Der potenzielle Sportdirektor im Fadenkreuz(er)

Weil ich aus seriöser (kicker.de) bzw. sicherer (meine Twittertimeline) Quelle mehrfach und unabhängig voneinander gelesen habe, dass Oliver Kreuzer angeblich der neue Sportchef des HSV werden soll, werde ich mal ein paar Zeilen dazu los:

Kreuzer also. Wenn ich mich recht erinnere, ist der Kreuzer als solcher die Unterteilung des Talers in Entenhausen. Ist dies ein Sinnbild dafür, dass beim HSV bei der Sportchef-Suche nicht viel Geld in die Hand genommen wurde? Ich möchte Oliver Kreuzer nicht in Misskredit bringen, aber ich mache auch keinen Hehl daraus, dass ich Jörg Schmadtke lieber hier gesehen hätte. Schmadtke, der unter anderem Abdellaoue und Mame Diouf zu Hannover 96 gelotst und ebendiesen Verein in die Europa League gebracht hat. Der aber wird den HSV-Machern zu teuer gewesen sein. Man hätte also Taler statt Kreuzer ausgeben müssen, aber Geld ist ja keines da. (Das war zumindest immer ein Argument beim HSV. Natürlich ist vor allem kein Geld da, weil Frank Arnesen und seine Entourage abgefunden werden müssen. Nun ja.)

Was hat Oliver Kreuzer als Funktionär auf die Beine gestellt? Er war laut transfermarkt.de als Sportlicher Leiter bei: FC Basel (2002-2005), Red Bull Salzburg (2006-2008), Sturm Graz (2008-2011) und Karlsruher SC (2011-2013). Was er 2005/06 gemacht hat, weiß ich nicht.

Ich habe mir mal die Transfers angesehen, die unter seiner Leitung abgewickelt worden sein müssten. Das erste Jahr seiner Anwesenheit habe ich dabei jeweils ausgelassen, da dürfte das Feld ja noch von anderen bestellt worden sein. Um es vorweg zu nehmen: Großartige Megakracher waren weder bei den Ein- noch bei den Verkäufen dabei. Aber immerhin ein paar bemerkenswerte Namen zumindest aus HSV-Sicht. So kaufte er für Basel zur Saison 2004/05 einen gewissen Mladen Petric für 1,7 Millionen Euro vom Grasshopper Club Zürich. Später wurde Petric für 3,5 Millionen Euro an Dortmund verkauft, da war Kreuzer allerdings schon nicht mehr beim FCB. Gehörig ins Klo gegriffen hat Kreuzer dagegen in der selben Saison wie beim Petric-Deal bei einem Spieler namens Cesar Carignano. Ein Stürmer, für den er 4,7 Millionen Euro an CA Colon in Argentinien überwiesen ließ. Zwei erfolglose Jahre später verlieh Basel den guten Mann irgendwohin, bis heute wurde Carignano weitere siebenmal transferiert – immer für kleines Geld.

Nochmal die selbe Saison: Da verkaufte Kreuzer für 4,5 Millionen Euro einen gewissen Timothee Atouba an Tottenham Hotspur. Ausgegeben hatte Basel irgendwann mal 400000 Euro. Nie mehr wurde für Atouba mehr ausgegeben. Gut gemacht, Herr Kreuzer.

Im Grunde war es das aber auch schon. Ich bin kein Fachmann und schon gar kein Insider, aber alle weiteren Namen, die unter Kreuzers Leitung ge- oder verkauft wurden, rissen mich nicht wirklich vom Hocker. Bis auf einen. Kreuzers vielleicht bester Deal lief als Verantwortlicher beim KSC: Dort sorgte er dafür, dass der HSV Hakan Calhanoglu für viel Geld kaufte und dennoch bereit war, den Spieler ein Jahr lang in Karlsruhe parken zu lassen. Das Ende ist bekannt: Der KSC stieg in die 2. Liga auf, Calhanoglu hatte maßgeblichen Anteil daran.

Abschließend noch zu erwähnen: Wo Kreuzer war, war Erfolg. „Unter seiner Leitung“ wurde Basel zweimal Meister, Red Bull Salzburg Meister und Zweiter, Sturm Graz zweimal Vierter, einmal Pokalsieger, abschließend Meister. Der KSC stieg zwar erst aus der 2. Liga ab, schaffte dann aber den sofortigen Wiederaufstieg.

