Für eine halbe Stunde Fan vom 1. FC Nürnberg*

Nein, es ist nicht leicht, HSV-Fan zu sein. Ich möchte gar nicht näher darauf eingehen – warum dies so ist, weiß jeder. Und falls nicht: Als Stichworte mögen die Begriffe „Sportdirektorensuche“ und „Aufsichtsrat“ dienen, und sollten diese nicht reichen, nehme man „zu hohe Erwartungshaltung seitens der Verantwortlichen“ oder einfach nur „Trainer“ hinzu. Das eine oder andere Mal habe ich mir in den vergangenen Wochen die Frage gestellt, warum ich denn ausgerechnet Fan dieses Vereins sein muss.

Was wäre, wenn ich beispielsweise Fan des 1. FC Nürnberg wäre? Wäre ich in dieser Saison zufriedener gewesen?

Über den Auftritt im DFB-Pokal hätte ich mich nicht weniger geärgert als über die HSV-Blamage gegen den Drittligisten KSC: Der Club schied in Runde eins gegen den Regionalligisten TSV Havelse aus.

Immerhin hätte es einen guten Start in die Bundesligasaison gegeben: Der HSV wurde mit 1:0 aus dem Stadion gefegt. Und zwar aus seinem eigenen. Überhaupt war Nürnberg in dieser Serie auswärtsstark: Siege auf Schalke, in Mönchengladbach, Augsburg, Düsseldorf und eben beim HSV sowie fünf Remis, u. a. in Frankfurt, sorgten für 15 genügend Punkte und Zufriedenheit mit der Bilanz auf fremdem Terrain.

Auch daheim lief es gut: Insgesamt 27 Punkte in 17 Spielen können sich für eine Mannschaft wie den 1. FC Nürnberg, dessen oberste Prämisse es war, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, sehen lassen. Zwischenzeitlich schnupperten die Franken sogar ganz zart an der Europa League. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Dies ist sogar noch höher zu bewerten, wenn man sich vor Augen hält, dass sich der langjährige Cheftrainer Dieter Hecking kurz vor Weihnachten in Richtung Wolfsburg verabschiedete und durch den bundesligaunerfahrenen Michael Wiesinger ersetzt wurde. Die Notlösung entpuppte sich als Glücksfall. Wiesinger holte insgesamt 24 der 44 Punkte und hatte somit maßgeblichen Anteil an einer gelungenen Saison, die wie erwähnt sogar noch besser hätte werden können, wenn es da nicht diese kleine Schwächeperiode zum Ende der Saison gegeben hätte. Die Spiele 29 bis 32 gingen allesamt verloren.

Das große Problem der Nürnberger war ihre Offensivschwäche. Dass mit Per Nilsson ein Defensiver die meisten Tore, nämlich sechs, erzielte, sagt alles. Insgesamt trafen die Clubberer nur 39-mal – da muss man froh sein, dass die Abwehr einigermaßen hielt. Es gab nur 47 Gegentore. Am Ende sprang Platz zehn heraus, so wie im Jahr zuvor.

Fazit: Der 1. FC Nürnberg hat aus seinen wenigen Möglichkeiten mehr herausgeholt als von mir erwartet und lavierte sich mehrfach aus Tälern heraus. Am Ende landete er sogar weiter oben als ich ihn erwartet hätte. Ich wäre als Fan des 1. FC Nürnberg definitiv zufriedener gewesen als ich es als HSV-Fan bin.

Aktuell:
1. FC Nürnberg > HSV

(*In loser Reihenfolge werde ich mich in den nächsten Wochen fragen, ob ich als Fan jeweils eines anderen Vereins zufriedener mit dem Saisonverlauf „meines“ Teams gewesen wäre.)

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12 Gedanken zu “Für eine halbe Stunde Fan vom 1. FC Nürnberg*

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