Europa, wir kommen. Nicht. Oder: doch.

Wo soll ich nur anfangen?

Wenn ich wirklich jeden einzelnen Punkt aufzählen würde, der mir am Auftritt des HSV in Hannover nicht gefallen hat, hättet Ihr an diesem Blogeintrag vermutlich eine Stunde zu lesen. Das möchte ich Euch und mir ersparen. Deshalb belasse ich es bei den schlimmsten:

1.) Der blutleere Auftritt vor dem Hintergrund, dass Hannover eigentlich konditionell unterlegen hätte sein müssen.

Wenn ich als Profi weiß, dass mein Gegner ein schweres Europapokalspiel in den Knochen stecken hat, renne ich mir die Lunge aus dem Leib, zermürbe ich ihn, indem ich immer schon da bin, wo er erst noch hin will – und zwar so lange, bis er die Schnauze voll hat und resigniert und mir das Feld und damit die Punkte überlässt. Stattdessen waren es die 96er, die ihre Gegner oftmals überrannt haben und oft den berühmten Schritt eher am Ball waren. Der HSV agierte, als ob er am Donnerstagabend gegen Machatschkala gespielt hätte. Ich glaube, dass das eine Kopfsache ist. Wie so häufig, wenn man mal einen Big Point machen könnte, wird versagt. Diesmal, meine ich, hat man Hannover unterschätzt. „Die sind kaputt, wir ausgeruht, das Ding läuft schon von selbst.“ Für mich eine der Todsünden des Fußballs.

2.) Die glasklare Fehlentscheidung des Schiedsrichters in der Elfmeterszene.

Sergio Pinto wird steil geschickt, René Adler verlässt seinen Kasten und setzt seinen Körper ein, um die Torchance zu vereiteln. Ein Pfiff, ein Blick zum Schiri – Elfmeter. So weit, so gut. Doch dann? Schiedsrichter Knut Kircher lässt die Gelbe Karte in der Tasche! Warum? Hätte er sie doch nur unserem Keeper gezeigt. Es wäre seine fünfte gewesen, und Adler hätte pausieren müssen. Es war dem guten Mann im gesamten Spiel anzusehen, dass er nicht im Vollbesitz seiner körperlichen Kräfte ist und seine Verletzung offensichtlich noch nicht auskuriert hat. Die Folge: eine ganz, ganz schlechte Leistung an diesem Samstagnachmittag. Ich hätte mich über eine erneute Zwangspause Adlers gefreut. So hätte er nochmals Gelegenheit, seine Verletzung vernünftig auszukurieren. Und dass er einen guten Vertreter hat, hat man in der Partie gegen Mönchengladbach gesehen.

Es gab aber auch noch Erfreuliches an diesem Spieltag. Auch wenn ich nicht zu der Sorte Fan gehöre, die sich am Leid anderer ergötzen: Es gibt Vereine, die noch höher verloren haben. So sind wir in der Ewigen Tabelle ein Stück näher – nämlich ein Tor – an die Grün-Weißen aus Dingsda herangerückt. Weiter so, Jungs.

Und für die, die immer noch von Europa träumen (Lest bitte meinen Blogeintrag von 18. Februar: Ich gehörte nicht zu denen.): Wir stehen auf Platz sechs – dass muss man nach einem 1:5 auch erst mal schaffen – und sind damit im oberen Tabellendrittel. Immer noch. Und da bei einer bestimmten, nicht unwahrscheinlichen Konstellation im DFB-Pokalfinale sogar Bundesligatabellenplatz sieben zum Erreichen des internationalen Geschäfts reicht, können wir ja schon mal im Internet nach günstigen Übernachtungsmöglichkeiten in Galati, Lwiw etc. suchen.

Europa und die Neuen.

