Für eine halbe Stunde Fan vom FC Augsburg*

Der zweite Teil meiner kleinen Bundesligarückschau führt mich nach Augsburg. Für einen Aufsteiger – und als HSV-Fan weiß ich leider nicht aus eigener Erfahrung, wie es ist, ein solcher zu sein – gilt ja: Die zweite Saison ist immer die schwierigste. 

Insofern wussten Fans und Verantwortliche des FC Augsburg, was auf sie zukommen würde. Zumindest die Verantwortlichen haben dies zunächst wohl aber unterschätzt. Als namhafteste Neuzugänge vermeldeten die Fuggerstädter im Sommer des vergangenen Jahres Andreas Ottl und Aristide Bancé. Während Ottl für Sicherheit im defensiven Mittelfeld sorgen sollte, war es Bancés Aufgabe, Sascha Mölders im Sturm zu unterstützen. Ich meine: Beides ging grandios in die Hose. Ottl kam nur 13-mal zum Einsatz, mit teils unterirdischen Leistungen wie gegen Bayer Leverkusen oder Eintracht Frankfurt. Und Bancé? Tja, der bestritt immerhin 18 Partien. 14 davon als Einwechselspieler. Ergebnis: Null Tore. Die Folge dieser fehlerhaften Transferpolitik: Hinrundenplatz 17 mit nur neun Pünktchen.

Im Winter zeigte sich dann, dass der FC Augsburg seinen Riecher für Verstärkungen doch nicht verloren hatte: Der vereinslose, österreichische Torwart Alex Manninger wurde ebenso unter Vertrag genommen wie Dong-Won JI, der für eine Minileihgebühr von 50000 Euro aus Bournemouth losgeeist wurde.

Zwei absolute Glücksgriffe. Mit nur 17 Gegentoren in zwölf Partien war Manninger ein exzellenter Rückhalt seiner Mannschaft, und der koreanische Stürmer Ji begeisterte die Fans mit einem hohen Laufpensum, viel Engagement und fünf Toren in 17 Spielen. Diese beiden Spieler hatten maßgeblichen Anteil daran, dass der FC Augsburg in der Rückrunde die siebtbeste Mannschaft der Liga war. Ich bin ein wenig geneigt, von einem van-der-Vaart-Effekt zu schreiben. Zwar hatte das Duo beim FC Augsburg nicht den Stellenwert, den der Niederländer beim HSV hat, doch zogen sich die übrigen Spieler an den Leistungen der beiden ebenso hoch wie die des HSV an der Anwesenheit van der Vaarts und zeigten, was zu leisten sie imstande sind. Am Ende sprang deshalb eine Punktlandung heraus, in Form von 33 Punkten und des Erreichens von Platz 15 am allerletzten Spieltag.

Wäre ich nun zufriedener gewesen, wenn ich kein HSV-, sondern Augsburg-Fan gewesen wäre?

Ja. Aus einem ganz einfachen Grund. Aus sportlicher Sicht haben zwar beide Klubs ihre Ziele erreicht. Doch die Entscheider in Augsburg gingen absolut souverän mit ihrem Personal um, ließen den neuen Sportchef Stefan Reuter in Ruhe wirken und wurden auch in der Trainerfrage nicht nervös, als die Schlinge des Abstiegs sich immer enger um den Hals zu wickeln schien, sondern vertrauten Markus Weinzierl. So einen Umgang mit dem Führungspersonal wünsche ich mir in naher Zukunft auch mal in Hamburg.

Aktuell:
1. FC Nürnberg > HSV
FC Augsburg > HSV

(*In loser Reihenfolge werde ich mich in den nächsten Wochen fragen, ob ich als Fan jeweils eines anderen Vereins zufriedener mit dem Saisonverlauf “meines” Teams gewesen wäre.)

Advertisements

12 Gedanken zu “Für eine halbe Stunde Fan vom FC Augsburg*

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s