Saison ist klar: Du bist kein Stammspieler des HSV mehr. Hinten links kann Dich Thorsten Fink nicht gebrauchen („Da hat er beim 2:9 gegen die Bayern gespielt, das ist nix“, hieß es – oder so ähnlich.) Im linken Mittelfeld gibt es derzeit zu viele bessere Konkurrenten. Hinzu kommt eventuell noch eine andere Komponente: Ich glaube, der Fink und Du, Ihr seit Euch nicht grün. Eigentlich darf so etwas im Profi-Bereich keine Rolle spielen. Ich fürchte aber, dem ist hier eben doch so. Schade. (Es gibt natürlich auch noch eine ganz andere Theorie, warum Deine Leistung – sagen wir – stagnierte. Nämlich die, dass Fink kein guter Trainer ist. Deswegen bin ich jetzt mal ketzerisch und sage: Mal sehen, ob der noch da ist, wenn Du wieder zurückkehrst.)

Ich glaube, dass Dir die Luftveränderung gut tun wird. Nach fünf Jahren HSV benötigst Du vielleicht ein neues Umfeld. Eines, das weniger chaotisch ist (hm, Du gehst doch zu Schalke…). Eines, in dem Du unvoreingenommener beäugt wirst als hier und in dem Du Deine verlorengegangenen Stärken wiederfinden kannst. Atme auf Schalke tief durch, lass den HSV eine Weile hinter Dir und kehre irgendwann als Spieler mit neugewonnenem Selbstvertrauen zurück. Ich würde es Dir und dem HSV wünschen.

Durch Deinen Wechsel verschaffst Du dem HSV großen finanziellen Spielraum. Wenn es wirklich stimmt, dass Du drei Millionen Euro pro Jahr verdient hast, dürfte es nun machbar sein, dass der Diekmeier seine paar Piepen mehr bekommt, um sich hier genug wertgeschätzt zu fühlen. Und ein bisschen Geld für einen neuen Offensivmann ist auch da. Hierfür vielen Dank.

Junge, komm‘ bald wieder.

Laut Presse gab es eine Vorgabe, Oliver Kreuzer möge bitte bis zur Schließung des Transferfensters zehn Millionen Euro „reinholen“. Durch das nicht mehr zu zahlende Gehalt Marcus Bergs hatte er die ersten beiden Milliönchen geschafft. Blieben noch acht. Jacopo Sala wurde für kolportierte 100000 Euro verscherbelt, sein bisheriges Gehalt schätze ich auf 400000 Euro. Macht eine Einsparung von einer halben Million, bleiben noch siebeneinhalb. Christian Nörgaard wurde für rund 350000 Euro verkauft, er hätte wohl etwa 150000 Euro verdient. Macht eine Einsparung von einer knappen halben Million, bleiben noch sieben. Paul Scharner dürfte rund 1200000 Euro verdient haben, rund 500000 Euro gingen für die Auflösung des Vertrags drauf. Bleiben noch 6,3 Millionen. Der ehemalige Sportdirektor Frank Arnesen wird mit 400000 Euro weniger als zunächst angedacht abgefunden. Bleiben 5,9 Millionen. Dennis Aogo soll unglaubliche drei Millionen Euro pro Jahr kassiert haben. Die werden nun wohl eingespart. Darüberhinaus zahlt Schalke eine Leihgebühr in Höhe von 650000 Euro. Bleiben noch 2,25 Millionen. Who’s next?

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Lasst Bilder sprechen

Die Bundesliga wurde 50, und der HSV war immer dabei. Das dürfte jeder mitbekommen haben. Weit weniger haben hoffentlich mitbekommen, wie unser HSV in Berlin aufgetreten ist. Trotz 10000 Fans im Rücken (oder waren es 11000?).

Kurzum: Der einzige, der die Feierlichkeiten ein wenig störte, war der HSV. Welche Feierlichkeiten? Na die, die die Sitzkissenfraktion Auswärts so wunderbar gemanagt hat.