Nein, ich werde nicht anfangen zu träumen.
Hier in Hamburg, beim HSV, ist es verboten, über „Europa“ nachzudenken. Und noch bin auch ich nicht so weit.  Ich würde frühestens darüber nachdenken, ob es eventuell tatsächlich klappen könnte, Platz sechs zu erreichen, wenn:
1.)  am kommenden Wochenende gegen Hannover 96 gewonnen wird.
2.)  am darauffolgenden Wochenende gegen Greuther Fürth gewonnen wird.
Dann nämlich hätte die Nummer eins im Norden vier Spiele hintereinander den Platz als Sieger verlassen – bei einer solchen Serie, einem damit herausgearbeiteten, kleinen Punktepolster auf den Siebtplatzierten und nur mehr zehn Spielen vor der Brust muss es zumindest theoretisch in Betracht gezogen werden dürfen, dass sich der HSV für das internationale Geschäft qualifiziert.
Zumal die Spieler selbst Blut geleckt haben. Der derzeit verletzte Innenverteidiger Michael Mancienne twitterte neulich so etwas wie „Europe, here we come“ – vor der Partie gegen Mönchengladbach, wohlgemerkt. Und Rafael van der Vaart verriet nach eben dieser Begegnung: „Natürlich schaue ich auf die Tabelle.“
Überhaupt macht es derzeit mal wieder richtig Spaß, HSV-Anhänger zu sein. Denn die Zukunft ist zwar nicht rosig, doch die nächste Saison verspricht jetzt schon einiges. Tolle „Neue“ zum Beispiel: Als Zugänge stehen schon vier Spieler fest, auf die ich mich freue. Paul Scharner kehrt von Wigan Athletic zurück und wird darum kämpfen, der Mann neben Heiko Westermann in der Innenverteidigung zu werden. Als seine Konkurrenten sehe ich Michael Mancienne und Slobodan Rajkovic. Dass Jeffrey Bruma noch eine Rolle beim HSV spielen wird, glaube ich nicht.  Seine Ausleihzeit läuft aus, und er hat sich in der jüngsten Vergangenheit nicht gerade für einen Vertrag beworben.
Jonathan Tah, dieser Bär von einem Mann mit gerade einmal 17 Lenzen, darf mit den Profis trainieren und erste Erfahrungen im Profibereich einholen. Eingesetzt werden soll der Innenverteidiger aber zunächst noch in er U23. Meine Prognose: Der wird mal einer. Vielleicht bekommt er in der Rückrunde ein paar Einsätze.
Kerem Demirbay kommt vom Dortmunder Nachwuchs und ist mit einem Vierjahresvertrag ausgestattet worden. Es gibt einige, die behaupten, dass die Tatsache, dass man sich diesen Mann schnappen konnte, den BVB mehr geärgert hat als die beiden Niederlagen in der Bundesliga. Bei so viel Lob ist die Vorfreude groß, auch wenn ich noch nicht recht weiß, welchen Spieler aus dem aktuellen Kader Demirbay verdrängen soll.
Schließlich und endlich kommt Hakan Calhanoglu vom KSC zurück. Zurück? Ja. Eigentlich gehört der uns längst, wir haben ihn nur nochmal verliehen, damit er noch ein wenig reifen kann. Aber Achtung: Neulich hatte er eine Formkrise: In der Partie gegen Arminia Bielefeld war der offensive Mittelfeldspieler mal an keinem Tor beteiligt! Gibt’s doch nicht. Im Ernst: Der Spieler ist ein Juwel, vielen Dank, Herr Arnesen. (Ja, ich war schon immer davon überzeugt, dass die Arbeit Arnesens besser ist als ihr Ruf.)
Und wenn nun auch noch international gespielt werden darf… Ich kann es kaum erwarten, meinen Söhnen, die mit Ach und Krach die Bundesligatabelle kapiert haben, nun auch noch zu erzählen, „wie Europa geht“. Wie erwähnt: Es macht wieder Spaß, ein HSV-Fan zu sein.
Noch vor einem Jahr hätte ich nicht geglaubt, diesen Satz in einen Blog zu tippen. Und das liegt nicht daran, dass ich damals noch keinen hatte.

1:0.

Aufgrund einer wunderbaren Fügung war es mir vergönnt, das Spiel meines HSV gegen Borussia Mönchengladbach live vor Ort zu verfolgen. Ich bin nicht so häufig im Stadion – aus verschiedenen Gründen, die es hier aber nicht besonders zu erwähnen lohnt.

Dreimal habe ich mich am Samstagnachmittag besonders gefreut. In der persönlichen Wertung der Ereignisse zufällig genau entgegen der chronologischen Reihenfolge.

