Für eine halbe Stunde Fan vom VfL Wolfsburg*

Felix Magath, die Stadt Wolfsburg, Diego – das sind nur einige der Gründe, die es mir im Rückblick unheimlich schwer machen, Fan des VfL Wolfsburg zu sein. Und wenn es nur für eine halbe Stunde ist.

Der in die Saison gestartete Trainer der Wolfsburger ist ein fleischgewordener Running Gag. Überall, wo er ist, findet ein Umbruch statt, werden aktuelle Spieler fast wahllos aussortiert und neue dazugeholt. In der Saison 2011/12 ließ Felix Magath im Februar mit Ibrahim Sissoko den 36. Spieler ran. Damit knackte der Coach seinen eigenen, 2001 in Frankfurt aufgestellten Rekord. Vor der abgelaufenen Saison verließen schon wieder 18 Spieler den Verein, im Winter weitere acht. Neuzugänge: Acht, und bei zehn Akteuren liefen die Leihverträge aus, so dass diese ebenfalls wieder zurück nach Wolfsburg mussten (teilweise wurden diese sofort wieder an andere Vereine weitervergeben). Als Wolfsburg-Fan muss man sich halt darauf einstellen, dass keiner der Spieler eine goldene Ehrennadel für besonders lange Vereinszugehörigkeit bekommen wird.

Dass fehlende Kontinuität sich auf die Leistung niederschlagen kann, ist bekannt (unabhängig davon, dass es kaum eine Identifikation geben kann). Und siehe da: Der VfL Wolfsburg war das viertschwächste Team der Hinrunde, holte magere 19 Zähler. Als die Hinrunde beendet war, war Magath übrigens schon längst weg: Er wurde Ende Oktober aus allen Ämtern, die er bekleidete, entlassen.

Und so sehr ich Entlassungen – zumal während der Saison – missbillige: Kurioserweise ist die Trennung von Magath in meinen Augen der einzige Grund, warum ich noch einen Restfunken Hoffnung für Wolfsburg habe. Als Nachfolger auf dem Trainerposten konnten die Niedersachsen – nach einer kurzen Übergangsphase mit Lorenz-Günther Köstner – nämlich Dieter Hecking gewinnen, der aus dem zusammengewürfelten Haufen versuchte, eine halbwegs anständige Truppe zu basteln. Mit Erfolg: Die Rückrunde verlief deutlich besser als die Hinrunde, zudem setzte Hecking in der Schlussphase der Saison auf Spieler wie Robin Knoche und Maximilian Arnold. Das lässt für die Zukunft hoffen.

Was allerdings absolut gegen eine rosige Zukunft spricht, ist Klaus Allofs. Ich weiß nicht, welcher Teufel die Verantwortlichen geritten hat, sich Allofs anzutun. Vielleicht dachte man ja, dass mit ihm wieder so etwas wie die oben erwähnte fehlende Kontinuität zurückkommt (wenn sie denn jemals da war). Immerhin ist er ja dafür bekannt, besonders lange an wem auch immer festzuhalten. Sein Riecher für gute Spieler kann es jedenfalls nicht gewesen sein – den hat er vor Jahren längst in Bremen verloren. Wurde früher alles, was Allofs angefasst hat, zu Gold, hat er in den vergangenen Jahren überwiegend Flops produziert. Stellvertretend hierfür seien die Namen Sanogo, Mosquera, Moreno, Carlos Alberto, Wesley, Silvestre, Avdic und Ekici erwähnt. Oh, und danke an @herzi, der mich auf das Fehlen einer ganz besonderen Granate aufmerksam machte: Elia. Und um nicht nur über seine Bremer Zeit zu sprechen: Sein erster Transfer für den den VfL Wolfsburg – Ivan Perisic – schlug nicht gerade ein. Immerhin: Daniel Caligiuri, der für die neue Saison vom SC Freiburg geholt wurde, ist so schlecht nicht.

Nicht weniger als 13 Spieler kommen auch zur neuen Saison wieder von ihren Leihstationen zurück. Somit würden sich, Stand jetzt, 45 Spieler im Wolfsburger Kader befinden. Elf Freunde müsst Ihr sein.

Aber ich schweife ab, denn eigentlich sollte es ja um die vergangene Saison gehen. Ab dem 25. Spieltag blieb Wolfsburg zehn Spiele hintereinander ungeschlagen. Chapeau. Hier trug die Arbeit Heckings offenbar erste Früchte. Dass man zwischenzeitlich im Pokalhalbfinale mit 1:6 gegen die Bayern verlor, tut der Sache keinen Abbruch. Schlecht war hierbei allerdings, dass es in dieser Serie viel zu viele Unentschieden gab: sieben, um genau zu sein. Überhaupt waren die Wolfsburger die Remiskönige der Liga: 13mal gab es eine Punkteteilung.

Deshalb – und weil der VfL so unsagbar heimschwach war, wurde das Saisonziel „Internationaler Wettbewerb“ mehr als deutlich verpasst: Am Ende sprang gerade mal Platz elf heraus, mit acht Punkten Rückstang auf Rang sechs. Nein, nein, nein. Als Wolfsburg-Fan wäre ich in dieser Saison auf keinen Fall glücklicher gewesen als als HSV-Anhänger.

Aktuell:
1. FC Nürnberg > HSV
FC Augsburg > HSV
HSV > Borussia Mönchengladbach
Bayer Leverkusen > HSV
HSV > VfL Wolfsburg

Hier noch einmal die Links zu meinen bisherigen Fanstationen:
1. FC Nürnberg
Borussia Mönchengladbach
FC Augsburg
Bayer Leverkusen

 

(*In loser Reihenfolge frage ich mich seit ein paar und in den nächsten Wochen, ob ich als Fan jeweils eines anderen Vereins zufriedener mit dem Saisonverlauf “meines” Teams gewesen wäre.)

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11 Gedanken zu “Für eine halbe Stunde Fan vom VfL Wolfsburg*

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