Für eine halbe Stunde Fan von Heiner Bremer*

Im zehnten Teil meiner kleinen Bundesligapausenüberbrückungsserie widme ich mich diesmal einem ganz besonderen Verein. Das Wort „besonders“ muss ja nicht immer zwangsläufig positiv behaftet sein.

Ich stelle mir vor, wie es gewesen wäre, wäre ich Fan von Heiner Bremer gewesen. Ihr wisst schon: von diesem Verein mit den Trikots in dieser bemerkenswerten Farbe, meiner 32-liebsten Farbe Grün. Geht das überhaupt? Nun ja, ich versuche es:

Zunächst einmal ging die Saison ja noch ganz gut los: Im Feindesland, um genauer zu sein: im Volkspark, gewann Bremen nach Siegen gegen den FC Bayern und Borussia Dortmund den prestigeträchtigen „Liga total! Cup“. Gegen den HSV wurde nicht gespielt, dennoch war dies auch ein wenig ein Triumph über den ungeliebten Nordrivalen, fand das Turnier doch in dessen Zuhause statt.

Danach allerdings gab es kaum noch Grund zum Feiern.

Im Vorwege der Saison prognostizierten einige der jungen Bremer Mannschaft eine rosige Zukunft. Nun, zumindest in der abgelaufenen Saison hat diese noch nicht begonnen. Spieler wie Füllkrug, Ekici, Bargfrede, Akpala, Trybull, Kroos und Hartherz konnten die in sie gesetzten Hoffnungen und Erwartungen nicht erfüllen; teils – das sei ihnen zugute gehalten – wegen Verletzungen unterschiedlicher Ausmaße. Andere wiederum enttäuschten auch im topfitten Zustand maßlos: Arnautovic und Elia seien hier genannt. Gab es das in der Bremer Bundesligahistorie eigentlich schon mal, dass Spieler wegen vereinsschädigen Verhaltens suspendiert wurden?

Im gesamten Saisonverlauf hatte ich sehr selten das Gefühl, dass eine Mannschaft auf dem Platz steht, die diesen Namen verdient. Die Bremer Großfamilie, die mannschaftliche Geschlossenheit, die Heiner jahre- wenn nicht jahrzehntelang ausgemacht hatte: weg. Leitwölfe wie Tim Rasen, Naldo und Claudio Pizarro hinterließen eine zu große Lücke und wurden nicht adäquat ersetzt.

Sicher, es gab auch Spieler, die sich positiv hervorhoben. Nils Petersen zum Beispiel, der wegen fehlender Anspiele oftmals einen schweren Stand hatte und trotzdem das Beste, sprich: elf Tore, gemacht hat. Kevin de Bruyne, den ich für einen der besten Bundesliga-Akteure der abgelaufenen Saison halte, der allerdings kaum eine Gelegenheit ausließ zu betonen, dass er so gar keinen Bock auf den Verein hat. Aaron Hunt natürlich, der endlich einmal bewiesen hat, dass er keine starken Leute neben sich braucht um zu glänzen. Und Sokratis, der einzige Lichtblick in der löchrigen Abwehr. Insgesamt konnten aber auch sie nichts daran ändern, dass der SVW die mit Abstand schlechteste Saison seit vielen Jahren ablieferte.

Das fing schon in der 1. Runde des DFB-Pokals an. Preußen Müster, sicherlich ein unangenehmes Los. Dennoch sollte man sich als Bundesligist in einem Duell gegen einen unterklassigen Gegner durchsetzen. Und keine vier Tore kassieren. (Lustig, dass ich diese Sätze auch hätte schreiben können, wäre es um den HSV gegangen.)