Ich bin gespannt, ob Oliver Kreuzer tatsächlich der neue Sportchef wird. Wenn ja, wünsche ich ihm alles Gute. Und viel Glück. Bei diesem Aufsichtsrat wird er es brauchen.

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Einzelkritik.

Nachdem heute gefühlt schon den gesamten Tag lang über Frank Arnesen spekuliert wurde, eine offizielle Stellungnahme des HSV aber meines Erachtens noch aussteht, möchte ich mal davon ablenken und etwas ganz anderes machen. (Natürlich komme ich nicht drum herum, ein paar Worte über FA zu verlieren. Aber nur ganz wenige.) Deshalb dies:

Die Saison ist beendet – zumindest für den HSV. Höchste Zeit, die abgelaufene Spielzeit Paroli laufen zu lassen.

Mit Platz sieben bin ich zufrieden. Klar habe ich zwischenzeitlich Rechenexempel statuiert, nach denen wir sogar die Europa-League-Quali geschafft hätten. Nach Auftritten wie gegen Greuther Fürth, Augsburg etc. bin ich jedoch froh, dass es damit in dieser Saison noch nichts geworden ist.

Kommen wir zur Einzelkritik aller eingesetzten Spieler sowie des Trainers und des Sportchefs.

René Adler (32 Spiele / 32-mal von Beginn an / 0 Tore):
Der beste Spieler der Saison. Ungezählte Paraden, tolles Stellungsspiel, Fels in der Brandung. Die Fünf auf dem Rücken sollte ihm entzogen werden, er ist die klare Nummer eins. Für mich inzwischen sogar deutschlandweit.

Jaroslav Drobny (2/2/0):
Fraglos der beste zweite Keeper der Bundesliga. Er wäre bei vielen anderen Klubs Stammtorwart. Einzigartige Reflexe, toller Teamplayer.

Dennis Diekmeier (32/31/0):
Ein rechter Verteidiger wird er nicht mehr. Hat Glück, dass es in der Abwehr an Alternativen mangelt. Die Frage ist: Wo könnte er sonst spielen? Im rechten Mittelfeld eventuell, aber auch dort wäre er in meinen Augen nicht erste Wahl. Ich halte ihn für verzichtbar.

Jeffrey Bruma (18/10/1):
Ein Spieler, der sich zu schade ist, sich in der U23 den Allerwertesten aufzureißen. Dafür lässt er den Friseur aus den Niederlanden einfliegen. Muss gehen. Ich wünsche ihm viel Erfolg, wo auch immer.

Michael Mancienne (21/21/0):
Selten habe ich einen Abwehrmann mit einem derart schlechten Stellungsspiel gesehen. Dafür bin ich von seiner Kopfballstärke begeistert. Ich hoffe, dass er – mit Jonathan Tah im Nacken – einen Schub bekommt.

Slobodan Rajkovic (13/6/0):
Ich mag ihn. Solider Spieler, der mich nicht enttäuscht hat, wenngleich er immer mal für einen zu kurzen Rückpass oder ein Sahneanspiel in des Gegners Fuß gut ist. Hoffentlich bekommt er eine faire Chance.

Paul Scharner (4/1/0):
Ein Typ, wie es ihn beim HSV viel zu selten gibt. Toll: sein Einsatz in den Spielen für die U23. Vollprofi.

Heiko Westermann (34/34/3):
Ich bin kein Fan unseres Exkapitäns. Aus seinen körperlichen Voraussetzungen macht er viel zu wenig. Und seine Querpässe sind katastrophal. Dennoch möchte ich ihn für seinen unermüdlichen Einsatz loben, gerade nach der Abgabe der Binde.

Dennis Aogo (27/22/2):
Auf der Linksverteidigerposition so la la, im Mittelfeld deutlich stärker, sogar torgefährlich. Dennoch immer noch viel zu unkonstant – was diesmal vielleicht seiner Verletzung geschuldet sein könnte.

Marcell Jansen (28/28/1):
Unser neuer Linksverteidiger ist keiner. Wenn ständig jemand seine Lücken in der Defensive füllen muss, ist niemendem geholfen. So gerät ein ganzes System – wenn man denn eines hat – durcheinander.