1. Als die Partie abgepfiffen und der Sieg damit amtlich wurde.

Es war bei weitem kein rauschendes Fußballfest. Gute Spielszenen blieben Mangelware, und der harmlose HSV hatte Glück, dass die Gladbacher nach ihrem Europapokalauftritt am Donnerstag offensichtlich zu wenig Zeit zur Regeneration hatten. Ich hätte gern gesehen, was eine fitte Borussia zu leisten imstande gewesen wäre.

2. Als der kleine Engel sich daran erinnert hat, wieviel Technik in seinem linken Füßchen steckt.

Auch objektive Spielbeobachter werden zugeben: Es war schon ein rechtes Traumtor, das der Rafael van der Vaart da in der ersten Halbzeit erzielt hat. Nicht viele Spieler in der Bundesliga schaffen es, so einen präzisen Bums rauszuholen. Schön, wenn man einen solchen Akteur in den eigenen Reihen weiß. Meine Begleitung, ein ausgewiesener Gladbach-Fan übrigens, was mir den Erfolg noch ein wenig versüßte, analysierte nach Schlusspfiff kurz wie treffend: „Das war ein typisches 0:0-Spiel. Mit Ausnahme des Tores.“ Dem füge ich nichts hinzu.

3. Als Jaroslav Drobny von den HSV-Fans bei seiner ersten Ballberührung frenetisch bejubelt wurde.

Ich bin vom Gros der Fans meines Vereins einiges gewohnt. Und oft nicht das beste. Umso erfreulicher war es, dass das Publikum sich zu Benehmen wusste, Drobny entsprechend warm empfing und wie eine Eins hinter ihm stand. Er dankte es mit einer soliden bis guten Leistung. Und hey: Wir haben wieder einen Zu-Null-Torwart. Ohne Übertreibung darf ich wohl behaupten: Wir haben den besten zweiten Keeper der Liga.

Irgendwie habe ich es ihm gegönnt, dass er der letzte HSV-Spieler war, der den Ball vor dem Schlusspfiff in kontrolliertem Besitz hatte. Auch, wenn es vielen völlig nebensächlich erscheinen mag – für mich hatte das eine Aussage. Das (große) Finale bleibt nunmal den Gewinnern überlassen.

Drobny war meiner.

Operation Heimsieg.

Langsam haben wir alles durch.

„Adler-Flügel sind gestutzt“, „Der Adler kann nicht fliegen“, et cetera. Selbst ich als ausgewiesener Wortspielfan und Verfechter der These „Es gibt nie genug Wortwitze mit Namen“ mag die Bonmots mit der Nummer eins der aktuellen HSV-Torhüter nicht mehr lesen.

Bei der Nummer zwei verhält sich das ganz anders. Da habe ich bei der großartigen Frau Pleitegeiger etwas so niedliches gelesen, dass ich hier und jetzt darauf hinweisen muss – ich hoffe, sie ist mir nicht böse, weil ich dies ungefragt tue. In ihrem Blogeintrag „Doktorspiele“ vom 8.2. schreibt sie über „Dr. Obny“. Ein Wortspiel, welches mir auch Stunden nach dem Lesen immer noch ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Einfach gut.

Und nun kommt Dr. Obny zu seinem ersten Einsatz. Weil Adler flügellahm René Adler verletzt ausfällt.

Ich, da darf ich mich mal brüsten, gehöre zu der Sorte HSV-Fans, die Dr. Obny nie verflucht haben. Nach keinem seiner Klöpse. Dafür hat er mich zu seiner Zeit bei Hertha BSC viel zu sehr beeindruckt. Und dafür war und ist er mir viel zu sympathisch. Gott sei Dank gab es hier beim HSV nach seinem Holperstart, den ihm – dieses Gefühl habe ich – viele noch immer nicht verziehen haben, genug Spiele, in denen er sich auszeichnen konnte. So hat er inzwischen ein einigermaßen angemessenes Standing.

Ich freue mich jedenfalls für ihn, dass er mal wieder ran darf. Und hoffe, dass das Publikum vor Ort gnädig mit ihm ist, ihm einen warmen Empfang bereitet und ihn anfeuert, wenn er es denn nötig haben sollte. Seine Bilanz gegen Mönchengladbach ist übrigens positiv: Sieben Spiele, drei Siege, zwei Unentschieden. Wollen wir mal hoffen, dass sie auch nach der Partie noch gut ausschaut. 

