Für eine halbe Stunde Fan von Borussia Mönchengladbach*

Wäre ich in der abgelaufenen Saison Fan der Gladbacher gewesen, ich wäre wohl erstmal mit einer großen Portion Euphorie ins Spieljahr gestartet: Nach ichweißnichtwievielen Jahren durften die Fohlen endlich mal wieder international ran. In der Europa League, um genau zu sein.

Die große Frage, die ich mir gestellt hätte, wäre diese: Wie würden sie dieser Dreifachbelastung standhalten, zumal der mit Abstand wichtigste Spieler den Verein verließ? Seit dem Ende der Saison kenne ich die Antwort: Gar nicht.

Im DFB-Pokal erreichte Gladbach nur die 2. Runde. Fortuna Düsseldorf – ja, die Fortuna, die am Ende sang- und klanglos aus der Liga abstieg – erwies sich für die Fohlen als zu großes Hindernis. Nun ja. (Im Vergleich zum HSV, der in Runde eins am KSC scheiterte, ist das natürlich super.)

Auch der Start in die Liga verlief alles andere als berauschend: Sechs Punkte aus den fünf Partien gegen Hoffenheim, Düsseldorf, Nürnberg, Leverkusen (immerhin ein 1:1) und Hamburg – da dürften sich die Gladbacher mehr erhofft haben. Die gesamte Saison über kam die Borussia eigentlich kaum aus dem Quark und blieb weitestgehend unter ihren Möglichkeiten. Nicht selten fragte ich mich, ob sich der Trainer Lucien Favre, der in der Saison zuvor noch alle begeistert hatte, nicht eventuell abgenutzt hätte. So wie seinerzeit in Berlin. Inzwischen fürchte ich: ja. Zu selten hat er es geschafft, optimale Leistungen aus Spielern wie Patrick Herrmann, Juan Arango oder auch Granit Xhaka und Tony Jantschke herauszukitzeln. Am Ende landete Gladbach sogar hinter dem HSV – nur einen Platz, aber immerhin.

Bleibt die Europa League der internationale Wettbewerb. In der Champions-League-Quali scheiterte Gladbach an Dynamo Kiew, die Gruppenphase der Europa League wurde souverän und mit teils sehr ansehnlichem Fußball, auf jeden Fall aber ahnsehnlichen Ergebnissen gemeistert. Doch schon in der ersten K.o.-Runde folgte die Ernüchterung: Statt vom Finale oder zumindest der nächsten Runde träumen zu dürfen, mussten die Fans mitansehen, wie ihre Elf von Lazio Rom dominiert und aus dem Wettbewerb gekegelt wurde – einer Mannschaft, die es selbst nur bis ins Viertelfinale des „Cups der Verlierer“ geschafft hat. Schade.

Fazit: Nein, ich wäre nicht glücklicher gewesen, wenn ich in dieser Saison Gladbach- statt HSV-Fan gewesen wäre. Ich hätte Marco Reus nachtrauern müssen und meine Erwartungen, die ich an die Mannschaft gerichtet hätte, wären nicht erfüllt worden. Zumindest Letzteres kann ich auch in Hamburg haben.

Aktuell:
1. FC Nürnberg > HSV
FC Augsburg > HSV
HSV > Borussia Mönchengladbach

(*In loser Reihenfolge werde ich mich in den nächsten Wochen fragen, ob ich als Fan jeweils eines anderen Vereins zufriedener mit dem Saisonverlauf “meines” Teams gewesen wäre.)

Advertisements

14 Gedanken zu “Für eine halbe Stunde Fan von Borussia Mönchengladbach*

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s