Einen kleinen Bericht dazu gibt es hier, einen größeren (diesmal mit starken Bildern) gewohnterweise hier, ganz wunderbare Bilder von der anschließenden Party „50 Jahre auf der Uhr“, die der großartige @abknicker geschossen hat, hier.

Über das Spiel des HSV möchte ich keine Worte verlieren, wohl aber die Statistik nachreichen:

Saison 12/13:
1. Spieltag: Nürnberg (H) 0:1, 0 Punkte (Torverhältnis: -1)
2. Spieltag: Bremen (A) 0:2, 0 Punkte (-3)
3. Eintracht Frankfurt (A) 2:3, 0 Punkte (-4)

Saison 13/14:
1. Spieltag: Schalke (A) 3:3, 1 Punkt (Torverhältnis: 0)
2. Spieltag: 1899 (H) 1:5, 1 Punkt (-4)
3. Spieltag: Hertha BSC (A) 0:1, 1 Punkt (-5)

Veränderung: Ein Punkt mehr (ein Tor schlechter)

Platzierung nach dem Spieltag:
2012/13: 17
2013/14: 15

Veränderung:
Zwei Plätze besser

Saison 12/13:
Schalke – Hamburger SV 4:1
Hamburger SV – Hoffenheim 2:0
Fortuna Düsseldorf* – Hamburger SV 2:0
3 Punkte, 3:6 Tore

Saison 13/14
Schalke – Hamburger SV 3:3
Hamburger SV – Hoffenheim 1:5
Hertha BSC – Hamburger SV 1:0
1 Punkt, 4:9 Tore

Veränderung:
Zwei Punkte schlechter, zwei Tore schlechter

*Hertha ersetzt in diesem Vergleich Düsseldorf, Braunschweig Greuther Fürth.

Tschüss, ein Paul

Jetzt geht es Schlag auf Schlag.

Vorgestern transferierte der HSV Herrn Nörgaard in dessen Heimat, nun darf ein Paul Scharner gehen. Wohin? Das weiß ich nicht, das weiß vielleicht nicht mal er selbst. Weg halt.

Lieber Paul, als Du zum HSV gekommen bist, habe ich Dich zunächst kritisch beäugt: Ein Ösi? In dem Alter? Den ich nicht mal kenne? Dann lösten sich meine Zweifel auf, als ich las, dass Du in der englischen Liga ein solider Fußballer warst, mit einer relativ großen Fangemeinde. Englische Fans mochten Deine Art – zu spielen und zu leben. Auch ich fand es ganz prima, dass Du hier in Hamburg einfach mal mit dem Rad von Rahlstedt aus zum Training gefahren bist (das ist eine verdammt lange Strecke), oder auch mit dem HVV. Und dass Du auch dann immer alles gegeben hast, wenn Du in der U23 spielen musstest. Der etwas andere Profi, das war ein Paul Scharner.

Ein Paul Scharner war aber auch jemand, der mir in den vergangenen Wochen ein wenig auf den Senkel ging. Da war von fehlendem Respekt die Rede, von einer bodenlosen Frechheit, die der HSV – Dein Arbeitgeber – sich geleistet hätte in Bezug auf die Abfindung. Und es war die Rede davon, dass ein Paul Scharner nicht mit der U23 trainiert, weil das dortige Personal nicht entsprechend ausgebildet ist. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass es Dir bei allem nur um eines ging: ordentlich Kohle rauszuschlagen, weil Du eingesehen hattest, dass die eigene Qualität eben doch nicht für die Bundesliga reicht. Das fand ich nun wieder: respektlos.

Dennoch: Du hast mir gefallen. Du hast Leben in den Laden gebracht. Und deshalb wünsche ich auch Dir alles Gute auf Deinem weiteren sportlichen Lebensweg.