Tolgay Arslan (25/19/0):
Für mich eine der wenigen positiven Erscheinungen. Quasi aus dem Nichts gekommen, hat er sich trotz großer Konkurrenz im Mittelfeld behauptet. Nun muss er zusehen, dass er seine Impulsivität im Zaum hält.

Milan Badelj (31/30/1):
Topstratege, Königstransfer, ein ganz wichtiger Mann. Zwischenzeitlich wirkte er leider überspielt, nach seinem Riesentief schafft er es dann nur noch, Leistungen knapp unterhalb seines hohen Niveaus abzurufen. Trotzdem: ein erstklassiger Einkauf.

Tomas Rincon (20/9/0):
Eine Entzündung sorgte dafür, dass er den Saisonstart verpasste. Danach hatte er es schwer, sich in die erste Elf zu spielen. Ich mag seinen Stil und hoffe, dass er in der nächsten Saison mehr Einsätze hat.

Gojko Kacar (3/0/0):
Der Feldspieler mit den wenigsten Einsätzen. Das sagt alles. So sehr, wie ich damals gejubelt habe, dass er gekommen ist, wünsche ich mir, dass er endlich einen neuen Verein findet. Dort möge er glücklich werden.

Ivo Ilicevic (8/4/1):
Er bringt alle Voraussetzungen mit, um ein Top-Profi zu sein. Außer einer: kopfmäßig scheint die Entwicklung irgendwann – viel zu früh – stehengeblieben zu sein. Schade, er vergeudet sein Talent.

Jacopo Sala (8/2/0):
Stillstand bedeutet Rückschritt. Ich habe im Vergleich zur vorherigen Saison nicht den Hauch einer Verbesserung ausmachen können. Leider.

Maxi Beister (23/8/3):
Von ihm habe ich mir zu Saisonbeginn am meisten erhofft. Demzuflge hat er mich auch am meisten enttäuscht, vor allem dank Aktionen wie diesem Kung-Fu-Tritt, der ihm eine meiner Meinung nach zu kurze Sperre eingebrockt hat. Ich glaube aber daran, dass er seine Lektionen gelernt hat und nun weiß, dass die Bundesliga eben nicht mit der 2. Liga zu vergeleichen ist.

Petr Jiracek (13/10/1):
Schlechtere Einstände als seiner beim HSV gibt es wohl kaum. Dennoch: Ich mag seinen Spielstil, freue mich jedesmal, wenn ich seine wehenden Haare sehe, weil er wieder einem gegnerischen Bein entgegen- oder einem aussichtslosen Ball hinterherläuft. Er erinnert mich an den frühen Jens Jeremies („Siehst du die Mittellinie? Kommst du drüber, macht es aua! Hier drüben aua, da drüben gut!“).

Robert Tesche (4/0/0):
Nun ja. Er ging. Er kommt wieder. Vielleicht hat er an Erfahrung gewonnen.

Zhi Gin Lam (4/4/0):
Unermüdlicher Rackerer, der mir bei seinen wenigen Auftritten gut gefallen hat. Allerdings muss auch er – will er endlich den Durchbruch schaffen – eine Schippe drauf packen.

Per Skjelbred (18/15/0):
Unterschätzt. Einer der solidesten Spieler, die wir haben. Wichtig, weil er stets gleichbleibend gute Arbeit abliefert. Noch zu zurückhaltend für das Haifischbecken HSV. Ich hoffe, der Trainer setzt in der nächsten Saison verstärkt auf ihn.

Rafael van der Vaart (27/27/5):
Als Retter und Heilsbringer gefeiert. Ich hatte ab und an das Gefühl, dass das Spiel des HSV ein flüssigeres und unberechenbareres ist, wenn er nicht dabei war. So ein Auge, so eine Schusstechnik und so ein Talent, ein Spiel mit einer Aktion zu entscheiden, sucht man aber sonst beim HSV vergebens.

Heung-Min Son (33/31/12):
Halt, stop: Seine Schusstechnik ist ebenfalls so exzellent wie die von van der Vaart, vielleicht sogar besser. Leider agierte Son oft zu eigensinnig. Klar, als Stürmer muss man eine Portion Eigensinnigkeit mitbringen. Bei ihm sind’s aber eineinhalb Portionen. Hieran muss er arbeiten. Ansonsten: top. Vor allem, wenn man bedenkt, dass er eine Saison zuvor von den Stehplatzkarteninhabern hinterm Tor bei nahezu jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde.