In der Bundesliga lief es zwei Spieltage lang nach Plan: Gegen Borussia Dortmund kann man verlieren, und der Heimsieg gegen den HSV durfte vollkommen zurecht bejubelt werden. Beim 2:0 gegen die Rothosen war Bremen die klar bessere Mannschaft. Danach allerdings ging es im Grunde nur noch bergab. Im gesamten Saisonverlauf schaffte es Bremen nicht ein einziges Mal, einen Europapokalplatz zu belegen (sieht man einmal davon ab, dass es viermal Siebter war und dieser Rang bei entsprechender Konstellation eventuell zum Einzug in die Europa League gelangt hätte.). Die letzten neun Spiele dümpelte Bremen auf Rang 14 herum. Folgerichtig verpasste Bremen zum dritten Mal hintereinander den Einzug ins internationale Geschäft. Und, nicht minder schlimm: Die aktuelle „Ewige Tabelle“ im kicker, die ja gerade in Jahren ohne Titelgewinne (beim HSV sind jetzt schon achichweißgarnichtwievieleJahre, und in Bremen wurde ja auch länger nichts mehr gewonnen) gern herangezogen wird, weist nur noch kümmerliche drei Punkte Vorsprung auf den HSV auf. Prognose: Spätestens nach fünf Spieltagen sind wahrscheinlich auch diese nicht mehr da.

Neben der sportlichen Misere bröckelte es auch gewaltig an der Funktionärsfassade: Klaus Allofs verabschiedete sich trotz zahlreicher Dementi und Liebesbekenntnisse Richtung Bremen noch im November nach Wolfsburg. Nach Wolfsburg! Und auch Thomas Schaaf, der die Geschicke seit 14 Jahren als Cheftrainer leitete, hielt es in Bremen nicht bis zum Saisonende aus: Nachdem der Klassenerhalt gesichert am 33. Spieltag war (!), verließ er den Laden einen Tag später. Den Bremer Neuaufbau soll der Mitte Februar installierte neue Sportdirektor Thomas Eichin vollziehen, der – man höre und staune – genauso viele Siege mit Werder wie Bundesligatore als Spieler vorweisen kann: genau NULL. Mein Tipp an Herrn Eichin: Holen Sie Verteidiger. Davon liefen viel zu wenige herum (auch w´hier wieder ein erstaunliche Parallele zum HSV).

Fazit: Die sportliche Offenbarung und die Wechsel in der Führungsriege waren zwei dicke Nackenschläge. Deshalb wäre ich als Bremen-Fan nie und nimmer zufriedener gewesen als als HSV-Fan. Schon gar nicht in diesem hässlichen Stadion. ;-)

Wenn ich eines anmerken darf: Die Derbys gegen Bremen gehören für mich als HSV-Fan zur Bundesliga. Und ich kenne einige Bremer Fans, die ich durchaus nett und sympathisch finde. Deshalb wünsche ich Euch da drüben an der Weser zwar keinen großartigen Erfolg, möchte aber, dass Ihr stets in der Liga bleibt. Wir brauchen Euch.

Aktuell:
1. FC Nürnberg > HSV
FC Augsburg > HSV
HSV > Borussia Mönchengladbach
Bayer Leverkusen > HSV
HSV > VfL Wolfsburg
HSV > Hannover 96
Schalke 04 > HSV
HSV > Borussia Dortmund
HSV > Fortuna Düsseldorf
HSV > SpVgg Greuther Fürth
HSV > Heiner Bremer

Hier noch einmal die Links zu meinen bisherigen Fanstationen:
1. FC Nürnberg
Borussia Mönchengladbach
FC Augsburg
Bayer Leverkusen
VfL Wolfsburg
Hannover 96
Schalke 04
Borussia Dortmund
Fortuna Düsseldorf
SpVgg Greuther Fürth

(*In loser Reihenfolge frage ich mich seit ein paar und in den nächsten Wochen, ob ich als Fan jeweils eines anderen Vereins zufriedener mit dem Saisonverlauf “meines” Teams gewesen wäre.)

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8 Gedanken zu “Für eine halbe Stunde Fan von Heiner Bremer*

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