Laut Presse gab es eine Vorgabe, Oliver Kreuzer möge bitte bis zur Schließung des Transferfensters zehn Millionen Euro „reinholen“. Durch das nicht mehr zu zahlende Gehalt Marcus Bergs hatte er die ersten beiden Milliönchen geschafft. Blieben noch acht. Jacopo Sala wurde für kolportierte 100000 Euro verscherbelt, sein bisheriges Gehalt schätze ich auf 400000 Euro. Macht eine Einsparung von einer halben Million, bleiben noch siebeneinhalb. Christian Nörgaard wurde für rund 350000 Euro verkauft, er hätte wohl etwa 100000 Euro verdient. Macht eine Einsparung von einer knappen halben Million, bleiben noch sieben. Paul Scharner dürfte rund 500000 Euro verdient haben, die aber wohl größtenteils für die Auflösung des Vertrags draufgegangen sind. Seitens des HSV wird sich das aber irgendwie gerechnet haben müssen, daher gehe ich von 450000 Euro Abfindung aus. Bleiben noch 6,95 Millionen. Who’s next?

Eff-Eff

Ihr kennt ja den Titel dieses Blogs. Diesmal ist er wortwörtlich zu nehmen.

Es ist Freitag und damit der Tag, an dem man drüben bei Twitter gern „Eff-Effs“ verteilt, diese kleinen Liebesbekundungen, mit denen man den beeffefften sagen möchte: „Hey, ich find’s knorke, Dich zu lesen“. Ganz selten werden die „Eff-Effs“ auch für ihren ursprünglichen Zweck benutzt: Seinen eigenen Followern mitzuteilen, wen man selbst noch für lesenswert hält.

Ich möchte heute mal wieder ein paar #ff verteilen – und zwar aus beiden eben genannten Gründen. Mein kleines Problem: Manchmal reichen mir 140 Zeichen nicht aus um zu begründen, warum ich diesen oder jenen Twitterer (oder diese oder jene Twitterin) mit einem #ff versehe. Diese Begründungen sind mir jedoch wichtig.

Deshalb habe ich beschlossen, für den heutigen Freitag mal einen anderen Weg zu gehen. Nachfolgend findet Ihr meine liebsten Twitterer der 18 Bundesligavereine*. Warum ich meine Lieblingstwitterer nach Vereinen sortiert habe? Weil sich meine Twitter-Timeline verdammt oft um das Thema Fußball dreht. Ich denke, es geht sehr vielen aus meiner Timeline so. Solltet Ihr nicht dabei sein, seid mir bitte nicht gram – es kann gut möglich sein, dass ich losen musste, weil Ihr auf einer Stufe mit dem/den genannten seid.

Nun denn:
Borussia Dortmund
@Surfin_Bird – Wir sind in etwa gleichalt (er mag ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel haben, zumindest sieht er so aus). Das hat den Vorteil, dass ich in seinen Tweets ab und an etwas erkenne, was andere nicht sehen. Jüngstes Beispiel: London 0, Hull 4. Schwimmt auf meiner Wellenlänge.

Bayer Leverkusen
@fannyheather – Fanny gehört zu der Sorte Twitterer, die ich viel lese, mit denen ich aber kaum interagiere. Warum? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist die Erwähnung in dieser Auflistung ja ein Beginn.

FC Bayern
@FCBlogin – Twitterer, die ich persönlich kennenlernen durfte, genießen naturgemäß einen kleinen Bonus. Man kennt sich halt, und sei es, dass man nur ein paar Stunden miteinander zu tun hatte. Wie bei Stefen und mir. In dieser kurzen Zeit habe ich ihn sehr schätzen gelernt.

Heiner Bremer
@zizou2k10 – Kai ist keiner dieser Bremen-Fans, die kübelweise Häme über uns ausschütten, wenn es mal nicht so läuft (ja, ich weiß, es läuft fast immer nicht so). Ich muss in diesem Zusammenhang überhaupt mal meine Bremer TL loben – habe ich mir wohl prima ausgesucht, die Damen und Herren. Zurück zu @zizou2k10: Hat er nicht einen starken Twitternamen? Ich finde: ja.

Hertha BSC
@saumselig – Bei Sebastian geht’s mir ein bisschen wie bei Fanny: Ich lese ihn häufig und interagiere kaum mit ihm. Aber ich mag seine Tweets und dieses Familiendingsbums mit Ihrwisstschonwem.