Marcus Berg (11/2/0):
Wer?

Artjoms Rudnevs (34/26/12):
Neben Adler mein Spieler der Saison. Gnadenlos unterschätzt, entwickelte er sich nach nur wenigen Spielen in einer ihm völlig unbekannten Liga zum absoluten Torjäger. Neben Westermann der einzige Spieler, der in allen Begegnungen auf dem Feld war. Unverzichtbar, sowohl für Fink als auch für mich.

Thorsten Fink:
Vielleicht bin ich zu sehr Fußballromantiker, vielleicht verstehe ich nicht so viel vom Fußball wie andere: Ich finde, Fink hat aus wenig viel gemacht und sollte bleiben. Klar machte er auch Fehler – aber diese erdulde ich. Es war sein erstes richtiges Bundesligajahr. Wenn jetzt noch so etwas wie eine Spielidee kommt, die er seinen Spielern vermitteln kann, hat der HSV eventuell noch viel Freude mit ihm.

Frank Arnesen:
Furchtbar, dass er gehen muss. Einer der größeren der vielen, vielen Fehler, die unser Aufsichtsrat in den letzten Jahren begangen hat. Frank Arnesen wurden seine so genannten Flops angekreidet – dass er den HSV mit Abgaben von Töre, Guerrero, Petric teilsaniert hat, wurde verschwiegen. Dass er Adler, Badelj, Jiracek, Rudnevs holte: da will sich keiner der AR-Mitglieder dran erinnern. Arnesen fand einen Haufen Dreck vor und formte daraus einen Miniatur-Goldklumpen. Leider war es kein Riesen-Nugget. So scheiterte er an der Erwartungshaltung der Blender im Aufsichtsrat.

Seid Ihr noch zu Rettig?

Ach, liebe Aufsichtsratsmitglieder.

Seit geraumer Zeit werdet Ihr von der Zeitung mit den vier großen Buchstaben als „Club der Ahnungslosen“ tituliert. Und ich befürchte, ich muss ihr Recht geben.

Jetzt sägt Ihr schon wieder an Frank Arnesen herum. Hat 37 Millionen ausgegeben und den HSV nicht mal nach Europa geführt. Der böse Bube.

Wisst Ihr nicht mehr, wo der HSV stand, bevor Arnesen da war? Und wisst Ihr auch nicht mehr, dass er unter ganz anderen Voraussetzungen gekommen ist, nämlich dass er einen zweistelligen Millionenbetrag für Neuzugänge zur Verfügung hat, statt – wie es dann tatsächlich war – 15 Millionen Euro einsparen muss? (Bei hsv-arena.net könnt Ihr das sonst noch mal detailliert und sehr gut geschildert nachlesen…)

Wisst Ihr nicht mehr, dass der ursprüngliche Plan war, sich am Ende der dritten Saison unter seiner Leitung für das internationale Geschäft zu qualifizieren? Nun ist die zweite zu Ende, und es hätte beinahe geklappt. Der HSV ist meiner Meinung nach im Soll.

Statt einen Eurer wichtigsten Männer in Ruhe weitermachen zu lassen, trefft Ihr Euch mit dessen potenziellen Nachfolgern. Arnesen ist Euch zu teuer – glaubt Ihr, dass ein Andreas Rettig günstiger ist? Bitte nicht falsch verstehen: Rettig halte ich für einen Top-Mann, ich könnte ihn mir gut hier vorstellen. Aber: Wir haben bereits mit Frank Arnesen einen sehr guten Mann. Warum sollte man ihn rausschmeißen, ihn abfinden (was wieder nicht billig würde) und schon wieder mit einem neuen sportlichen Leiter mit neuer Philosophie von vorn beginnen?

Lasst den Quatsch.

Ich möchte jetzt sehen, dass Arnesen in Ruhe weiterarbeiten und am Kader für die neue Saison basteln darf. Ihr tragt derzeit wieder mal ein Stück dazu bei, dass die Bedingungen hierfür zumindest nicht besser geworden sind. Sollte sich in der nächsten Saison also der gewünschte Erfolg nicht einstellen, tragt Ihr den größten Teil der Schuld daran. So oder so.

Kurze Info.

