Tschüss, Marcus

Vor vier Jahren bist Du zum HSV gekommen, und nicht wenige haben Dir und damit auch irgendwie dem HSV eine goldene Zukunft prophezeit. Kein Wunder: Bei der U21-EM 2009 hast Du alle in den Schatten gestellt, wurdest Torschützenkönig und zum besten Spieler des Turniers gekürt.

Vom damaligen Ruhm ist nichts geblieben. Zu analysieren, woran dies liegt, ist fast müßig. Vielleicht lag es an Deinem Verletzungspech: Hüftprobleme, Oberschenkelprobleme, Schlüsselbeinbruch beim Versuch eines Fallrückziehers. Vielleicht lag es auch am HSV, der es eventuell nicht geschafft hat, Dein Talent zu fördern. Vielleicht lag es aber auch an Deiner mindestens optischen Lethargie, Deinem nicht vorhandenen Elan. In Deiner Zeit beim HSV hast Du unter Bruno Labbadia, Michael Oenning und Thorsten Fink trainiert, keiner sah in Dir einen Stammspieler – irgendetwas wirst auch Du falsch gemacht haben. Auch, als Du ein Jahr nach Eindhoven ausgeliehen wurdest. Acht Tore in 25 Spielen hören sich einigermaßen gut an, aber auch dort, unter Fred Rutten, spieltest Du nur vier mal durch.

Es ist sehr schade und traurig, aber: Es freut mich dass Du gehst. Denn nun wird der Etat meines HSV, der irgendwie nie Dein HSV war, entlastet. Du sollst zwei Millionen Euro pro Jahr verdient haben, die sparen wir nun ein. Vielen Dank. (Übrigens: Weil ja alle sagen, wir hätten für Berg zehn Millionen gezahlt, aber nichts wieder herausbekommen – Eindhoven kostete die Leihe damals eine Million Euro. Immerhin. Ablöse kostet er jetzt keine, aber man sollte eben nicht behaupten, dass wir nichts für ihn bekommen hätten.)

Ich glaube, Du bist einer, der Top-Leistungen bringen kann, wenn das Umfeld stimmt und wenn Dir Vertrauen geschenkt wird. Ich befürchte nur, dass Klubs, die Dir dies bieten können, in der heutigen Zeit rar gesät sind. Nun soll es also Panathinaikos Athen werden. Der Verein ist gerade Sechster geworden – die schlechteste Platzierung seit Ich-weiß-nicht-wann. Die Fans haben eine gewisse Erwartungshaltung. Sollte Panathinaikos diese nicht erfüllen, geht man, befürchte ich, nicht allzu freundlich mit Dir um. Wenn es anders kommt: Ich würde mich für Dich freuen. Allein: Mir fehlt der Glaube.

Weil Du gestern Vater geworden bist (Herzlichen Glückwunsch!), kam es nicht zur geplanten Vertragsauflösung. Gleichwohl gab Panathinaikos Athen bekannt, dass sie Dich mit einem Vierjahresvertrag ausstatten werden. Auch hierfür: Herzlichen Glückwunsch. Ich gratuliere Dir von ganzem Herzen und wünsche Dir und Deiner Familie viel Glück beim Neustart in Griechenland.

Vor ein paar Tagen gab es laut Presse eine Vorgabe, Oliver Kreuzer möge bitte bis zur Schließung des Transferfensters zehn Millionen Euro „reinholen“. Durch das nicht mehr zu zahlende Gehalt Marcus Bergs hat er die ersten beiden Milliönchen geschafft. (Hinzu kommt, dass es bei einem eventuellen Weiterverkauf Bergs seitens Panathinaikos eine Beteiligung ausgehandelt wurde. Das soll hier aber mal außer Acht gelassen werden.) Bleiben noch acht.