1899 Hoffenheim
@bimbeshausen – Wer seinen Verein so schön auf die Schippe nehmen kann bzw. nicht nur mit, sondern auch über ihn lachen kann, ist ein Großer. So wie Julian, der den Verein schon seit den 90ern toll findet. Wo spielte er da noch gleich? Vor wievielen Fans? Mit wie wenig Geld?

VfL Wolfsburg
@Aimar_HH – Wäre Twitter die Sesamstraße, dann wäre Thomas Oskar aus der Mülltonne. Ewig am Nörgeln, immer am Kritisieren. Und ein Faible für das, was sonst niemand mag. Siehe: Lieblingsverein (und so manche Randsportart).

Borussia Mönchengladbach
@AmFiD – Wenn ich es richtig überblicke, hat OLNO diese wunderbare Seite ins Leben gerufen – allein dafür folge ich ihm gern. Der in Karlsruhe lebende Dithmarscher mag Gladbach – eine interessante Mischung. Und auch, wenn er regelmäßig auf den HSV eindrischt, lese ich ihn mit Vergnügen.

Hannover 96
@runnertobi – Ein sehr unaufgeregter Hannover-Fan, der alles – so empfinde ich es zumindest – aus einer gewissen Distanz und daher goldrichtig betrachtet. Großer Pluspunkt: Er mag die WWE.

1. FC Nürnberg
@Alibipass – Ohne den Club kann er nicht sein. Einer der größten Nürnberg-Fans, die ich kenne. Ein bisschen fiebere ich aus alter Verbundenheit ja auch immer mit dem 1. FCN mit, und oft auch deshalb, weil ich den Alibipass so gern lese. Übrigens: Sämtliche seiner HSV-Kulturtaschen landeten bei mir.

Hamburger SV
@okonskiyouth – Wer es noch nicht weiß: Hier twittert 11FREUNDE-Mann Andreas Bock. Zwar nicht übermäßig oft, aber immer mit dem gewissen Etwas. Gern würde ich viel mehr von ihm lesen – das geht dann wohl nur im Print (wahrscheinlich ist das ’ne Verkaufsmasche). Unbedingt erwähnen möchte ich auch den @xxlhonk. Thomas ist gerade heraus und sagt seine Meinung. Das kommt nicht immer bei allen gleich gut an, bei mir aber schon. Er ist ein Macher im klassischen Sinne, dazu schwenkt er gern mal die Ironie-Keule. Top.

Schalke 04
@hassanscorner – Hassan lebt und liebt Schalke. Das ist etwas, was ich noch nie verstehen konnte. Aber: Man muss den Albino einfach gern haben. Vorbild in Sachen Lebensfreude.

VfB Stuttgart
@heinzkamke – Bedarf es einer Erklärung? Nicht wirklich, oder? Hier kommt dennoch eine: Kamke bereichert mich durch seine unaufdringliche, pointierte, sympathische, eloquente Art zu twittern. Und zu bloggen. Und DM zu schreiben.

SC Freiburg
@Zugzwang74 – Eigentlich möchte ich es nicht sagen, aber es passt: seeeeehr symbadisch. Hat das Herz am richtigen Fleck und die Finger auf den richtigen Buchstaben der Tastatur.

Eintracht Frankfurt
@sunny2k1 – Die Auswahl fiel nicht schwer: Ich glaube, ich habe keinen anderen Eintracht-Fan in meiner Timeline. :-) Twittert, wie ich es mag. Punkt.

1. FC Köln
@Duchateau – Ne kölsche Jong, wat wells de mache. Feierbiest. Ich hatte das große Glück, ihn treffen zu dürfen und freue mich aufs nächste Mal.

1860 München
@m1kschne – Äußerst angenehmer Zeitgenosse, der zudem ein sehr schönes Blog betreibt. Hier gibt’s Stories über die Philadelphia Flyers, TV-Serien, Neuigkeiten aus der Sportmedienszene und so manches mehr.