Ich hatte vor, im Vorwege des Leverkusen-Spiels ein paar Zeilen darüber loszuwerden. Es wird nichts. Und auch eine direkte Nachberichterstattung wird es nicht geben. Schade, aber so ist es. Gegen Mitte der nächsten Woche lest Ihr hier wieder etwas.

Eigentlich.

Das Wort „eigentlich“ benutze ich äußerst selten und darüber hinaus sehr ungern. Nach meinem Empfinden kehrt es dahintergestellte Aussagen ins Gegenteil, und das mag ich nicht.

Heute muss ich das Wort aber aus gegebenen Anlässen verwenden. Denn eigentlich wollte ich etwas über den HSV schreiben. Ich wollte schreiben, dass ich gelesen hatte, dass Frank Arnesen seine Angel nach Claudio Pizarro ausgeworfen hat, und dass ich ebenjenen Pizarro zwar für einen sympathischen Menschen halte und er sicher – trotz seines relativ hohen Fußballeralters – in der nächsten Saison für den HSV fast genauso oft getroffen hätte wie Heung-Min Son oder Artjoms Rudnevs es in der noch aktuellen Serie tun. Dass der HSV dann einen Spieler im Kader hätte, der das angekratzte Image des Vereins allein durch seine bloße Anwesenheit aufpoliert. Die Untervertragnahme Pizarros mich aber letztlich doch nicht richtig glücklich gemacht hätte, weil ich finde, dass der HSV zukünftig einen anderen Weg gehen sollte, als alte Stars zu holen. Zehn Millionen Euro, las ich, würde das Gesamtpaket kosten. Wieviel mehr möchte Son haben, damit er bleibt?

Eigentlich.

Nun aber schreibe ich über Thomas Schaaf.

Ich bin nicht dicht genug an seinem Exverein dran, um beurteilen zu können, was da vorgefallen ist. Ich finde nur: Wenn jemand, der vierzig Jahre im Verein war und alles für diesen gegeben hat, für den einen oder anderen Erfolg (sei es ein Meistertitel, ein Pokalsieg oder eine Champions-League-Teilnahme) verantwortlich war – wenn ein solcher Mann auf eine anständige Beendigung einer Saison samt verdienter Verabschiedung verzichtet und nur noch weg will (und anders interpretiere ich den Wortlaut der Mitteilung auf der vereinseigenen Homepage, „der 52-Jährige wird auf seinen Wunsch nicht mehr beim Spiel in Nürnberg auf der Bank sitzen„, nicht):

Dann hat der Verein einiges falsch gemacht.

Hier schließt sich übrigens der Kreis zum HSV, dann darin, einiges falsch zu machen, ist auch mein Leib-und-Magen-Verein ganz große Klasse.

Ich habe ihn nie wirklich gemocht, den Schaaf, wünsche ihm aber alles Gute, und dass er einen Verein finden wird, mit dem er ähnliches aufbauen kann, wie er es dort drüben am verbotenen Fluss gemacht hat. Es muss ja nicht unbedingt der FC St. Pauli sein.

Ein gutes Fußballwochenende.

Das war doch mal ganz nach meinem Geschmack.

Der HSV zeigt ein ansprechendes Spiel und gewinnt mit 4:1. Okay, es war „nur“ gegen Hoffenheim. Aber auch gegen die muss man erstmal vier Tore schießen. Zudem gefiel mir die Art und Weise, wie dieser Sieg herausgespielt wurde, ausnehmend gut. Das war mal Fußball, wie ich ihn vom HSV in dieser Verfassung erwarten kann und möchte. Einziger Kritikpunkt am Sieg: Nun macht man sich wieder unnötig Hoffnungen auf Platz sechs. Eine Woche lang wird wieder wild spekuliert und gehofft, bis am kommenden Samstag alle wieder auf dem Boden der Tatsachen landen und der große Katzenjammer beginnt: Schnief, schnief, viel zu viele Punkte wurden unnötig liegengelassen. Hätten wir doch nur und da… die alte Leier.