Ich sag‘ mal: Alles Gute, Dr. Obny, bei der Operation Heimsieg.

Nachtrag (15. Februar, 15.20 Uhr): Eine göttliche Fügung ergab, dass auch ich vor Ort sein werde. Mein Applaus ist Dir sicher, Dr. Obny.

 

Nennt mich den Propheten.

Mein lieber Herr Murphy.

Wenn das so weitergeht, wird Ihr Gesetz bald umbenannt, und man wird stattdessen meinen Namen verwenden.

Was habe ich mich am vergangenen Freitag hier verbal beziehungsweise tastaturtippenderweise aus dem Fenster gelehnt! Habe aus dem unguten Gefühl heraus, meine Lieblingsmannschaft werde gegen die beste Truppe der vergangenen beiden Spielzeiten nicht nur verlieren, sondern dabei auch noch jede Menge Treffer kassieren, noch die Ausgänge zweier weiterer Bundesligapartien prophezeit. Und nichts davon ist wahr geworden.

So richtig schlimm finde ich das natürlich nicht.

Ich prognostizierte, dass die Keller-Mannschaft Schalke bei den Bayern gewönne. Nun, knapp daneben ist auch vorbei. Die Knappen – ein Name, der so gar nichts mit dem Resultat des Tages zu tun hatte – gingen mit 0:4 unter, und so langsam muss man sich wohl mit dem Gedanken vertraut machen, dass bei der oben verwendeten Bezeichnung „Keller-Mannschaft“ der Bindestrich gestrichen werden muss.

Was die Partie Gladbach gegen Leverkusen angeht, lag ich zumindest in Sachen Spielführung richtig: Bayer dominierte die Partie. Dass sie entgegen meiner Prognose nicht mit einem Leverkusener Sieg, sondern 3:3 ausging, hat mit Glück, Pech, Unvermögen und Klasse zu tun.

Die größte Fehleinschätzung leistete ich mir bei der Partie BVB – HSV. Drei, vier Gegentore hätte ich für normal empfunden. Es wurde nur eins, dafür trafen meine Jungs viermal. An diesen Sieg und vor allem in die Art und Weise, wie er zustande kam, werde ich mich noch oft und dann stets gern erinnern. Analysen lasse ich aus, die liest man im kicker oder sonstwo nach. Nur eine Sache möchte ich loswerden: Jürgen Klopp ist der unsympathischste Bundesligatrainer aller Zeiten. Auch der, die noch kommen werden. Offensichtlich ist ihm der Erfolg der vergangenen Jahre zu Kopf gestiegen. Anders kann ich mir seine Arroganz und Hochnäsigkeit nicht erklären. Schade.

Eigentlich ging es aber um etwas ganz anderes, nämlich meine Unfähigkeit, Spielausgänge vorherzusagen. Wenn Ihr also Tipps benötigt: Fragt mich, und tippt anschließend das Gegenteil. Im Extremfall könnte es Euch sehr, sehr reich machen.

Schein, trügender.

Vom HSV gab es im sportlichen Bereich – die Causa Öztunali mal beiseite gelassen, aber von Jugendfußball spreche ich jetzt auch gar nicht – in den letzten Tagen fast nur Positives zu lesen.

„Top-Torjäger Artjoms Rudnevs vom Hamburger SV ist nach überstandener Muskelquetschung im Oberschenkel anscheinend bereit für einen Einsatz bei Meister BVB.“ (RevierSport, vorgestern)

„BVB-Talent Demirbay will bei den HSV-Profis durchstarten“ (Hamburger Abendblatt, gestern)

„Überzeugendes Comeback von Rene Adler im DFB-Dress“ (MoPo, gestern)

Hinzu kam gestern eine weitere Meldung des Hamburger Abendblattes, laut der der BVB um sechs Spieler bangen muss: Marcel Schmelzer wegen einer phonetisch spektakulären Sprunggelenk-Kontusion, Kevin Großkreutz wegen schlechter Blutwerte. Roman Weidenfeller wegen eines grippalen Infekts, Mario Götze wegen eines viralen Infekts (hat das was mit Werbung im Internet zu tun?). Schließlich noch Marco Reus wegen einer Adduktorenzerrung und Lukasz Piszczek, dessen Grund für ein mögliches Fehlen das Blatt nicht nannte.

