Einzelkritik.

Nachdem heute gefühlt schon den gesamten Tag lang über Frank Arnesen spekuliert wurde, eine offizielle Stellungnahme des HSV aber meines Erachtens noch aussteht, möchte ich mal davon ablenken und etwas ganz anderes machen. (Natürlich komme ich nicht drum herum, ein paar Worte über FA zu verlieren. Aber nur ganz wenige.) Deshalb dies:

Die Saison ist beendet – zumindest für den HSV. Höchste Zeit, die abgelaufene Spielzeit Paroli laufen zu lassen.

Mit Platz sieben bin ich zufrieden. Klar habe ich zwischenzeitlich Rechenexempel statuiert, nach denen wir sogar die Europa-League-Quali geschafft hätten. Nach Auftritten wie gegen Greuther Fürth, Augsburg etc. bin ich jedoch froh, dass es damit in dieser Saison noch nichts geworden ist.

Kommen wir zur Einzelkritik aller eingesetzten Spieler sowie des Trainers und des Sportchefs.

René Adler (32 Spiele / 32-mal von Beginn an / 0 Tore):
Der beste Spieler der Saison. Ungezählte Paraden, tolles Stellungsspiel, Fels in der Brandung. Die Fünf auf dem Rücken sollte ihm entzogen werden, er ist die klare Nummer eins. Für mich inzwischen sogar deutschlandweit.

Jaroslav Drobny (2/2/0):
Fraglos der beste zweite Keeper der Bundesliga. Er wäre bei vielen anderen Klubs Stammtorwart. Einzigartige Reflexe, toller Teamplayer.

Dennis Diekmeier (32/31/0):
Ein rechter Verteidiger wird er nicht mehr. Hat Glück, dass es in der Abwehr an Alternativen mangelt. Die Frage ist: Wo könnte er sonst spielen? Im rechten Mittelfeld eventuell, aber auch dort wäre er in meinen Augen nicht erste Wahl. Ich halte ihn für verzichtbar.

Jeffrey Bruma (18/10/1):
Ein Spieler, der sich zu schade ist, sich in der U23 den Allerwertesten aufzureißen. Dafür lässt er den Friseur aus den Niederlanden einfliegen. Muss gehen. Ich wünsche ihm viel Erfolg, wo auch immer.

Michael Mancienne (21/21/0):
Selten habe ich einen Abwehrmann mit einem derart schlechten Stellungsspiel gesehen. Dafür bin ich von seiner Kopfballstärke begeistert. Ich hoffe, dass er – mit Jonathan Tah im Nacken – einen Schub bekommt.

Slobodan Rajkovic (13/6/0):
Ich mag ihn. Solider Spieler, der mich nicht enttäuscht hat, wenngleich er immer mal für einen zu kurzen Rückpass oder ein Sahneanspiel in des Gegners Fuß gut ist. Hoffentlich bekommt er eine faire Chance.

Paul Scharner (4/1/0):
Ein Typ, wie es ihn beim HSV viel zu selten gibt. Toll: sein Einsatz in den Spielen für die U23. Vollprofi.

Heiko Westermann (34/34/3):
Ich bin kein Fan unseres Exkapitäns. Aus seinen körperlichen Voraussetzungen macht er viel zu wenig. Und seine Querpässe sind katastrophal. Dennoch möchte ich ihn für seinen unermüdlichen Einsatz loben, gerade nach der Abgabe der Binde.

Dennis Aogo (27/22/2):
Auf der Linksverteidigerposition so la la, im Mittelfeld deutlich stärker, sogar torgefährlich. Dennoch immer noch viel zu unkonstant – was diesmal vielleicht seiner Verletzung geschuldet sein könnte.

Marcell Jansen (28/28/1):
Unser neuer Linksverteidiger ist keiner. Wenn ständig jemand seine Lücken in der Defensive füllen muss, ist niemendem geholfen. So gerät ein ganzes System – wenn man denn eines hat – durcheinander.