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8 Gedanken zu “Tschüss, Marcus

  1. Ich freue mich nicht, respektiere aber, dass Du, Marcus Berg, gehst. Als Dein Fan habe ich immer darauf gehofft, dass Du Vertrauen und eben Einsatzzeiten bekommst. Ich erinnere mich gut an Deinen wichtigen Treffer im Pokal gegen Trier. Ich habe Dich in KL mit Kopfverband spielen und vor allem kämpfen gesehen.
    Zur Geburt Deines Kindes gratuliere ich sehr herzlich!
    Mir wirst Du auf jeden Fall fehlen.

  2. Ich gebe dir mal wieder (fast) vollkommen recht, eine klitzekleine Kleinigkeit hätte ich aber noch…
    Du schreibst: „[…] aber auch dort, unter Fred Rutten, spieltest Du nur vier mal durch.[…]“. Durchspielen ist bei Stürmern so eine Sache – Stürmer sind immer die ersten Wechselkandidaten (um die Defensive zu stärken, um neue Akzente für die Offensive zu setzen usw.), daher finde ich den Wert „Einsätze über 90 Minuten“ bei Stürmern generell nicht aussagekräftig.

    Aber davon ab, wünsche ich, ebenso wie du, Marcus Berg alles Gute für seine weitere Karriere, möge er verletzungsfrei bleiben und die Unterstützung finden, die er braucht, um sein (zweifelsohne vorhandenes) Potential voll ausschöpfen zu können.

    • Richtig, Stürmer werden gern vom Platz genommen. Bei Berg verhält es sich so:

      4 x durchgespielt
      7 x nach der 75. Minute ausgewechselt (das schiebe ich nicht auf die Taktik, sondern auf „Applaus abholen“)
      3 x vor der 75. Minute ausgewechselt (ergo: schlechte Leistung)
      3 x zur Halbzeit ausgewechselt (ergo: noch schlechtere Leistung)
      7 x nach der 72. Minute eingewechselt
      1 x in der 17. Minute eingewechselt (Verletzung eines anderen, nur deshalb kam er rein)

      Das ist mir persönlich ein bisschen zu oft „schlecht“ und zu selten „Applaus holen“. :-)

      • So dezidiert erhält die Statistik dann mehr Bedeutung und in der Tat eine durchwachsene für Marcus Berg, zumal sich Eindhoven dem Vernehmen nach der Leihe auch nicht sonderlich um eine Weiterverpflichtung bemüht hat.

  3. Nachtreten gibt rot, also lassen wir das.
    Zumal ich jetzt auch nicht wüßte wen ich treten sollte.
    Hoffmann hat gepokert, der HSV und auch Berg haben verloren.
    Sicher hat der Marcus nicht alles richtig gemacht, doch wirklich viele Chancen hat er ja auch nicht bekommen.
    Also, viel Glück Marcus, werde glücklich in Athen und alles Gute zur Geburt Deines Kindes!

  4. Die Aktion „Schlüsselbeinbruch beim Versuch eines Fallrückziehers“ hatte ich schon total vergessen. Aber ja, ich weiß noch, wie wir nach der Verpflichtung damals in einer kleinen Runde diskutierten. Kann er sich durchsetzen? Ist vor allem der HSV der richtige Verein? Wobei letzte Frage ja auch irgendwie auf alle Vereine und bei jedem neuen Spieler zutrifft. Da weiß man nie… Doch wenn man nach der erfolgreichen U21-EM damals die Chance hat, ihn zu verpflichten.
    Allerdings: 2 Mio.?? Das wusste ich nicht und scheint mir dann doch etwas unsachlich :)

    • Das ist ja eines der großen Probleme des HSV: Er schmeißt mit Geld um sich. Wahrscheinlich hätte man Berg damals sonst nicht bekommen. Nun ja, das Kapitel ist ja nun beendet.

      • Wir dagegen müssen Spieler wie Kevin Volland für 700.000 Euro abgeben, weil zu der Zeit (Anfang 2011) jeder Cent zählte. Heute, nur zwei Jahre (!) später, beträgt sein Marktwert bereits 9 Mio!! Ich könnte… aber lassen wir das.

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