Für eine halbe Stunde Fan von Borussia Dortmund*

Eigentlich liest sich das Ganze ja gar nicht so schlecht: Vizemeister, 19 Siege, nur sechs Niederlagen, 81 erzielte Tore. Betrachtet man diese Daten etwas genauer, merkt man: Die Bayern waren jedesmal besser. Es ist ein bisschen so wie bei „Hase und Igel“: Ick bün all dor. Die Münchner wurden Meister, holten 29 Siege, kassierten nur eine Niederlage, schossen 98 Tore – das dürfte sowohl die Dortmunder Offiziellen als auch Fans mächtig gewurmt haben. Zumindest hätte es mich gewurmt, wäre ich in der abgelaufenen Saison Fan der Borussia gewesen.

Zwei Jahre hintereinander wurde der BVB Meister – das hat offensichtlich nicht nur Positives bewirkt. Im Gegenteil: Siege wurden selbstverständlich, und lief es einmal nicht so gut, verloren die Akteure und Funktionäre gern mal ihre Souveränität und Lockerheit. Spitzen aus München etwa wurden nicht weggelächelt oder ignoriert, sondern man rieb sich an ihnen und schenkte ihnen viel zu viel Aufmerksamkeit. So verlor man auch den Blick für das Wesentliche. Darüber hinaus hatte ich den Eindruck, als wolle sich der Großteil der Spieler positionieren, seinen Claim innerhalb des Gefüges abstecken – und zwar oftmals einen zu großen. Das, was die Mannschaft zwei Jahre lang auszeichnete, habe ich heuer oft vermisst: die Geschlossenheit, das musketiereske „Alle für einen, einer für alle“. Persönliche Animositäten standen zu oft im Vordergrund.

Daraus resultierte eine Saison, die keinen so recht zufrieden stellen konnte. Wie oben erwähnt: Egal wo Dortmund hinwollte, die Bayern, die man rund zwei Jahre teils hochnäsig belächelte, waren schon da. Selbst im Finale der Champions League gab es nichts zu ernten. Zwar hielt der BVB dort lange Zeit gut mit und erspielte sich gerade in der Anfangsphase gute Chancen – letztlich siegte jedoch die mit einem Quentchen Glück gepaarte Cleverness der Münchner. Am Ende einer kraftraubenden Saison stand Borussia Dortmund mit Bundesligaplatz zwei und der CL-Finalteilnahme da – nach dem in den Jahren zuvor aufgestellten Maßstab also mit: nichts. Second Place, first Looser. (Es mag sein, dass auf mich nun ein Shitstorm allererster Güte herniederprasselt. Ich sehe es dennoch so – erst Recht, wenn ich Dortmund-Fan gewesen wäre. Und ich kann es mir auch kaum vorstellen, dass es auch nur einen BVB-Anhänger gibt, der sich über das Erreichte tatsächlich von Herzen gefreut hat. Zweifelsohne gab es Highlights wie die Spiele gegen Malaga und Madrid. Am Ende zählt jedoch nur das Ergebnis.)

Neben der sportlichen Ernüchterung gibt es noch einen zweiten, entscheidenden Faktor, warum ich als Dortmund-Fan nicht zufriedener gewesen wäre als als HSV-Fan: den Trainer. Jürgen Klopp geht mir auf den Geist. Und zwar seit Jahren. Er ist ein ausgewiesener Fachmann – man wird nicht einfach mal so zweimal in Folge Meister – und ein großartiger Motivator. Seine Fähigkeiten als Trainer stehen außer Frage. Den Menschen Jürgen Klopp indes kann ich immer schwerer ertragen. Diese wilden Gesten am Spielfeldrand, diese übertriebenen Becker-Fäustchen nach jedem Tor, dieser Umgang mit den vierten Schiedsrichtern, diese Ich-weiß-alles-besser-als-Du-und-nehme-Dich-nicht-für-voll-Mentalität gerade nach Niederlagen, eigentlich aber immer – ich glaube, der Erfolg ist ihm zu Kopf gestiegen. Das ist sehr schade, denn Klopp war mal ganz anders. Vielleicht macht ihn die Analyse dieser Saison ein wenig demütiger.

Nein, liebe Borussia, diese Saison war – gemessen an den Erwartungen – nichts.

Aktuell:
1. FC Nürnberg > HSV
FC Augsburg > HSV
HSV > Borussia Mönchengladbach
Bayer Leverkusen > HSV
HSV > VfL Wolfsburg
HSV > Hannover 96
Schalke 04 > HSV
HSV > Borussia Dortmund

Hier noch einmal die Links zu meinen bisherigen Fanstationen:
1. FC Nürnberg
Borussia Mönchengladbach
FC Augsburg
Bayer Leverkusen
VfL Wolfsburg
Hannover 96
Schalke 04

(*In loser Reihenfolge frage ich mich seit ein paar und in den nächsten Wochen, ob ich als Fan jeweils eines anderen Vereins zufriedener mit dem Saisonverlauf “meines” Teams gewesen wäre.)