Alles in allem scheint es so, als sei der HSV für das Duell gegen den amtierenden Meister gerüstet bzw. der Meister eben nicht. Und dennoch bin ich der Meinung, dass mein Lieblingsklub am Samstagnachmittag so richtig schön auf den Allerwertesten kriegt. Denn:

1.) Die Schwatz-Gelben dürften das Hinspiel noch nicht vergessen haben. Als Roman Weidenfeller die schlechteste Leistung der kompletten Saison zeigte – die noch ausstehenden Partien schon eingerechnet – und erheblichen Anteil an mehreren Gegentoren hatte. Das schreit förmlich nach Wiedergutmachung.

2.) Mit einem Sieg würde Dortmund Verfolger Leverkusen abschütteln, der zeitgleich – da bin ich sicher – in Mönchengladbach verliert. Da abends auch die Bayern daheim gegen die Keller-Truppe Schalke 04 verlieren, wären es somit nur noch neun Punkte bis Rang eins. Das setzt nochmal Extrakräfte frei.

3.) Dortmund hat zuletzt in der Saison 2007/08 zweimal gegen den HSV verloren. Ratet mal, wie viele HSVer von damals im heutigen Kader zu finden sind? Richtig: einer. Rafael van der Vaart. Ihr wisst schon: der, der zurzeit in bestechender Form spielt.

Einziger, kleiner Hoffnungsschimmer: Der Doppeltorschütze der Dortmunder aus dem Hinspiel ist nicht mehr dabei. Ivan Perisic spielt inzwischen für VW Wolfsburg. Es ist also keiner mehr da, der in der Lage ist, ein Tor gegen den HSV zu erzielen. Fast.

Warum das Fußballwochenende doch gut war.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich einen bestimmten Bundesligaverein mehr mag als alle anderen.

Leider war es auch an diesem Wochenende so, dass mein Verein mal wieder weniger Tore geschossen hat als der Klub, gegen den er gespielt hat. Um genau zu sein: Er hat gar nicht getroffen, und der andere zweimal.

Nun bin ich seit jeher nicht der Fan, der sich davon einen schönen Tag vermiesen lässt. Vielleicht bin ich deshalb in den Augen anderer kein „richtiger“ Fan – doch dem Thema, was einen Fan ausmacht, widme ich mich anderntags. Wo war ich? Ach ja: Ich lasse mir von den Ergebnissen meines Klubs nicht den Tag vermiesen. Durchaus kann es aber sein, dass ich mich schon sehr über negative Spielausgänge ärgere. Dann lasse ich kurz ein bisschen Dampf ab, und alles ist wieder gut.

An diesem Wochenende brauchte es aber nicht mal das.

Freitag, in den Abendstunden, bekam mein älterer Stammhalter – er besucht die erste Klasse – nämlich eine Bundesliga-Magnettabelle in die Hände. Nach einer kurzen Erklärung meinerseits, was es mit einer Tabelle auf sich habe, verabredeten wir uns für den nächsten Morgen zum erstmaligen Stecken dieser Tabelle.

Und so pappte der kleine Mann kurz nach dem Frühstück alle achtzehn Wappen auf die von mir angewiesenen Plätze. Urteilte dabei über Stärken („Frankfurt ist aber gut“) und Schwächen („Greuther Fürth ist die schlechteste Mannschaft in Deutschland“) der Teams und sog dabei Informationen bzw. Korrekturen seiner eben getätigten Aussagen meinerseits („Die Eintracht bleibt nicht da oben, das ist nur eine Momentaufnahme“ und „Nein, es gibt noch viel schlechtere Mannschaften. St. Pauli zum Beispiel“) auf. Fußballfachsimpelei unter Männern.

Im Laufe des restlichen Wochenendes löcherte er mich immer wieder: „Wann sind die nächsten Spiele?“ „Um halb vier werden sie angepfiffen.“ „Verändert sich die Tabelle danach?“ „Klar, der HSV kann heute Fünfter werden.“

Nun – er wurde nicht. Was mir aber nur noch nebensächlich erschien. Was hätte mir denn Schöneres passieren können, als Zeuge zu werden, wie der kleine Mann seine Leidenschaft für Statistiken entdeckt und entwickelt?

Ich hatte ein schönes, ein perfektes Fußballwochenende. Und Ihr so?