FC St. Pauli
Hier gibt’s wie weiter oben beim einzig wahren Hamburger Verein ein Unentschieden – obwohl ich doch eigentlich pro Verein immer nur einen Namen nennen wollte. Aber St. Pauli ist halt auch etwas ganz Besonderes (hust…): @DerUebersteiger verteilt zwar gern Spitzen gegen den HSV, aber das liegt wohl in der Natur der Sache (auch wenn ich glaube, dass er mit seinem Leib-und-Magen-Verein schon genug um die Ohren hat). Darüber hinaus twittert er oft mit Augenzwinkern, denkt gern eine Ecke weiter und schleudert gnadenos gute Links. Privat und in echt ist Maik übrigens sehr zugänglich, zuvorkommend, sympathisch. Tja, und dann ist da noch @santapauli1980. Ich denke mal, dass es niemanden gibt, der sie nicht mag, oder? Geistreich, schlagfertig, Mutter. Wenn ich groß bin, möchte ich mal so viele Follower haben wie sie.

Coda
Eine Sonderstellung nimmt einer ein, der öffentlich kaum zugeben würde, Fan eines aktuellen Erstligavereins zu sein. Oder zumindest die Spiele eines bestimmten aktuellen Erstligisten lieber zu schauen als die Spiele anderer aktueller Erstligisten. Ich weiß aber, dass es durchaus aktuelle Erstligisten gibt, die er deutlich lieber mag als andere. Nicht wahr, @ruhrpoet?

*Ich habe mich bemüht, sehr sogar. Aber ich fand niemanden in meiner Timeline, den ich den Vereinen 1. FSV Mainz 05, Eintracht Braunschweig und FC Augsburg zuordnen konnte. Deshalb habe ich in diese Auflistung drei Zweitligaklubs meiner Wahl hinzugenommen.

Tschüss, Christian

Gestern las ich die Meldung frühabends auf der Homepage Bröndby Kopenhagens, etwas später dann auch auf der HSV-Homepage (Danke, Herzi): Christian Nörgaard wechselt den Verein.

Lieber Christian, ich muss gestehen: Ich kenne Dich nicht.

Ich habe Dich nur ein einziges Mal spielen sehen, in der U23. Besser: Im Nachhinein las ich, dass Du mitgespielt hast, denn aufgefallen bist Du mir nicht. Das muss natürlich nichts bedeuten, denn ein schwaches Spiel darf sich jeder mal erlauben. Dein Problem war: Auch Thorsten Fink hat offensichtlich zu wenig von Dir gesehen. Da Du als großes Talent gegolten hast, als der HSV Dich zur Saison 2011/12 holte, schiebe ich es auf Deine Verletzungen: Ich las von einem Syndesmosebandanriss und einem Bänderriss im Sprunggelenk. Davon erholt man sich offenbar nicht leicht, schon gar nicht als junger Mensch – Du bist ja gerade mal 19 Jahre alt.

Der Grund, warum ich Deinen Wechsel dennoch doof finde: Ich sehe Dich als Opfer. Da die vielen Innenverteidiger, die Oliver Kreuzer loswerden soll, noch immer da sind, der HSV aber Geld benötigt, muss er bei solchen Angeboten wie dem, das die Kopenhagener für Dich abgegeben haben, eben zuschlagen. Kleinvieh macht auch Mist. Und wenn wir ehrlich sind: Im Mittelfeld herrscht ein Überangebot an Spielern, zumal nachdem mit Calhanoglu und Demirbay nun zwei Youngster hinzugekommen sind, die „Deine“ Plätze blockieren. Dennoch ist es schade, dass ein Talent wie Du nicht gehalten wird. Ich hätte gern mehr von Dir gesehen als dieses eine Spiel.

Ich wünsche Dir in Deiner Heimat viel Glück. Rock‘ das Haus. Vielleicht sehen wir uns ja in der nächsten Saison in der Europa League wieder.

