Warum das Fußballwochenende doch gut war.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich einen bestimmten Bundesligaverein mehr mag als alle anderen.

Leider war es auch an diesem Wochenende so, dass mein Verein mal wieder weniger Tore geschossen hat als der Klub, gegen den er gespielt hat. Um genau zu sein: Er hat gar nicht getroffen, und der andere zweimal.

Nun bin ich seit jeher nicht der Fan, der sich davon einen schönen Tag vermiesen lässt. Vielleicht bin ich deshalb in den Augen anderer kein „richtiger“ Fan – doch dem Thema, was einen Fan ausmacht, widme ich mich anderntags. Wo war ich? Ach ja: Ich lasse mir von den Ergebnissen meines Klubs nicht den Tag vermiesen. Durchaus kann es aber sein, dass ich mich schon sehr über negative Spielausgänge ärgere. Dann lasse ich kurz ein bisschen Dampf ab, und alles ist wieder gut.

An diesem Wochenende brauchte es aber nicht mal das.

Freitag, in den Abendstunden, bekam mein älterer Stammhalter – er besucht die erste Klasse – nämlich eine Bundesliga-Magnettabelle in die Hände. Nach einer kurzen Erklärung meinerseits, was es mit einer Tabelle auf sich habe, verabredeten wir uns für den nächsten Morgen zum erstmaligen Stecken dieser Tabelle.

Und so pappte der kleine Mann kurz nach dem Frühstück alle achtzehn Wappen auf die von mir angewiesenen Plätze. Urteilte dabei über Stärken („Frankfurt ist aber gut“) und Schwächen („Greuther Fürth ist die schlechteste Mannschaft in Deutschland“) der Teams und sog dabei Informationen bzw. Korrekturen seiner eben getätigten Aussagen meinerseits („Die Eintracht bleibt nicht da oben, das ist nur eine Momentaufnahme“ und „Nein, es gibt noch viel schlechtere Mannschaften. St. Pauli zum Beispiel“) auf. Fußballfachsimpelei unter Männern.

Im Laufe des restlichen Wochenendes löcherte er mich immer wieder: „Wann sind die nächsten Spiele?“ „Um halb vier werden sie angepfiffen.“ „Verändert sich die Tabelle danach?“ „Klar, der HSV kann heute Fünfter werden.“

Nun – er wurde nicht. Was mir aber nur noch nebensächlich erschien. Was hätte mir denn Schöneres passieren können, als Zeuge zu werden, wie der kleine Mann seine Leidenschaft für Statistiken entdeckt und entwickelt?

Ich hatte ein schönes, ein perfektes Fußballwochenende. Und Ihr so?

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5 Gedanken zu “Warum das Fußballwochenende doch gut war.

  1. Da mein Spross schon die letzte Klasse besucht und ich ihm weder meine Leidenschaft für Fußball noch für Statistiken weitergeben konnte, dafür aber dem in meiner Jugend sehr ausgeprägten Hang zum Zuspätkommen, habe ich schon vor dem Anpfiff des Spiels meines Vereins, der merkwürdiger Weise genau wie der Deine gespielt hat, Dampf abgelassen.Fühlte sich aber irgendwie nicht richtig an un war es wohl auch nicht.Allerdings ließ sich dies durch ein Gespräch unter Männern wieder korrigieren und dies wiederum war wichtiger als das Ergebnis meines Vereins.Genieße die Zeit mit Deinem Kind, biege es zurecht, ohne es zu verbiegen!SvenGZ

  2. Das ist natürlich tragisch, dass er mit Fußball nichts am Hut hat. Na, jedem seins. :-)Danke für Deine Zeilen. Und: Ebenso. Genießen kann man auch, wenn die Bengel schon groß sind.

  3. Nichts am Hut ist vielleicht etwas übertrieben, schließlich waren wir schon ein paar Mal beim HSV und er trägt ja auch sein Trikot, damit hat es sich dann auch.Und natürlich genieße ich die seltener werdenden Momente mit dem Junior.

  4. Da ich nur Töchter habe, ging dieser Krug an mir vorbei. Ich bin ja schon froh, dass beide sich den "richtigen" Verein "ausgesucht" haben :-)ALles andere ist dem Manne im Hause überlassen. Mir.Aber ich habe diesen Statistik-Tabellen-Kram in meiner Jugend irgendwann aufgegeben. Was durchaus parallel zur Entwicklung meines Vereins (der auch der deine ist) passt. Siet damals war der Klub nicht mehr wirklich an der Spitze….B´Vielleicht sollte ich doch wieder…

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