Tolgay Arslan (25/19/0):
Für mich eine der wenigen positiven Erscheinungen. Quasi aus dem Nichts gekommen, hat er sich trotz großer Konkurrenz im Mittelfeld behauptet. Nun muss er zusehen, dass er seine Impulsivität im Zaum hält.

Milan Badelj (31/30/1):
Topstratege, Königstransfer, ein ganz wichtiger Mann. Zwischenzeitlich wirkte er leider überspielt, nach seinem Riesentief schafft er es dann nur noch, Leistungen knapp unterhalb seines hohen Niveaus abzurufen. Trotzdem: ein erstklassiger Einkauf.

Tomas Rincon (20/9/0):
Eine Entzündung sorgte dafür, dass er den Saisonstart verpasste. Danach hatte er es schwer, sich in die erste Elf zu spielen. Ich mag seinen Stil und hoffe, dass er in der nächsten Saison mehr Einsätze hat.

Gojko Kacar (3/0/0):
Der Feldspieler mit den wenigsten Einsätzen. Das sagt alles. So sehr, wie ich damals gejubelt habe, dass er gekommen ist, wünsche ich mir, dass er endlich einen neuen Verein findet. Dort möge er glücklich werden.

Ivo Ilicevic (8/4/1):
Er bringt alle Voraussetzungen mit, um ein Top-Profi zu sein. Außer einer: kopfmäßig scheint die Entwicklung irgendwann – viel zu früh – stehengeblieben zu sein. Schade, er vergeudet sein Talent.

Jacopo Sala (8/2/0):
Stillstand bedeutet Rückschritt. Ich habe im Vergleich zur vorherigen Saison nicht den Hauch einer Verbesserung ausmachen können. Leider.

Maxi Beister (23/8/3):
Von ihm habe ich mir zu Saisonbeginn am meisten erhofft. Demzuflge hat er mich auch am meisten enttäuscht, vor allem dank Aktionen wie diesem Kung-Fu-Tritt, der ihm eine meiner Meinung nach zu kurze Sperre eingebrockt hat. Ich glaube aber daran, dass er seine Lektionen gelernt hat und nun weiß, dass die Bundesliga eben nicht mit der 2. Liga zu vergeleichen ist.

Petr Jiracek (13/10/1):
Schlechtere Einstände als seiner beim HSV gibt es wohl kaum. Dennoch: Ich mag seinen Spielstil, freue mich jedesmal, wenn ich seine wehenden Haare sehe, weil er wieder einem gegnerischen Bein entgegen- oder einem aussichtslosen Ball hinterherläuft. Er erinnert mich an den frühen Jens Jeremies („Siehst du die Mittellinie? Kommst du drüber, macht es aua! Hier drüben aua, da drüben gut!“).

Robert Tesche (4/0/0):
Nun ja. Er ging. Er kommt wieder. Vielleicht hat er an Erfahrung gewonnen.

Zhi Gin Lam (4/4/0):
Unermüdlicher Rackerer, der mir bei seinen wenigen Auftritten gut gefallen hat. Allerdings muss auch er – will er endlich den Durchbruch schaffen – eine Schippe drauf packen.

Per Skjelbred (18/15/0):
Unterschätzt. Einer der solidesten Spieler, die wir haben. Wichtig, weil er stets gleichbleibend gute Arbeit abliefert. Noch zu zurückhaltend für das Haifischbecken HSV. Ich hoffe, der Trainer setzt in der nächsten Saison verstärkt auf ihn.

Rafael van der Vaart (27/27/5):
Als Retter und Heilsbringer gefeiert. Ich hatte ab und an das Gefühl, dass das Spiel des HSV ein flüssigeres und unberechenbareres ist, wenn er nicht dabei war. So ein Auge, so eine Schusstechnik und so ein Talent, ein Spiel mit einer Aktion zu entscheiden, sucht man aber sonst beim HSV vergebens.