Laut Presse gab es eine Vorgabe, Oliver Kreuzer möge bitte bis zur Schließung des Transferfensters zehn Millionen Euro „reinholen“. Durch das nicht mehr zu zahlende Gehalt Marcus Bergs hatte er die ersten beiden Milliönchen geschafft. Blieben noch acht. Jacopo Sala wurde für kolportierte 100000 Euro verscherbelt, sein bisheriges Gehalt schätze ich auf 400000 Euro. Macht eine Einsparung von einer halben Million, bleiben noch siebeneinhalb. Christian Nörgaard wurde für rund 350000 Euro verkauft, er hätte wohl etwa 100000 Euro verdient. Macht eine Einsparung von einer knappen halben Million, bleiben noch sieben. Who’s next?

Standards können wir.

Das Schicksal wollte, dass ich das HSV-Spiel gegen die TSG Hoffenheim am Radio verfolgen musste. Radio, das bedeutete in diesem Fall: die SPORT1fm-App, die sich leider mehrfach aufhängte, so dass ich irgendwann auf den NDR2-Stream umschwenkte.

Bilder habe ich bislang, knappe drei Stunden nach Abpfiff, noch nicht gesehen. Und ich weiß auch noch gar nicht, ob ich das tun werde. (Wahrscheinlich schon, obgleich ich mich darüber ärgern werde.)

Ich bin sowieso der Meinung, dass man das Spiel auch gar nicht gesehen haben braucht, um zu urteilen, dass der HSV eine seiner schwächsten Leistungen aller Zeiten gebracht hat. Beide Reporter (bei SPORT1fm ein unheimlich langweiliger Mensch, wer war das bloß?) hatten Schwierigkeiten, auch nur halbwegs brauchbare Aktionen des HSV zu erkennen und zu beschreiben – es gab einfach keine.

Der HSV 2013 ist nicht in der Lage, ein Spiel in die Hand zu nehmen. Zu bestimmen. Fußball mit einer Idee oder gar einem Konzept zu spielen. Torgefahr zu entwickeln und Tore zu schießen. Außer bei Standards natürlich, die kann er. Aber aus dem Spiel heraus? Herr, hilf. Zurzeit gleicht das HSV-Spiel einem einzigen Offenbarungseid. Planlos, ratlos.

Woran liegt das nun? Ich möchte keine Tirade auf den Trainer starten. Aber er gefällt mir, der ihn tendenziell eher in Schutz nimmt als an den Pranger stellt, immer weniger. Ich vermisse den Pep (nein, nicht den Trainer…), den Elan, die Ideen und das Feuer in den Augen, das ein guter Trainer mitbringen sollte. Und ich bin enttäuscht von seinen Wechseln. Genau die Spieler, die ich gern gesehen hätte, ließ er als einzige auf der Bank: Jonathan Tah, Kerem Demirbay, Per Skjelbred. Schlechter hätten wir mit diesen Jungs auch nicht gespielt. Ich erwarte von Thorsten Fink, dass er sich seine Spieler zur Brust nimmt, ihnen erklärt, dass das, was hier gezeigt wurde, hochnotpeinlich war. Dass er die Spieler bei der Ehre packt und ihnen Mannschaftsgeist und Kampfeswillen einbläut. Es kann immer mal passieren, dass man verliert, und auch, dass man hoch verliert. Entscheidend ist hierbei aber, wie sich das Team präsentiert. Laufen die Akteure herum wie verunsicherte Schafe, wie aufgescheuchte Hühner? Oder geben sie alles, und es reicht einfach nicht zu mehr? Mit letzterem kann ich sehr gut leben. Leider war’s wohl ersteres.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich meine Emotionen grundsätzlich eher weniger zur Schau trage. Innerlich zwar koche, nach außen aber hanseatisch-souverän und zurückhaltend bleibe. Deshalb beende ich diesen Blogeintrag.