Neben dem großartigen Sieg der Rothosen gab es noch zwei weitere Ergebnisse, die mir gut gefallen haben. Auch auf die Gefahr, dass ich mir den Zorn Gleichgesinnter zuziehen werde: Ich habe mich über die nun perfekten Nichtabstiege Bremen und Paulis gefreut. Ganz ehrlich: Was wäre eine Bundesligasaison ohne Derbys gegen die Grünen? Auf jeden Fall: ärmer. Sie haben genug gezittert, insofern passt das schon. Ähnlich sehe ich das beim Stadtteilverein: Die Tatsache, dass er den feststehenden Aufsteiger Braunschweig derartig abgefidelt hat, wird die Entscheider ein Stück weit zufriedener machen, was die Trainerfrage angeht. Ergo: Frontzeck darf bleiben, und das kann letztlich nur gut für jeden HSV-Fan sein. Der gehört in die zweite Liga. Fertig. Nicht in die erste, nicht in die dritte. Gut für Hamburg und die beste zweite Liga der Welt, dass die Braunen die Klasse gehalten haben. Trotz aller oder wegen der Rivalität freue ich mich für beide Teams – und deren Fans in meiner Twitter-Timeline.

Auch zwei Geschichtchen neben dem Platz haben mich erfreut. Beide zeigen, dass Herr Arnesen offenbar nicht nur der Bestandsverwalter ist, für den ihn hier manche halten: Angeblich soll sich Gojko Kacar nun doch mal wieder einig mit Hannover 96 sein. Im Winter klappte der Transfer ja bekanntermaßen nicht, nun scheint es hinzuhauen. Es wäre ein guter Deal für alle. Von Kacar habe ich mal eine ganze Menge gehalten und fand die hohe Ablöse, die der HSV damals in ihn investierte, gut angelegt. Er konnte sich leider nicht durchsetzen – was wie ich denke auch an einem Gutteil an den HSV-Verantwortlichen lag. Sei’s drum, ich wünsche ihm alles Gute, wenn er denn tatsächlich an der Leine landen sollte.

Außerdem bekam ich mit, dass eine Leihe Eren Derdiyoks im Raum steht. Das finde ich sehr gut. Derdiyok war ein ganz Großer in Leverkusen, hat sich mit Hoffenheim den falschen Klub ausgesucht. Hier in Hamburg könnte er die große Chance erhalten zu zeigen, dass er doch nichts von seiner einstigen Klasse verloren, sondern diese nur irgendwo geparkt hat. Ich bin gespannt, ob die beiden Deals zustande kommen und würde mich wirklich freuen, wenn dem so wäre.

Duplizität des Ereignisses?

Unverhofft kam ich zu einer Karte. Und so freute ich mich sehr am 7. Dezember des vergangenen Jahres – schließlich hatte ich nun Gelegenheit, den HSV endlich mal wieder live zu erleben. Zum ersten Mal in dieser Saison, doch das ist völlig nebensächlich.

Ich musste mit dem Auto anreisen, aus verschiedenen Gründen. Einen Parkplatz suchte ich lange Zeit vergebens; schließlich fand ich einen – teuer und weit weg vom Stadion. Es war bitterkalt an diesem Freitagabend. Wahrscheinlich so minus vier Grad. Auch das Bier (nur eines…) – deutlich wärmer als die Außentemperatur – half nicht viel. Und zu allem Überfluss hatte der HSV an diesem Tage mal wieder nicht seinen besten ebensolchen erwischt. Um das Ganze abzurunden: Nicht mal Winnetou spielte bei den Hoffenheimern mit, auf dem man hätte herumpöbeln können. (Ich tat es trotzdem, auch wenn das eigentlich nicht meine Art ist. Es muss daran gelegen haben, dass die Fans um mich herum lautstarke Hämegesänge in Richtung des schönen Tim anstimmten und ich irgendwie das Gefühl hatte, ich müsse mit der Masse gehen.)

Und dennoch war im spätestens am Ende dieses Abends rundherum zufrieden. Schließlich hatte der HSV gewonnen. 2:0, durch zwei relativ sehenswerte Treffer unseres Artjoms Rudnevs. Deshalb, wirklich nur deshalb, wünsche ich mir für morgen: Möge es genauso kommen.

Nun ja: Minustemperaturen wird es eher nicht geben. Und ich muss auch keinen Parkplatz in Stadionnähe suchen, finden und teuer bezahlen. Aber es ist ja auch eher sinnbildlich gemeint: Meinetwegen kann 90elf morgen haken. Der Fernseher zu bestimmten Uhrzeiten seinen Dienst versgaen. Und das Bier zu warm sein. Und der HSV schlecht spielen. Wenn er denn nur diese verdammten Punkte mitnimmt.

Kriegen wir das hin, liebe Spieler?