Heung-Min Son (33/31/12):
Halt, stop: Seine Schusstechnik ist ebenfalls so exzellent wie die von van der Vaart, vielleicht sogar besser. Leider agierte Son oft zu eigensinnig. Klar, als Stürmer muss man eine Portion Eigensinnigkeit mitbringen. Bei ihm sind’s aber eineinhalb Portionen. Hieran muss er arbeiten. Ansonsten: top. Vor allem, wenn man bedenkt, dass er eine Saison zuvor von den Stehplatzkarteninhabern hinterm Tor bei nahezu jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde.

Marcus Berg (11/2/0):
Wer?

Artjoms Rudnevs (34/26/12):
Neben Adler mein Spieler der Saison. Gnadenlos unterschätzt, entwickelte er sich nach nur wenigen Spielen in einer ihm völlig unbekannten Liga zum absoluten Torjäger. Neben Westermann der einzige Spieler, der in allen Begegnungen auf dem Feld war. Unverzichtbar, sowohl für Fink als auch für mich.

Thorsten Fink:
Vielleicht bin ich zu sehr Fußballromantiker, vielleicht verstehe ich nicht so viel vom Fußball wie andere: Ich finde, Fink hat aus wenig viel gemacht und sollte bleiben. Klar machte er auch Fehler – aber diese erdulde ich. Es war sein erstes richtiges Bundesligajahr. Wenn jetzt noch so etwas wie eine Spielidee kommt, die er seinen Spielern vermitteln kann, hat der HSV eventuell noch viel Freude mit ihm.

Frank Arnesen:
Furchtbar, dass er gehen muss. Einer der größeren der vielen, vielen Fehler, die unser Aufsichtsrat in den letzten Jahren begangen hat. Frank Arnesen wurden seine so genannten Flops angekreidet – dass er den HSV mit Abgaben von Töre, Guerrero, Petric teilsaniert hat, wurde verschwiegen. Dass er Adler, Badelj, Jiracek, Rudnevs holte: da will sich keiner der AR-Mitglieder dran erinnern. Arnesen fand einen Haufen Dreck vor und formte daraus einen Miniatur-Goldklumpen. Leider war es kein Riesen-Nugget. So scheiterte er an der Erwartungshaltung der Blender im Aufsichtsrat.

Advertisements

4 Gedanken zu “Einzelkritik.

  1. Also zu Adi Rudnevs muss ich mich ja auch mal äußern, immerhin habe ich wegen ihm (!) mehrere HSV-Spiele angeschaut, die ich sonst wahrscheinlich strike mit Sicherheit ausgelassen hätte. Ein bescheidener, fleissiger Arbeiter, dem ich den Erfolg durchweg gönne. So. Zum Rest sag ich mal lieber nichts, aus braunweißen Gründen ;)

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar, werte Frau Jeky. Ja, so ist Rudnevs. Und ich wünsche mir, dass noch viele weitere seines Schlages beim HSV spielen werden.

  2. Gib dem Dieckmeier noch eine Saison. So fiese Verletzungen brauchen meines Erachtens nach auch eine sehr lange Eingewöhnungszeit. Ich halte Ihn weiterhin für einen Verteidiger, der luciolike über aussen einen Gegner nicht nur beschäftigen, sondern auch durch erzwungene Rückwärtsbewegungen mürbe machen kann. Und ( ja, zu selten) er kann Flanken schlagen, die panderschen Brandfackeln (zu besten Zeiten) in nichts nachstehen. In der Bewertung für diese Saison stimme ich aber 100% zu. Verleiht den zur Fortuna!Aber mit niedriger Kaufoption.

    • Moment mal: Wenn der so gut ist, wie Du meinst, muss der natürlich bleiben. Oder wenn, dann nur für eine zweistellige Millionensumme verkauft werden. :-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s