Die Statistik gibt’s natürlich dennoch:

Saison 12/13:
1. Spieltag: Nürnberg (H) 0:1 0 Punkte (Torverhältnis: -1)
2. Spieltag: Bremen (A) 0:2 0 Punkte (-3)

Saison 13/14:
1. Spieltag: Schalke (A) 3:3 1 Punkt (Torverhältnis: 0)
2. Spieltag: 1899 (H) 1:5 1 Punkte (-4)

Veränderung: +1 (-1)

Platzierung nach dem Spieltag:
2012/13: 15
2013/14: 12

Saison 12/13:

Schalke – Hamburger SV 4:1
Hamburger SV – Hoffenheim 2:0

Saison 13/14
Schalke – Hamburger SV 3:3
Hamburger SV – Hoffenheim 1:5

Veränderung:
Zwei Punkte schlechter, drei Tore schlechter

Spielanalyse in kurz.

Über den Saisonauftakt unseres HSV wurde schon viel geschrieben – so genannte Fachmedien, Tageszeitungen, Twitterer haben Ihr Werk vollbracht. Viel besser, als ich es könnte (hier zum Beispiel), deswegen lasse ich mich gar nicht mehr allzuviel darüber aus.

Ich freue ich sehr über den für mich unerwarteten Punktgewinn, mehr aber noch über die Art und Weise, wie er zustande gekommen ist. Nein, damit meine ich nicht den Patzer René Adlers, sondern die kämpferische und auch spielerische Leistung des HSV. Ich habe Staffetten gesehen, die zu Ende gespielt wurden. Ich habe Spieler gesehen, die nach Ballverlust hinterhergegangen sind und andere Spieler, die sich furchtlos in Flanken geworfen haben. Glücklicherweise gab es eine Belohnung in Form eines Punktes.

Was ich ebenfalls gesehen habe – zumindest im Ansatz – war ein System. Bei Fink! Viele warfen Thorsten Fink monatelang zu Recht vor, man könne bis heute kein System erkennen, das er versuche, seinem Team einzubläuen. Diese (erzwungene, da mit Artjoms Rudnevs der einzige Stürmer im Kader grippegeschwächt erstmal nur auf der Bank saß) Taktik, ohne echten Stürmer zu spielen und die Herren van der Vaart, Calhanoglu, Zoua und Beister wahlweise nach ganz vorn rennen zu lassen, überraschte mich ebenso wie die Schalker Spieler. Das gefiel mir sehr gut.

Ganz nebenbei schaffte Fink es, für den besten HSV-Saisonstart seit drei Jahren zu sorgen. In der vergangenen Serie ging es mit einer 0:1-Heimniederlage gegen den 1. FC Nürnberg los, davor war’s die 1:3-Pleite in Dortmund. (Ein Jahr zuvor wurde tatsächlich das Eröffnungsspiel gewonnen, 2:1 daheim gegen Schalke.)

Dieses Erfolgserlebnis veranlasst mich nun, eine Saison lang den Vergleich zwischen dieser und der vergangenen Serie zu ziehen. Und der sieht nach diesem Punktgewinn bei den Knappen wie folgt aus:

Saison 12/13:                                                                                      
1. Spieltag: Nürnberg (H)     0:1     0 Punkte (Torverhältnis: -1)

Saison 13/14:
1. Spieltag: Schalke (A)         3:3     1 Punkt   (Torverhältnis: 0)

Veränderung: +1 (+1)

Platzierung nach dem Spieltag:
2012/13: 15
2013/14: 8

Zusatz: Der wunderbare @herzi schlug mir eine Ergänzung zu dieser kleinen Statistik-Spielerei vor. Nämlich: Die Ergebnisse nicht nur spieltagsweise, sondern dem jeweiligen Spiel der Vorsaison zugeordnet auszuwerten. Das tue ich hiermit. Im Falle der Auf- und Absteiger sieht das wie folgt aus: Ich ersetze Düsseldorf durch Berlin und Greuther Fürth durch Braunschweig.  Also:

Saison 12/13:
Schalke – Hamburger SV 4:1

Saison 13/14
Schalke – Hamburger SC 3:3

Veränderung:
Ein Punkt besser, drei Tore besser

Wollen wir doch mal sehen, ob diese Serie tatsächlich besser läuft als die vorangegangene und der HSV am Ende tatsächlich zum dritten Mal in Folge die angestrebte Vorgabe errreicht.