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12 Gedanken zu “Für eine halbe Stunde Fan von Borussia Dortmund*

  1. Also als Fan von Borussia Dortmund kann ich dir sagen: Ich bin aus tiefster Überzeugung mit der Saison sehr zufrieden. :-)
    Ich bin stolz darauf, dass wir international so stark waren, Bewunderung aus ganz Europa erhalten haben und uns zum dritten Mal direkt für die Champions League qualifizieren konnten. Den anderen BVB-Fans, die ich kenne, geht es übrigens genauso.
    Ja, die Bayern waren besser. Die haben eine Jahrhundertsaison gespielt und waren auch besser als der FC Barcelona. Das kann für uns kein Maßstab sein. Aber nach den Bayern kamen in dieser Saison direkt wir.
    Trotzdem gibt es zwei Punkte, in denen ich dir Recht gebe:
    Deine Eindrücke zur mannschaftlichen Geschlossenheit in dieser Saison und zu den Reibereien mit den Bayern teile ich. Zum letzteren hätte ich mir von unseren Verantwortlichen mehr Coolness gewünscht. Das kann allerdings mein Saisonfazit nicht negativ beeinflussen.

    • Ich danke Dir, Christian.

      Wie ich gestern Abend schon einigen anderen BVB-Fans sagte: Ich bin natürlich nicht ansatzweise so dicht dran wie Ihr. Deshalb sehe ich es auch als „Fan“ immer noch etwas objektiver. Dass ich wohl nicht ganz falsch liege, zeigten mir schon die eine oder andere Reaktion aus dem Dortmunder Fanlager.

      Meine kleine Serie ist im Grunde nur als Rückschau gedacht. Nur wollte ich einen anderen Ansatz finden, also habe ich mir den Spaß erlaubt, die abgelaufene Saison immer aus der Fansicht zu schreiben. Und Du weißt: es gibt solche und solche Fans. :-)

      Mir war klar, dass ich nicht alle Leser restlos begeistern werde, aber das ist ja auch vollkommen in Ordnung so. Ich hoffe, es ist mir kein BVB-Fan böse. Wenn doch, muss ich damit leben. Letztlich freue ich mich darüber, dass meine Texte Reibung erzeugen und ein Austausch stattfindet.

      Deshalb auch Dir nochmals vielen Dank für Deine Zeilen, die mir helfen, den BVB und seine Fans besser zu verstehen.

  2. „Und ich kann es mir auch kaum vorstellen, dass es auch nur einen BVB-Anhänger gibt, der sich über das Erreichte tatsächlich von Herzen gefreut hat.“

    Sollte diese tausendfach existierende Freude von Herzen deine Vorstellungskraft übersteigen, tut es mir Leid. Da habe ich ganz anderes erlebt. Diese Champions League Saison kann uns keiner mehr nehmen, auch wenn am Ende kein Titel stand. Mir geht steigt immer noch das Grinsen ins Gesicht, wenn ich an dieses oder jenes Spiel denke.

    „Zweifelsohne gab es Highlights wie die Spiele gegen Malaga und Madrid. Am Ende zählt jedoch nur das Ergebnis.“

    Solche Fans gibt es sicher zu genüge. Für viele viele andere zählt aber am Ende, Gott sei Dank, nicht nur das Ergebnis.

    Und zu deiner Kritik an Klopp kann ich nur sagen: Geschmackssache. Wenn er dir nicht passt ist das ok – mir aber egal.

    Alles in allem gefällt mir dieses Format ehrlich gesagt nicht besonders. Ich als Schwatzgelber werde weder informiert, noch unterhalten. Eines von beidem sollte es schon sein. Die Idee an sich finde ich zwar nicht schlecht, aber auch nicht so gut, ihr nachzugehen. Ich verstehe auch nicht ganz, welche Zielgruppe du ansprechen willst. Nichts für ungut, du hast es versucht und mir gefällts eben nicht.

    Ich wünsch dir was und dem HSV ein bisschen mehr Fußball und etwas weniger Drumherum nächste Saison.

    Christian

    • Hallo Christian,

      vielen Dank für Deinen Kommentar.

      Es liegt in der Natur der Sache, dass viele BVB-Fans mit diesem Text nicht sonderlich gut klar kommen. Man neigt im allgemeinen ja dazu, alles vornehmlich durch die Vereinsbrille zu sehen. Das ist vollkommen in Ordnung. Grob ist es so, dass ich viele positive Reaktionen auf Einträge bekomme, bei denen der jeweils andere Verein gut wegkommt. Analog dazu eher negative, wenn ich die Saison schlechter bewerte.

      Jeder darf und soll seine Meinung haben und diese auch frei äußern. Nichts anderes hast Du getan, und ich im übrigen auch nicht. Natürlich polarisiere ich gern auch mal. Ein bisschen Reibung möchte ich schon erzeugen.

      Du fragst Dich nach dem Sinn dieser Serie? Und wen ich damit ansprechen will? Und bemängelst, dass Du Dich weder unterhalten noch informiert fühlst?
      Der Grund, warum ich blogge, ist der: ich habe Spaß daran. Und die Serie ist eine bloße Art der Überbrückung der Wartezeit auf die neue Saison. Ansprechen möchte ich damit niemanden besonderes, wenn sich aber doch der eine oder andere Leser hierhin verirrt, habe ich natürlich nichts dagegen. Dass Du Dich nicht unterhalten und informiert fühlst ist zwar schade, aber nicht zu ändern. Ich kann es leider nicht jedem Recht machen; die Reaktionen anderer Leser zeigen mir, dass es auch andere Meinungen zu meinem Blog gibt.

      Danke nochmal für Deinen Kommentar und auch für Deine Wünsche in Richtung HSV. Mögen sie wahr werden.

      Sascha

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